Mit dem BARefG, welches 2007 in Kraft treten soll, beabsichtigt der Gesetzgeber berufsrechtliche Regelungen der modernisierten 8. EU-Richtlinie, der sog. Abschlussprüferrichtlinie, die noch nicht in nationales Recht umgewandelt worden sind, umzusetzen. Den Kernbereich des Gesetzesentwurfes bilden die Neuregelung der Berufaufsicht über Wirtschaftsprüfer (WP) und vereidigte Buchprüfer (vBP), sowie Änderungen am System der Qualitätskontrolle in der Wirtschaftsprüfung. Darüber hinaus werden Änderungen an der Organisation des Prüferberufes vorgenommen. Im Folgenden wird der Fokus auf die Darstellung und Analyse der Neuerungen bezüglich Berufsaufsicht gelegt. Vor diesem Hintergrund sollen ferner Änderungen am System der Qualitätskontrolle und die Zusammenarbeit der Wirtschaftsprüferkammer mit Stellen anderer Staaten betrachtet werden. Zu diesem Zweck erfolgt zunächst eine Darstellung des Status quo ante in Deutschland, wobei eine Groborientierung über die Systeme der Berufsaufsicht und Qualitätskontrolle gegeben und die Bedeutung und Notwendigkeit solcher Systeme aufgezeigt wird. Die vorangegangenen Ausführungen sollen die für den Hauptteil dieser Arbeit benötigten Grundlagen aufzeigen, um darauf Bezug nehmend die Neuerungen des BARefG zu verdeutlichen, in ihrer Wirkung zu analysieren und im Hinblick auf bestehende nationale und internationale Regelungen zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bisherige Organisation der Berufsaufsicht und Qualitätskontrolle in Deutschland
2.1. Berufsaufsicht
2.2. Qualitätskontrolle
3. Das BARefG – Darstellung und kritische Analyse
3.1. Notwendigkeit einer Reform
3.2. Aufbau und Regelungsbereiche
3.3. Reform der Berufsaufsicht
3.3.1. Organisation der Berufsaufsicht
3.3.1.1. Ermittlungen bei Berufspflichtverletzungen
3.3.1.2. Sanktionen von Berufspflichtverletzungen
3.3.1.3. Abschlussprüferaufsicht
3.3.2. Zusammenarbeit mit anderen Staaten
3.3.2.1. EU/EWR und Drittstaaten
3.3.2.1. Verschwiegenheitspflicht
3.3.3. Reform der Qualitätskontrolle
3.3.3.1. Qualitätskontrollprüfungen
3.3.3.2. Pflicht zur Auflagenerfüllung
3.3.3.3. Transparenzbericht
3.3.4. Sonstige Neuerungen im Rahmen der Berufsaufsicht
3.3.4.1. Zustellungsfähige Anschrift
3.3.4.2. Berufshaftpflichtversicherung
4. Abschließende Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit analysiert kritisch das Berufsaufsichtsreformgesetz (BARefG) und untersucht, inwiefern die gesetzlichen Neuerungen zur Stärkung der Berufsaufsicht über Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer beitragen. Das primäre Ziel ist die Bewertung der Effektivität dieser Maßnahmen im Kontext nationaler sowie internationaler Anforderungen an die Abschlussprüfung.
- Analyse der neugestalteten Berufsaufsicht und Ermittlungsbefugnisse der WPK.
- Untersuchung der anlassunabhängigen Sonderuntersuchungen und ihrer Konformität mit internationalen Standards.
- Bewertung der Sanktionsmechanismen bei Berufspflichtverletzungen.
- Reflektion über die internationale Zusammenarbeit und die Rolle der Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK).
- Evaluierung der Änderungen im Bereich der Qualitätskontrolle und Transparenzberichterstattung.
Auszug aus dem Buch
3.3.1.1. Ermittlungen bei Berufspflichtverletzungen
Die Stärkung der Berufsaufsicht über WP/vBP geht einher mit einer Ausweitung der Ermittlungszuständigkeit, sowie einer Verschärfung der Ermittlungsbefugnisse der WPK. In § 61a WPO-E ist die Zuständigkeit der WPK in Bezug auf die Berufsaufsicht geregelt. Während die bisherige Regelung in § 61a Satz 2 WPO eine Ermittlung der WPK bei jedem Verdacht einer Berufspflichtverletzung vorsah, sieht die Neufassung des Satz 2 hier gleich zwei Änderungen vor. Zum einen setzt das Tätigwerden der WPK bei anlassabhängigen Untersuchungen nun erst bei konkreten Anhaltspunkten ein und zum anderen werden sog. stichprobenartige anlassunabhängige Sonderuntersuchungen eingeführt, die den inspections des PCAOB weitestgehend entsprechen. Die letztgenannte Änderung stellt m.E. die wohl bedeutendste Neuerung durch das BARefG im Rahmen der Berufsaufsicht dar.
Betroffen von diesen anlassunabhängigen Sonderuntersuchungen sind Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftprüfungsgesellschaften, welche gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen bei Unternehmen des öffentlichen Interesses nach § 319a Abs. 1 Satz 1 HGB durchgeführt haben. Diese Sonderuntersuchungen werden von der WPK durchgeführt und betreffen gem. dem neu eingefügten § 62b Abs. 1 WPO-E alle Berufspflichten, welche bei gesetzlich vorgeschriebenen Abschlussprüfungen einzuhalten sind. Darüber hinaus enthält § 62b Abs. 3 die Berücksichtigung der hieraus gewonnenen Erkenntnisse bei anderen Untersuchungen. So können die Ergebnisse im Einvernehmen mit der APAK bei künftigen Qualitätskontrollen sowohl negativ, als auch positiv berücksichtigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Intention des Gesetzgebers, auf Finanzskandale zu reagieren und EU-Richtlinien durch das BARefG in nationales Recht umzusetzen.
2. Bisherige Organisation der Berufsaufsicht und Qualitätskontrolle in Deutschland: Erläuterung des Status quo des mehrschichtigen Aufsichtssystems und der Funktionen von WPK und APAK.
3. Das BARefG – Darstellung und kritische Analyse: Umfassende Untersuchung der inhaltlichen Reformen, insbesondere der Berufsaufsicht, der Sonderuntersuchungen und der internationalen Kooperation.
4. Abschließende Würdigung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Reform als notwendiges Instrument zur Stärkung des Vertrauens in den Kapitalmarkt bei gleichzeitigem Hinweis auf mögliche Herausforderungen in der Umsetzung.
Schlüsselwörter
Berufsaufsichtsreformgesetz, BARefG, Wirtschaftsprüfer, Berufsaufsicht, Qualitätskontrolle, APAK, Sonderuntersuchungen, Abschlussprüfung, Anlegerschutz, Transparenzbericht, Wirtschaftsprüferkammer, Sanktionen, EU-Abschlussprüferrichtlinie, WPO-Novelle, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit analysiert das Berufsaufsichtsreformgesetz (BARefG) hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Organisation der Berufsaufsicht und die Qualitätskontrolle für Wirtschaftsprüfer in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Neuregelungen der Ermittlungsbefugnisse, das System der anlassunabhängigen Sonderuntersuchungen, die Rolle der APAK sowie die Anpassung an internationale Standards.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Analyse und Bewertung, ob das BARefG die Effektivität der Berufsaufsicht steigert und das Vertrauen in die Abschlussprüfung sowie den Finanzstandort Deutschland stärkt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium der Gesetzesentwürfe, amtlichen Begründungen sowie Stellungnahmen von Fachverbänden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Reform der Berufsaufsicht, inklusive Ermittlungszuständigkeiten, Sanktionen, internationaler Zusammenarbeit sowie der Reform der Qualitätskontrolle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Berufsaufsichtsreformgesetz (BARefG), Wirtschaftsprüfer, Sonderuntersuchungen, Qualitätskontrolle und Transparenzbericht.
Wie bewertet die Autorin die anlassunabhängigen Sonderuntersuchungen?
Die Autorin erachtet diese als die bedeutendste Neuerung, da sie ein System schaffen, das gegenüber den US-amerikanischen Inspections des PCAOB als gleichwertig anerkannt werden kann.
Welche Bedenken bestehen bezüglich der Lockerung der Verschwiegenheitspflicht?
Es besteht die Sorge, dass eine Verpflichtung zur Aussage in Ermittlungsverfahren das Mandatsverhältnis zwischen Prüfer und Mandant schädigen und das Steuergeheimnis gefährden könnte.
- Quote paper
- Sandra Eichfeld (Author), 2006, Der Entwurf eines Berufsaufsichtsreformgesetzes (7. WPO-Novelle) – eine kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85159