Heinrich von Morungen - Leben, Lieder, kulturtouristisches Erbe?


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Leben des Heinrich von Morungen

2. Charakteristika seiner Lieder
2.1 Von der elbe wirt entsehen
2.2 Vil süeziu senftiu tœterinne
2.3 Mir ist geschehen als einem kindelîne

3. Möringer Ballade

4. Kulturtouristik im heutigen Sachsen-Anhalt

5. Literaturverzeichnis

1. Leben des Heinrich von Morungen

Über das Leben Heinrich von Morungens ist nicht viel überliefert. Man schätzt seine Lebenszeit auf Grund der „sprachlichen, formalen und inhaltlichen Eigentümlichkeiten seiner Lieder [...] auf die Wende des 12. zum 13. Jh. [...] und auf Ostmitteldeutschland als Lebens- und Wirkungsraum“[1 ]. Aus dieser Zeit sind uns zwei Urkunden erhalten geblieben, auf denen von einem Hendricus de Morungen die Rede ist, der Beziehungen zum Thomaskloster in Leipzig und zum Markgrafen von Meißen gehabt haben soll. Jedoch sind darauf keine Informationen enthalten, dass dieser Hendricus auch gedichtet hat. Ein wissenschaftlicher Nachweis, dass dieser genannte Hendricus der 'gesuchte' Heinrich von Morungen ist, ist jedoch nicht möglich. Ebenso sind darauf zwei Wappen abgebildet, die man heute auf ein Geschlecht aus Thüringen, nahe Sangerhausen, zurückführen kann.[2 ] Hiermit sind die Quellen erschöpft, die uns über Leben und Werk Heinrich von Morungens Aufschluss geben könnten. Ein außergewöhnliches und vermeintliches Zeugnis der Lebensgeschichte Morungens ist die so genannte „Ballade vom edlen Moringer“, deren älteste Fassung aus dem Jahre 1459 stammen soll,[3 ] auf die ich jedoch später noch näher eingehen werde. Urkundlich belegt ist nur sein Tod 1222 im Leipziger Thomaskloster.

2. Charakteristika seiner Lieder

Heinrich von Morungen war aus heutiger Sicht, neben Walther von der Vogelweide, mit der beste Minnesänger seiner Zeit. Seine damaligen Kollegen sahen das jedoch anscheinend anders. Sie erwähnten ihn kaum in damaligen Schriften, aber dennoch griffen sie seine Motive auf und verarbeiteten sie in ihren eigenen Minneliedern. Was war also am damaligen Heinrich von Morungen so 'anders', vielleicht so erschreckend und verwerflich, dass man ihm, trotz hervorragender Texte, keiner Erwähnung oder sogar Huldigung schuldig war?

Morungens Stoffe und Motive beschränken sich auf Alltägliches der damaligen Zeit, jedoch sind seine Lieder von „tiefe[r] Erlebnisfähigkeit und Sensibilität“[4 ] geprägt und werden unter anderem wegen der Bildhaftigkeit und Sprache der hohen Minne zugeordnet. Motive, die Morungen gerne verwendet hat, sind die des „Liebeskrieges“[5 ], des Singens und des Schweigens[6 ] und das des „Verlust[es] der Sprache und Sinne beim Anblick der Geliebten“[7 ]. Wenn man Morungens Minnelieder genauer untersucht, kann man feststellen, dass er seinen Wortschatz, aus dem er seine Vergleiche zieht und beschreibt, vorzugsweise aus drei großen Kategorien schöpft.

Zum Einen ist das die klassische Antike. Die Thematik des Narzissmus und des Mythos der Nymphe Echo verarbeitete er des öfteren in seinen Liedern. Auch sind Verweise auf den römischen Dichter Ovid zu finden, was sich dadurch erklären lässt, dass am Thüringer Hof, an dem Morungen gelebt haben soll, zur selben Zeit Ovids „Metamorphosen“ von Albrecht von Halberstadt übersetzt worden sein sollen und er dadurch mit der Thematik des mythologischen Werkes in Kontakt gekommen sein könnte. Ebenfalls soll sich Morungen am Aeneas-Epos bedient haben, das zu seiner Zeit Heinrich von Veldeke am Thüringer Hof geschrieben haben soll.[8 ] Man findet antike Motive, wie es für das Mittelalter üblich war, Motive aus dem kirchlichen und geistlichen Leben. Anlehnungen an die Mariendichtung, Zitate aus „Hymnen und liturgische[n] Gesänge[n]“[9 ] ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Werke.[10 ]

Als dritte Kategorie sind die rheinischen Minnesänger zu nennen. „Morungen empfängt seine Anregungen aus den Liedern der Troubadours und Trouvères, er kennt die heimische Lyrik und lernt vor allem auf formalem Gebiet von den rheinischen Sängern.“[11 ]

Morungens Minnelieder sind im Vergleich zu vielen anderen „um Grade leuchtender, leidenschaftlicher, und ungestümer“[12 ]. Der Minnesänger reagiert bei Weitem emotionaler und maßloser als man es von anderen gewohnt war. Lehnt eine Dame ihm ab, so wird sie sogleich als 'Dämon' dargestellt, nimmt sie sich ihm aber an, so wird sie in seinen Augen zur Göttin aller Götter und aller Welt. Morungen erlaubte sich viel Neues in seine Werke einzubinden. So rückte er bei seinen Verehrungen der höfischen Damen nicht nur mehr, wie vorher üblich gewesen, die weiblichen Tugenden wie das Gute, Reinheit und Schönheit in den Vordergrund, sondern er bringt auch erstmals die Persönlichkeit der Dame mit ein und ihre körperlichen Vorzüge werden detailliert besungen. Durch das direkte Anreden der geworbenen Dame minimiert sich die Distanz zwischen Sänger und Besungener, was die gesungenen Lieder viel persönlicher und direkter am Gegenüber wirken lassen als es zuvor der Fall war.[13 ]

Nicht nur inhaltlich sondern auch formal gestaltete Heinrich von Morungen seine Minnelieder sehr kunstvoll. Sein „virtuose[s] Spiel mit den Reimen“[14 ] wird nach ihm zum Aushängeschild des späten Minnesang. Spielereien mit Doppel-, Binnen- und Innenreimen, die er zur Gliederung von Versen und Strophen verwendet, findet man recht häufig.

„Hervorzuheben ist bei ihm die kunstvolle und planmäßige Verbindung von daktylischen Versen mit alternierenden, Kombinationen, aus denen er nicht nur diffizile und überraschende Klangreize, sondern auch neue Möglichkeiten zur inhaltlichen Gliederung der Strophen gewinnt.“[15 ]

Anzumerken ist mit als letztes, dass Morungen sehr anschaulich gedichtet hat. Er wird nicht durch das Sein der Geliebten fasziniert und verzaubert, sondern durch ihr Handeln, ihre Aktionen und durch ihre vielfältigen Erscheinungsformen, wie Morungen sie gerade sieht – als 'Dämon' oder oberste Göttin.[16 ] Was hier theoretisch vorgestellt wurde soll nun im Folgenden an drei ausgewählten Minneliedern Morungens erläutert und belegt werden.

[...]


1 Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Hg. v. Kurt, Ruh. 2. völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin, New York: de Gruyter 1981(= Band 3). S.804.

2 Vgl. Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Verbesserte und bibliographisch erneuerte Ausgabe. Stuttgart: Reclam 1992 (= Universal-Bibliothek Nr. 9797). S. 193-212.

3 Vgl. Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Hg. v. Kurt, Ruh. 2. völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin, New York: de Gruyter 1981(= Band 3). S.804-815.

4 Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Verbesserte und bibliographisch erneuerte Ausgabe. Stuttgart: Reclam 1992 (= Universal-Bibliothek Nr. 9797). S. 201.

5 Verfasserlexikon. 1981. S.807.

6 Vgl. Verfasserlexikon. 1981. S.804-815.

7 Verfasserlexikon. 1981. S.807.

8 Vgl. Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Verbesserte und bibliographisch erneuerte Ausgabe. Stuttgart: Reclam 1992 (= Universal-Bibliothek Nr. 9797). S. 193-212.

9 Verfasserlexikon. 1981. S.808.

10 Vgl. Verfasserlexikon. 1981. S.804-815

11 Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Verbesserte und bibliographisch erneuerte Ausgabe. Stuttgart: Reclam 1992 (= Universal-Bibliothek Nr. 9797). S.201.

12 Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Verbesserte und bibliographisch erneuerte Ausgabe. Stuttgart: Reclam 1992 (= Universal-Bibliothek Nr. 9797). S.202.

13 Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Verbesserte und bibliographisch erneuerte Ausgabe. Stuttgart: Reclam 1992 (= Universal-Bibliothek Nr. 9797).. S.202f.

14 Verfasserlexikon. 1981. S.809.

15 Verfasserlexikon. 1981. S.810.

16 Vgl. Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Verbesserte und bibliographisch erneuerte Ausgabe. Stuttgart: Reclam 1992 (= Universal-Bibliothek Nr. 9797). S.193-212.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Heinrich von Morungen - Leben, Lieder, kulturtouristisches Erbe?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Straße der Minnesänger
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V85468
ISBN (eBook)
9783638013529
ISBN (Buch)
9783638917025
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Insgesamt sehr richtig und differenziert. Wäre durch Textbelege noch zu verbessern. Textstellen zum Kulturtourismus sind durch die beiden Privatfotos verheißungsvoll!
Schlagworte
Heinrich, Morungen, Leben, Lieder, Erbe, Straße, Minnesänger, Minnesang, Lyrik, Analyse
Arbeit zitieren
Anke Speringer (Autor), 2006, Heinrich von Morungen - Leben, Lieder, kulturtouristisches Erbe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85468

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