Die wissenschaftliche Bedeutung des tropischen Regenwaldes


Hausarbeit, 2005

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Tropen – Lage, Fläche und Bevölkerung

3. Die Biodiversität der tropischen Regenwälder

4. Die Bedeutung des Regenwaldes für Wissenschaft und Medizin

5. Chance für die Zukunft?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der tropische Regenwald ist in den letzten 30 Jahren immer mehr ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt. Unglücklicherweise jedoch nicht gerade sehr positiv. Immer wieder werden uns die fortschreitende Entwaldung und unwiederbringliche Vernichtung riesiger Flächen dieses einzigartigen und komplexen Ökosystems vor Augen geführt. Im Angesicht der wachsenden Bevölkerung und den sich entwickelnden Länder in den tropischen Regionen sieht man die Bereiche zwischen den beiden Wendekreisen in einem zunehmenden ökologischen und sozi-ökonomischem Wandel, welcher sich enorm zu Lasten eines seit über 65 Millionen Jahren existierenden Ökosystems vollzieht. Dabei sind die komplexen Zusammenhänge der dort bestehenden Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren nur unzulänglich untersucht und erklärt.

Bis jetzt weiß man nicht genau, welche Genese die tropischen Regenwälder vollzogen haben. Aktuell sind ca. 2 Millionen Tier- und Pflanzenarten bekannt – die Wissenschaft geht von einem Schätzwert von 5 – 30 Millionen Arten aus.[1] Diese große Spannweite bescheinigt nicht nur ein großes Defizit in der Forschung, sondern auch den geringen Stellenwert, den eine ganzheitliche Erforschung unserer Ökosysteme in der Gesellschaft einnimmt.

Erst in den letzten Jahrzehnten hat der tropische Regenwald für die Wissenschaft enorm an Bedeutung gewonnen. Mediziner und Pharmazeuten haben erkannt, welch hohen Stellenwert die tropische Pflanzen- und Tierwelt für die Entdeckung neuer Medikamente hat. Von dieser „Wertsteigerung“ für medizinische und vor allem kommerzielle Zwecke könnten nicht nur Industrie- und Entwicklungsländer profitieren, indem eine gerechte Vermarktung und Verteilung der Gewinne vollzogen wird, vielleicht stellt diese Entwicklung sogar einen Ausweg aus der scheinbar unaufhaltsam fortschreitenden Zerstörung der tropischen Ökosysteme dar.

In dieser Hausarbeit möchte ich nach einer Beschreibung der Lage, Fläche und Bevölkerung der Tropen und tropischen Regenwälder, einen Abriss der dort vorhandenen Biodiversität geben. Anschließend soll der Bedeutung der Regenwälder für Wissenschaft und Medizin Rechnung getragen und der Status der anhaltenden Zerstörung und ihren Auswirkungen dargestellt werden, um zum Schluss hin, einen Ausweg aus einer scheinbar unumgänglichen ökologischen Katastrophe und ihren Folgen im Angesicht der bestehenden Strukturen auf den Weltmärkten zu diskutieren.

2. Die Tropen – Lage, Fläche und Bevölkerung

Die Tropen repräsentieren den Wärmegürtel der Erde zwischen den beiden Wendekreisen. Der Bereich der „Inneren Tropen“ den äquatorialen Teil dieses Bereiches. Die Tropen werden innerhalb der effektiven Klimaklassifikation von Köppen/Geiger auf thermischer Ebene wie folgt definiert:

- Alle Monate weisen eine mittlere Temperatur von mind. 18 °C auf
- Kein Frost
- Die tageszeitlichen Temperaturschwankungen sind größer als die jahreszeitlichen.[2]

Die hygrischen Kennzeichen der Tropen sind dagegen sehr differenziert und reichen von täglichen Niederschlägen bis hin zur absoluten Trockenheit. Dementsprechend sind innerhalb der Tropen die unterschiedlichsten Vegetationsformen anzutreffen und zu erklären.

Köppen/Geiger differenzierten die feuchten Tropen (Af-Klima) und die wintertrockenen Tropen (Aw-Klimate). Troll und Pfaffen erweiterten 1964 diese Klassifikation um weitere hygrische und vegetationsgenetische Komponenten:

a) die feuchten Tropen in:

- vollhumide Regenwaldzone
- semihumide Tropen o. Feuchtsavannen

b) die trockenen Tropen in:

- semiaride Tropen o. Trockensavannen
- vollaride Tropen bzw. Dornstrauchsavannen, Halbwüsten und Wüsten

Die feuchten Tropen weisen mindestens 6 humide Monate und 1.000 mm Niederschlag/Jahr auf. Der Bereich in dem sich Niederschlag und Verdunstung die Waage halten, wird als Übergang zu den trockenen Tropen bezeichnet.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gliederung der Tropen. Quelle: SCHOLZ 1998. S. 8-9

In Abb. 1 ist die Abgrenzung und Gliederung der Tropen nach Troll/Pfaffen dargestellt.

Darin sind die Tropen als der Bereich zwischen den beiden Wendekreisen definiert. Die Bereiche welche über die Wendekreise hinausgehen bzw. näher an den Äquator heranrücken sind bedingt durch kalte und warme Meeresströme, Passat- und Monsunwinde.[4]

Von der Landfläche der feuchten Tropen liegen

- 46% in Lateinamerika (mit 19% der Bevölkerung in Tropen)
- 31% in Afrika (mit 21% der Bevölkerung in Tropen)
- 21% in Asien (mit 60% der Bevölkerung in Tropen)
- 2% in Australien und Ozeanien (mit <1% der Bevölkerung in Tropen)

Eine exakte Ermittlung der Einwohnerzahl in den Tropen ist bis dato nicht möglich, da sich einige administrative Grenzen wie in Brasilien und Indien teilweise über die Tropengrenze hinaus erstrecken und man genauer in die Provinzen differenzieren muss. Weiterhin ist das Datenmaterial aus diesen Regionen meist unzuverlässig und den europäischen Zensusdaten nicht ebenbürtig. Dennoch ist abzuschätzen, dass ca. 30% der Erdbevölkerung in den Tropen leben.[5]

In Anbetracht dessen, dass alle Schwellen- und Entwicklungsländer mit enormen Wachstumsraten über 3% in den Tropen liegen, wird sich der Anteil der in den Tropen lebenden Menschen weiterhin erhöhen. Dieses fortschreitende Bevölkerungswachstum wird die mit der heutigen Technik möglichen Versorgungserträge enorm unter Druck setzten. Die nahezu ausgelasteten Kapazitäten innerhalb der landwirtschaftlichen Produktion werden weiter erhöht werden müssen, was zu Lasten der tropischen Ökosysteme Wirkung zeigen wird.[6]

Innerhalb dieser Hausarbeit möchte ich allerdings nicht weiter auf die Tragfähigkeit der Agrarwirtschaft in den Tropen eingehen, da diese den Rahmen des Themenkomplexes sprengen würde.

Im Vorangegangen wurde eine Eingrenzung der Klimazone „Tropen“ gegeben. Es wurde aufgezeigt, dass der Begriff „Tropen“ nicht mit dem tropischen Regenwald gleichzusetzen ist, da sich die hygrischen Unterschiede innerhalb dieser Klimazone enorm auf die potentielle Vegetation auswirken. Um das Gebiet des trop. Regenwaldes einzugrenzen sind daher genauere hygrische Angaben nötig. BREMER (1999) fasst unter dem Begriff „Tropischer Regenwald“ die Vegetationsformen der Tieflandregenwälder, Monsunwälder und Bergwälder zusammen, welche eine Niederschlagsmenge von mindestens 1200mm/Jahr und ein Minimum von 9 humiden Monaten voraussetzen. Somit ist die typische Verbreitung der Regenwälder zwischen 5° und 6° nördlich und südlich des Äquators anzusehen. Entlang der Passat- und Monsunküsten, wo die feuchten Luftströme auf Gebirge treffen, reicht der Regenwald teilweise bis an die Wendekreise. Die Ausdehnung der Attacama-Wüste an der Westseite Südamerikas bis kurz vor den Äquator ist durch den kalten von der Antarktis kommenden Humbold-Strom zu erklären, welcher den Feuchtigkeitstransport der lokalen Luftmassen enorm einschränkt.[7]

Die eben beschriebene räumliche Verteilung der tropischen Regenwälder nach BREMER wird in Abb. 2 gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Räumliche Verbreitung der trop. Regenwälder. Quelle: BREMER:1999.

3. Die Biodiversität der tropischen Regenwälder

Der Begriff Biodiversität geht zurück auf ein im Jahr 1986 von der US-amerikanischen National Academy of Sciences in Washington veranstaltetes „National Forum on Bio-Diversity“. Am ehesten lässt sich der Begriff mit „Biologischer Vielfalt“ übersetzten. Er wird im deutschen Sprachgebrauch in eingedeutschter Form genutzt. Biodiversität umfasst die unterschiedlichsten Organisationsformen des Lebendigen. Von der genetischen Variation bis hin zur Vielfalt der unterschiedlichen Landschafts- und Lebensraumtypen. Er ist sogar so umfangreich anzusehen, dass man selbst menschliche, kulturelle und ethnische Vielfalt unter ihm zusammenfassen könnte. Eine exakte wissenschaftliche Definition wurde bewusst vermieden, um eine Integration sämtlicher Forschungsansätze möglich zu machen.[8]

Bevor ich zur Biodiversität der Regenwälder komme möchte ich zunächst auf die Bodengeographie der Regenwälder eingehen, um eine Grundlage für das Verständnis der dort herrschenden Vegetation zu geben. In den Tropen findet man vor allem Ferrasole mit den Hauptbestandteilen Eisen und Aluminium. Leichter lösliche Mineralien sind auf Grund der durch die hohe Temperatur und die hohen Niederschläge bedingten, ganzjährig gleichstarken chemischen Verwitterung kaum existent. Es finden sich fast ausschließlich Tonminerale der Kaolinitgruppe, welche durch eine geringe Kationenaustauschkapazität gekennzeichnet sind. Die im Mittel 4-6 Meter mächtigen Böden haben eine dünne Humusauflage und einen pH-Wert von 4-6. Insgesamt sind nur die oberen 30 – 40cm der Böden für die dort wachsenden Pflanzen relevant.[9]

Es herrschen also denkbar schlechte Grundvoraussetzungen für eine üppige Pflanzenwelt vor.

Dennoch gibt es kein Ökosystem auf der Erde mit einer derart hohen Biodiversität – wie diese zu Stande kommt soll im nachfolgenden erklärt werden.

[...]


[1] RIEDE, Klaus: Die Erhaltung trop. Biodivesität – ein verlorener Kampf?

Auf: www.groms.de/data/zoology/riede/ecocid.html (24.05.05)

[2] Vgl. SCHOLZ, Ulrich: Die feuchten Tropen. Braunschweig. 1998. S. 8-9

[3] Vgl. Ebd.

[4] Eigene Aufzeichnungen aus der Vorlesung „Tropen“ von Prof. H.J. Fuchs. WS 03/04

[5] Vgl. : SCHOLZ, U.: a.a.O. Hier: S. 10-14

[6] Vgl. : BREMER, Hanna: Die Tropen. Geographische Synthese einer fremden Welt im Umbruch. Stuttgart. 1999. S. 247-303

Vgl. auch: BÄHR, Jürgen: Bevölkerungsgeographie. Stuttgart. 1997. S. 260-276

[7] Vgl.: Ebd. S. 100-108

[8] Vgl.: RIEDE, Klaus: a.a.O.

[9] Vgl.: BREMER, H.: a.a.O. Hier: S. 82-98

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die wissenschaftliche Bedeutung des tropischen Regenwaldes
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V85192
ISBN (eBook)
9783638006149
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Regenwaldes
Arbeit zitieren
Tobias Kauf (Autor), 2005, Die wissenschaftliche Bedeutung des tropischen Regenwaldes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85192

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