Das Material "Kunststofffolie" im Kunstunterricht


Seminararbeit, 2007

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Material „Kunststofffolie“ in der Kunst
2.1 Geschichtlicher Exkurs
2.2 Werkbeispiel 1: Alberto Burri „Red Plastic“ (1962)
2.3 Werkbeispiel 2: Carla Accardi „cilindrocono“ (1972)
2.4 Werkbeispiel 3: Sebastien de Ganay „Filled Bags“ (2002)
2.5 Künstler, die mit anderen Kunststoffen arbeiten

3 Eigene künstlerische Studien zum Material „Kunststofffolie“
3.1 Vorbemerkung
3.2 Strategie 1: Die Kunststofffolie verdichten und verformen
3.3 Strategie 2: Rauminstallation mit der Kunststofffolie
3.4 Strategie 3: Kunststofffolie als Material für die Plastik
3.5 Zusammenfassung

4 Das Material „Kunststofffolie“ im Kunstunterricht
4.1 Mögliche künstlerische Problemstellungen für den Kunstunterricht
4.1.1 Problemstellung 1a
4.1.2 Problemstellung 1b
4.1.3 Problemstellung 2
4.1.4 Problemstellung 3
4.1.5 Problemstellung 4
4.1.6 Problemstellung 5
4.2 Methodische Planung der Problemstellung 5

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Internetquellen
6.3 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Arbeit soll es um das Material „Kunststofffolie“ als ein modernes Material und die Frage, wie man es im Kunstunterricht einsetzen kann, gehen.

In Kapitel zwei werde ich nach einem kurzen geschichtlichen Exkurs zur Verwendung von Kunstoffen in der Kunst, auf die Verwendung von Kunststofffolie bei drei exemplarischen Künstlern eingehen. Exemplarische Werkbeispiele von Alberto Burri, Carla Accardi und Sebastien de Ganay sollen die Verwendung der Kunststofffolie in der Kunst verdeutlichen.

Kapitel drei befasst sich mit meinen eigenen künstlerischen Versuchen mit Frischhaltefolie. Zunächst habe ich die Folie verdichtet und verformt, danach eine Rauminstallation im Wald geschaffen und schließlich eine Plastik mit Ästen und Folie geformt.

Anschließend werden in Kapitel vier mehrere Problemstellungen für den Kunstunterricht entwickelt. Diese Problemstellungen resultieren u.a. aus den Ergebnissen der vorherigen Kapitel. Zuletzt wird eine dieser Problemstellungen methodisch als konkrete Stundenplanung umgesetzt.

2 Das Material „Kunststofffolie“ in der Kunst

2.1 Geschichtlicher Exkurs

„Obwohl Kunststoffe als Imitate anderer Materialien eine lange Vorgeschichte besitzen und im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts rare Naturstoffe wie Koralle, Schildpatt oder Elfenbein immer perfekter durch Bakelit, Ebonit oder Zelluloid ersetzt und massenweise zu Schmuckdöschen, Kämmen oder Schreibutensilien gepresst wurden, beginnt ihre Erfolgsgeschichte erst nach dem zweiten Weltkrieg.“[1] „Erst unter dieser Vorraussetzung wurden Kunststoffe auch zum Material der Kunst.“[2]

Nur das Plexiglas hat eine längere Tradition und wurde schon in den 20er Jahren z.B. von Naum Gabo verwendet.[3]

Das Besondere an den Kunststoffen ist deren Wandlungsfähigkeit und Widerstands-losigkeit, die sozusagen alles mit sich machen lassen.[4] „Die Stoffe bringen gar keine spezifischen, strengen Charaktere auf uns zu, sondern sie sagen: Bitte schön, du bist der Herr, ich bin der Diener, ich tue völlig, was du willst.“[5]

„Zu den Eigenschaften von Plastik gehört, daß [!] einem Gegenstand nicht mehr anzusehen ist, mit welchen Kräften er geformt, wie er gegossen oder auf welche andere Weise er hergestellt worden ist. Alle Spuren der Bearbeitung sind verschwunden. Die neuartigen Oberflächen können zwar alles imitieren, aber sie verraten nichts über ihre Herkunft. Dieser Eindruck beförderte die Vorstellung vom geschichts- und alterslosen Material und einer vom Odium der Arbeit befreiten Schöpfung.“[6]

Plastikfolien, um die es hier gehen soll, gehören nach Wagner zu den am häufigsten künstlerisch gebrauchten Kunststoffprodukten.[7] Allerdings sind sie oft nur punktuell in den Werken beispielsweise von Pop-Art Künstlern vertreten und nicht das Hauptmaterial.

2.2 Werkbeispiel 1: Alberto Burri „Red Plastic“ (1962)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Alberto Burri, Red Plastic, 1962; Fondazione Palazzo Albizzini 'Collezione Burri', Citta di Castello[8]

Alberto Burri ist neben Piero Manzoni und Lucio Fontana einer der wichtigsten italienischen Künstler der 1950/60er Jahre.[9] Er verwendet seit 1961 Plastikfolien in seinen Werken, die er meist über Holzrahmen spannt, so dass sie gleichzeitig als Bildträger und als Oberfläche fungieren.[10] Diese Plastikfolien durchlöchert, schmilzt und malt er an. Die Werke wirken gewollt unangenehm und alles andere als schön[11], obwohl Burri selbst gesagt hat: „I see beauty and that is all ... Form and space: these are the essential qualities that count."[12] Das Material ist der absolute Protagonist, es symbolisiert nichts, vermittelt vielmehr Gemütszustände, das tiefe Leid und die Qualen, die im Menschen und im Leben verwurzelt sind.[13]

„Da die Folie den Bildkörper abgibt, wirkt das eingeschmolze Plastikmaterial, als sei die Haut eines geschundenen Körpers schwer verwundet und zerfetzt. Dem geschichtslosen Stoff wird gewaltsam eine Geschichte imprimiert, die ihn zugleich ruiniert: Altes Plastik wird Abfall.“[14]

Die Arbeiten aus Plastik erinnern an Verwundungen, Nähte und Verunstaltungen von Körpern.[15]

Dies hängt damit zusammen, dass Burri als Arzt (auch während des 2. Weltkrieges) gearbeitet hat, bevor er Kriegsgefangener der USA wurde.[16] Nach dem Krieg hörte er wegen des erfahrenen Elends der Verletzten, Verwundeten und Sterbenden auf als Arzt zu arbeiten. In seinen Werken verarbeitet er auch seine Kriegserfahrungen und es spiegeln sich dort seine subjektiven Empfindungen wieder.[17]

Auf der anderen Seite wirken die Arbeiten aus Plastik aber auch zart und zerbrechlich. Searle schreibt: „Elsewhere, a red plastic sheet, with big holes burned it, is both, sumptuous and awful, like exposed innards.“[18]

Ich bin zwar nicht der Ansicht, dass Eingeweide kostbar und prächtig (sumptuous) sind, sondern eher etwas widerlich, deswegen finde ich die Metapher nicht ganz passend.

Bei meiner eigenen Bildrezeption verhielt es sich so, dass ich bei M. Wagner erst ein Schwarz-Weiß Bild gesehen habe (Entweder eine Schwarz-Weiß Kopie eines farbigen Bildes oder eine Plastikfolie, die nicht angemalt wurde). Diese Bild wirkte auf mich vornehmlich faszinierend und durch die Löcher und Falten wurde die fehlende Stabilität der Plastikfolie sehr deutlich. Es wirkte wirklich wie eine dünne, eingerissene Haut. Jedoch hatte ich hier noch nicht die Assoziation zu einem verletzten Lebewesen. Erst als ich im Internet Bilder mit rot angemalter Folie fand, erfasste mich sofort ein Ekelgefühl, was sicher mit der Assoziation Rot = Blut zusammenhängt.

Für mich nimmt Alberto Burri die Position der Materialgerechtigkeit ein, da er die spezifischen Eigenschaften der Plastikfolie (leicht reißbar, instabil, wie dünne Haut) sehr gut sichtbar macht. Ich denke, dass dies der vordergründige Gedanke Burris war. Natürlich war die Plastikfolie auch Mittel um seine Intention (Anspielung auf Verwundungen usw. im Krieg) darzustellen. Es ist jedoch immer schwierig zu sagen, was dem Künstler vordergründig wichtiger war bzw. was seine wirkliche Intention war, da dies nur der Künstler selbst weiß.

Die Anspielungen auf den Krieg sind sicher auch Überlegungen Dritter, die biographisch interpretiert wurden.

2.3 Werkbeispiel 2: Carla Accardi „cilindrocono“ (1972)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Carla Accardi: cilindrocono, 1972[19]

Carla Accardi ist wie Alberto Burri ebenfalls eine italienische Künstlerin und gehört zu den wichtigsten Vertreterinnen der abstrakten Malerei in Italien nach 1945.[20]

Durch die Beeinflussung von Alberto Burri[21], verwendet sie in den sechziger und siebziger Jahren transparente Folien als Malgrund.[22] Diese Sicofoil-Folien ermöglichen ihr eine Öffnung der Malerei in den Raum. Farbzeichen werden zu plastisch verstandenen Aussagen.[23]

„Cilindrocono“ besteht anscheinend aus zwei Ringen aus Kunststoffen, die mit Plastikfolie zu einem Zylinder umspannt sind. Die Oberfläche des Zylinders geht trichterartig nach unten. Der obere Ring scheint mir Verstrebungen (links im Bild erahnbar) befestigt ist. Die Oberfläche und Streifen der Mantelfolie hat sie mit einem Rapportmuster (V´s) bemalt bzw. (ist für mich wahrscheinlicher) bedruckt.

„Das Werk von Carla Accardi ist bestimmt von einer lichten Transparenz und einer in alle Dimensionen hin spürbar werdenden Öffnung. Wer ihre Werke betrachtet, erfährt ein Gefühl von Leichtigkeit und Transparenz. Ihre pulsierenden Farbzeichen bilden auf vielfältige Weise eine sichtbar werdende Öffnung.“[24] „Ihre darauf gemalten bewegten Zeichen, Wellenlinien und andere sich selbst wiederholende Strukturen vermitteln intuitiv und sichtbar zwischen Innen und Außen. Es kommt zu einem oszillierenden Austausch zwischen Farbe und Malgrund.“[25]

2.4 Werkbeispiel 3: Sebastien de Ganay „Filled Bags“ (2002)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Sébastien de Ganay, "Filled Bags", 2002, Acryl und Öl auf Styropor in Plastik[26]

[...]


[1] Wagner, 2002, S.185, zitiert nach Katz, 1986

[2] Wagner, 2002, S.185

[3] vgl. Wagner, 2002, S.186

[4] vgl. Wagner, 2002, S.187

[5] Wagner, 2002, S.187, zitiert nach Schwippert, 1952, S.85

[6] Wagner, 2002, S.190

[7] vgl. Wagner, 2002, S.191

[8] http://www.telegraph.co.uk/arts/main.jhtml?xml=/arts/2005/03/29/upixitaly29.xml [08.05.07]

[9] vgl. http://www.speronewestwater.com/cgi-bin/iowa/articles/record.html?record=330

[10] vgl. Wagner, 2002, S.192

[11] vgl. http://www.speroneswestwater.com/cgi-bin/iowa/articles/record.html?record=330

[12] http://www.speroneswestwater.com/cgi-bin/iowa/articles/record.html?record=330

[13] Online: URL: http://www.italianculture.net/deutsch/kunst.html

[14] Wagner, 2002, S.192

[15] vgl. http://www.speroneswestwater.com/cgi-bin/iowa/articles/record.html?record=330

[16] vgl. http://www.speroneswestwater.com/cgi-bin/iowa/articles/record.html?record=330

[17] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Alberto_Burri

[18] vgl. http://www.speroneswestwater.com/cgi-bin/iowa/articles/record.html?record=330

[19] http://www.luxflux.net/artists/accar/accard.htm

[20] vgl. http://kunstmuseum.bonn.de/ausstellungen/accardi/accardi.htm

[21] http://www.speronewestwater.com/cgi-bin/iowa/articles/record.html?record=355

[22] vgl. http://kunstmuseum.bonn.de/ausstellungen/accardi/accardi.htm

[23] http://kunstmuseum.bonn.de/ausstellungen/accardi/accardi.htm

[24] http://www.martaherford.de/pages/de/museum/rueckblickarchiv/accardiplusfontana.html

[25] http://www.martaherford.de/pages/de/museum/rueckblickarchiv/accardiplusfontana.html

[26] http://www.haeusler-contemporary.com/index.php?id=91

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das Material "Kunststofffolie" im Kunstunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Veranstaltung
Das Material in der Kunst
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V85437
ISBN (eBook)
9783638013376
Dateigröße
4094 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
11 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 8 Online-Quellen.
Schlagworte
Material, Kunststofffolie, Kunstunterricht, Material, Kunst
Arbeit zitieren
Stephanie Wiegand (Autor), 2007, Das Material "Kunststofffolie" im Kunstunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85437

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