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Die Figur des Messias im Denken Ernst Blochs

Title: Die Figur des Messias im Denken Ernst Blochs

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Toni Jost (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Das Werk Ernst Blochs ist ein hervorragendes Beispiel, wie sich im 20. Jahrhundert Politik und Theologie auf einer metareligiösen Ebene verbanden, d.h. wie religiöse Fragen als politische neu formuliert werden und die Religion zur Legitimation politischen Handelns genutzt wird. Bloch war kein unpolitischer Philosoph, für den ihn Hans Mayer einst hielt. Er mischte sich nicht nur unentwegt in das politische Geschehen ein, sondern verstand seine Philosophie auch als politischen Auftrag, was dieser Aufsatz am Beispiel der Messiasfigur in Blochs Denken verdeutlicht. Es wird gezeigt, wie diese alttestamentarische Figur aus ihrer Beziehung zu Gott herausgelöst, „humanisiert“ und damit politisiert wurde, wie Bloch dabei Charakteristika der jüdischen und christlichen Tradition übernahm und welche Konsequenzen sich aus der Humanisierung des Messias ergeben. Im Ergebnis weist Blochs Messias kaum Unterschiede zu einem charismatischen, politischen Führer auf. Auch verbirgt sich hinter Blochs oft gepriesener Parteinahme für das Individuum ein gewöhnliches Masse- und Elitedenken, das totalitäre Züge annehmen kann.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Forschungsstand und Gliederung

3. Religion und „konkrete Utopie“

4. Ernst Blochs politischer Messianismus

5. Der Messias

5.1 Elite und Masse in Blochs Denken

5.2 Der politische Messias

5.2.1 Person und Funktion

5.2.2 Charakter

5.2.3 Strategie und Kompetenzen

5.3 Die Rolle der Masse

6. Fazit: Ein totalitäres Denkmuster?

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Messiasfigur im Denken von Ernst Bloch, wobei der Fokus darauf liegt, wie diese alttestamentarische Figur in Blochs Philosophie humanisiert und politisiert wird. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, ob hinter Blochs Parteinahme für das Individuum ein Masse- und Elitedenken steht, das totalitäre Züge annehmen kann.

  • Die Transformation religiöser messianischer Konzepte in politische Kategorien.
  • Das Spannungsverhältnis zwischen dem utopischen Denken Blochs und autoritären Strukturen.
  • Die Rolle und Funktion des Führers sowie der Masse innerhalb des revolutionären Prozesses.
  • Die Analyse der Messiasfigur anhand historischer Beispiele wie Thomas Münzer.
  • Kritische Reflexion über das Potenzial des Blochschen Messianismus zu totalitären Denkmustern.

Auszug aus dem Buch

5.2.2 Charakter

Der Messias ist eine unbequeme Person: unangepasst, ketzerhaft, enthusiastisch, unnachgiebig, von klaren Vorstellungen vom Soll-Zustand beseelt, aber dennoch mit beiden Beinen im „Real-Möglichen“ stehend. Er ist halb Theologe, halb Kommunist, Vorbild, „mythische[r] Lehrer“, brillanter Agitator für die rechte Sache und möglicherweise auch Heerführer: Jeder kommende Messias sollte so sein wie Thomas Münzer.

Blochs Abhandlung über den „Theologe[n] der deutschen Bauernrevolution“ ist ein von unverleugneter Begeisterung getragenes Loblied auf den in Münzer verkörperten „Geist der Utopie“. In seinem Streben nach dem Gottesreich auf Erden und nach dem Aufgehen des Geistes Jesu Christi in die egalitäre und brüderliche Gemeinschaft erkannte Bloch die von ihm gepredigte hoffnungsvolle Verschränkung von atheistischer Theologie und Politik. Münzers Gottesbegriff entspräche seinem eigenen, da sich sein Glaube an Gott „nicht auf einen mythologisch vorhanden bezogen [hat], sondern auf ein künftiges ‚Reich der Freiheit der Kinder Gottes’.“ Im Gegensatz zur gewöhnlichen marxistischen Deutung sei Münzer zuerst von den religiösen Endzeiterwartungen motiviert gewesen, die Utopie in die Gegenwart antizipierend. Aber er interpretiert ihn auch als „klassenbewusste[n] Kommunist[en]“. Christliche Reichsutopie und kommunistischer Klassenkampf gingen bei Münzer Hand in Hand, „nicht für die Überwindung irdischer Schwierigkeiten“, sondern für den „Durchbruch des Reiches“. Dies sei der von Luther verratene wahre Geist der Reformation.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk Ernst Blochs als eine Verbindung von Politik und Theologie ein und skizziert die Fragestellung nach der Messiasfigur als totalitäres Denkmuster.

2. Forschungsstand und Gliederung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bisherige, meist biografisch geprägte Bloch-Forschung und legt den Aufbau der Analyse offen.

3. Religion und „konkrete Utopie“: Hier wird Blochs Hoffnungsphilosophie und die Bedeutung der Religion für das Verständnis seiner „konkreten Utopie“ beleuchtet.

4. Ernst Blochs politischer Messianismus: Das Kapitel untersucht den Übergang vom religiösen zum politischen Messianismus bei Bloch und dessen Säkularisierung der Heilserwartung.

5. Der Messias: Dieses Hauptkapitel analysiert systematisch die Messiasfigur, ihre Funktionen, Charakteristika und die Rolle der Masse.

5.1 Elite und Masse in Blochs Denken: Es werden Blochs grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von intellektueller Elite und der Masse erörtert.

5.2 Der politische Messias: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die spezifische Ausprägung der Messiasfigur als politischer Führer.

5.2.1 Person und Funktion: Hier wird die Rolle des Messias als Ersatzvaterfigur und politischer Akteur definiert.

5.2.2 Charakter: Dieser Abschnitt beschreibt die Eigenschaften eines „messianischen Führers“ unter Bezugnahme auf historische Vorbilder wie Thomas Münzer.

5.2.3 Strategie und Kompetenzen: Es wird untersucht, welche methodischen Mittel der Messias einsetzt, um sein Ziel, das „Reich der Freiheit“, zu erreichen.

5.3 Die Rolle der Masse: Abschließend wird untersucht, wie Bloch die Masse als Instrument der Revolution betrachtet und bewertet.

6. Fazit: Ein totalitäres Denkmuster?: Das Fazit stellt die kritische Frage, ob Blochs messianische Lehre aufgrund ihrer autoritären Struktur zu totalitären Entwicklungen neigt.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Ernst Bloch, politischer Messianismus, konkrete Utopie, Messiasfigur, Thomas Münzer, Religionskritik, totalitäres Denkmuster, Führerkult, Masse und Elite, Revolutionsprozess, Reich der Freiheit, Marxismus, säkulare Heilslehre, Anthropologie, Religionsphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Figur des Messias im Denken von Ernst Bloch, wobei untersucht wird, wie dieser religiöse Begriff in einen politischen Kontext übersetzt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen Blochs Religionsphilosophie, sein Verständnis von Utopie, die Rolle des messianischen Führers und das Verhältnis zwischen diesem Führer und der Masse im revolutionären Prozess.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage prüft, ob sich hinter der Parteinahme Blochs für das Individuum ein potenziell totalitäres Masse- und Elitedenken verbirgt, das die Notwendigkeiten der Revolution über das Individuum stellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die Blochs Hauptwerke und Randnotizen systematisch nach den Kategorien Funktion, Charakter und Kompetenzen des Messias untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Blochs Religionsbegriff, die Einordnung des politischen Messianismus, die detaillierte Analyse der Führergestalt anhand historischer Beispiele und die Rolle der Masse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Ernst Bloch, politischer Messianismus, konkrete Utopie, Totalitarismuskritik, Führertum und Revolutionsethik.

Welche Rolle spielt Thomas Münzer in Blochs Denken?

Thomas Münzer fungiert für Bloch als Idealtypus eines messianischen Führers, der religiöse Endzeiterwartungen in eine konkrete politische Aktion zur Befreiung der Unterdrückten umsetzt.

Wie bewertet der Autor Blochs Verhältnis zu totalitären Strukturen?

Der Autor argumentiert, dass Blochs Lehre aufgrund ihrer autoritären Struktur und der unbedingten Einordnung unter einen Führer ein Potenzial für totalitäre Umschläge in sich trägt, das die bloße „humanistische“ Absicht konterkariert.

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Details

Title
Die Figur des Messias im Denken Ernst Blochs
College
Technical University of Chemnitz
Course
Theologie und Politik im 20. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Toni Jost (Author)
Publication Year
2007
Pages
27
Catalog Number
V85428
ISBN (eBook)
9783638013345
ISBN (Book)
9783638916882
Language
German
Tags
Messias Ernst Blochs Theologie Politik Mesianismus Konkrete Utopie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Toni Jost (Author), 2007, Die Figur des Messias im Denken Ernst Blochs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85428
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