Medienpersonalisierung - Der Mythos der Stars, Gestern und Heute

Ein Vergleich


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Mythos „Star“ - Die Entstehung des „Starwesens“ in Hollywood

3. Der Star in der Mediengesellschaft

4. Der Wandel des Starwesens in einer zunehmend medialisierten Welt

5. Der Abstieg des Stars und die sozialen Auswirkungen innerhalb einer Mediengesellschaft

6. Ausblick

7. Literatur - Quellen

1. Einleitung

In Gesellschaften, in denen die Medialisierung in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird, wird auch der Prozess der Medienpersonalisierung immer neuere Formen annehmen. Die Tendenz ist schon jetzt –allen voran im Fernsehen- deutlich ablesbar. Jeder, der in welcher Sendung und in welchem Format auch immer, wenn auch nur einen seinen kurzen Auftritt hat, wird zum Star auserkoren. Das Stigma des Stars lässt ihn im positiven, wie negativen Sinn nicht mehr los.

In der folgenden Arbeit soll das „Starwesen“ von gestern, und das von heute einem kontrastiven Vergleich unterzogen werden. Zunächst wird die Entstehung des „Stars“ genauer beleuchtet werden. Hier ist ein Blick auf die Geschichte Hollywoods, wo der eigentliche Starkult und jene Mythen, die die Stars umrankten, entstanden sind, dringend notwendig und aufschlussreich. Welche Rolle der „Star“ und wiederum das Starwesen in der Mediengesellschaft spielt und wie dieses Verhältnis zu deuten ist, soll ebenso Gegenstand der Arbeit sein. Der Wandel des Starwesens durch das Jahrhundert hindurch wird Thema sein. Neue Medien wie das Fernsehen, später das Internat führten zu neuen Definitionen, und lösten das gängige Bild wie ein Star auszusehen hat, ab.

Der Abstieg von Stars, die Gründe und Auswirkungen, kommen zur Sprache, denn immer mehr Medienpartizipanten werden zum Star gekürt, mit fatale Folgen in soziologischer wie ethischer Hinsicht. Darüber hinaus verblasst der Begriff „Star“ zusehends, wird inflationär und degradiert zu einem Versatzstück gescheiterter Existenzen, die in den Medien ihr letztes Heil suchen.

Im Rahmen einer solchen Arbeite können die aufgeworfenen Fragen nur zum Teil beantwortet werden. Verschiedene Aspekte müssen ausgelassen, reduziert, oder allenfalls angedeutet werden, da eine umfassende Bearbeitung des Themas schon allein wegen der dargebotenen Fülle der Quellen, Ansätze, Interpretationen und Publikationen scheitert. Es können immer nur vereinzelte Perspektiven und Darstellungen dazu dienen, dem durchaus komplexen Thema zumindest im Ansatz gerecht zu werden, mit der Folge den Anspruch auf Vollständigkeit ad acta legen zu müssen. Die Arbeit versteht sich als Anreiz eine weitere Fundierung der aufgeworfenen Fragen zu betreiben, sie versteht sich als Überblick.

2. Der Mythos „Star“ - Die Entstehung des „Starwesens“ in Hollywood

Wenn man den Begriff des „Stars“ und des „Starwesens“ genauer bestimmen will, kommt man um den Begriff des „Mythos“ zunächst nicht umhin. Beide Begriffe sind eng miteinander verwoben, da im Zusammenhang mit der Beschreibung von Stars auch immer die Bildung von verschiedenen Mythen assoziiert wird. Ein Mythos heißt soviel wie eine Rede oder eine freie Erzählung. Es werden auch immer Weltdeutungen impliziert.

„Somit hat ein Mythos immer eine sinnstiftende Funktion und eine Bedeutung für Existenz – und damit Kommunikationsverständnis des Menschen. Zugleich ist ein Mythos immer auch Ausdruck einer Weltanschauung, die es bezogen auf die Mediengesellschaft zu erkennen, bzw. auch zu hinterfragen gilt.“ (Femers, Susanne: Neue Medien – Neue Macht, neue Mythen? In: Mythen der Mediengesellschaft, (Hg.) Krotz, Friedrich / Rössler, Patrick. Konstanz. 2005, S. 160)

Unbestritten determinieren die Mythen aber auch unsere Kultur und noch viel mehr unser kulturelles Verständnis, da sie die Entwicklungsprozesse eines jeden einzelnen Individuums nachhaltig prägen. Märchen, oder auch andere Fabelwesen, die die Kinder in frühen Jahren begleiten, prägen deren Verständnis von Welt deren Kategorisierung von „gut und böse“ nicht unerheblich. Die Medien, allen voran das Fernsehen, aber auch die Stars leben von der Aufrechterhaltung der mit ihnen verbundenen Mythen ohne deren Existenz ihre Bedeutung weitaus unwichtigere Dimensionen annehmen würde, als dies zuweilen der Fall ist. Roland Barthes führt im Zusammenhang von Fernsehen und Mythos folgendes aus:

„[…] ein totales Bild würde den Mythos ausschließen, oder zumindest würde es ihn zwingen, darin nur seine eigene Totalität zu erfassen. […] im Allgemeinen arbeitet der Mythos […] lieber mit Hilfe ärmlicher, unvollständiger Bilder bei denen der Sinn schon gereinigt und bereit für eine Bedeutung ist: Karikaturen, Pastiches, Symbole.“ (Barthes, Roland: Mythen des Alltags, Frankfurt am Main, 1964, S. 109)

Barthes spricht hier einen zentralen und nicht unwesentlichen Punkt an, nämlich den der fragmentierten Wirklichkeit, die genau besehen eher als Medienrealität deklariert werden kann, und mit der eigentlichen Realität wenig zu tun hat. Die Darstellungsprinzipien des Fernsehens, aber auch vieler Filme sind dergestalt konzipiert, dass deren individuelle Geschichte zumeist eher Personen, und nicht zu sehr Strukturgeschichte ist. Hierdurch werden beständig diverse Mythen verfestigt, die wiederum an verschiedene Themen gekoppelt sind. Ergo gehören die Mythen als fester Bestandteil zum Fernsehen und somit zu dessen Agitatoren, den Stars. Eine unabdingbare conditio sine qua non besteht darin, dass das Fernsehen immer nur einen Teil des Ganzen zeigt, in Folge dessen eine Simplifizierung der Themen die logische Konsequenz ist. Betrachtet man in diesem Interaktionsverhältnis die Rolle des Rezipienten, ist auffallend, wohl wissend um die Halbwahrheiten, diese zu Gunsten des Unterhaltungsfaktors in Kauf nimmt.

„Die Menschen stehen zum Mythos nicht in einer Beziehung zur Wahrheit, sondern des Gebrauchs. Sie entpolitisieren ihn nach ihren Bedürfnissen.“ (Barthes: S. 133). Diese ernüchternde und weltpessimistische Feststellung Barthes spiegelt allerdings das Profil des Zuschauers, der mit psychologisch verankerten Wirkungsmechanismen unbewusst, oder auch bewusst jene Demarkationslinien zwischen Wahrheit und Fiktion auflöst. Daneben darf nicht die sinnstiftende Funktion der Mythen außer Acht gelassen werden, da sie nicht nur in der Fiktion, sondern auch in der Realität Sinn vermittelnd wirken. Der Star, sein Auftreten aber auch dessen komplette Aura und Wirken ist ein Mythos in sich selbst, da er von der Majorität nur als im Medium sich befindender wahrgenommen wird. Er ist somit per se keine konkret realiter fassbare Figur, sondern immer ein Abbild.

Beleuchtet man die Historie von der Entstehung des Starwesens ist festzuhalten, dass es schon in der Antike so etwas wie Stars gab, die freilich unter einem anderen Deckmantel firmierten. Olympische Spiele, Theateraufführungen in großen Arenen waren schon seit je her ein Spektakel. Jene, die durch besonders hervor- oder herausragende Leistungen aus dem Durchschnitt herausragten, waren somit mehr oder minder Stars. Ihre besondere Leistung, aber auch ihr Engagement verlieh ihnen einen höheren Bekanntheitsgrad und somit ein höheres Maß an Popularität und Anerkennung. Wenngleich dieses Prinzip durch die Jahrhunderte hindurch immer gleich bleibend war, sind die Prozesse, die aus Menschen Stars werden lassen heutzutage von ungleich mehr Einflüssen bestimmt als dies früher der Fall war.

Das Bewusstsein um die Existenz von Stars die dann von der Allgemeinheit als solche gesehen wurden, entwickelte sich in großem Stil mit dem Eingang der Fotografie und der Kinematografie und erlebte ihren Höhepunkt in der Entstehung der Traumfabrik Hollywood. Hollywood war nicht nur für viele Filmschaffende, Schauspieler oder jene die es werden wollten ein Mythos par excellence, es brachte auch seine eigenen Mythen hervor. In der Illusionshöhle wurden nicht nur in den Filmen, sondern auch hinter den Kulissen am Mythos der einzelnen Figuren kräftig gearbeitet. Im Dunstkreis der rein an der Ökonomie interessierten Filmmagnaten wurden Legenden geschaffen, die auch heutzutage den Begriff des Mythos belegen. Die Stars erlebten in Hollywood alle Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens. Der britische Schauspieler David Niven, der mit vielen Hollywoodlegenden im engen Kontakt, war, führt in seiner Autobiografie aus:

„Weihnachtsparties, Neujahrsparties, Geburtstagsparties. Parties, um einen Vertragsabschluss zu feiern oder das Ende irgendwelcher Dreharbeiten. Um einen Grund für eine Party war man in Hollywood nie verlegen: Nach sechs strapaziösen Arbeitstagen dienten Samstagabend und Samstagnacht dazu, Dampf abzulassen. Die Skala der Möglichkeiten reichte hierbei vom gemütlichen Beisammensitzen bis zur wüsten Orgie. (Niven, David: Stars, die nicht vom Himmel fielen. Hollywood und alle meine Freunde. (OT: Bring On the Empty Horses) Hamburg, 1979 S. 256)

Greta Garbo, Marilyn Monroe, Marlene Dietrich, Joan Crawford, Bette Davis, Gloria Swanson oder Brigitte Bardot bei den Frauen – Clark Gable, Warren Beatty, Humphrey Bogart, Robert Mitchum, Garry Grant, Garry Cooper, Elvis Presley, oder Alain Delon bei den Männern; Sie alle waren Schauspieler oder Musiker, die in den großen Hollywoodstudios sehr bald ihre Erfolge verzeichneten und zu Stars von Weltruhm wurden.

Zu jenen Zeiten verkörperten sie in ihren Filmen die Version des amerikanischen Traums und feierten die Werte und Ideale der Mittelschicht und der Arbeiterklasse. Sie agierten in gut funktionierenden und intakten Familienstrukturen und boten somit dem Zuschauer nicht nur Vorbildfunktionen, sondern auch Identifikationsflächen. Andererseits verkörperten Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich aber auch Bette Davis die Femme Fatale, die anrüchige, selbstbewusste, aber auch infame Frau, die mit allen Wassern gewaschen, ihre Absichten durchzusetzen weiß. Jener Typus dieser Stars wurde zur Ikone der Emanzipationsbewegungen gekürt.

Bei den männlichen Stars waren es Clark Gable aber auch Alain Delon, die das martialische, draufgängerische und zugleich erotisch – begehrenswerte Männlichkeitsideal transportierten. Das Medium Film / Kino erreichte eine Vielzahl von Zuschauern, so dass die Strahlkraft der einzelnen Heroinnen und Heroen nochmals potenziert wurde. Die Stars fungierten neben ihren Rollen in Film und Fernsehen aber auch als Werbeträger, womit sie wiederum ihren Bekanntheitsgrad erhöhten. Zum Bild des Stars gehörte aber nicht nur die Leistung als Schauspieler, sondern ebenso relevant waren anrüchige Details aus der jeweiligen Privatsphäre, die oftmals an Pikanterie nicht zu wünschen übrig ließen. Nicht selten waren die Details aus dem Privatleben der Stars interessanter als ihr berufliches Schaffen, so dass schmuddelige Einzelheiten des Stars dessen Karriere in nicht wenigen Fällen beförderte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Medienpersonalisierung - Der Mythos der Stars, Gestern und Heute
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Universität der Künste Berlin
Veranstaltung
Medien, Mythen, Menschenbilder
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V85426
ISBN (eBook)
9783638906920
ISBN (Buch)
9783656006510
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienpersonalisierung, Mythos, Stars, Gestern, Heute, Medien, Mythen, Menschenbilder
Arbeit zitieren
Sven weidner (Autor), 2007, Medienpersonalisierung - Der Mythos der Stars, Gestern und Heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85426

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