Karl Marx (1818-1883) war und ist der einflußreichste und bedeutendste Theoretiker des Sozialismus. Während seine Lehre unstrittig ideologische Züge aufweist und dadurch in der Verbindung mit dem Zusammenbruch der UdSSR in den letzten Jahren besonders heftig unter Kritik geraten ist, kann man und muß man Marx nicht als einen reinen Ideologen begreifen. Vieles aus seiner Theorie ist dem breiten Publikum kaum bekannt, bleibt aber auf die gesellschaftlichen Vorgänge anwendbar. Vor allem ist das Thema der vorliegenden Arbeit die Erläuterung der Kernbegriffe seiner soziologischen Theorie. Auch wenn er sich selbst nicht als Soziologe bezeichnete, haben seine Arbeiten deutlich eine makrosoziologische Perspektive, allerdings läßt sich über seine Rolle als reiner Wissenschaftler sicherlich streiten, denn er setzte sich nicht nur persönlich in der Politik aktiv ein, sondern hielt auch in seinen Arbeiten ideologische Prophezeiungen, Aufrufe und Vorhersagen fest, die nach den heutigen Kriterien der Wissenschaft nicht in eine soziologische Theorie gehören. Dennoch kann man von einer marxistischen Soziologie sprechen. Dies belegt auch der ständige Bezug auf die Grundbegriffe der Soziologie, die Marx teilweise selbst (neu) definierte. Zwei dieser Begriffe bzw. Konzepte sollen in der vorliegenden Arbeit dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Prolog
2. Einführung: sozialer Wandel und soziale Schichtung als Grundbegriffe moderner Soziologie
3. Begriff der Klasse in der marxistischen Soziologie
3.1. Einleitung
3.2. Begriff der Klasse
3.3. Einzelne Klassen und ihre Relationen
3.4. Kurzer Anriss der ökonomischen Basis der Klassifizierung
4. Begriff des sozialen Wandels
4.1. Ausgangspunkt
4.2. Sozialer Wandel durch Klassenkampf
4.3. Revolution und marxistische Utopie der Finalität
5. Epilog
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die zentralen Kernbegriffe der marxistischen soziologischen Theorie – insbesondere den Klassenbegriff und das Konzept des sozialen Wandels – zu erläutern und ihre Bedeutung für eine makrosoziologische Perspektive auf die kapitalistische Gesellschaft aufzuzeigen.
- Klassenstruktur und Klassenbegriff in der Theorie von Karl Marx
- Die ökonomische Basis der Klassendifferenzierung
- Sozialer Wandel als dialektischer und notwendiger Prozess
- Die Rolle des Klassenkampfes als Motor gesellschaftlicher Umwälzungen
- Perspektiven auf eine klassenlose Gesellschaft und die marxistische Utopie
Auszug aus dem Buch
3.2. Begriff der Klasse
„Alle Klassen begreifen sich als größere Menschengruppen im Prozeß des Klassifizierens und des Identifizierens. Der Begriff zieht auf Gruppenbeziehungen, in denen Subjektivität und objektive Gesetzmäßigkeiten unauflöslich ineinanderwirken.“ Das marxistische Konzept definiert die Klassen einerseits über die ökonomische Basis, und andererseits über die Relationen untereinander, die einen antagonistischen Charakter tragen. Man muß zuerst festhalten, daß die Klasseneinteilung von Marx einen objektivistischen Charakter trägt; es wird nicht nach z. B. subjektivem Zugehörigkeitsgefühl unterschieden, sondern nach konkreten, zuweisbaren Kriterien. Ökonomisch gesehen ist das wichtigste Kriterium für die Bestimmung der Klassenzugehörigkeit das Eigentum bzw. Nichteigentum an Produktionsmitteln. “Social classes in Marxist theory (...) are groups of social agents (...) defined principally but not exclusively by their place in the production process, i.e. by their place in the economic sphere“. Die Produktion erhält in dem Konzept eine herausragende Stellung und somit wird die größte Rolle der Relation der sozialen Gruppen zu ihr, also zu den Produktionsmitteln zugeschrieben. „In the unit consisting of production/consumption/division of the social product, it is production which has the determinant role“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prolog: Vorstellung von Karl Marx als einflussreichem Theoretiker und Einordnung seines Werkes als makrosoziologische Perspektive.
2. Einführung: sozialer Wandel und soziale Schichtung als Grundbegriffe moderner Soziologie: Darstellung der theoretischen Herangehensweise an soziale Entwicklung und Ungleichheit als grundlegende Problemstellungen der Soziologie.
3. Begriff der Klasse in der marxistischen Soziologie: Analyse der Klassenstruktur, der ökonomischen Determinanten und der Bedeutung des Klassenkampfes bei Marx.
4. Begriff des sozialen Wandels: Untersuchung des dialektischen Geschichtsverständnisses und der Rolle revolutionärer Transformationen für die gesellschaftliche Entwicklung.
5. Epilog: Abschließende Reflexion über die Relevanz marxistischer Grundbegriffe für die Analyse zeitgenössischer Gesellschaftsstrukturen.
Schlüsselwörter
Marxismus, Soziologie, Klassenkampf, soziale Schichtung, sozialer Wandel, Bourgeoisie, Proletariat, Produktionsverhältnisse, ökonomische Basis, Surplus, Kapitalakkumulation, Entfremdung, Dialektik, Klassengesellschaft, Marxsche Theorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Aufarbeitung der Kernkonzepte des Marxismus im Kontext der soziologischen Wissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und Analyse sozialer Klassen sowie der Erklärung von sozialem Wandel durch dialektische Prozesse und Klassenkämpfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die marxistischen Grundbegriffe so zu erläutern, dass sie als Instrumentarium für eine makrosoziologische Beschreibung moderner Gesellschaftsstrukturen verständlich werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die Auseinandersetzung mit zentralen Werken der marxistischen Soziologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Klassenbegriff, den ökonomischen Grundlagen der Klassifizierung sowie den Mechanismen, die sozialen Wandel und gesellschaftliche Revolutionen vorantreiben.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Besonders prägend sind die Begriffe Klassenkampf, Produktionsmittel, Basis und Überbau sowie das Konzept des Surplus.
Wie unterscheidet Marx die „Klasse an sich“ von der „Klasse für sich“?
Die „Klasse an sich“ definiert sich rein ökonomisch durch den Besitz oder Nichtbesitz von Produktionsmitteln, während die „Klasse für sich“ das subjektive Bewusstsein der gemeinsamen Lage und die daraus resultierende Mobilisierungsfähigkeit im Klassenkampf beschreibt.
Welche Bedeutung kommt dem Begriff „Surplus“ in der marxistischen Analyse zu?
Der Surplus bezeichnet den über den Reproduktionsbedarf der Gesellschaft hinausgehenden Reichtum, dessen Aneignung die Grundlage für die Ausbeutung im kapitalistischen Produktionssystem bildet.
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- Roman Charkoi (Author), 2002, Kernpunkte marxistischer Soziologie: Begriffe der Klasse und des sozialen Wandels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8509