Die Chancen des Spielens in der Grundschule mit Blick auf die Integrationspädagogik


Hausarbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Das Spiel –Eine Definition
2.2 Merkmale des Spiels

3. Grundformen des Spiels
3.1. Das Interaktionsspiel
3.2. Das Simulationsspiel
3.3. Das szenische Spiel

4. Betrachtung des Hamburger Rahmenplans unter dem Aspekt des Spielens
4.1 Hamburger Rahmenplan zum Fach Mathematik
4.2 Hamburger Rahmenplan zum Fach Englisch
4.3 Hamburger Rahmenplan Fach Deutsch
4.4 Hamburger Rahmenplan Fach Sachunterricht
4.5 Hamburger Rahmenplan Fach Kunst
4.6 Hamburger Rahmenplan Fach Sport
4.7 Hamburger Rahmenplan Fach Musik

5. Das Spiel im Unterricht
5.1. Die Zusammenhänge zwischen Spielen und Lernen
5.2. Argumente für das Spielen im Unterricht
5.3. Vorurteile gegenüber dem Spielen im Unterricht

6. Was ist Integration?

7. Spielen und Integration
7.1 Bedeutung der Sozialform des Spielens für die Integrationspädagogik
7.2 Möglichkeiten das Spielen sinnvoll für die Integration im Unterricht zu nutzen

8. Fazit

9. Literatur

1. Einleitung

Im Rahmen der Vorlesung „Einführung in die Integrationspädagogik“, welche ich im Wintersemester 2004/2005 besuchte, schreibe ich über die Chancen des Spielens in der integrativen Grundschule und die Bedeutung dessen für den Lernprozess der Schüler.

Meine Entscheidung zu diesem Thema rührt aus verschiedenen Unterrichtshospitationen, meinen eigenen Erfahrungen aus der Grundschulzeit und Seminaren in denen das Thema Spielen im Schulunterricht als soziale Erziehung des Öfteren angesprochen wurde. Zudem interessiert mich der Aspekt der Integrationspädagogik und die Möglichkeiten diesen mit dem Spielen im Unterricht zu verknüpfen.

In meiner Grundschulzeit war es leider noch nicht möglich eine Integrationsklasse zu besuchen, so dass ich diese Erfahrungen nie aus der Schülerperspektive, sondern nur aus der einer hospitierenden Studentin machen konnte. Allerdings habe ich in meinem Freundeskreis eine Mutter mit einem körperlich schwer behinderten Sohn, der seit der Grundschule eine Integrationsklasse besucht. Mittlerweile besucht dieser Junge die Mittelstufe und musste dort leider einige Male feststellen, wie es sich anfühlt wenn die Integration nicht gelingt bzw. der Lehrer nicht genügend geschult ist.

Mit diesem bunten Gemisch aus Erfahrungen möchte ich herausfinden ob es möglich ist mit dem Medium Spiel einige soziale und lerninhaltliche Barrieren zu überwinden.

Bevor ich mit der wissenschaftliche Ausarbeitung dieses Themas beginne, habe ich mich selbst einmal gefragt, welchen Inhalt das Wort Spielen eigentlich für mich hat.

Spielen ist für mich etwas sehr ursprüngliches und friedliches. Spielen ist unabhängig von Raum, Zeit, Alter und Herkunft. Es kann überall und mit allen Dingen gespielt werden, dazu braucht es keine bestimmten Gegenstände.

Die Spielaktivität lässt sich durch bestimmte Gegenstände wie Spielzeuge, Musik und eine anregende Umgebung unterstützen.

Die Frage ist, ab wann ist eine Tätigkeit spielen ist und ab wann nicht? Was gibt es für Rahmenbedingungen für das Spielen, die es zum Spiel machen? Welche Spielkategorien gibt es, ist ein Lernspiel auch ein Spiel? Die Frage die mich am meisten beschäftigt, lautet, was sind die Chancen des Spielens in der Grundschule mit dem Blick auf die Integrationspädagogik? Ist es möglich auf diesem Wege geeigneter das pädagogische Ziel der Integration durchzusetzen? Ist es möglich durch die freiwillige Tätigkeit des Spielens die Grenzen zwischen behinderten und nicht behinderten Kindern aufzuheben bzw. auf ein geringes Maß zusammen zuschrumpfen?

2.Begriffsklärung

2.1 Das Spiel –Eine Definition

Wenn man über das Spiel oder über Spielen als Tätigkeit spricht, erscheint es eindeutig was damit gemeint ist, jedoch gibt es keine einheitliche Definition. Sucht man in verschiedenen Quellen nach einer Definition wird man kaum fündig, weil sich die Wissenschaft, bezogen auf die jeweiligen theoretischen Positionen, auf Teilaspekte, jedoch nicht auf die Begriffsklärung des Spiels im Allgemeinen bezieht.

Für Mogel gelten als Hauptmerkmale des echten Spiels, dass dieses „Sinn und Zweck in sich selbst trägt“ und frei ist von richtigen Zielen und Ergebnissen außer der Spieltätigkeit selbst (vgl. H. Mogel (1994), S.9).

In der Geschichte etwas weiter zurückliegend verbindet Schiller mit der Idee des Spielens „die Grundphänomene Bildung (ästhetische Erziehung), Menschwerdung, Gesellschafts- und Kulturentwicklung“(vgl. Döring (1997); S.37).

Laut Brockhaus wird das Spiel wie folgt definiert: „Das Spiel: (althochdeutsch: spil, ursprünglich Tanz) körperlich oder geistige Tätigkeit, die im Gegensatz zur Arbeit nicht bestimmter äußerer Ziele dient, sondern einen durch Funktionslust und/oder Freude an ihrem Inhalt oder Ergebnis bestimmten Selbstzweck darstellt.“ Nach entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten werden die Formen des Spiels unterteilt in: Funktions-Spiel mit dem eigene Körper und mit Gegenständen, Fiktions-Spiel (Deutungs-, Illusions-Spiel) und Rollen-Spiel, ferner lässt sich zwischen Rezeptions-Spiel, Herstellungs-Spiel und Konstruktions-Spiel differenzieren. In der späteren Kindheit (8-13 Jahre) nehmen Gruppen-Spiele mit festen Regeln (Regel-Spiel) einen breiten Raum ein; sie nehmen gleichzeitig Verhaltensweisen des Wettkampfes und der Rivalität in sich auf und sind als Einübung normierter sozialer Rollen und gemeinschaftsbezogenen Handelns entscheidend für die Sozialisation.

„Wissenschaftsmethodisch dient vor allem in den Wirtschaftswissenschaften die Spieltheorie zur theoretischen Planung von Situationen mit hohen Unsicherheitsmomenten.“ (vgl. H. Scheuerl (1979), Hrsg.: H. Röhrs (1981).

In „Psychologie des Kinderspiels“ von Hans Mogel befragt dieser seine Studenten zu dem Begriff des Spielens. Aus Sicht dieser kennzeichnen das Spiel die Eigenschaften Freude, Lust, Amüsement und Freiwilligkeit, aber entgegengesetzt der wissenschaftlichen und sonstigen Definitionen werden auch die Merkmale der Räumlichkeit und Zeitlichkeit des Spielens von den Studenten angesprochen (vgl. H. Mogel (1994), S.3-4). Allerdings werden auch die sozialen Aspekte die Beziehungen des Spielens wie Phantasie, Umweltbezug, Interaktion und Partnerschaft aus diesen folgt die Definition „Spielen ist demnach eine freie Tätigkeit, die frei von äußeren Zwecken verläuft. Spielen geht mit Neugier einher, es orientiert sich am Neuigkeitsgehalt der Dinge, sucht Überraschungen. Spielen heißt das Erleben von Freude, Spaß, Vergnügen, Amüsement, Lust. Spielen wird getragen von einer Spannungssuche. Es ist ein Bewegen von Gegenständen, das mit Lebensbereicherung und Lebenserleichterung einhergeht. Das Spielen hat eine eigene Beziehung zu Raum, Zeit und Umwelt. Es bedeutet Raum- und Zeitgestaltung, ist dabei aber frei von Zeitdruck. Es dient dem Zeitvertreib, manchmal versucht es, Räumlichkeit und Zeitlichkeit des Lebens zu überwinden. Spielen heißt phantasievolle, kreative Auseinandersetzung mit der Umwelt. Spielbeziehungen sind häufig partnerschaftliche Interaktionen. Spielen heißt Kommunikation mit Gedanken, Dingen und Personen. Spielen hat einen Zielbezug, eine Zielrichtung (>> Zielflexibilität <<). Spielen heißt Ausdrücke des individuellen Selbst. (…)“ (H. Mogel (1994), S.7). In der Alltagssprache verdecken sich hinter dem Begriff Spiel laut Mogel viele Verknüpfungen mit typischen Alltagsgeschehnissen wie Scherz, Witz, Freiheit, Risiko, Freude, Spaß, Vergnügen und Leichtsinn (siehe H. Mogel (1994), S.8).

2.2 Merkmale des Spiels

Folgende Merkmale des Spiels lassen sich nahezu auf alle Spielformen beziehen:

- Spielen ist zweckfrei, es bezieht sich nicht auf etwas Bestimmtes und findet in keinem eingegrenzten Rahmen statt. Deshalb benötigt es einen freien Raum.
- Spielen ist in sich zielgerichtet. Die Dynamik wird in der Situation durch die Spielenden produziert.
- Spielen findet in einer Scheinwelt statt. Die Spielenden befinden sich in einer durch die Phantasie oder das Spielmaterial vorgegebenen Welt.
- Spielabläufe sind mehrdeutig und offen. Der Spielablauf kann nicht festgelegt und vorhergesagt werden, wodurch die Spannung erhalten bleibt.
- Spielen schafft eine handelnde Auseinandersetzung mit den Mitspielern oder dem Spielobjekt. Hierbei finden kognitive Verarbeitungsprozesse statt.
- Spielen erfordert die Anerkennung von Spielregeln. Es liegen immer verbindliche Regeln vor und sei es die, das es keine Regeln geben soll.
- Im Spielen müssen gleiche Rechte und Gewinn- oder Beteiligungschancen für alle Mitspieler bestehen.
- Spiele erfüllen sich in der Gegenwart. Ob Kinder oder Erwachsene, sie spielen im Hier und Jetzt. Man kann nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft spielen.
- Spielen macht Spaß.

(vgl. Meyer 1994, 342)

3. Grundformen des Spiels

In der Literatur habe ich zahlreiche Definitionen zu verschiedenen Grundformen des Spiels gefunden. Sinnvoll für diese Arbeit erschien mir die Aufteilung in drei Großbereiche von Hilbert Meyer, da sich diese auf die Unterrichtsmethodik beziehen.

Meyer unterscheidet im Hinblick auf unterschiedliche Spielgegenstände und –zwecke zwischen dem Interaktions-, dem Simulations- und dem szenischen Spiel.

Die Unterscheidungen beziehen sich auf den Grad der Verregelung, die Rolle der Spielvorlagen und die Lern- und Reflexionsanlässe im Unterricht, jedoch nicht darauf, dass zum Beispiel nur bei Interaktionsspielen eine Interaktion stattfindet.

Der Grad der Verregelung bedeutet bei Meyer auch nicht Konkurrenz, sondern bezieht sich auf das Regelerfinden oder die Variation der Spielregeln während des Spiels durch die Schüler bestimmt wird. Für den Lehrer bedeutet dies, zu beachten, dass es durchaus Schüler gibt, die sich eindeutige Spielregeln wünschen, wodurch sie eine Sicherheit bezüglich des Spielverlaufs erfahren.

3.1. Das Interaktionsspiel

Mit dem Interaktionsspiel ist die spielerische Auseinandersetzung mit den Spielpartnern gemeint. Hierbei geht es vor allem um Spaß, Spannung und Erholung. Das Interaktionsspiel kann vorwiegend als eine Kompensationsfunktion zum Frontalunterricht gesehen werden.

Hierbei soll nicht nur das soziale Lernen, sondern auch die Entwicklung zu einer Klassengemeinschaft gefördert werden.

3.2. Das Simulationsspiel

Bei dem Simulationsspiel werden Entscheidungsprozesse und Konflikte simuliert. Sie sind absichtsvoll und regelgeleitet und dienen der Einnahme einer bestimmten sozialen Rolle und dem Training Entscheidungen zu treffen. Solche Spiele werden in der Literatur häufig auch als Rollen- und Planspiele bezeichnet.

3.3. Das szenische Spiel

Das szenische Spiel umfasst unterschiedliche Einsatzbereiche und dementsprechend unterschiedliche Ziele. Es kann zur Interpretation von literarischen Texten, Geschichten, Gedichten und Begriffen genutzt werden oder den lehrgangsgemäß organisierten Unterricht durch das auf das Publikum gerichtete Vorspielen ergänzen.

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Details

Titel
Die Chancen des Spielens in der Grundschule mit Blick auf die Integrationspädagogik
Hochschule
Universität Hamburg  (Fachbereich Erziehungwissenschaft)
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V85476
ISBN (eBook)
9783638013680
ISBN (Buch)
9783640522514
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chancen, Spielens, Grundschule, Blick, Integrationspädagogik
Arbeit zitieren
Sandra Schierz (Autor), 2006, Die Chancen des Spielens in der Grundschule mit Blick auf die Integrationspädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85476

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