Anfangsunterricht


Seminararbeit, 2000

24 Seiten, Note: mit gutem Erfolg


Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung

1 Anfangsunterricht aus allgemeinpädagogischer Sicht
1.1 Der Begriff „Anfangsunterricht“
1.2 Die Ziele des Anfangsunterrichts
1.3 Aufgabenbereiche des Anfangsunterricht
1.4 Ansätze zur Verwirklichung eines pädagogisch orientierten Anfangsunterrichts
1.5 Die Ansätze zur Verwirklichung des Anfangsunterricht aus heutiger Sicht

2 Der mathematische Anfangsunterricht
2.1 Mathematische Vorkenntnisse
2.2 Mathe 2000

3 Deutsch
3.1 Lesen lernen, Schreiben lernen
3.2 Kommunikationstraining

4 Religion

5 Resümee

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Mit dem Eintritt in die Grundschule beginnt für die Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Neue Erwartungen, Hoffnungen, Pflichten aber auch Sorgen und Ängste begleiten diesen Anfang.

Die Fragen, die uns in unserer Hausarbeit über das Thema Anfangsunterricht beschäftigen, lauten: Wie können wir ein Kind bei diesem Anfang begleiten? Wie kann ein gelungener Anfangsunterricht aussehen? Was können wir von den Kindern erwarten? Wie kann man sie am geschicktesten fördern? Auch ist es wichtig zu wissen, auf welche Grundlagen man aufbauen kann. Bringen die Kinder schon Kenntnisse mit? Welches Vorwissen haben sie? Auch die Rolle der Motivation wollen wir beleuchten. Wie können wir die Motivation, die jeder neue Anfang in sich birgt, in den Schulalltag einbinden?

Wir wollen versuchen diesen Fragen in vier Abschnitten nachzugehen. Zunächst wollen wir in unserem allgemeinpädagogischen Kapitel die allgemeine Situation des Kindes untersuchen. In den folgenden drei Abschnitten wollen wir den Anfangsunterricht in den Fächern Mathematik, Deutsch und Religion näher betrachten. Die Wahl fiel auf diese Fächer, da sie unsere Studienfächer sind. Wir haben ein besonderes Interesse daran, zu sehen welche Ansätze es im fachspezifischen Anfangsunterricht gibt.

In Mathe besteht die weit verbreitete Auffassung, dass „gerade der mathematische Anfangsunterricht besonders leicht zu verstehen sei: Es gehe um das kleine Einpluseins und um das kleine Einmaleins, ein wenig Geometrie und Sachaufgaben von der einfachsten Art.“1 Doch ist dies wirklich so oder gibt es doch noch andere Ansätze für den mathematischen Anfangsunterricht? Und wie ist es hier um das Vorwissen der Kinder bestellt?

In Deutsch fallen uns da Schlagwörter wie Lesen durch Schreiben ein, schwieriger wird es in unseren Vorüberlegungen zu dem Kapitel Religion.

Die größte Unbekannte in unseren Vorüberlegungen ist jedoch der religiöse Anfangsunterricht. Unsere Betrachtung konzentriert sich auf den evangelischen Bereich. Wie geht man in der Religion mit Schülern in der Anfangssituation um? Dieser Bereich scheint uns persönlich am interessantesten, weil gerade er für uns zum Thema Anfangsunterricht am unbekanntesten ist.

1 Anfangsunterricht aus allgemeinpädagogischer Sicht

Der Anfangsunterricht kann sich im Allgemeinen auf zwei Grundlagen stützen: zum einen basiert er auf den in der Familie, in der Umwelt und im Kindergarten gewonnen Voraussetzungen, zum anderen auf „Elemente der Pädagogischen Reform wie Pädagogik vom Kinde aus, Gesamtunterricht und Erlebnispädagogik“2. Durch diese beiden Grundlagen werden Konzepte und Gestaltung des Anfangsunterrichts bestimmt. Im Folgenden wollen wir nun den Begriff Anfangsunterricht näher bestimmten, seine Ziele und Aufgaben erläutern und die Verwirklichung betrachten.

1.1 Der Begriff „Anfangsunterricht“

Der Begriff Anfangsunterricht wird erstmals in den Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für die Grundschule 1921 gebraucht. Meistens erhält der Begriff in der pädagogischen Literatur keine exakte Definition, sondern steht als Synonym für „Schulanfang, Erstunterricht und Anfangssituation“3. Der Deutsche Bildungsrat belässt es hier beim Begriff Schulanfang und weist lediglich auf einen entscheidenden Einschnitt im Leben des Kindes hin. Der Pädagoge Hermann Wacker benutzt ebenfalls den Begriff Schulanfang, meint aber damit das gesamte 1. Schuljahr. Erwin Schwartz zählt dagegen auch noch das zweite dazu. Dieser Zeitraum gilt „als Phase der Eingewöhnung und des Lernbeginns“4. Dieter Haarmann sieht „Anfangsunterricht als Sammelbegriff für Beiträge, die sich mit der Eingangsstufe des Primarbereichs und typischen Phänomenen des ersten Schuljahrs befassen“5.

Nach Erik de Corte gibt es nicht den Anfangsunterricht, sondern einige regionale Ausprägungen von Anfangssituationen. Es würde also nach de Corte keine generelle inhaltliche Festlegung, sondern nur eine funktionale Festlegung des Begriffs Anfangsunterricht geben (vgl. Meiers, K. 1981, S.185). Rainer Rabenstein sieht keinen Unterschied in den Begriffen Erstunterricht und Anfangsunterricht, jedoch kritisiert er die verschiedenen Ausprägungen des Anfangsunterricht im gesamtunterrichtlichen und im fachunterrichtlichen. In seiner Konzeption ist der „Erstunterricht als elementarer Fachunterricht“6 anzusehen.

Am bisher ausführlichsten hat sich Ilse Lichtenstein-Rother mit dem Begriff Anfangsunterricht auseinander gesetzt. Bereits 1953 setzte sie für den Anfangsunterricht drei Grundlagen fest: die Gestaltung des Anfangsunterrichts müsse fächerübergreifend, schülerorientiert und grundlegend für das später folgende Lernen sein.

1.2 Die Ziele des Anfangsunterrichts

Da der Anfangsunterricht auch Unterricht ist, muss man bei der Definition der Ziele vorsichtig sein um diese nicht mit den allgemeinen Zielen des Unterrichts zu vermischen. Diese allgemeinen Ziele sind natürlich auch für den Anfangsunterricht gültig, allerdings wollen wir hier nur die spezifischen Ziele herausarbeiten.

Insgesamt hat der Anfangsunterricht „vor allem die Funktion des Anbahnens, Vorbereitens und Herausforderns“7. Hier kristallisiert sich die Hauptaufgabe des Anfangsunterrichts heraus: wie erhalte bzw. vermittle ich die Fähigkeit, sich selber Wissen zu vermitteln?

Die typischen Ziele des Anfangsunterricht sieht Meiers in den folgenden:

Kontinuität Obwohl der Schulanfang von den Pädagogen als Einschnitt betrachtet wird, sollen vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten der Kinder kontinuierlich übernommen und fortgesetzt werden. Der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule soll fließend sein. Dies scheint leider oft nicht der Fall zu sein. Wissen der Kinder wird unterdrückt, oft mit der Intention alle Kinder auf den gleichen Stand zu bekommen, anstatt Einzelne zusätzlich zu fördern. Der Deutsche Bildungsrat schlägt als Lösungen vor, die Vorschule mit dem ersten Schuljahr zu verbinden, den curricularen Anschluss zu sichern und durch identischen Personaleinsatz eine bessere Kooperation herzustellen. Inzwischen sind in der Praxis schon einige Beispiele der individuellen differenzierten Förderung des Kindes zu erkennen.

Grundlegung Auch wenn der Anfangsunterricht die Arbeit in den Kindergärten kontinuierlich fortsetzen soll, leitet er doch eine neue Phase ein. Hier wird die Grundlage für das spätere Leben gelegt. Ferdinand Denzel gibt dem Anfangsunterricht die Aufgabe „den Grund auszuheben für das Gebäude der Bildung, das in den nachfolgenden Jahren auf ihrer Leistung errichtet wird.“8 Hier ergibt sich ein deutlicher Unterschied zum späteren Unterricht. Der Anfangsunterricht ist eher als Einführung anzusehen. Nach Erwin Schwartz soll das Kind hier zudem die Fähigkeit zu lernen gelehrt werden. Es sollen Interesse, Neugier und eine richtige Einstellung geweckt werden. Diese Einstellung soll durch eine grundlegende soziale Erziehung erwirkt werden. Daneben ist auch die Grundlegung der Schulfähigkeit ein Ziel des Anfangsunterricht. Diese soll „durch eine planvolle Organisation ihrer Beschäftigungen“9 weiter entwickelt werden. Meiers fasst das Ziel der Grundlegung „in der Anbahnung von Fähigkeiten in kultureller, individueller, sozialer und schulspezfischer Hinsicht“10 zusammen.

Erfolgreicher Beginn Ein erfolgreicher Beginn ist wichtig, um Neugier und Lernfreude zu wecken und das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken. Nur so kann eine positive Einstellung zum Lernen bzw. zur Schule gewonnen werden. Wenn dies nicht geschieht kann das negative Auswirkungen auf die gesamte Schulzeit haben. Schule wird dann als eine negative Einrichtung empfunden, man verschließt sich ihr gegenüber. Das kann nach Meiers zu Aggressionen, Teilnahmslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Desinteresse führen. „Die Schule macht krank.“11 Der Anfangsunterricht hat hier also die Aufgabe „durch ein Erfolgserleben ohne Erfolgszwang zu einer positiven Einstellung zu Schule und Lernen beizutragen“12. Dies kann erfolgen durch einen differenzierten Anfangsunterricht, der eine individuelle Förderung der Kinder vorsieht. Desweiteren empfiehlt Meiers den Verzicht auf Noten, eine höhere Selbsttätigkeit der Kinder. Eine höhere Qualifikation des Lehrers könnte eine weitere Folge sein. Zusammenfassend soll jedoch erreicht werden, dass die Schule ein Ort zum Wohl fühlen wird.

Identifikation mit Schule Der Wunsch der Schule ist es, dass sich die Kinder mit ihr so identifizieren wie mit ihrer Familie. Dies ist oft problematisch, da die Schule meist nur als Ort der Wissensvermittlung angesehen wird. Der Anfangsunterricht soll den Kindern aufzeigen, dass die Schule auch andere Seiten hat. So soll Aggressionen gegen die Schule vorgebeugt werden.

[...]


1 Krummheuer, G.: Der mathematische Anfangsunterricht, Anregungen für ein neues Verstehen früher mathematischer Lehr-Lern-Prozesse, Deutscher Studien Verlag,

Weinheim 1994, S.3.

2 Wenzel, A.: Anfangsunterricht, in: Taschenbuch Grundschule hrsg. v. Becher und Bennack, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 1995, 2.Aufl., S.181.

3 Meiers, K.: Schulanfang Anfangsunterricht, Studientexte zur Grundschuldidaktik, Julius Klinkhardt Verlag, Bad Heilbrunn 1981, S.184.

4 Meiers, K. 1981, S.184.

5 Meiers, K. 1981, S.184.

6 Meiers, K. 1981, S.185.

7 Herbert, M.: Pädagogische Aufgaben des Anfangsunterricht. Ein Überblick, in: Meiers, K. 1981, S.151.

8 Denzel, F.: In: Meiers, K. 1981, S.189.

9 Fischer, A.: In Meiers, K. 1981, S.189.

10 Meiers, K. 1981, S.189.

11 Meiers, K. 1981, S.190.

12 Meiers, K. 1981, S.190.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Anfangsunterricht
Hochschule
Universität zu Köln  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar: Grundschule und Grundschulunterricht
Note
mit gutem Erfolg
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V8515
ISBN (eBook)
9783638154680
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundschule und Grundschulunterricht
Arbeit zitieren
Jörn Diercks (Autor), 2000, Anfangsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8515

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