Lektüre Alfred Schütz - Schütz' Definition des Wissens - Grundbegriffe der Handlungstheorie IV: Wissen


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1.) Einleitung

2.) Allgemeine Definition des Begriffs „Wissen“

3.) Biographie Schütz’
3.1.) Schütz’ Definition des Begriffs „Wissen“

4.) Der Wissensvorrat
4.1.) Der Wissensvorrat durch Wissenserwerb
4.2.) Die Aufgabe und der Zweck des Wissensvorrats
4.3.) Der Aufbau und die Zusammensetzung des Wissensvorrats
4.3.1.) Die Grundelemente des Wissensvorrats
a) Die Begrenztheit
b) Die räumliche, zeitliche und soziale Struktur der Begrenztheit
4.3.2.) Das Routinewissen
a) Die Fertigkeiten
b) Das Gebrauchswissen
c) Das Rezeptwissen
d) Die Sonderstellung des Routinewissens
4.3.3.) Spezifische Teilinhalte

5.) Schluss

6.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

„Wissen“ ist ein Wort das im allgemeinen Sprachgebrauch recht häufig benutzt wird und von dem jeder zumindest eine ungefähre Ahnung hat, um was es sich handelt, wenn er diesen Begriff hört. Doch was genau bedeutet Wissen? Was wird als Wissen definiert und was sagt die Wissenschaft dazu?

2.) Allgemeine Definition des Begriffs „Wissen“

Bedient man sich verschiedener Lexika und schlägt den Begriff „Wissen“ nach, so stößt man auf mehrere unterschiedliche Definitionen, die sich diesem Begriff widmen. In einem Lexikon der Psychologie wird Wissen beispielsweise als „Ergebnis eines Erkenntnisprozesses, in dem subjektive und objektive Fakten und Schluss­folgerungen zu Überzeugungen über Ereignisse, Gegenstände und Beziehungen zwischen Gegenständen verarbeitet werden“[1], beschrieben. Ein weiteres Nachschlagewerk bezeichnet Wissen etwas schlichter und kürzer als „das Netz aus Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die jemand zum Lösen einer Aufgabe einsetzt“[2]. Das dtv Brockhaus Lexikon schreibt zudem zum Erwerb des „Wissens“: „Wissen kann sich primär durch zufällige Beobachtung, systemische Erfahrung (Experiment) oder deduzierende Erkenntnis bilden, sekundär durch lernendes Anzeigen von Wissensstoffen. Das Feld der systematischen Wissenserwerbung als Forschung innerhalb abgegrenzter Bereiche ist die Wissenschaft“[3]. Diese Zitate beschreiben nun schon recht gut, bei was genau es sich um „Wissen“ handelt und wie dieses erworben werden kann.

3.) Biographie Schütz’

Auch Alfred Schütz beschreibt „Wissen“ in ähnlicher Form. Alfred Schütz kam am 13. April 1899 in Wien auf die Welt und verstarb am 20. Mai 1959 in New York. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, im Jahre 1939, emigrierte er wegen seiner jüdischen Abstammung nach Amerika. Wenige Jahre danach nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Vor seiner Emigration studierte er in Wien Rechtswissenschaften, Ökonomie und Soziologie. Schütz gilt als Begründer der phänomenologischen Soziologie. In einem seiner wohl bekanntesten Werke, „Strukturen der Lebenswelt“, welches er mit Thomas Luckmann verfasste, beschäftigte er sich mit dem Begriff des „Wissens“ oder genauer gesagt, mit dem Wissensvorrat.[4]

3.1) Schütz’ Definition des Begriffs „Wissen“

Denn Schütz benutzt statt Wissen den Begriff des Wissensvorrats und erläutert ihn auch um einiges detaillierter als die vorangegangenen Beispiele aus verschiedenen Lexika. Zudem definiert er den Begriff nicht nur, sondern er erklärt auch, wie man den Wissensvorrat erwerben kann, seine Aufgabe, seinen Zweck und seine Struktur. Zunächst formuliert Schütz es wie folgt: „Der lebensweltliche Wissensvorrat [...] baut sich auf aus Sedimentierungen ehemals aktueller, situationsgebundener Erfahrungen. Umgekehrt fügt sich jede aktuelle Erfahrung je nach ihrer im Wissensvorrat angelegten Typik und Relevanz in den Erlebnisablauf und in die Biographie ein“[5]. Weiter erklärt Schütz, dass „jede Situation mit Hilfe des Wissensvorrats definiert und bewältigt [werden kann]. [...] [Auch ist der] Wissensvorrat [...] sowohl genetisch also auch strukturell als auch funktional auf die Situation bzw. die situationsgebundene Erfahrung bezogen“[6].

4.) Der Wissensvorrat

Nun mag Schütz’ Definition auf den ersten Blick etwas theoretisch, wenn nicht sogar kompliziert klingen. Doch um sie klarer erscheinen zu lassen, wird nun im weiteren Verlauf erklärt, was die Definition genau bedeutet. Außerdem wird erläutert, woher der schon erwähnte Wissensvorrat stammt, welche Aufgabe er hat und aus welchen Bestandteilen er sich zusammensetzt .

4.1.) Der Wissensvorrat durch Wissenserwerb

Schütz beschreibt Wissen also als „Sedimentierungen ehemals aktueller, situations­ge­bundener Erfahrungen“[7]. Das heißt, es wird also in jeder Situation, durch jede Erfahrung, die man macht, Wissen erworben. Mit diesem wird der Wissensvorrat weiter ausgebaut und gegebenenfalls aktualisiert. nicht jeder Mensch hat den gleichen Wissensvorrat oder kann den gleichen haben. Denn jede Person erlangt aufgrund seiner unterschiedlichen Erfahrungen die er macht, unterschiedliches Wissen. All dieses Wissen, also der gesamte Wissensvorrat einer Person ist das Ergebnis der Sozialisation. Sozialisation erfolgt insbesondere durch die Familie und die Schule. Somit erklärt sich auch die Tatsache, dass der Wissensvorrat biographiespezifisch ist beziehungsweise biographiespezifisch unterschiedlich. Denn nicht jeder Mensch hat die gleich Biographie und lebt in der gleichen Familie, besucht die gleiche Schule oder macht die gleichen Erfahrungen. Zusammenfassend kann zum Wissenserwerb gesagt werden, dass er in Handlungen, sozialen Beziehungen und Erfahrungen stattfindet und niemals abgeschlossen ist. Alles, was vom Bewusstsein erfasst wird, verändert oder ergänzt den persönlichen Wissensvorrat.[8]

4.2.) Die Aufgabe und der Zweck des Wissensvorrats

Nachdem wir nun gehört haben, wie der Wissensvorrat erworben wird und auf welchen Tatsachen es beruht, dass jeder Mensch einen individuellen Vorrat hat, stellt sich nun die Frage, welcher Aufgabe oder welchem Zweck einem solch ein Vorrat nun dienen soll. Schütz beantwortet diese Frage mit folgenden Worten: „Und schließlich wird jede Situation mit Hilfe des Wissensvorrats definiert und bewältigt“[9]. Um Schütz’ Aussage zu veranschaulichen lässt, sich ein einfaches alltägliches Beispiel aus dem Alltag heranziehen, das Klingeln des eigenen Telefons. Da wir, bereits aus Erfahrung heraus wissen, dass ein Telefon klingelt, wenn wir angerufen werden, können wir die Situation definieren. Denn wir wissen, was das Klingeln des Telefons zu bedeuten hat, nämlich das jemand telefonisch mit uns sprechen möchte. Nachdem diese Situation nun auf Grund meines Wissensvorrats definiert werden konnte, kann sie jetzt auch durch ihn bewältigt werden. Wie ich, aus Erfahrung weiß, hört das Telefon dann auf zu klingeln, wenn ich den Hörer abhebe. Tu ich dies, hab ich so die Möglichkeit mit dem Anrufer zu sprechen. Doch natürlich kann ich auch andere Wege zur Situationsbewältigung wählen. Ich könnte beispielsweise auch den Hörer abnehmen und gleich wieder auflegen, da ich in diesem Moment nicht gestört werden möchte. Ich könnte aber auch gar nicht ans Telefon gehen. Wie auch immer ich handeln möchte, all diese Möglichkeiten, die mir offen stehen, diese Situation zu bewältigen, macht mir mein Wissensvorrat möglich. Denn nur mit Hilfe von ihm kann ich die Situation definieren und bewältigen. Die Definierung der Situation eröffnet mir also eine gewisse Wahlmöglichkeit zur Situationsbewältigung.

[...]


[1] Faktum Lexikoninstitut, Herausgeber; Lexikon der Psychologie; Gütersloh / München, 1995; S. 524

[2] Herbst, Dieter; Erfolgsfaktor Wissensmanagement; Cornelsen Verlag; Berlin, 2000; S. 9

[3] http://www.awb.tu-berlin.de/lv/neue-AF/Industrie/Definition/Wissen/Definitionen_Inhalt.html, zuletzt besucht am 08.10.2007

[4] vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, 2004; „Alfred Schütz“

[5] Schütz, Alfred; Strukturen der Lebenswelt; UVK Verlagsgesellschaft mbH; Konstanz, 2003; S. 149, Z. 6 - 11

[6] Schütz, Alfred; Strukturen der Lebenswelt; UVK Verlagsgesellschaft mbH; Konstanz, 2003; S. 149, Z. 11 - 15

[7] Schütz, Alfred; Strukturen der Lebenswelt; UVK Verlagsgesellschaft mbH; Konstanz, 2003; S. 149, Z. 7 – 9

[8] vgl. Schütz, Alfred; Strukturen der Lebenswelt; UVK Verlagsgesellschaft mbH; Konstanz, 2003; S. 149, Z. 7 – 9

[9] Schütz, Alfred; Strukturen der Lebenswelt; UVK Verlagsgesellschaft mbH; Konstanz, 2003; S. 149, Z. 11, 12

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Lektüre Alfred Schütz - Schütz' Definition des Wissens - Grundbegriffe der Handlungstheorie IV: Wissen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Lektürekurs Alfred Schütz
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V85273
ISBN (eBook)
9783638006361
ISBN (Buch)
9783638913188
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lektüre, Alfred, Schütz, Definition, Wissens, Grundbegriffe, Handlungstheorie, Wissen, Lektürekurs
Arbeit zitieren
Julia Gally (Autor), 2007, Lektüre Alfred Schütz - Schütz' Definition des Wissens - Grundbegriffe der Handlungstheorie IV: Wissen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85273

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