Mediation an Schulen

Nur eine gut formulierte Theorie oder wirklich für die Schulpraxis geeignet?


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt:

1. Hinführung zum Thema

2. Das Mediationsverfahren – eine kritische Auseinandersetzung
2.1 Phase der Einleitung
2.2 Sichtweisen klären
2.3 Konflikterhellung
2.4 Problemlösung
2.5 Vereinbarung

3. Schule und Mediation: Zwei unterschiedliche Systeme?

4. „Peer-Mediation“ (englischsprachiger Begriff für Schulmediation)
4.1 „cadre- approach“ (= Kader-Ansatz)
4.2 „whole-school-approach“ (= ganzheitlicher Ansatz)
4.3 Evaluationen zur Auswirkung von „Peer-Mediation“
4.4 Grenzen der „Peer-Mediation“

5. Exkurs: Rütli-Schule

6. Faktoren, die den Erfolg von „Peer-Mediation“ fördern

Resümee und Ausblick

Literatur:

1. Hinführung zum Thema

„Täglich klagen Kolleginnen und Kollegen, dass sie den Kraftakt bewerkstelligen müssen, guten Unterricht zu gestalten und andererseits auf Störungen angemessen zu reagieren bzw. zu intervenieren. Verstärkte Beschwerden der Kinder machen deutlich, dass sie unter körperlichen Übergriffen, verbalen Entgleisungen, bis hin zur Bedrohung und Erpressung zu leiden haben. Da Pausenkonflikte von den aufsichtsführenden Lehrkräften nur zwischen „Tür und Angel“ gelöst werden können, führt dies zu Unzufriedenheit auf beiden Seiten.“ (Braun 2002, S. 64)

Im Seminar zur „Gesprächsführung in Konfliktsituationen“ haben wir das Mediationsverfahren sehr genau kennengelernt und seine Abläufe auch mehrfach selbst geübt, so dass ich der Meinung war, nach diesem Seminar eine vorbildliche Mediation durchführen zu können.

Jedoch kamen mir, je mehr Abstand ich zu dem Seminar erhielt, Zweifel, ob eine Mediation in der Praxis wirklich so einfach umzusetzen ist. Diese Zweifel wurden durch mein Blockpraktikum an der Hauptschule noch verstärkt, da ich hier mehrfach auf Schüler traf, mit denen gar keine vernünftige Kommunikation möglich war und somit fehlte meiner Meinung nach auch eine Basis zur Mediation. Es gibt mittlerweile viele Klassen, in denen die Lehrkräfte Unterstützung durch Sozialarbeiter erfahren und trotzdem sind die Lösungen von Lehrer-Schüler-Konflikten meistens mit Strafarbeiten oder „vor die Tür setzen“ der Schüler verbunden. In solchen Konflikten gibt es nur selten die durch die Mediation erbetene Win-Win-Situation und die Tatsache, dass die Schüler sich zumindest immer als Verlierer des Konfliktes fühlen, fördert neue Konflikte und Aggressionen.

Ich möchte in dieser Arbeit das Mediationsverfahren zunächst kritisch beleuchten und mich (auch um mir selbst Hoffnung zu machen) mit Projekten auseinandersetzen, in denen Mediation an Schulen (erfolgreich) durchgeführt wird.

Außerdem möchte ich untersuchen, welche Faktoren das Gelingen einer Mediation fördern, bzw. wo das Verfahren auch an seine Grenzen stößt.

2. Das Mediationsverfahren – eine kritische Auseinandersetzung

Ich möchte nun noch einmal die im Seminar erlernte Mediation und besonders ihre einzelnen Schritte genauer durchgehen und beschreiben, wo meiner Meinung nach Probleme auftauchen könnten.

2.1 Phase der Einleitung

An diesem Punkt möchte ich noch ein Stück weiter zurück gehen, in die Vorbedingungen, die für eine Mediation überhaupt gegeben seien sollten. Zunächst einmal sollte natürlich ein geeignetes Umfeld, das heißt ein angenehmer Raum, in dem eine entspannte Atmosphäre herrscht und der möglichst noch ruhig gelegen ist, vorhanden sein. Hier sehe ich schon ein Problem: Zunächst halte ich es für schwierig, einen entsprechende Raum zu finden, der für Mediationszwecke zur Verfügung steht und dann auch noch ein Lehrerkollegium, in dem möglichst alle Lehrer zu Mediatoren ausgebildet sind und sich auch über die Gestaltung des Raumes einig sind.

Des Weiteren spielt der Faktor der Zeit für Mediationen eine große Rolle, da es keine offiziellen Zeitfenster für Mediation im Schulalltag gibt und Mediation deshalb während den Pausen, in Freistunden, nach der Schule oder zur Not während des Unterrichts stattfinden muss. In den Pausen kann es jedoch sein, dass die Zeit nicht ausreicht, nach der Schule wollen die meisten Schüler nach Hause oder anderswo hin, aber sicher nicht in der Schule bleiben und während des Unterrichts geht Zeit zur Vermittlung von Lernstoff verloren.

Jetzt kommt noch ein Punkt hinzu, den ich persönlich am schwierigsten sehe: Eine „offene Haltung den Konfliktparteien und ihren jeweiligen Erfahrungen und Anliegen gegenüber sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mediation.“[1] Der Lehrer muss also, von jetzt auf gleich von der Lehrerrolle in die des Mediators schlüpfen und den Schülern noch eine offene Haltung signalisieren. Dies stelle ich mir vor allem dann schwer vor, wenn die streitenden Schüler und der Mediator sich auch aus dem Unterricht kennen, da der Lehrer so seine eventuellen Vorurteile und Meinungen gegenüber der Schüler beiseite schieben muss und die Schüler sich so dem Lehrer vielleicht nicht richtig öffnen und die Mediation nicht wirklich gelingen kann.

2.2 Sichtweisen klären

In dieser Phase tragen die Konfliktparteien vor, wie es ihrer Meinung nach zu dem Konflikt kam. Hier sehe ich die einzige Schwierigkeit, dass die SchülerInnen sich evtl. nicht aussprechen lassen und sich uneinig sind, wer anfängt. Hier gibt es aber als Mediator die Möglichkeit die Streitenden zum einen auf die zu Beginn des Gesprächs festgelegten Regeln zu verweisen und sie z.B. würfeln zu lassen, wer beginnen darf. Die Schwierigkeit auf Seiten des Mediators ist zu erkennen, welche Informationen aus den Erzählungen wichtig zur Lösung des Konflikts sind, um so auf das eigentliche Problem zu stoßen.

2.3 Konflikterhellung

Die Konflikterhellung ist sicherlich eine der schwierigsten Phasen der Mediation, da hier geklärt werden muss, wo eigentlich wirklich das Problem liegt und der Mediator „Motive und Gefühle herausfinden“ soll. Hier sehe ich wieder ein Problem: Viele SchülerInnen sind es nicht gewohnt, über ihre Gefühle zu reden und man muss als Mediator aufpassen, dass man ihnen nicht zu Nahe tritt. Außerdem nimmt diese Phase manchmal viel Zeit in Anspruch und wir haben bei unseren Übungen in der nächsten Phase der Problemlösung oft festgestellt, dass die Konflikterhellung noch nicht richtig abgeschlossen ist und wir oft gar nicht auf das eigentliche Problem der Schüler, für die der jeweilige Konflikt nur das sog. „Tüpfelchen auf dem i“ war, gestoßen sind, bzw. wir das eigentliche Problem oft nicht richtig erkannt haben.

2.4 Problemlösung

Wie schon unter 2.3 dargestellt, muss der Mediator aus der Phase der Problemlösung in manchen Fällen nochmal zurück in die Phase der Konflikterhellung, da ich das Problem natürlich nicht richtig lösen kann, wenn noch unklar ist, wo genau das Problem liegt.

Ansonsten finde ich es gut, dass die Schüler in dieser Phase ein Brainstorming machen, wie mögliche Lösungen für den Konflikt aussehen könnten und diese dann notieren, um sie nach dem Brainstorming mit dem Mediator und dem Streitpartner zu besprechen. Hier sehe ich aber auch ein eventuelles Problem, da ich mir vorstellen kann, dass die Schüler nicht immer bereit sein könnten, ihre Lösungen zu diskutieren, da es etwas anderes ist, eine Sache nur aufzuschreiben oder sie durchzusprechen. Auf der anderen Seite hat dieses Verfahren sicher auch eine positive Seite, da die SchülerInnen so lernen, realistische Lösungen für Konflikte zu finden.

[...]


[1] Walker, Jamie (Hrsg.): Mediation in der Schule – Konflikte lösen in der Sekundarstufe 1. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2001. S. 115

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mediation an Schulen
Untertitel
Nur eine gut formulierte Theorie oder wirklich für die Schulpraxis geeignet?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Gesprächsführung in Konfliktsituationen
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V85514
ISBN (eBook)
9783638011693
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Schulen, Gesprächsführung, Konfliktsituationen
Arbeit zitieren
Janine Streb (Autor), 2007, Mediation an Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85514

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