Johannes Eck als Exponent der Alten Lehre


Hausarbeit, 2001

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Die Leipziger Disputation 1519
1.1. Der Weg nach Leipzig
1.2. Die Disputation

2. Die Schrift „Gegen Martin Luthers Anklage wider das Konzil von Konstanz“

3. Die Bulle „Exsurge Domine“

4. Eck auf dem Augsburger Reichstag

5. Eck als Kirchenreformer

6. Johannes Eck im Urteil seiner Zeitgenossen
6.1. Die protestantische Sicht
6.2. Die katholische Sicht

7. Schlusswort

8. Quellenverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

Vorwort

Die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre am Reformationstag 1999 in Augsburg bedeutete nicht nur einen Meilenstein im Prozess der Aussöhnung zwischen der römisch-katholischen Kirche und den einzelnen Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes, sie lenkte auch den Blick aller Theologen, Kirchenhistoriker und interessierten Laien auf die Ursprünge und Hintergründe der theologischen Differenzen und auf die Protagonisten des 16. Jahrhunderts. Auf katholischer Seite steht dabei vor allem ein Mann im Mittelpunkt, der bis heute als der bedeutendste Vertreter katholischer Glaubensgrundsätze im 16. Jahrhundert gilt. Es ist Johannes Eck, Theologieprofessor in Ingolstadt, der Luther die Stirn bot und an allen wichtigen Auseinandersetzungen und Disputen zwischen Vertretern der alten und der neuen Lehre in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts teilnahm.

Ecks Rolle in diesen Auseinandersetzungen ist umstritten, den einen gilt er als Verteidiger der wahren und rechtmäßigen Lehre, andere sehen ihn als starrköpfigen Ideologen. Vor allem die Leipziger Disputation 1519 wird mit seinem Namen in Verbindung gebracht und sein dortiges Auftreten war entscheidend für seinen Ruf bis in unsere Tage. Dem dort erweckten Eindruck, ein kompromissloser und unnachgiebiger Hardliner zu sein, der in einer für seine Kirche schwierigen Zeit mit allen Mitteln versuchte, eben diese in ihrem Handeln bedingungslos zu rechtfertigen, jenem Eindruck bleibt er bis heute behaftet. Als einer der ersten katholischen Theologen verschrieb er sich einer harte Auseinandersetzung mit den Anhängern Luthers und prägte bis zu seinem Tod die päpstliche Seite in der Auseinandersetzung zwischen Alt- und Neugläubigen. Er stand früher und häufiger als die anderen katholischen Kontroverstheologen im Rampenlicht der Reichsöffentlichkeit und wurde nicht zuletzt deshalb zum Sündenbock für das Scheitern eines Ausgleiches gemacht.

Wird man ihm, einem der einflussreichsten katholischen Theologen seiner Zeit, damit wirklich gerecht? Im Verlauf dieser Arbeit soll analysiert werden, ob es neben dem Hardliner Eck auch noch einen anderen Johannes Eck gegeben hat. Dabei soll neben der berühmten Disputation mit Karlstadt und Luther auch auf andere Ereignisse im weiteren Verlauf der Reformation eingegangen werden. Insbesondere die Betrachtung seiner Reformtätigkeit und sein das Urteil seiner Zeitgenossen sollen das herkömmliche Eck-Bild in der Geschichtsschreibung, das gewöhnlich die Leipziger Disputation und die Bannandrohungsbulle in den Mittelpunkt seiner Biographie stellt, abrunden und zu einer ausgewogeneren und somit auch gerechteren Betrachtung der Causa Ecki führen.

1. Die Leipziger Disputation 1519

1.1. Der Weg nach Leipzig

Eck und Luther kannten sich schon vor jenem schicksalhaften 31.Oktober 1517. Der Kontakt war durch den Nürnberger Ratsherren Christoph Scheurl zu Stande gekommen und beide begegneten sich zunächst freundschaftlich.1 Dies änderte sich jedoch zu Beginn des Jahres 1518, als Eck Luthers 95 Thesen in die Hände bekam.

Der Ingolstädter Theologe stand der Ablasspraxis seiner Zeit zwar kritisch gegenüber und schrieb zum Beispiel an den Wiener Humanisten Johann Cuspinian: „Ich leugne nicht die sehr großen Missbräuche bezüglich des Ablasses. Darin lobe ich Luther“. Allerdings schrieb er auch: „Was er [Luther] aber über das Sakrament der Buße behauptet, bestreite ich entschieden.“2 Während Luther in der Frage der Rechtfertigungslehre einen völlig neuen Weg einschlug und sich vom altkirchlichen Bußverständnis abwandte, gestand Eck zwar Fehler bei der Ablasspraxis seiner Zeit ein, wollte den Ablass an sich und damit auch die päpstliche Position zur Rechtfertigungslehre aber nicht in Frage stellen. In diesem Punkt gerieten beide aneinander.

Die von Eck verfassten Anmerkungen (Adnotationes), die Luther als Obelisci (Spießchen) bezeichnete, enthalten kritische Worte zu Luthers in seinen Thesen geäußerten Ansichten und bezeichnen sie als irrig, albern, frech und verwegen. Darüber hinaus griff er den Wittenberger selbst an und bezeichnete ihn u.a. als Böhmen und Häretiker.3

Eck warf Luther im 26. Obelisk vor, die strittigen Fragen vor eine breite Öffentlichkeit gebracht zu haben, statt sie im Gelehrtenkreis zu disputieren.4 Offensichtlich war sich Eck in diesem Punkt aber nicht bewusst, dass durch Erfindung des Buchdrucks und steigende Alphabetisierung die Grenzen fließender geworden waren und strittige Fragen sich nur noch schlecht in kleinen, überschaubaren Kreisen diskutieren ließen. Da half es auch wenig, dass Luthers Thesen in lateinischer Sprache für eine Disputation in der Schlosskirche zu Wittenberg am Allerheiligentag 1517 geschrieben worden waren und demnach ohnehin nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.

Luther antwortete auf die Angriffe mit den Asterisci (Sternchen), bei denen er wie bei einer gelehrten Disputation beide Werke als These und Antithese gegenüberstellte.5 Beide wollen es trotz aller Lehrgegensätze zu diesem Zeitpunkt nicht zu einem öffentlichen Streit kommen lassen. Erst als Luthers Kollege an der Wittenberger Alma Mater, Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, in den Disput eingriff, kam es zum offenen Konflikt. Dieser veröffentlichte 405 Thesen „wider diejenigen, welche die heilige Schrift verkehrten, insbesondere wider D. Eck, der ein ausgezeichnetes Mitglied der Universität Wittenberg anzuschwärzen gewagt“. In einem Brief an Karlstadt entschuldigte sich Eck für seine Obelisci und versuchte, den „Angriff auf die Frankfurter, namentlich Johann Tetzel“ zu lenken. Karlstadt erwiderte jedoch, er wolle nicht mit einem Esel, sondern mit einem Löwen kämpfen.6 Daraufhin entwarf Eck Gegenthesen, die am 14. August 1518 unter dem Titel „Ioannis Eckii contra amarulentas D. Andreas Bodenstein Carolstatini invectiones“ gedruckt wurden.7

In der zweiten Hälfte des Jahres 1518 verständigte man sich auf eine Disputation zwischen Karlstadt und Eck, die im darauffolgenden Jahr in Leipzig stattfinden sollte. Die von Eck im Vorfeld veröffentlichten 12 Thesen richteten sich allerdings faktisch gegen Luther, der sich herausgefordert fühlte, Gegenthesen unter dem Titel „contra novos et veteres errores“ veröffentlichte, seine Teilnahme an der Disputation einforderte und schließlich auch gewährt bekam.8

1.2. Die Disputation

In der Disputation kamen alle zentralen und heute noch kirchentrennenden Themen zur Sprache. Erster Gegner Ecks war Karlstadt; es ging zunächst um den freien Willen, die Gnade und die verdienstlichen Werke. Während der Wittenberger darauf bestand, dass gute Werke als ganzes und gänzlich (totum et totaliter) von Gott kämen, vertrat Eck die Ansicht, Gott erzeuge das ganze verdienstliche Werk, aber nicht gänzlich. (totum sed non totaliter). Eck bezeichnete die Disputation mit Karlstadt als „armseelig“, dieser Mann sei „zwar von minderer Geschicklichkeit als Luther, doch aber eines noch muntereren Lästermauls.“9

Ihren Höhepunkt fand die Kontroverse jedoch im Disput mit Luther über die Frage des Primats des Papstes und der Autorität von Konzilien. An dieser Stelle fiel dann auch Luthers verhängnisvolle Aussage, dass Konzilien irren können und geirrt haben, auf die in der Folge die Leipziger Disputation häufig reduziert worden ist. Für Eck dürfte spätestens in diesem Moment der Häresievorwurf festgestanden haben, schien es ihm doch unmöglich, dass ein einziger Professor aus Wittenberg klüger sei als Päpste, Konzilien und Universitäten zusammen und dieser damit die gesamte Kirchenlehre seiner Zeit aus den Angeln hob.10 Er kritisierte Luthers Anmaßung: „Das ist wahrhaft böhmisch, die Heilige Schrift besser verstehen zu wollen als die Konzilien, die Päpste, die Doktoren und Universitäten, die eine große Kraft besitzen, da der Heilige Geist seine Kirche nicht verlässt. Es wäre außerdem verwunderlich, wenn Gott jene Wahrheit so vielen Heiligen und Märtyrern verborgen hätte bis zum Auftreten des verehrten Paters.“11

In seiner Schrift „Des heiligen concilii tzu Constentz, der heylgen Christenheit ... entschuldigung, das in bruder Martin Luder mit unwahrheit auffgelegt, sie haben Johannem Huß und Hieronymum von Prag wider babstlich, christlich, keyserlich geleidt und eydt vorbrandt. Johan von Eck, Doctor.“ empörte er sich im September 1520, kurz nach Erscheinen der Bulle, noch einmal über die in seinen Augen ungeheuren Behauptungen Luthers.12

Eck war im Verlauf der Disputation klar geworden, dass es Luther nicht um eine Reform der bestehenden Kirchenstrukturen, sondern um einen Angriff auf diese verbunden mit einer völligen Neuorientierung in bedeutenden Lehrmeinungen ging. An zentraler Stelle des Dissens stand das unterschiedliche Kirchenverständnis. Für Eck war die Kirche eine „monarchia“ unter dem Primat des Papstes (iure divino), Luther hingegen billigte dem Papst zwar eine führende Rolle zu, die aber auf einem iure humano fußt. Konzilien stünden über dem Papst, und selbst diese können irren.13

In diesen grundverschiedenen Auffassungen konnte es keinen Kompromiss geben, und so wie Luther entschlossen seinen Weg zu einer Neuauslegung der Heiligen Schrift in bedeutenden Fragen fortsetzte und damit an der bestehenden Hierarchie der Kirche rüttelte, wurde Johannes Eck zum Verteidiger der Papstkirche, zum Exponenten der alten Lehre, der zeit seines Lebens für eine Kirche als göttliche Stiftung und ein Papsttum kraft göttlichen Rechts kämpfte.

[...]


1 Fabisch, Peter. Iserloh, Erwin (Hg.): Dokumente zur Causa Lutheri. Das Gutachten des Prierias und weitere Schriften gegen Luthers Ablaßthesen. Münster 1988. S. 376.

2 Dr. Johannes Eck. Seelsorger Gelehrter Gegner Luthers. Ingolstadt 1986. S. 52.

3 D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Bd. 1. Weimar 1883 (ND Graz 1966) S.305.

4 DMLW 1, S. 311.

5 DMLW 1, S. 281-314.

6 DMLW 2, S. 153.

7 DMLW 2, S. 154.

8 DMLW 2, S. 155.

9 Dr. Johannes Eck, S. 58.

10 Fabisch S. 306.

11 Dr. Johannes Eck, S. 62.

12 DMLW 6, S. 402 und S. 576f.

13 Dr. Johannnes Eck, S. 96.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Johannes Eck als Exponent der Alten Lehre
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Fachbereich Neuere und Neueste Geschichte)
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
23
Katalognummer
V8552
ISBN (eBook)
9783638154932
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reformation, Eck, Luther
Arbeit zitieren
Silvio Reichelt (Autor:in), 2001, Johannes Eck als Exponent der Alten Lehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8552

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Blick ins Buch
Titel: Johannes Eck als Exponent der Alten Lehre



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden