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Dvorák, die Musik der „nordamerikanischen Wilden“ und die „Negermusik“

Title: Dvorák, die Musik der „nordamerikanischen Wilden“ und die „Negermusik“

Seminar Paper , 2006 , 9 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Mag. Art; Mag. Phil Heike Sauer (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Dvořák komponierte 1893 seine neunte Symphonie „Aus der Neuen Welt“ Op.95 und lehnte sich dabei (ebenso in anderen Werken) bewusst an „amerikanische“ Elemente an. Dies ist eine unbestrittene Tatsache. Inwieweit er sich mit der Musik dieser Randgruppenauseinander gesetzt hat und dabei authentische, autochthone Musik gehört hat, ist nicht ganz klar. Der politische Akt von Dvořák, diesen musikalischen „Randgruppen“ Platz in seinen Werken einzuräumen, ist zum Anstoß weltanschaulicher Diskussionen bis zur Gegenwart geworden.
Im Folgenden soll die historische, politische Situation am Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika erläutert werden, Dvořáks typisch amerikanische Kompositionsweise gezeigt und ein Überblick zu den verschiedenen Bewertungen dazu gegeben werden, die lange Zeit sehr ambivalent waren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische, politische Situation in Amerika

3 Dvořáks progressive „Amerikanische Musik“

4 Weltanschauliche Bewertungen von Dvořáks Musik

4.1. Bewertung in Amerika

4.2. Bewertung vor und während des dritten Reiches in Europa

4.3. Bewertung in der Nachkriegszeit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Musik amerikanischer Randgruppen – insbesondere der Indianer und afroamerikanischer Bevölkerungsteile – auf das kompositorische Schaffen von Antonín Dvořák während seines Aufenthalts in den USA Ende des 19. Jahrhunderts. Der Fokus liegt dabei auf der wissenschaftlichen Analyse, inwieweit Dvořák authentische Elemente integrierte und wie seine Werke in unterschiedlichen historischen Epochen weltanschaulich bewertet und instrumentalisiert wurden.

  • Historische Kontexte der Reconstruction-Periode und Unterdrückung der indigenen Bevölkerung in den USA.
  • Analyse der kompositorischen Einflüsse und Techniken in Dvořáks „amerikanischer“ Phase.
  • Rezeptionsgeschichte von Dvořáks Werk in den USA und Europa.
  • Ideologische Deutungen der Musik während des Nationalsozialismus.
  • Musikethnologische Perspektiven und Wandlungen der Bewertung nach 1945.

Auszug aus dem Buch

3 Dvořáks progressive „Amerikanische Musik“

Dvořák benützte musikalische, liedhafte Floskeln, die wie Musik von Indianern und Farbigen klingen, um sich davon inspirieren zu lassen, und verarbeitete diese dann in seinen Kompositionen. In einem Zeitungsinterview meinte er dazu:

„Ich habe keine einzige von diesen Melodien verwendet. Ich habe einfach eigenwüchsige Themen geschrieben, denen ich die Eigentümlichkeiten der Indianermusik einverleibt habe, und indem ich diese Themen zum Vorwurf nahm, habe ich sie mit allen Errungenschaften der modernen Rhythmengebung, Harmonisierung, kontrapunktischer Führung und orchestralen Färbungen zur Entwicklung gebracht.“ (Dvořák in: NewYork Herald, 12.12.1893)

Diese Motive verwendete er aber nicht nur in der neunten Symphonie sondern in so gut wie allen seinen Werken, die er während der amerikanischen Zeit komponiert hatte, also auch im Streichquartett op.96 F-Dur, im Streichquintett op.97 Es-Dur und der Violinsonate op.100, um nur die berühmtesten aufzuzählen. Ein Hauptthema des ersten Satzes der neunten Symphonie verdeutlicht dies: So stimmen die ersten vier Takte angeblich sogar mit dem Spiritual Swing low, sweet chariot überein. Das erste Thema im Finale des Streichquartettes op.96 F-Dur ähnelt zum Beispiel sehr dem Spiritual Somebody Knockin´ at Yo´Door, wie man an folgenden Notenbeispielen gut erkennen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung bezüglich Dvořáks Umgang mit den musikalischen Einflüssen amerikanischer Randgruppen und skizziert den Aufbau der Untersuchung.

2 Historische, politische Situation in Amerika: Dieses Kapitel beschreibt die sozio-politischen Zustände der USA Ende des 19. Jahrhunderts, insbesondere die Diskriminierung schwarzer Menschen und die Unterdrückung der Indianer.

3 Dvořáks progressive „Amerikanische Musik“: Hier werden die musikalischen Techniken und die Art und Weise der Integration außereuropäischer musikalischer Motive in Dvořáks Kompositionen analysiert.

4 Weltanschauliche Bewertungen von Dvořáks Musik: Das Kapitel untersucht die Rezeption und ideologische Instrumentalisierung von Dvořáks Werk über verschiedene Epochen hinweg, von der zeitgenössischen Kritik bis hin zur Nachkriegszeit.

Schlüsselwörter

Antonín Dvořák, Aus der Neuen Welt, amerikanische Musik, Indianermusik, Spirituals, Reconstruction-Periode, Musikrezeption, Nationalsozialismus, Folklorismus, musikalische Inspiration, Identitätsfindung, Kulturgeschichte, Symphonie, Kompositionstechnik, Ethnomusikologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung Antonín Dvořáks mit der Musik von amerikanischen Randgruppen und der Frage, wie diese Inspirationen in seinen Werken verarbeitet wurden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Ausgangssituation in den USA, den spezifischen kompositorischen Merkmalen seiner amerikanischen Werke und der sich wandelnden weltanschaulichen Bewertung seiner Musik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dvořák amerikanische Elemente integrierte und wie diese Musik in unterschiedlichen politisch-ideologischen Kontexten rezipiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin nutzt einen kultur- und musikwissenschaftlichen Ansatz, gestützt auf zeitgenössische Quellen, Musikvergleiche und Dokumente der Rezeptionsgeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der USA, eine musiktheoretische Analyse der Einflüsse in Dvořáks Werken und eine chronologische Betrachtung der öffentlichen und ideologischen Kritik an seinem Schaffen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dvořáks „amerikanische“ Phase, Musikethnologie, kulturelle Identität und ideologische Instrumentalisierung geprägt.

Warum stand die Integration von „Negermusik“ unter der Kritik von Zeitgenossen?

Zeitgenössische Kritiker, wie etwa Edward Alexander MacDowell, lehnten eine Abkehr von der Tradition der europäischen Romantik ab und sahen in der Verwendung dieser Elemente eine „fremde Künstlichkeit“.

Wie bewerteten die Nationalsozialisten Dvořáks Werk?

Die Bewertung im Nationalsozialismus war ambivalent; einerseits wurde seine Musik aufgrund seiner slawischen Herkunft geschätzt, andererseits wurde ihm der Vorwurf gemacht, durch die „rassefremde Negermusik“ die europäische Musiklandschaft „verseucht“ zu haben.

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Details

Title
Dvorák, die Musik der „nordamerikanischen Wilden“ und die „Negermusik“
College
University of Vienna  (Institut für Musikwissenschaft)
Course
Musik und Weltanschauung
Grade
sehr gut
Author
Mag. Art; Mag. Phil Heike Sauer (Author)
Publication Year
2006
Pages
9
Catalog Number
V85208
ISBN (eBook)
9783638011488
ISBN (Book)
9783638916035
Language
German
Tags
Dvorák Weltanschauung amerikanische Musik "aus der neuen Welt"
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag. Art; Mag. Phil Heike Sauer (Author), 2006, Dvorák, die Musik der „nordamerikanischen Wilden“ und die „Negermusik“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85208
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