Rekapitulation von Mintzbergs "Power in and around Organisations"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

37 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

(I.)
Zum Geleit.

(II.)
Zu Intention, Inhalt und Aufbau des Buches.

(III.)
Was bedeuten die Begriffe Macht und Ziel für Mintzberg?

(IV.)
The Power Game and the Players.

(V.)
External Means Of Influence.

(VI.)
Three Basic External Coalition.

(VII.)
Systems of Influence In The Internal Coalition.

(VIII.)
Determination of Organizational Goals and Specific Goals in Organizations.

(IX.)
The Power Configurations.

(X.)
Schlusswort.

(XI.)
Literaturverzeichnis.

(I.) Zum Geleit.

Diese Arbeit setzt sich inhaltlich mit der Publikation „Power In and Around Organizations“, auseinander. Versucht wird, die weitreichende Analyse Mintzbergs zu Machtformen, Machtkonstellationen und Machtkonfigurationen essentiell präzise gebündelt und in diesen Verknüpfungszusammenhängen verständlich aufzuführen.

Diese Arbeit als Ergänzung und Verschriftlichung eines Referats zur Mintzberg’schen Organisationsanalyse liefert einen schnell überschaubaren, stark komprimierten Überblick über die Analyse zu Organisationen betreffender Macht.

Damit wird aus bedarfsabhängiger LeserInnenperspektive über diese Arbeit zum einen die Funktion der zeitsparenden sekundärliterarischen Kenntnisgewährung über wesentliche Elemente der machtorientierten Organisationsanalyse Mintzbergs erfüllt, zum anderen die Begleitfunktion eines primärliterarischen Eigenstudiums mit einem überschaubar gebündeltem Skriptformat.

Zur Zitationsweise sei angemerkt, dass englische Zitate aus der Publikation in die deutsche Satzkonstruktion eingebaut werden. Die dadurch bedingte Verquirlung von deutscher und englischer Sprache mag aus sprachstilistischer Perspektive als ein ästhetisches Defizit gewertet werden, ist – da als einziger Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit eine englischsprachige Publikation dient, jedoch sehr schwer umgänglich, damit effizient und gerechtfertigt.

Bei indirekter Zitationsweise sind für die bessere Nachvollziehbarkeit und orientierungssichere Überprüfungsmöglichkeit als Präventivmaßnahme gegen etwaige Übersetzungsunklarheiten, oftmals die entsprechenden englischen Vokabeln in Klammern angeführt.

Da Mintzberg einen tendenziell umgangssprachlichen, auf den Laienleser zugeschnittenen Schreibstil verfolgt und die umsetzende, übersetzende indirekte Zitationsweise aufgrund dessen eventuell dilettantisch anmutet, wird diese Methode auch präventiv gegen diesbezüglich etwaige Leserirritationen angewandt.

Mintzbergs Organisationstheorie integriert eine Vielzahl übergeordneter, kategorischer Begriffe, die gemeinsam logisch vernetzt ein Begriffssystem bilden. Um diese Systematik in dieser Arbeit leicht nachvollziehbar zu veranschaulichen, eignet sich die partiell unübersetzte, in Anführungszeichen gesetzte Streuung dieser Systembegriffe durch den Text. Dem Leser wird dieser funktionale Schreibstil insbesondere zum Schluss dieser Arbeit einleuchten, wenn alle begrifflichen Elemente gebündelt kategorisch sechs verschiedenen „configurations of power“ zugeordnet werden. Über die vereinzelte Streuung der englischen Begriffe ist die rückbezügliche Orientierung auf die vorherigen inhaltlich aufbauenden Kapitel, in denen diese Begriffe erörtert wurden, für den Leser einfacher als bei durchgehender deutscher Übersetzung.

(II.) Zu Intention, Inhalt und Aufbau des Buches.

Henry Mintzberg, Professor an der Faculty of Management der Mc Gill University in Montreal/Canada, veröffentlicht 1983 als Buchpublikation zu Management und Organisationsstruktur nach „The Nature of Managerial Work. Harper and Row 1973” und

„The Structuring of Organizations. A Synthesis of the Research. Prentice-Hall 1979”

die Monographie mit dem Titel „Power In and Around Organizations. The Theory Of Management Policy Series. Prentice-Hall 1983”.

Leseabschnitte etlicher Publikationen sowie weitere biographische Daten sind auf Mintzbergs Homepage mit der Adresse http://www.henrymintzberg.com, nachlesbar.

Mintzberg charakterisiert im Vorwort auf Basis des griechischen Sprichworts „The fox knows many things, but the hedgehog knows one big thing.“ im Vergleich mit den zwei vorherigen Publikationen diese dritte Publikation konträr zuordnend als einen „700-page fox“, „[...] because power is a sly and elusive phenomenon.“

Diese Begründung verdeutlicht er über die Beschreibung des langwierigen Werdeprozesses seines Buches von 1971 bis 1981, zum einen weil ein Umschreiben eines Kapitels wegen inhaltlich aufbauender Gliederung des Buches ein Umschreiben auch anderer Kapitel erfordert, zum anderen weil die wissenschaftliche Literatur über Macht so verschieden („disparate“), die Konzepte so schwer fassbar („elusive“) und die Themen so kompliziert („complicated“) sind, dass ihre Verarbeitung ihn beim Lesen seiner Entwürfe nie zufrieden („never satified“) stimmten.1 Aus eigener Perspektive und der des Lesers bewertet Mintzberg den letzten nun publizierten Entwurf folgendermaßen:

- „Yet I believe the book is successful, simply because I learned a great deal about power in and around organizations (and, unexpectedly, about why organizations impact our lives as they do), and because I feel that this learning is also available to the patient reader.”2

Mintzberg führt weiter aus, dass die Publikation Macht aus organisationstheoretischer Perspektive bei Einbeziehung einer Vielzahl von soziologischer und politikwissenschaftlicher Literatur – durchgängig über die Identifizierung und Erörterung von Wegen der Gesellschaft zur Kontrolle von Organisationen als „[...] social issue in our society of organizations.“, untersucht.

Über die Durchgängigkeit dieses Themas gelangt Mintzberg zu folgendem revidierenden Fazit:

- „It is this theme, that leads me to believe that, although this book may be more difficult than my other two, it may ultimately prove more significant. This theme may contain the book’s one big message. The fox may prove to be a hedgehog after all.”3

Auf seiner Homepage, auf dem Deckblatt und im ersten Kapitel charakterisiert Mintzberg die Publikation im Schwerpunkt als einen Versuch, die bestehenden empirischen Forschungsergebnisse und Verschriftlichungen anwendungsbezogener Kategorie über Macht, aus organisationstheoretischer Perspektive zu synthetisieren.4

Er betont dabei, dass sich das Buch nicht der individuellen und interorganisationellen Perspektiven dieser herangezogenen Literatur anschmiegt, sondern aus Perspektive der Organisation selbst einen ergänzenden Positionstyp zwischen diesen beiden Typen entwickelt:

- „In other words, this is a book about the structure and the flow of power in and around organizations.“5

Als textstilistisches Merkmal Mintzbergs kann eine genau thematisch differenzierend gegliederte, inhaltlich logisch aufbauende Textstruktur fixiert werden:

- „We seek first to understand the basic elements of that game called organizational power – specifically who are its players, or influencers, what are the means or systems of influence they use to gain power, and what are the goal s and goal systems that result from their efforts; then to draw these elements together to describe various basic ‚configurations’ of organizational power; and finally to see how we can use these configurations to better understand the behavior of organizations.”6

Auffällig ist die thematische Fassung dieser Ausführungen über Teilabschnitte mit Gliederungspunkten, welche wieder in Unterpunkte eingeteilt werden, die ebenfalls Unterpunkte enthalten. Die über die damit erreichte dichte Eingrenzung der Themenbereiche pro Textabschnitt fördert eine weniger mühsame kognitive Verarbeitung der so komplexen Thematik. Die Gliederung der Publikation in ihren Teilen gestaltet sich folgendermaßen:

- Part I – The External Coalition.
- Part II – The Internal Coalition.
- Part III – Organizational Goals.
- Part IV – The Power Configurations.
- Part V – Who Should Control The Corporation?

Im ersten Teil analysiert Mintzberg Einflussmöglichkeiten und Ausprägungen in drei Typen.

In diesem externen Raum identifizierte Machtinhaber benennt er als externe Einflusspersonen, also „External Influencers“ der „External Coalition“ („EC“), wobei er die gesellschaftlichen Möglichkeiten der Einflussnahme wie „laws, pressure campaigns, and membership on the board of directors“, auf die Bedingungen der Inanspruchnahme und ihre Einflusswirksamkeit hin untersucht.

Im zweiten Teil analysiert Mintzberg Einflusssysteme – zugehörige Einflussmöglichkeiten und Ausprägungen in fünf Typen innerhalb der Organisation. In diesem Raum identifizierte Machtinhaber benennt er als interne Einflusspersonen, also „Internal Influencers“ der „Internal Coalition“(„IC“), wobei er die organisationsstrukturellen Möglichkeiten der Einflussnahme in Systemen wie „personal and bureaucratic systems of control, ideology, expertise, and politics“, auf die Bedingungen der Inanspruchnahme und ihre Einflusswirksamkeit hin untersucht.

Im dritten Teil analysiert Mintzberg Organisationsziele, wobei er in intrinsischen und extrinsischen Übereinstimmungen mit Organisationszielen und in gemeinsamen Systemzielen von Organisationen eine Vergleichsbasis entdeckt.

Im vierten Teil erfolgt für die Beschreibung von sechs Basistypen bzw. „configurations“ organisationeller Macht ein verflechtend integrierender Rückgriff auf das bis dato erarbeitete theoretische Material. Diese Konfigurationen bezeichnet Mintzberg als „the Instrument, the Closed, System, the Autocracy, the Missionary, the Meritocracy, and the Political Arena.“

Diesen Konfigurationen werden verschiedene Organisationstypen zugeordnet.

Im fünften Teil versucht Mintzberg organisationstheoretisch illustrierend und zusammenfassend die sich unserer Gesellschaft stellende Frage zu beantworten, wer Korporationen kontrollieren soll.

(III.) Was bedeuten die Begriffe Macht und Ziel für Mintzberg?

Die Frage, „Why bother to study power?”7 beantwortet Mintzberg mit der Fixierung von Macht als einen Hauptfaktor („major factor“) der Kräfte („forces“), die auf die Handlungen von Organisationen einwirken.

Damit können Macht und Machtbeziehungen als fundamental für das Verstehen, Verbessern und interessengeleitete Kontrollieren der Funktionsweise von Organisationen konstatiert werden.

Der Machtbegriff als Titel des ersten Kapitels mit nur 7 Seiten wird in diesem leger abgehandelt. Mintzberg verweist zuerst auf das Laienverständnis von Macht in Organisationen auf Basis einer Fragebogenaktion mit zehn Managern, deren Ergebnisse personeller Rangordnungskonstruktionen als synonymes Begriffsverständnis von Macht und Einfluss interpretiert werden können. Der semantische Bezug zum französischen „pouvoir“, in Übersetzung für das Nomen „power“ und das Verb „to be able to“ stehend, unterstützt gemäß Mintzberg das semantisch von der reinen Aktion abgrenzende Verständnis von Macht als „ability to do“, oder bezogen auf den Organisationsbereich:

- “Power is defined in this book simply as the capacity to effect (or affect) organizational outcomes. [...] ‘It is an unrealistic separation of the phenomenon to consider the power a person has separately from the power (s)he actually uses (McCall, p. 188). Hence influence will be treated as a synonym of power in this book, with the two words used interchangeably throughout.“8

Die zweite erörterte Definition von Macht als „capacity to affect the behavior of other people“ lehnt Mintzberg ab, da er diese dem Manipulationsbegriff zuordnet und diesen wiederum dem Politikbegriff. Dieser dem Machtbegriff semantisch nahestehende Zuordnungsstrang veranlasst ihn zur Aufstellung von Unterkategorien des Machtbegriffs, sogenannten „subsets“:

- „In using the first definition here, we view politics as a subset of power, treating it […] as informal power, illegitimate in nature. Likewise we also treat authority as a subset of power, but in this case formal power, the power vested in office, the capacity to get things done by virtue of the position held.”9

Der letzte, als elementar für ein begriffliches Verständnisfundament zu definierende Begriff ist der des Zieles, welcher Mintzberg zu fundamentalen Fragen über Einflusskonstellationen führt:

- „Suffice it at this point to define goals as the intentions behind decisions or actions, the states of mind that drive individuals or collectivities of individuals called organizations to do what they do. […] An objective is a goal expressed in a form by which its attainment can be measured. An operational goal is one that lends itself to such expression. The operational goal is to cut costs, the objective to reduce the budget by 5 percent. A nonoperational goal does not lend itself to measurement, that is, cannot be easily ‘operationalized’, as in ‘the aim of this university is to seek truth’ or ‘love they neighbor as thyself.’”10

Weiter differenziert Mintzberg zwischen “offizial goals” und “unoffizial goals”, wobei erstere verschleierungsfunktional „for public consumption, not for internal decision making“11, formuliert werden.

Weiter schneidet er den Themenbereich einander in Konflikt stehender Ziele an, beispielhaft verdeutlicht über das Ziel des Baus eines neuen Fabrikgebäudes bei Gleichzeitigkeit und auf Kosten des Investitionszieles für moderne Arbeitseinrichtungen zur Sicherheit der Arbeiter.12

Im Rahmen von fünf theoretischen Zielkonzepten diskutiert Mintzberg in diesem zweiten Kapitel „The Management Literature: From Goals to Power“, Organisationsziele.

1. One Actor/One Goal; Classical Economic Theory:

“single entrepreneur” resp. “owner-manager”/”profit maximization”.

2. One Actor/Multiple Goals; Papandreou’s Modification (1952):

“Peak coordinator”/”[…] goals were imposed from outside [government, owner-stockholders, lenders of money,

suppliers, clients, sellers, competitors etc.] […and] reconciled into a single preference function which was

then maximized.”

- One Actor/Multiple Goals; Simon and March (1958, 1968):

“Manager” resp. “manager group”/”[…] groups such as employees [investors, suppliers, distributors,

consumers, etc.] had goals of their own, distinct from organizational goals, which they sought to operationalize

through their participation in the organization. […] to achieve organizational goals, the central authority had to

negotiate with these groups.”

- Multiple Actors/Multiple Goals; Cyert and March (1963):

“The firm no longer functioned in a top-down manner. […] Power was there for whoever could seize it in the

bargaining./ “[…] goal formation became a power game in which multiple actors vied for personal benefits.”

- Multiple Actors/No Goals; Georgiou (1973):

“Organizations […] are ‘arbitrary focuses of interests, marketplaces whose structures and processes are the

outcomes of the complex accommodations made by actors exchanging a variety of incentives and pursuing a

diversity of goals”./Too many goals can’t reconciled in common goals.13

Sich aus diesen fünf Zieltheorien ergebende Fragen nach Bedingungen der Zielmaximierung, nach Strategien von Organisationen mit einander in Konflikt stehenden Zielen und ihren Vertretern, nach den Möglichkeiten der Übersetzung persönlicher Ziele individueller Akteure in organisationelle Entscheidungen und Aktionen, nach der Definition von Organisationen über ihre Ziele als „instrument“ von Akteuren für die Zielerfüllung, oder als „political arena“ von Akteuren zum Wetteifern um Macht, oder als „system“ mit eigenen intrinsischen Kollektivzielen, versucht Mintzberg über seine Publikation zu beantworten.

(IV.) The Power Game and the Players.

Mit Bezug auf Hirschman (1970)14, der für Systemintegrierte die drei Verhaltensoptionen

1. “Loyalty”: “To stay and and contribute as expected“.
2. “Exit”: “To leave”.
3. “Voice”: “To stay and try to change the system”.15

herauskristallisiert, identifiziert Mintzberg die dritte Option als Verhalten des “influencers”.

Entscheidungen und Handlungen von Organisationen zu verstehen, setzt Kenntnis über die Einflusspersonen und –gruppen voraus, dass heißt im Detail – ihre Bedürfnisse, daraus abgeleitete Ziele und resultierende Möglichkeiten und Bedingungen der Einflussnahme zur Erreichung der Kontrolle organisationeller Entscheidungen und Aktionen.

Die Frage „What gives power to their voice“ beantwortet Mintzberg mit 3 Basiskonditionen für die Ausübung von Macht (“exercise of power”):

1. Eine Quelle oder Basis der Macht in Koppelung mit
2. Energieaufwand in einer
3. politisch sachkundigen Art wenn notwendig.

Diese drei Konditionen führt er in differenzierten Gliederungspunkten weiter aus, wobei der Punkt „The General Bases of Power“, die erste Basiskondition betrifft:

1. “a resource“
2. “a technical skill”
3. “a body of knowledge”

- Diese drei “prime bases of power” sind für die Organisation essentiell („essential“), in kleinen Lieferungen oder in den Händen einer Einflussperson oder –gruppe konzentriert („concentrated“) und nicht substituierbar („nonsubstitutiable“).

4. “legal prerogatives – exclusive rights or privileges to impose choices.”
5. “an access to those who can rely on the other four”

- Diese zwei “general bases of power” gründen im ersten Fall auf formale Macht („formal power“), das heißt die Macht zur Autorisierung von Entscheidungen, im zweiten Fall auf den personellen Zugang zu Machtbasen zum Zweck ihrer Beeinflussung und dadurch bedingten Machtgewinn.

Der Punkt “Will and Skill” erörtert die zwei weiteren Basiskonditionen, durch welche die erste Basiskondition erst Wirksamkeit erlangt.

1. “will”

- Die Wollensvoraussetzung ist gekennzeichnet durch Energieaufwand (“expend energy”), Kampfaustragung bei nicht formaler Macht (“if orders cannot be given, battles have to be won”) und hohem Zeitaufwand (“spend time”).

2. “skill”

- Die Fähigkeitsvoraussetzung ist gekennzeichnet durch den Einsatz politische Fähigkeiten (“political skill”), das heißt die Fertigkeit zu überzeugen, Ressourcen, Informationen, technische Fähigkeiten anderer – wenn nötig voll auszuschöpfen, formale Macht mit sensiblem Bedacht auf die Gefühle anderer auszuüben, Orte der Konzentration von Energie effektiv auszuwählen, einen Sinn für Durchführungsmöglichkeiten zu haben und notwendige Allianzen zu organisieren.16

Als verwandt mit der Basiskondition „political skill“ identifiziert Mintzberg ein Set intrinsischer Führungscharakteristika wie Charme, körperliche Stärke und Attraktivität.

Die ausgeführten Basiskonditionen und ihr funktionierendes Zusammenspiel fixiert Mintzberg als angenommene Gegebenheit für die weitere Machtanalyse.

- „We shall assume this in the rest of the book, and look more concretely at the channels through which power is exercised, what we call the means and the systems of influence – the specific instruments influencers are able to use to effect outcomes.”17

Mintzberg kristallisiert zwei Typen der „voice“-Nutzer, den sogenannten “influencers“, heraus:

- „The internal influencers are the full-time employees who use voice, those people charged with making the decision and taking the actions on a permanent, regular basis; it is they who determine the outcomes, which express the goals pursued by the organization. The external influencers are nonemployees who use their basis of influence to try to affect the behavior of the employees.”18

Aus den zwei Typen leitet Mintzberg entsprechend kategorisierte Koalitionen ab, bezeichnet als „internal coalition“ und „external coalition“, wobei der Koalitionsbegriff nicht im Sinne einer kollektiven Gruppe von Personen mit gemeinsam zu erreichenden Zielen verwendet wird, sondern im Sinne der Zieltheorie nach Cyert und March (1963) „[...] as a set of people who bargain among themselves to determine a certain distribution of organizational power.“19

Weiter differenziert Mintzberg die zwei Koalitionstypen in Gruppen, wobei er für die interne Koalition die sechs Einflussgruppen („groups of influencers“)

1. „Chief Executive Officer“ or „CEO“

- Formal geschäftsführendes Einzelindividuum, angesiedelt an der strategischen Spitze der Autoritätshierarchie (“hierarchy of authority”) in der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

2. „operators“

- Arbeitnehmer in Nichtführungspositionen im ausführenden oder unterstützenden („support“) Bereich der Produktion und der Dienstleistung, angesiedelt im betrieblichen Kern der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

3. „managers“

- Arbeitnehmer in Führungspositionen, angesiedelt zwischen der Spitze der Autoritätshierarchie und den Supervisoren, welchen die “operators” Report liefern. Wegen der entstehenden vertikalen Mittellinie der Hierarchiekette in der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition sind sie als „line managers” bezeichnet.

4. „analysts of the technostructure“

- Spezialisten (“staff specialists”), die mit dem Design und der Operation von Planungssystemen und formalen Kontrollsystemen beschäftigt sind, angesiedelt am linken Flügel der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

5. „support staff“

- Spezialisten, die den “operators” und dem Rest der Organisation indirekte Unterstützung (“indirect support”) anbieten, angesiedelt am rechten Flügel der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

6. „ideology“

- Ein Glaubensset (“set of believes”) mit Eigenleben („a life of its own“), das von den “internal influencers” geteilt wird, wodurch sich die Organisation von anderen Organisationen unterscheidet, angesiedelt als Kranz um die Mintzberg’sche Organisationsgraphik der internen Koalition.

identifiziert, sowie für die externe Koalition die vier bzw. fünf Einflussgruppen

1. „owners“

- Personen, die einen legalen Anspruch auf die Organisation erheben und/oder Organisationsgründer, extern angesiedelt über dem „CEO“ in der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

2. „associates“

- Lieferer der Inputressourcen („suppliers“), Kunden der Outputprodukte und Dienstleistungen („clients“), Handlungspartner („trading partners“) und Akteure eines Wettbewerbsverhältnisses („competitors“), extern angesiedelt unter den „operators“ in der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

3. „employee associations“

- Gewerkschaften („unions“), die in Repräsentationsfunktion Arbeitnehmerinteressen vertreten, da Arbeiter als Individuen in der internen Koalition keine Potenz besitzen, extern angesiedelt unter den „operators“ in der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

4. „publics“

- „general groups“ wie Familien, „spezial interest groups“ wie Umweltschutzbewegungen und lokale Interessensgemeinschaften, „government in all of its forms“ wie die nationale, länderregionale, lokale, wie Abteilungen, Ministerien, Regulierungsbehörden etc., extern angesiedelt als umschließender Ring der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition.

5. “directors of the organization”

- „formal coalition“, an der Schnittstelle („interface“) zwischen externer und interner Koalition stehend, jedoch wegen nur periodischem („intermittently“) Zusammentreffen mit der internen Koalition als Teil der externen Koalition behandelt, dennoch intern angesiedelt an der Spitze der Autoritätshierarchie in der Mintzberg’schen Organisationsgraphik der internen Koalition über dem „CEO“.20

[...]


1 Vgl. Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. The Theory Of Management Policy Series. Prentice-Hall 1983. Preface. S. XIV.

2 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Preface. S. XV.

3 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Preface. S. XVI.

4 Vgl. http://www.henrymintzberg.com/books.htm und Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Deckblatt. S. 2; S. 4.

5 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 2.

6 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 3.

7 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 1.

8 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 4 bis S. 5.

9 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 5.

10 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 5 bis S. 6.

11 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 5 bis S. 6.

12 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 1. Power. S. 14.

13 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 2. Management Literature: From Goals to Power. S. 8 bis S. 20.

14 Hirschman, A.O.: Exit, Voice, and Loyality. Responses to Decline in Firms, Organizations, and States. Cambridge 1970.

15 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 3. The Power Game and the Players. S. 23.

16 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 3. The Power Game and the Players. S. 25 bis S. 26.

17 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 3. The Power Game and the Players. S. 26.

18 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 3. The Power Game and the Players. S. 26.

19 Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 3. The Power Game and the Players. S. 27.

20 Vgl. Mintzberg, Henry: Power In and Around Organizations. Chapter 3. The Power Game and the Players. S. 26 bis S. 29.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Rekapitulation von Mintzbergs "Power in and around Organisations"
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fachbereich 1 - Soziologie)
Veranstaltung
Theoretische Ansätze und empirische Befunde zur Mikropolitik in Organisationen.
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
37
Katalognummer
V8550
ISBN (eBook)
9783638154918
ISBN (Buch)
9783638640534
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit setzt sich inhaltlich mit der Publikation 'Power In and Around Organizations', auseinander. Versucht wird, die weitreichende Analyse Mintzbergs zu Machtformen, Machtkonstellationen und Machtkonfigurationen essentiell präzise gebündelt und in diesen Verknüpfungszusammenhängen verständlich aufzuführen. Diese Arbeit als Ergänzung und Verschriftlichung eines Referats zur Mintzberg'schen Organisationsanalyse liefert einen schnell überschaubaren, stark komprimierten Überblick über die Analyse zu Organisationen betreffender Macht. Damit wird aus bedarfsabhängiger LeserInnenperspektive über diese Arbeit zum einen die Funktion der zeitsparenden sekundärliterarischen Kenntnisgewährung über wesentliche Elemente der machtorientierten Organisationsanalyse Mintzbergs erfüllt, zum anderen die Begleitfunktion eines primärliterarischen Eigenstudiums mit einem überschaubar gebündeltem Skriptformat. 327 KB
Schlagworte
Organisation, Macht, Organisationstheorie, Organisationsstruktur, Organisationshierarchien, Organisationstypen, externe und interne Koalition
Arbeit zitieren
Isabel Ebber (Autor), 2002, Rekapitulation von Mintzbergs "Power in and around Organisations", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8550

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