Einleitung
Positionen, die zur kritischen Analyse Sozialer Arbeit auf dienstleistungstheoretische Elemente zurückgreifen, sind vermehrt Gegenstand sozialpädagogischer Diskurse. Sie nähren sich sowohl aus facheigenen als auch aus fachfremden Wissenschaften und formulieren in je eigener Sicht den Anspruch institutioneller und/oder theoretischer Neuorientierung, Umstrukturierung oder Reformierung an Soziale Arbeit als Disziplin und Profession. Die vorliegende Arbeit will versuchen in diese allgemeine Debatte einzusteigen und Aktualität, Perspektiven und Chancen konkreter anhand der Kinderbetreuung darzustellen.
Als Einstieg soll dafür im ersten Teil der Verlauf dienstleistungstheoretischer Überlegungen und ihr Bezug zur sozialen Frage bzw. zur Institutionalisierung Sozialer Arbeit in seiner historischen Dimension skizziert werden. Daran ansetzend wird sich konzentrierter den aktuellen Diskussionslinien gewidmet, die eine Reformierung der sozialstaatlich institutionalisierten (Verwaltungs-)Struktur Sozialer Arbeit unter Gesichtspunkten der Dienstleistungsorientierung einfordern. Abschließend dazu wird gegen Ende des ersten Kapitels auf eine theoretische Konzeption verwiesen, die Dienstleistung als Herausforderung zur normativen Neuorientierung Sozialer Arbeit versteht und insofern Profession und Disziplin viel grundsätzlicher betrifft.
In einem zweiten thematischen Abschnitt sollen die aufgezeigten Diskussionen konkret auf das System der Kinderbetreuung angewendet werden. Dafür wird zu Beginn der historische Prozess der Institutionalisierung von Kindheit und Kinderbetreuung fokussiert, was im Weiteren dazu führen soll, dass die Frage nach einer Neuorientierung dieses Systems unter dienstleistungstheoretischen Problematisierungen gestellt werden kann. Anknüpfend an diese Frage sollen Überlegungen verdichtet werden, welche Anforderungen, Voraussetzungen und normative Ausrichtung Kinderbetreuung erfüllen muss, um soziale Dienstleistung zu sein. Als Abschluss werden die vorgebrachten Argumentationslinien im dritten Kapitel zusammengefasst, um die aufgezeigte Diskussion ausreichend zu resümieren.
Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass der Autor Soziale Arbeit und Jugendhilfe in diesem Kontext synonym verwendet und bei Bedarf unter Hinweisen differenziert gebraucht. Außerdem wird zur Vereinfachung der Lesbarkeit durchweg die männliche Formulierung angewandt. Bei spezifischem Gebrauch wird ausdrücklich darauf hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
1. SOZIALE ARBEIT ALS DIENSTLEISTUNG
1.1 SOZIALE DIENSTLEISTUNG – ODER DAS SOZIALE AN DER DIENSTLEISTUNG
1.2 DIENSTLEISTUNG ALS STEUERUNGSMOMENT SOZIALER ARBEIT/JUGENDHILFE
1.3. SOZIALE ARBEIT ALS DIENSTLEISTUNG – EIN NORMATIV-THEORETISCHES KONZEPT
2. KINDERBETREUUNG ODER DIENSTLEISTUNG FÜR KINDER
2.1 ZUR ENTWICKLUNG UND INSTITUTIONALISIERUNG DER KINDERBETREUUNG
2.2. KINDERBETREUUNG HEUTE – NOTWENDIGKEIT ZUR NEUORIENTIERUNG?
2.3 KINDERBETREUUNG – SOZIALE DIENSTLEISTUNG FÜR DIE GESELLSCHAFT
2.4 KINDERBETREUUNG – SOZIALE DIENSTLEISTUNG FÜR FRAUEN/FAMILIEN
2.5 KINDERBETREUUNG – DIENSTLEISTUNG FÜR KINDER
3. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Sozialen Arbeit als Dienstleistung und dessen Anwendung auf das System der Kinderbetreuung. Ziel ist es, den Nutzen und die Herausforderungen einer dienstleistungsorientierten Neuorientierung kritisch zu beleuchten und Perspektiven für eine stärkere Nutzerorientierung zu entwickeln.
- Dienstleistungstheoretische Fundierung der Sozialen Arbeit.
- Modernisierung sozialstaatlicher Strukturen (New Public Management).
- Wandel des Kinderbetreuungssystems unter Aspekten der Dienstleistung.
- Privilegierung der Nutzerinteressen, insbesondere der Kinder.
- Verhältnis zwischen betriebswirtschaftlichen Anforderungen und pädagogischem Auftrag.
Auszug aus dem Buch
1.3. Soziale Arbeit als Dienstleistung – ein normativ-theoretisches Konzept
Entgegen den Versuchen der Neuakzentuierung von Nuancen der Institutionalisierung Sozialer Arbeit mittels Rückgriff auf dienstleistungsorientierte Analysen propagiert SCHAARSCHUCH ein Theoriekonzept – mit dem Leitgedanken: Soziale Arbeit als Dienstleistung – zur paradigmatischen Neuorientierung der Sozialpädagogik. Als notwendig erachtet er dies, weil grundlegend kritisch zu rekapitulieren ist, dass Soziale Arbeit auf gesellschaftsstrukturelle Entwicklungen wie Pluralisierung und Spaltung nur mit relativ unflexiblen Kapazitäten und wenig innovativen Konzepten reagiert.
Wenn Soziale Arbeit mit ihren Dienstleistungen als Vermittlungsarbeit verstanden wird, es sich also „immer um Tätigkeiten handelt, die auf die Gewährleistung gesellschaftlicher ‚Normalzustände’ bezogen sind, wobei das Problem dieser Gewährleistung sich darstellt als das des Schutzes und der Bewahrung der ausdifferenzierten Elemente der Sozialstruktur und der Vermittlung zwischen ihnen“, dann wird deutlich, dass gerade die Herstellung von Normalität zur entscheidenden Schwierigkeit wird. Bezieht sich Soziale Arbeit wie bisher mehr oder minder offen auf Integration in und Herstellung von Normalarbeitsverhältnissen, so ist dies in Zeiten zunehmender Rationalisierung und sinkender Beschäftigtenzahlen, also einer grundlegenden Krise der Integrationsfähigkeit, eine Sisyphusarbeit.
Soziale Arbeit muss deshalb ihre tradierten Bezüge revidieren und sich der Vermittlung zwischen individualisierten Normalitätskonzepten und Gesellschaft widmen – muss als Leitgedanken die Individualität herausstellen, um ihrer Klientel gerecht zu werden. In dieser Hinsicht wird das Verhältnis von Professionellem und Klient zum Ausgangspunkt einer Neuorientierung, die durch die Reformulierung der Rolle des Klienten als Konsumenten im Dienstleistungsprozess von der bisherigen Dominanz der Angebotsseite zur Privilegierung der Nachfrageseite führen soll. Dieser Versuch bedeutet für die Soziale Arbeit einen paradigmatischen Perspektivwechsel von staatlichen bzw. para-staatlichen Eingriffen hin zu individualisierten sozialen Dienstleistungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. SOZIALE ARBEIT ALS DIENSTLEISTUNG: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund der Dienstleistung im Kontext Sozialer Arbeit und diskutiert die Herausforderungen durch betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente.
2. KINDERBETREUUNG ODER DIENSTLEISTUNG FÜR KINDER: Hier wird der historische Wandel der Kinderbetreuung analysiert und aufgezeigt, wie dienstleistungstheoretische Ansätze die heutige Praxis für Gesellschaft, Familien und Kinder beeinflussen.
3. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Kapitel resümiert die Analyseergebnisse und betont die Notwendigkeit, Kinderbetreuung als Dienstleistung zur Stärkung des Bürgerstatus und der Nutzerinteressen weiterzuentwickeln.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Dienstleistung, Kinderbetreuung, Jugendhilfe, Modernisierung, New Public Management, Nutzerorientierung, Pädagogik, Bürgerstatus, institutionelle Entwicklung, Reform, Qualitätssicherung, Klientel, Vermittlungsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Neuausrichtung der Sozialen Arbeit unter dem Leitbild der Dienstleistungsorientierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Modernisierung sozialer Verwaltungen, dem Dienstleistungscharakter der Sozialen Arbeit sowie der Anwendung dieser Konzepte auf das System der Kinderbetreuung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Darstellung der Aktualität, Perspektiven und Chancen einer dienstleistungsorientierten Neuorientierung innerhalb der Sozialen Arbeit und der Kinderbetreuung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch-analytische Auseinandersetzung mit dienstleistungstheoretischen Modellen und deren Anwendung auf institutionelle Reformprozesse der Jugendhilfe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der sozialen Dienstleistung sowie deren konkrete Implementierung im Bereich der Kinderbetreuung unter Berücksichtigung verschiedener Interessengruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Soziale Arbeit, Dienstleistung, Kinderbetreuung, Jugendhilfe, Modernisierung, Nutzerorientierung und Bürgerstatus.
Warum ist das "uno-actu-Prinzip" in der Arbeit relevant?
Es dient zur Abgrenzung personenbezogener Dienstleistungen von Produktionsarbeit und unterstreicht die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung durch den Nutzer als Ko-Produzenten.
Welche Rolle spielen Kinder im Dienstleistungsprozess laut der Arbeit?
Die Arbeit fordert, Kinder als handlungsfähige Subjekte und (Ko-)Produzenten ihrer eigenen Bildung zu begreifen, anstatt sie lediglich als Objekte erwachsenenzentrierter Fürsorge zu betrachten.
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- Diplom Pädagoge Matthias Schütze (Autor), 2006, Soziale Arbeit als Dienstleistung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85413