Der Einsatz des Druckens in der Schule bei Freinet


Seminararbeit, 2006

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Freinet und die Technik des freien Ausdrucks
2.1 Die Biographie von Celestin Freinet
2.2 Freinets Prinzipien
2.2.1 Lernen vom Leben für das Leben, Lernen durch Handeln und Ganzheitlichkeit
2.2.2 Lernen durch tastende Versuche und Umgang mit Fehlern
2.2.3 Lernen durch Kommunikation und Austausch
2.2.4 Selbstbestimmtes und Selbstorganisiertes Lernen
2.2.5 Lernen durch Nutzung von Heterogenität und Verhinderung von Selektion
2.3 Freinet als „Vater“ der Schuldruckerei

3 Der Einsatz des Druckens in der Schule
3.1 Die pädagogischen Vorteile der Schuldruckerei
3.2 Einsatzmöglichkeiten
3.2.1 Das Lesen- und Schreibenlernen
3.2.2 Rechtschreib- und Aufsatzschulung
3.3.3 Drucken im Kunstunterricht
3.3 Die Arbeitsmaterialien und Arbeitsschritte
3.3.1 Das Setzen der Lettern
3.3.2 Das Einfärben des Druckstocks
3.3.2 Das Drucken
3.3.4 Die Korrektur
3.3.5 Das Reinigen und Ablegen der Lettern

4 Reflexion

5 Verknüpfung mit den anderen Lehrveranstaltungen
5.1 Einführung in die Montessori Pädagogik (Fr. Segmehl, WS 2005/06)
5.2 Familie und Schule (Fr. Schlemmer, SS 2006)

6 Literaturverzeichnis
6.1 Literaturquellen
6.2 Internetquellen
6.3 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich zunächst auf die Biographie Celestin Freinets eingehen, da seine Erlebnisse und Erfahrungen auch ausschlaggebend und prägend für seine pädagogischen Ansichten waren. Anschließend werde ich einige Unterrichtsprinzipien Freinets erläutern und wo es möglich ist auch schon Bezüge zu Techniken und Methoden der praktischen Umsetzung schaffen. In der Überleitung soll die Entwicklung der Schuldruckerei durch Freinet aufgezeigt werden, um dann zu dem eigentlichen Thema des Schuldruckens im Unterricht zu kommen.

Als erstes werde ich pädagogische Vorteile ansprechen, bevor ich die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Druckens aufzeigen werde. Hierbei werde ich auf das Drucken im Erstlese- und Schreibunterricht und im Aufsatzunterricht eingehen. In dieses Kapitel werden jeweils Theorien von Freinet und der aktuellen Deutschdidaktik einfließen. Auch die Nutung der Druckerei im Kunstunterricht soll in dieser Arbeit nicht vernachlässigt werden. Abschließend werden die benötigten Arbeitsmaterialien und Arbeitsschritte erklärt.

In der nachfolgenden Reflexion werde ich auf die Kapitel zuvor eingehen und zusammenfassen wie die Deutschdidaktik und die Theorien Freinets über den Anfangsunterricht und die Aufsatzschulung zusammenpassen und wie sich die Freinettechniken in den Deutschunterricht integrieren lässt.

Anschließend werde ich Anknüpfungspunkte zu den beiden besuchten Vorlesungen suchen. Die Theorie von Maria Montessori wird in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu der von Freinet dargestellt. Abschließend werde ich überlegen, wie man mit der Arbeit nach Freinet auf die aktuellen Probleme der Individualisierung von Kindern und deren Auswirkungen auf Schule eingehen kann.

2 Freinet und die Technik des freien Ausdrucks

2.1 Die Biographie von Celestin Freinet

Freinet wird 1896 in einer ländlichen Umgebung der Provence geboren. Seine Eltern waren nicht sehr wohlhabende Bauern und hatten neben ihm noch sieben weitere Kinder zu versorgen. Wie damals üblich half auch Freinet bei der Arbeit auf dem Feld mit. Die Vermutung liegt nahe, dass diese prägenden Erfahrungen grundlegend für seine spätere Verbundenheit mit der Natur und seine pädagogischen Ansichten sind.

Zu dieser Zeit konnten Kinder aus ärmeren Elternhäusern, zu denen gerade die Bauern gehörten, nicht studieren. Freinet aber wurde, ich nehme an wegen sehr guter Schulleistungen, besonderer Eignung oder Engagement, von seinem Lehrer für ein Studium vorgeschlagen. Mit 16 Jahren begann Freinet ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges sein Lehramtsstudium. Nach zwei Jahren Ausbildung wurde Freinet zum Kriegsdienst verpflichtet. Wie viele Soldaten wird Freinet im Krieg verwundet. Er erleidete 1916 einen Lungenschuss. Die nächsten Jahre verbrachte er in Lazaretten und Sanatorien.

Durch Naturheilmethoden gelang es ihm nach vier Jahren, sich soweit zu regenerieren, dass er 1920 eine erste Anstellung als Lehrer in dem Dorf Bar-sur-Loup erhielt. In manchen Biographien steht geschrieben, dass Freinet wegen seiner Lungenverletzung nicht viel sprechen konnte und deshalb nach anderen Unterrichtsmöglichkeiten suchte. Andere wiederum schreiben, dass er diese neuen Wege aus reiner Überzeugung beschritten hätte.[1] Ich denke, dass auch eine Mischung aus beidem möglich ist. Dass vielleicht die Verletzung den Anstoß gegeben hat, er aber trotzdem unter anderem wegen seiner eigenen Erlebnisse überzeugt war von seinem Handeln.

Während dieser Zeit bildete er sich weiter und las die Werke von Rosseau, Pestalozzi, Montaigne, Decroly, Marx und Lenin.[2] Freinet war Kommunist und erhoffte sich durch das Leben nach den Lehren von Marx, Engels und Lenin eine gerechtere Welt. Er gründete eine eigene pädagogische Gewerkschaft und wurde Mitglied in der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF), aus der er aber 1948 wieder austrat.[3]

Hans Jörg schreibt über Freinet: Obwohl Freinet “in seiner Weltanschauung und in seinen pädagogischen Grundanschauungen stark mit marxistischen und sogar kommunistischen Grundmaximen sympathisiere, so unterscheidet er sich doch in seiner pädagogische Konzeption wesentlich von der kommunistischer Pädagogen und Ideologen.“[4]

Für die Kommunisten war die Gemeinschaft wichtiger als das Individuum. Für Freinet spielten jedoch Selbsttätigkeit, Freiheit und Verantwortung eine große Rolle, die eher vom Individuum ausgehen.

„Freinet hat ein sehr starkes Individualitätsverständnis, gleichzeitig betont er aber auch die Kooperation, die gegenseitige Verantwortlichkeit und die Diskussions- und Kritikfähigkeit der Personen mit- und untereinander und legt damit auch auf die sozialen und kollektiven Fähigkeiten des Individuums Wert.“[5]

Dieses Verhalten hatte Freinet selbst durch Engagement in der Gewerkschaft, Gründung von Kooperativen und Vereinigungen und Austausch mit anderen Lehrern verinnerlicht. Solche Fähigkeiten möchte Freinet auch bei seinen Schülern durch Erziehung zur Demokratie, beispielsweise durch den Klassenrat, fördern.

Freinet lebte in einer Zeit des pädagogischen Umschwungs, denn die erste Phase der reformpädagogischen Bewegung setzte um die Jahrhundertwende mit einer Kritik am Bildungswesen und an der aktuellen Schulpraxis ein.[6] Ab 1924 begann man die Reformversuche im eigenen Land mit denen anderer Länder zu vergleichen.

„Der Gedanken- und Erfahrungsaustausch und die internationale Ausweitung machten die Reformpädagogik zu einer der fruchtbarsten pädagogischen Strömungen. Sie reicht über methodisch didaktische Fragestellungen hinaus, bis hin zu existentiellen Fragen und Lebensphilosophien.“[7]

Auch Freinet schloss Kontakte zu anderen deutschen Pädagogen wie Hermann Lietz, dessen Engagement vorwiegend Landerziehungsheimen galt, Paul Geheeb, der die Odenwaldschule gründete, sowie Peter Peterson, der durch den „Jena-Plan“ das Lernen im traditionellen Klassenverband durch ein selbstgesteuertes Lernen in der Gruppe oder als Projekt ablöste.[8]

„Nicht nur politisch war er der gleichen Meinung wie die deutschen Pädagogen, „auch die pädagogischen Versuche, das Kind und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen, regten ihn an. Die Mitinitiatoren der Hamburger Schulreform, Fritz Gansberg und Heinrich Scharrelmann, die unter der Devise einer „Pädagogik vom Kinde aus“ den „freien Aufsatz“ und die „schöpferische Kraft im Kind“ zum Motor ihrer erlebnisdidaktischen Gestaltung des Unterrichts machen, regen Freinet zu seiner Forderung an, dass der Unterricht wesentlich von den Interessen des Kindes getragen werden muss und dass es eine seiner Hauptaufgaben ist, die „Expression libre“, den freien mündlichen und schriftlichen und künstlerischen Ausdruck zu pflegen.“[9]

Neben den deutschen Pädagogen lernte er die Italienerin Maria Montessori kennen, Ovide Decroly aus Belgien und den Schweizer Adolphe Ferriere. Decroly erweckte bei Freinet das Interesse für das Drucken.

1926 heiratete Freinet seine Frau Elise, die ebenfalls Lehrerin ist. Drei Jahre später kommt die Tochter Balouette zur Welt.[10] 1928 wechselte die Familie den Wohnort und zieht nach St. Paul-de-Vence um. Dort herrschte ein etwas anderes politisches Klima. Durch die Veröffentlichung eines Schülertextes, bei dem es um einen betrunkenen Pfarrer geht, wird ein „Schulkampf“ entfacht, der zur Entlassung Freinets 1934 aus dem Schuldienst führt. Er eröffnete ein Landschulheim in der Nähe von Vence.

Während des zweiten Weltkrieges wird Freinet zweimal wegen seines politischen Engagements verhaftet. 1944 kehrt er jedoch wieder in sein Landschulheim zurück und stirbt 1966 in Vence.

2.2 Freinets Prinzipien

2.2.1 Lernen vom Leben für das Leben, Lernen durch Handeln und Ganzheitlichkeit

Freinet grenzt den Begriff der Arbeit von dem der Pflicht ab. Monotone Arbeit, die gemacht wird, weil sie eben gemacht werden muss, fällt bei ihm nicht unter den Begriff der Arbeit.

Für ihn ist Arbeit „eine Tätigkeit, bei der physisch und geistig gearbeitet bzw. gehandelt wird und der Mensch sich gleichzeitig „gut“ fühlt, d.h. eine sinnvolle Tätigkeit ausübt, die ihn erfüllt, weil sie einen Zweck hat und dem Individuum und der Gemeinschaft dient.“[11]

Die Schüler sollen in den Arbeitsateliers wirklich etwas Sinnvolles arbeiten, etwas herstellen oder produzieren. Ein wichtiger Grund hierfür ist für Freinet die Erkenntnis, dass durch manuelle Tätigkeiten auch die geistigen Fähigkeiten verbessert werden. Außerdem kann das Kind nach getaner Arbeit das fertige Produkt sehen, sich daran freuen und so Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten entwickeln.[12]

Mit der Ansicht, dass manuelle Tätigkeiten wichtig für die geistige Entwicklung sind, steht Freinet nicht alleine da. Auch Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) wurde durch seinen Leitgedanken „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ bekannt und prägt bis heute die ganzheitliche Pädagogik.[13]

Weiterhin unterscheidet Freinet zwischen Spiel und Arbeit, denn Kinder spielen laut Freinet nach nur, weil die Erwachsenen sie nicht arbeiten lassen. Wer Arbeit hat, braucht seiner Meinung nach kein Spiel, da es „eine „Arbeit mit Spielcharakter“ (travail-jeu) [ist], eine Arbeit, die befriedigt und „euphorisches Vergnügen“ bereitet, weil sie die Elemente des Spiels in sich trägt.“[14]

2.2.2 Lernen durch tastende Versuche und Umgang mit Fehlern

Freinet geht davon aus, dass Kinder lernen wollen und alles Notwendige für den Lernprozess des Kindes schon in ihm drin steckt. Das heißt, der Lehrer muss dem Kind lediglich helfen, seine Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten. Dies nennt Freinet die „Natürliche Methode“.[15]

Das Kind begegnet Neuem mit einer neugierigen, experimentierenden und erprobenden Haltung. Bei neu gemachten Entdeckungen reagiert es auf die Erfahrungen, wiederholt oder verändert sein Vorgehen, um ein für sich zufrieden stellendes Ergebnis zu erlangen. Hierdurch lernt das Kind auch, sich nicht an dem zu messen was es nicht kann, sondern sich über Gelungenes zu freuen. Diese Lernform des Ausprobierens und Experimentierens ist also eine ganz natürliche Methode und entspricht so der Natur des Kindes. Auch Erwachsene lernen alltägliche Bewegungen wie Fahrrad fahren oder Bügeln durch Ausprobieren und nicht durch wissenschaftliches Vorgehen.

2.2.3 Lernen durch Kommunikation und Austausch

Freinet selbst war die Kommunikation und der geistige Austausch mit anderen Lehrern sehr wichtig. Deshalb gründete er die Kooperativen, um gemeinsam mit anderen am stehenden Bildungssystem zu feilen.

In seiner Pädagogik legte Freinet ebenfalls Wert auf den Austausch der Schüler untereinander. Mittel hierfür ist unter anderem der Klassenrat, bei dem jeder Schüler offen seine Meinung sagen darf und soll. Sie dürfen loben, kritisieren und eigene Vorschläge machen. Diese werden dann mit den anderen Schülern besprochen. Der Klassenrat stellt gleichzeitig eine Erziehung zur Demokratie dar.

Weiterhin haben die Schüler eine Klassenzeitung herausgebracht und dadurch Korrespondenz mit anderen Schulklassen betrieben. So können die Schüler Texte und Berichte von anderen Schülern lesen, die natürlich wesentlich interessanter für die Kinder sind als Texte von Erwachsenen. Die Motivation, etwas zu schreiben ist ebenfalls größer, wenn die Schüler wissen, dass es auch gelesen wird.

Durch den Austausch mit Klassen aus anderen Ländern lernen die Schüler Akzeptanz und Toleranz gegenüber Andersdenkenden und entwickeln Empathiefähigkeit.

[...]


[1] vgl. Klein, 1998, S.12

[2] vgl. H. Jörg in: Bruns, 2001, S.20

[3] vgl. Bruns, 2001, S.25

[4] H. Jörg in: Bruns, 2001, S.26

[5] Bruns, 2001, S.27

[6] vgl. Bruns, 2001, S.21

[7] Bruns, 2001. S.22

[8] vgl. Klein, 1998, S.12

[9].Jörg in: Bruns, 2001: 23

[10] vgl. Klein, 1998, S.16

[11] Bruns, 2001, S.42

[12] vgl. Bruns, 2001, S.45

[13] vgl. http://www.kindergartenpaedagogik.de/419.html

[14] Bruns, 2001, S.45

[15] Klein, 1998, S.23

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz des Druckens in der Schule bei Freinet
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Veranstaltung
Schülerzentiertes Arbeiten nach Celestin Freinet
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V85436
ISBN (eBook)
9783638013369
Dateigröße
2644 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einsatz, Druckens, Schule, Freinet, Schülerzentiertes, Arbeiten, Celestin, Freinet
Arbeit zitieren
Stephanie Wiegand (Autor), 2006, Der Einsatz des Druckens in der Schule bei Freinet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85436

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