Bierbäuchiger Trainer von nebenan resümiert Lebensweisheiten
Der Roman mit dem grammatisch ungewöhnlichen Titel „Leben bis Männer“ von Thomas Brussig bietet einen interessanten Einblick in die Ansichten eines Mittfünfzigers, der in der ehemaligen DDR als bierbäuchiger, namenloser Fußballtrainer von einer Reihe großer Enttäuschungen aus der Bahn geworfen wurde und sich mit seiner einzigen Konstante, dem Fußball, etwas Halt verschafft und das Leben erklärt.
Nachdem seine Frau ihn verlassen hat und den Sohn mitnimmt, flüchtet er in den Beruf des Fußballtrainers und durchlebt die einzelnen Altersgruppen des Vereins „Tatkraft Börde“ mit der immer gleichen Mannschaft: „Kinder, Knaben, Schüler, Jugend, Junioren – bis Männer“. Außerdem tritt er extra in die Partei ein, um bei großen Spielen der DDR im Ausland dabei sein zu dürfen. Das Versprechen hierfür erhält er auch, allerdings schafft es die DDR-Mannschaft vor der Wende nicht mehr, sich zu qualifizieren. Und die tragischste Enttäuschung erlebt er, als sein Ersatzsohn Heiko, den er als Neunjährigen einer anderen Mannschaft abwerben konnte, seiner Folgsamkeit zum Opfer fällt und zu einer Haftstrafe verurteilt wird, weswegen die Mannschaft nun den Aufstieg nicht schafft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Figur des Trainers
2.1 Der Fußball als Lebenskonstante
2.2 DDR-Vergangenheit und das Versprechen
3. Heiko und die tragische Enttäuschung
4. Frauenbilder im Monolog
5. Das globale Erklärungsmodell Fußball
6. Fazit und Interpretation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Rezension untersucht die Romanstruktur und die Charakterentwicklung in Thomas Brussigs Werk "Leben bis Männer", wobei insbesondere die subjektive Weltsicht eines ehemaligen DDR-Fußballtrainers und dessen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Veränderungen analysiert werden.
- Die Rolle des Fußballs als strukturgebendes Element und Weltanschauung.
- Der Einfluss politischer Systeme auf die Biografie der Hauptfigur.
- Die psychologische Darstellung von Geschlechterrollen und Klischees.
- Die ironische Distanz zwischen Erzähler und Rezipient.
- Die literarische Aufarbeitung von DDR-Vergangenheit und Nachwendezeit.
Auszug aus dem Buch
Bierbäuchiger Trainer von nebenan resümiert Lebensweisheiten
Der Roman mit dem grammatisch ungewöhnlichen Titel „Leben bis Männer“ von Thomas Brussig bietet einen interessanten Einblick in die Ansichten eines Mittfünfzigers, der in der ehemaligen DDR als bierbäuchiger, namenloser Fußballtrainer von einer Reihe großer Enttäuschungen aus der Bahn geworfen wurde und sich mit seiner einzigen Konstante, dem Fußball, etwas Halt verschafft und das Leben erklärt.
Nachdem seine Frau ihn verlassen hat und den Sohn mitnimmt, flüchtet er in den Beruf des Fußballtrainers und durchlebt die einzelnen Altersgruppen des Vereins „Tatkraft Börde“ mit der immer gleichen Mannschaft: „Kinder, Knaben, Schüler, Jugend, Junioren – bis Männer“. Außerdem tritt er extra in die Partei ein, um bei großen Spielen der DDR im Ausland dabei sein zu dürfen. Das Versprechen hierfür erhält er auch, allerdings schafft es die DDR-Mannschaft vor der Wende nicht mehr, sich zu qualifizieren. Und die tragische Enttäuschung erlebt er, als sein Ersatzsohn Heiko, den er als Neunjährigen einer anderen Mannschaft abwerben konnte, seiner Folgsamkeit zum Opfer fällt und zu einer Haftstrafe verurteilt wird, weswegen die Mannschaft nun den Aufstieg nicht schafft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Romans und Vorstellung des Ich-Erzählers als ehemaligen DDR-Fußballtrainer.
2. Die Figur des Trainers: Analyse der Motivation des Trainers und seiner Flucht in den Fußball als Lebensinhalt.
3. Heiko und die tragische Enttäuschung: Beleuchtung des Schicksals von Heiko, der durch übermäßige Pflichterfüllung in einen rechtlichen Konflikt gerät.
4. Frauenbilder im Monolog: Untersuchung der frauenfeindlichen Einstellungen und der Ängste des Trainers in Bezug auf familiäre Bindungen.
5. Das globale Erklärungsmodell Fußball: Darstellung der Weltanschauung des Trainers, der komplexe Zusammenhänge durch einfache sportliche Regeln zu erklären versucht.
6. Fazit und Interpretation: Zusammenfassende Bewertung der erzählerischen Qualität und der psychologischen Wirkung des Werkes auf den Leser.
Schlüsselwörter
Thomas Brussig, Leben bis Männer, DDR, Fußball, Fußballtrainer, Roman, Literaturkritik, Identität, Geschlechterrollen, Mauerfall, Monolog, Gesellschaftskritik, Klischee, Witz, Ironie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Roman?
Der Roman thematisiert den inneren Monolog eines ehemaligen DDR-Fußballtrainers, der nach einer Reihe von Enttäuschungen versucht, sein Leben durch die Brille des Fußballs zu deuten.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die DDR-Vergangenheit, die Bedeutung von Disziplin und Pflichterfüllung, Geschlechterklischees und der Versuch, eine sich wandelnde Welt durch ein starres Regelwerk zu begreifen.
Was ist das primäre Ziel des Werkes?
Das Ziel ist es, durch die subjektive, oft skurrile Sichtweise des Erzählers einen entlarvenden und gleichzeitig humorvollen Einblick in eine spezifische ostdeutsche Biografie zu geben.
Welche methodische Erzählform wird verwendet?
Der Autor wählt die Form eines ungebremsten, stundenlangen Monologs, der den Leser direkt als Gesprächspartner einbindet.
Was wird im Hauptteil der Analyse behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Charakterzeichnung der Hauptfigur, deren Verhältnis zu seinem Ersatzsohn Heiko und der kritischen Reflexion über seine Weltsicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Identität, Fußballphilosophie, Gesellschaftskritik, DDR-Historie und die ironische Brechung von Vorurteilen.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Frau in diesem Roman?
Der Trainer äußert sich sehr skeptisch und teilweise ablehnend gegenüber Frauen, da er sie als Bedrohung für seine "Fußballwelt" und die Loyalität seiner Spieler wahrnimmt.
Warum spielt die Baseball-Regel der Amerikaner eine Rolle im Text?
Dies dient als Beispiel für den absurden Wunsch des Trainers, die gesamte Weltgeschichte durch einfache, sportliche Analogien zu erklären.
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- Bachelor of Arts Isabelle Strohkamp (Author), 2006, Rezension zu Thomas Brussigs "Leben bis Männer" - Bierbäuchiger Trainer von nebenan resümiert Lebensweisheiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85492