Brünhild - Wandlung einer Königin


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Brünhilds Auftreten in Island

3. Brünhilds Auftreten in Worms

4. Königinnenstreit

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Rolle der Frau ist in vielen mittelalterlichen Heldenliedern sehr ähnlich. Ihre Rolle ist meist passiv. Die Frau scheint als Auslöser für die verschiedenen Abenteuer des Helden zu fungieren oder dient als schmückendes Beiwerk. Ein Beispiel ist Konrad Flecks „Flore und Blanscheflur“. Hier reist Flore nach dem Verkauf von Blanscheflur in den Orient um sie zu befreien. Der Frau selbst wird meist keine aktive Handlung zuteil mit der sie ihre Lage verbessern könnte.

Kriemhild und Brünhild dagegen, die weiblichen Protagonisten im Nibelungenlied, scheinen nicht in diese stereotype Frauenrolle zu passen. Ihre Handlungen und Charakterzüge sind wesentlich für die Entwicklung und das Ende des Nibelungenliedes. Zu Beginn erscheint Kriemhild als höfische, angepasste und passive Hofdame. Sie verwandelt sich dann aber im zweiten Teil in eine mörderische Intrigantin, die durch ihr Handeln das Schicksal der Burgunder besiegelt. Sie lockt Gunther und sein Gefolge an Etzels Hof und dort in eine tödliche Falle.

Im Gegensatz zu Kriemhild erfährt Brünhild in ihrem Charakter eine entgegengesetzte Wandlung. Sie hat im ersten Teil einen aktiven Part, scheint aber im Verlauf der Aventiuren eine Charakterveränderung zu einer passiveren Rolle zu durchleben. Um dies mit Bestimmtheit sagen zu können, muss Brünhilds Charakter jedoch genauer untersucht werden.

2. Brünhilds Auftreten in Island

Brünhild wird in der sechsten Aventiure des Nibelungenlieds eingeführt:

Ez was ein küneginne gesezzen über sê,

ir gelîche enheine man wesse ninder mê.

Diu was unmâzen scœne, vil michel was ir kraft.

Sie scôz mit snellen degenen umbe mínné den scaft.[1]

Schon hier ist der Unterschied zwischen dem mittelalterlichen stereotypen Frauenbild und Brünhild zu erkennen. Brünhild ist eine allein herrschende Königin über Island. Eine Frau in Herrscherposition war zu der Zeit etwas Ungewöhnliches. Brünhild wird als unbeschreiblich schön beschrieben. Aber, dass zusammen mit ihrer Schönheit auch noch ihre Kraft[2] besonders erwähnt wird, ist sehr untypisch für ein weibliches Charakterbild in den zeitgenössischen Heldenepen. Brünhild misst ihre Kraft im Wettkampf sogar mit den stärksten männlichen Kämpfern. Sie macht aber noch einen weitaus größeren Schritt über die bestehenden Regeln hinaus: Brünhild missachtet die Konventionen der damaligen Zeit, in der Frauen ihren Ehemann nicht selbst wählen können. Sie setzt selbst fest, unter welchen Bedingungen sie einer Hochzeit zustimmt. Erst wenn es einem Bewerber gelingt sie im Dreikampf zu schlagen, wird sie in eine Heirat einwilligen. Scheitert der Bewerber, wird er mitsamt seiner Gefolgschaft hingerichtet:

swer ir minne gerte, der muose âne wanc

driu spil an gewinnen der frouwen wol geborn.[3]

Der von Brünhild festgesetzte Dreikampf entspricht nicht der höfischen Vorstellung von Minne und verstößt gegen die übliche Art, um eine Frau zu werben[4]. Brünhild erlangt durch ihre eigenen Regeln aber auch den Ruf einer grausamen Herrscherin. Viele der Bewerber hat sie bereits getötet.

Gebrast im an dem einen, er hete daz houbet sîn verloren.

Des het diu juncfrouwe unmâzen vil getân.[5]

Diese „vreislîche sit[6] “ hat aber einen durchdachten und logischen Hintergrund : , da b B ei einer Niederlage Brünhilds und aus der daraus resultierenden Heirat, wird , auch die Herrschaft über Island an den Gewinner des Dreikampfes überschrieben wird [7].

Ihr Brünhilds kämpferisches Auftreten und ihre herausragende Stärke weichen vollkommen vom zeitgenössischen Frauenbild ab. „Diu Prúnhilde sterke vil grœzlîche schein.“[8] Sie übertrifft sogar den normalen männlichen Krieger in seinen kämpferischen Eigenschaften. Ebenso sind die Waffen, die sie führt, qualitativ bessere, größere und weitaus schwerere Waffen als die ihrer Gefolgsleute und Gegner.

Der schilt was under buckeln, als uns daz ist gesaget,

wol drîer spannen dicke, den soldetragen diu maget,

von stahel unt ouch von golde; rîch er war genuoc,

den ir kamerære selbe vierde kûme truoc.[9]

Von des gêres swære hœret wunder sagen.

Wol vierdehalbiu messe was dar zuo geslagen.

Den truogen kûme drîe Prünhilde man.[10]

Man truoc ir zuo dem ringe einen swæren stein,

grôz unt ungefüge, michel unde wel.

In truogen kûme zwelfe, helde küene unde snel.[11]

Wo normalerweise eine Frau durch ihre Anmut und Schönheit beeindruckt, verbreitet Brünhilds Auftreten Schrecken und Angst. Obwohl sie eine stolze und schöne Frau ist, ruft Brünhild durch ihr Auftreten bei den Burgundern Bilder aus der Hölle hervor. So fragt Gunther beunruhigt „waz sol díz wésen? der tiuvel ûz der helle wie kúnd’er dâ vór genesen?“[12] Hagen geht sogar noch einen Schritt weiter und vergleicht Brünhild direkt mit der Frau des Teufels.

„wâfen“, sprach Hagene, „waz hât der künic ze trût!

Jâ sol si in der helle sîn des übelen tiuvels brût.“[13]

Die Der von Gunther als vermeintlich leichte Brautwerbung eingeschätzte Kampf entwickelt sich durch Brünhilds Stärke zu einem schwierige e n Unterfangen als von Gunther angenommen . Aus dem „kurzewîlen in Prúnhilde lant“[14] ist eine zu bereuende Unternehmung geworden . Dankwart spricht seine Sorge sogar aus: „mich riuwet inneclîchen disiu hovevart.“[15]

Nur Siegfried hat Brünhild nicht unterschätzt und schon zu Beginn der Reise vor ihr gewarnt.

„Daz will ich widerraten“, sprach dô Sîvrit.

„jâ hât diu küneginne sô vreislîche sit,

swer umb ir minne wirbet, daz ez im hôhe stât.

des muget ir der reise haben wærlîchen rât.“[16]

Woher Siegfried dieses Wissen hat, wird im Nibelungenlied nicht erklärt. Die Erklärung dazu ist vermutlich in den älteren, nordischen Sagen wie der „Edda“ zu finden. Brünhild jedoch scheint Siegfried nicht zu kennen[17].

Trotz all dieser kämpferischen Attribute, werden auch viele stereotype höfisch-weibliche Eigenschaften Brünhilds zum Ausdruck gebracht. So wird neben ihrer Erscheinung als Kämpferin mit furchterregenden Waffen gerade ihre außerordentliche Schönheit erwähnt und mit entsprechenden Beschreibungen hervorgehoben. „Ir minneclîchiu varwe dar under hêrlîche schein.“[18] Es finden in dieser Beschreibung auch eindeutig höfische, und somit dem Frauenbild entsprechende, Beschreibungen statt; ihre „vile wîzen armen“[19] sind hierfür ein Beispiel. Als Kontrast zu ihren außerordentlichen Waffen ist hier auch die Beschreibung ihrer Rüstung zu sehen. Der Dichter setzt hier seinen Fokus eindeutig mehr auf die verwendeten Stoffe und Edelsteine als auf den Schutz, den die Rüstung bietet.

[...]


[1] Nibelungenlied, Strophe 326.

[2] Nibelungenlied, Strophe 326.

[3] Nibelungenlied, Strophe 327.

[4] Schulze, Das Nibelungenlied, S. 186.

[5] Nibelungenlied, Strophe 327 und 328.

[6] Nibelungenlied, Strophe 330.

[7] vgl. Ehrismann, S.126.

[8] Nibelungenlied, Strophe 449.

[9] Nibelungenlied, Strophe 437.

[10] Nibelungenlied, Strophe 441.

[11] Nibelungenlied, Strophe 449.

[12] Nibelungenlied, Strophe 442.

[13] Nibelungenlied, Strophe 450.

[14] Nibelungenlied, Strophe 354.

[15] Nibelungenlied, Strophe 443.

[16] Nibelungenlied, Strophe 330.

[17] vgl. Nibelungenlied, Strophe 410.

[18] Nibelungenlied, Strophe 434.

[19] Nibelungenlied, Strophe 451.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Brünhild - Wandlung einer Königin
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistik)
Veranstaltung
Das Nibelungenlied
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V85421
ISBN (eBook)
9783638895972
ISBN (Buch)
9783640871520
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brünhild, Wandlung, Königin, Nibelungenlied
Arbeit zitieren
Mathias Koch (Autor), 2007, Brünhild - Wandlung einer Königin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85421

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