Systemtheorie von Niklas Luhmann


Referat (Ausarbeitung), 2006

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Systemtheorie von Niklas Luhmann
1.1 System
1.2 Umwelt

2. Entscheidungen als Elemente der Organisation

3. Der Mensch als Systemumwelt

4. Die Funktion einer Organisation

5. Das Komplexitätsproblem und seine Lösung
5.1 Selektion
5.2. Strukturbildung

6. Systemrationalität

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Anfänge des systemtheoretischen Ansatzes reichten mit den Arbeiten von Talcott Parsons[1] einerseits in die Soziologie und soziologische Organisationstheorie zurück, anderseits haben sie ihre Wurzeln in den Arbeiten des Biologen Ludwig von Bertalanffy[2] (allgemeine Systemtheorie), Humberto Maturana (Autopoiesis und Selbstreferenz) und in der Kybernetik (insbesondere der Idee des kybernetischen Regelkreises und seiner Anwendung für die Unternehmungssteuerung).

Nach der Auffassung früherer Organisationstheoretiker werden soziale Systeme als gegeben in ihrer Umwelt gesehen. Systeme setzen sich aus Teilen oder Elementen zusammen, die miteinander in wechselseitiger Beziehung stehen und als Ganzes gegenüber ihrer Umwelt abgrenzbar sind. Die frühere Systemtheorie geht davon aus, dass zunächst die Umwelt existiert und ein System sich daran an passt. Eine solche Auffassung entspricht der Außenbeobachterperspektive.

Die neueren systemtheoretischen Ansätze betrachten Organisation als ein komplexes soziales Handlungssystem. Dabei ersetzt die System/Umwelt - Differenz die veraltete Auffassung früherer Systemtheoretiker und konzentriert sich auf die dynamische Systemgrenze statt auf das statische Systeminnere. Die System/Umwelt-Beziehungen werden dabei als zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille gesehen. Der durchgeführte Perspektivenwechsel erlaubt neue Aussagen über die Systemrationalität zu treffen. Alles, was im System und in dessen Umwelt passiert, „kann nun aus Innenbeobachterperspektive allein durch Rückgriff auf ihre selbsterzeugten Elemente und entlang der System/Umwelt-Grenze erklärt werden“.[3]

1. Die Systemtheorie von Niklas Luhmann

Der Soziologe Niklas Luhmann hat mit seinen Werken ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Systemtheorie geleistet. Die Systemtheorie von Niklas Luhmann erhebt einen „Universalanspruch“, d.h. “den gesamten Bereich der Wirklichkeit abzudecken“.[4] In seiner Theorie werden die gesamte Gesellschaft und alle gesellschaftlichen Tatbestände einbezogen. Einbezogen ist auch „die gesamte Welt“, weil soziale Systeme in Abgrenzung zu ihrer Umwelt operieren und sich von ihrer Umwelt unterscheiden. Luhmanns Systemtheorie ist „selbstreferentiell“, d.h. auf sich selbst bezogen, da sie in der Selbstbeschreibung und Selbstbeobachtung auf sich selbst angewandt wird.[5]

Im Unterschied zu früheren systemtheoretischen Ansätzen ist der primäre Gegenstand der luhmannschen Systemtheorie nicht „ein Gegenstand das System, sondern die Differenz von System und Umwelt.“[6]

Nach seinen Vorstellungen lassen sich alle Systeme in drei Systemarten unterscheiden: biologische Systeme, psychische Systeme und soziale Systeme. Dabei konzentriert er sich vor allem auf soziale Systeme mit deren Umwelt.

Organisation wird als ein soziales System begriffen, weil Organisation wie alle anderen sozialen Systeme

- in Differenz zur Umwelt
- und in Autopoiesis
- durch Kommunikationen operiert.

In seinen Überlegungen setzt Luhmann sich mit diversen Aspekten klassischer Organisationslehre kritisch auseinander und hinterfragt unter anderem einige Axiome der klassischen Organisationslehre, wie z.B. Organisationsprinzipien, das Mitgliedschaftsproblem und das Prinzip der wirtschaftlichen Rationalität. Er kommt zu dem Ergebnis, dass sich der in der klassischen Organisationstheorie verwendete Systembegriff stark auf interne Beziehungen des Systems konzentriert, dadurch aber dessen Umwelt vernachlässigt bleibt. Die eigentliche Leistung eines Systems, nämlich die Notwendigkeit von permanenter Anpassung seiner Elemente an eine dynamische Umwelt und Reduktion der Umweltkomplexität, kommt in den klassischen Ansätzen, so Luhmann, kaum zur Sprache.[7]

1.1 System

Die Systemleistung besteht darin, eine vorhandene (Umwelt)-Komplexität zu reduzieren. Zwischen System und seiner Umwelt besteht damit immer ein Komplexitätsgefälle. Ein System ist mit Luhmanns Worten „organisierte Komplexität, die durch die Selektion einer Ordnung operiert“.[8]

Ausgangspunkt der Überlegungen bildet also eine komplexe und dynamische Umwelt, in der Systeme zur Reduktionsleistung gezwungen sind, um auf Dauer überleben zu können. Systeme sind also Handlungseinheiten, die Herausforderungen der komplexen und veränderlichen Umwelt permanent bewältigen müssen. Systeme sind dynamisch und bestehen nicht aus Dingen, sondern aus „Operatione n“. Operationen als Aktivitäten sind die „Letztelemente der Systeme“.[9]

Nach Auffassung von Luhmann lässt sich jede Sozialordnung als System von Kommunikationen auffassen und analysieren (eine Familie, eine Studierendengruppe, eine Gewerkschaft, ein Unternehmen). Soziale Systeme bestehen daher für Luhmann nicht aus konkreten Personen, sondern aus Kommunikation. Operationsweise eines sozialen System ist die Kommunikation. Personen sind für Luhmann Systeme eigener Art, die außerhalb der jeweiligen Sozialsysteme stehen. Alle Personen, auch die Mitglieder einer Organisation, gehören daher zur Organisationsumwelt.

Der altgriechische Begriff „Systema“ bedeutet das Zusammengestellte. Die Bestandteile des zusammengestellten Systems sind dann seine Elemente, wobei ein System aus einzelnen Teilsystemen besteht. Doch das Ganze ist bei Luhmann viel mehr als bloß die Summe seiner Teile.[10]

Systemdifferenzierung ist nichts anderes als die Wiederholung der Differenz von System und Umwelt innerhalb von Systemen. Das Gesamtsystem benutzt dabei sich selbst als Umwelt für eigene Teilsystembildungen und erreicht auf der Ebene der Teilsysteme dadurch höhere Unwahrscheinlichkeiten durch verstärkte Filterwirkungen gegenüber einer letztlich unkontrollierbaren Umwelt. Danach besteht ein differenziertes System nicht mehr einfach aus einer gewissen Zahl von Teilen und Beziehungen zwischen Teilen; es besteht vielmehr aus einer mehr oder weniger großen Zahl von operativ verwendbaren System/Umwelt-Differenzen, die jeweils an verschiedenen Schnittlinien das Gesamtsystem als Einheit von Teilsystemen und Umwelt rekonstruieren.[11]

Systeme bauen ihre Strukturen aus eigener Kraft unter Mitwirkung der Umwelt auf, indem sie sich von ihrer Umwelt abgrenzen. Das System operiert also selbstreferenziell. Systeme reproduzieren sich fortlaufend und zwar aus ihren eigenen Elementen. Die Selbstproduktion eines Systems bezeichnet Luhmann als Autopoieses.[12] Diesen Begriff hat Luhmann vom Biologen Humberto R. Maturana übernommen.[13] „Auto“ (griech.) heißt „selbst und „poiein“ bedeutet „schaffen“, „organisieren“, „produzieren“.[14]

[...]


[1] Vgl. Parsons 1960.

[2] Vgl. Bertalanffy 1979.

[3] Krink 2002, S. 3.

[4] Luhmann 1987, S. 163.

[5] Vgl. Luhmann 1984, S. 30

[6] Ebd. S. 115 ff.

[7] Vgl. Luhmann 1964, S. 23.

[8] Zit. nach Berghaus 2003, S. 36.

[9] Luhmann 1984, S. 46 ff. und 79.

[10] Vgl. Luhmann 1984.

[11] Luhmann 1985, S. 22

[12] Vgl. Luhmann 1984, S. 28.

[13] Vgl. Maturana 1982.

[14] Berghaus 2003, S. 47.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Systemtheorie von Niklas Luhmann
Hochschule
Universität Hamburg  (Deüartment Wirtschaft und Politik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V85147
ISBN (eBook)
9783638908337
ISBN (Buch)
9783640244126
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systemtheorie, Niklas, Luhmann
Arbeit zitieren
M.E.S. Diana Veras (Autor), 2006, Systemtheorie von Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85147

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