Der nationale Widerstand Dänemarks während des zweiten Weltkrieges, ein Mythos? Was wird von einer Arbeit mit diesem Titel erwartet? Erst einmal natürlich, dass Klarheit geschaffen wird über das, was unter ‚Widerstand’ und ‚national’ verstanden werden kann. Dann eine Auseinandersetzung mit der Lektüre zu diesem Thema und eine Abwägung der Argumente. Am Ende eine schlüssige Antwort auf die Frage, ob der dänische Widerstand während des Nationalsozialismus Tatsache oder Mythos ist. Natürlich ist es das Ziel einer jeden Arbeit, auf die eingangs gestellte Frage eine Antwort zu finden. Doch tut sich bei diesem primären Ziel ein Problem auf, denn es gibt
„Gute, schwerwiegende Argumente, aber sie tanzen wie leichte Papierschiffe auf einer stürmischen See[…]“.
In einem Satz fasst dieses Zitat prägnant und treffend das Kernproblem der Arbeit zusammen. Es gibt gute und schwerwiegende Argumente für eine Definition dessen, was unter ‚Widerstand’ und ‚National’ verstanden werden soll, genauso gut sind aber die Argumente gegen diese oder gar für eine andere Definition. Ebenso gibt es Argumente, die vermuten lassen, dass der nationale Widerstand in Dänemark während des zweiten Weltkrieges mehr als nur ein Mythos ist, und welche dagegen. Im Verlauf dieser Arbeit wird versucht die See ein wenig zu glätten und die ausstehenden Fragen zu beantworten, um am Ende Antworten zu finden auf einen Apsekt der Geschichte, der in der Literatur so bis dato nur wenig Beachtung fand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitorischer Diskurs
2.1 National und Mythos
2.2 Kollaboration und Widerstand
3. Voraussetzungen für den Widerstand
4. Widerstand und Kollaboration in Dänemark
4.1 Situation in Dänemark zu Beginn des Krieges
4.2 Situation in Dänemark während des Krieges
4.3 Situation in Dänemark zum Ende des Krieges
5. Nationaler Mythos oder Wahrheit – eine Auswertung
6. Abschlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die historische Legitimität des dänischen Widerstandes gegen die nationalsozialistische Besatzung während des Zweiten Weltkrieges und geht der Forschungsfrage nach, ob dieser als tatsächlich national oder als nachträglich konstruierter Mythos zu bewerten ist. Dabei wird das komplexe Spannungsfeld zwischen Anpassung, Kollaboration und aktivem Widerstand analysiert, um eine fundierte Einordnung der dänischen Historie in dieser Zeit zu ermöglichen.
- Analyse der Begriffe "Widerstand", "Kollaboration", "National" und "Mythos"
- Untersuchung der politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für Widerstand in Dänemark
- Betrachtung der zeitlichen Phasen der Besatzung (Beginn, Verlauf, Ende)
- Evaluation des dänischen Widerstandes unter Berücksichtigung von Sabotage, Fluchthilfe und politischem Agieren
- Kritische Reflexion über die nachträgliche Konstruktion eines kollektiven nationalen Gedächtnisses
Auszug aus dem Buch
4.2 Situation in Dänemark während des Krieges
Erst ab 1943 trat die besatzungsfeindliche Haltung der ersten Tage in der dänischen Bevölkerung wieder stärker hervor, begleitet von einer starken Kollaborationsfeindlichkeit. Grund dafür könnte sein, dass in Dänemark langsam erste Informationen darüber aufkamen, dass die Möglichkeit einer deutschen Niederlage bestand. Mit folgenden Worten fasste eine der illegalen Zeitungen Dänemarks die Situation im Februar 1943 zusammen: „Dänemark kann einer Bombardierung nur entgehen, wenn wir den Alliierten zeigen, dass auch wir Deutschlands Feinde sind.“ Um Dänemarks Ansehen nach dem Krieg vom Makel des Nationalsozialismus sauber zu halten bedurfte es einer Kampfansage an Hitlerdeutschland und diese Ansage musste bis weit über die dänischen Grenzen erkennbar sein.
Ab dem Sommer 1942 war eine klare Häufung von Sabotageakten und wachsender Widerstand zu verzeichnen. Hitler verlangte eine neue Ausrichtung in der deutsch-dänischen Besatzungspolitik. SS-Gruppenführer Werner Best wurde daraufhin Reichsbevollmächtigter in Dänemark. Am 25. Januar 1943 berichtete Best nach Berlin, dass 90 Prozent der Dänen Deutschlands Feinden den Sieg wünschten. Es vergingen dreieinhalb Jahre, bis das deutsche „Musterprotektorat“ Dänemark die ungehemmte deutsche Gewalttätigkeit zu spüren bekam.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das zentrale Problem der Arbeit ein, die Ambivalenz der Begriffe Widerstand und National im Kontext der dänischen Besatzungszeit zu definieren und den Status als Mythos oder Tatsache zu hinterfragen.
2. Begriffsdefinitorischer Diskurs: Es erfolgt eine theoretische Klärung der Kernbegriffe "National", "Mythos", "Kollaboration" und "Widerstand", um eine einheitliche methodische Basis für die nachfolgende Analyse zu schaffen.
3. Voraussetzungen für den Widerstand: Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Ausgangslage Dänemarks, das trotz fehlender militärischer Unterstützung durch Bündnispartner versuchte, eine Balance zwischen den Mächten zu halten.
4. Widerstand und Kollaboration in Dänemark: Der Hauptteil analysiert chronologisch die Entwicklung der dänischen Situation, von der anfänglichen Politik der Neutralität über die Zunahme des aktiven Widerstands ab 1943 bis hin zur spezifischen Lage am Kriegsende.
5. Nationaler Mythos oder Wahrheit – eine Auswertung: Hier findet die Zusammenführung der Erkenntnisse statt, wobei die heroisierende Neuinterpretation des Widerstands kritisch gegen historische Fakten abgewogen wird.
6. Abschlussbetrachtungen: Das abschließende Kapitel reflektiert die Fehleranalyse und die methodischen Schwierigkeiten der Arbeit, während es gleichzeitig die Kernthese zusammenfasst, dass der Widerstand aufgrund seiner Integrität und Einzigartigkeit als national zu bezeichnen ist.
Schlüsselwörter
Dänemark, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Widerstand, Kollaboration, Besatzung, Mythos, nationales Gedächtnis, Sabotage, Werner Best, Freiheitsrat, Kollektives Opfer, Judenrettung, Widerstandskämpfer, Neutralität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den dänischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und hinterfragt, ob es sich dabei um eine historische Tatsache oder eine nachträglich erschaffene nationale Identitätsbildung, also einen Mythos, handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Definition und Abgrenzung von Widerstand und Kollaboration, die historische Entwicklung der deutsch-dänischen Beziehungen sowie die psychologischen und politischen Aspekte der dänischen Bevölkerung unter Besatzungsdruck.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu einer schlüssigen Antwort auf die Frage zu gelangen, ob der nationale dänische Widerstand während des Nationalsozialismus als reale Tatsache oder als Mythos zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursive Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, die Analyse historischer Fakten sowie die kritische Reflexion des kollektiven Gedächtnisses und der dabei verwendeten Begrifflichkeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Untersuchung der Besatzungssituation in Dänemark: von den schwierigen Voraussetzungen bei Kriegsbeginn über die Eskalation ab 1943 bis hin zur problematischen Phase unmittelbar nach Kriegsende.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Dänemark, Nationalsozialismus, Widerstand, Kollaboration, Besatzung, Mythos, nationales Gedächtnis und den Freiheitsrat.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Widerstand und Kollaboration in diesem Fall so komplex?
Die Grenze zwischen beidem ist fließend, da viele Handlungen – wie etwa symbolischer Widerstand oder alltägliche Interaktionen mit der Besatzungsmacht – je nach Perspektive und Intention sowohl als Widerstand als auch als Kollaboration interpretiert werden können.
Welche Rolle spielt die Judenrettung in der Argumentation der Autorin?
Die Judenrettung dient als zentrales Beispiel für einen nahezu konsensualen, aktiven Widerstand innerhalb der dänischen Gesellschaft, der die These stützt, dass der Widerstand mehr als nur ein Mythos war.
Wie wird das Wirken von Werner Best in der Arbeit bewertet?
Werner Best wird als Reichsbevollmächtigter in Dänemark thematisiert, dessen Handeln und Berichte (etwa über die Einstellung der dänischen Bevölkerung) den Druck auf das besetzte Land erhöhten und zur Eskalation des Widerstands beitrugen.
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- Susann Wedekind (Author), 2007, Der Mythos des nationalen dänischen Widerstandes während des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85142