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Das Erinnerungskonzept Ruth Klügers. Dialog statt Empathie in "Weiter leben. Eine Jugend"

Title: Das Erinnerungskonzept Ruth Klügers. Dialog statt Empathie  in "Weiter leben. Eine Jugend"

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Carina Malcherek (Author)

Didactics - German Studies
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Um ein Verständnis für Klügers Anliegen, die Frage des Wie–Erinnerns, aufzubauen gilt es im Rahmen dieser Arbeit zunächst ihre reflektierten Erzähl- und Schreibbarrieren des Sich – Erinnerns, welche die gesamte Autobiographie durchziehen, zu analysieren. In diesem Zusammenhang soll insbesondere auf die Diskrepanz zwischen ihrer Erinnerung und ihrer Phantasie ein-gegangen werden. Neben den psychologischen Schwierigkeiten werden ebenfalls die sprachlichen Schwierigkeiten berücksichtigt. Die Zielsetzung dieser Arbeit ist es, auf diese Weise das Erinnerungskonzept (Dialog statt Empathie) Ruth Klügers zu erschließen, welches nonkonform mit dem gängigen Topoi des literarischen, historischen und psychoanalytischen Diskurses ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil – Wie erinnert sich Ruth Klüger?

1. Die psychologischen Schwierigkeiten des Schreibens

1.1 Der Göttinger Unfall als Schreibanlass

1.2. Die „Gespenster“

2. Die sprachlichen Schwierigkeiten des Erzählens

2.1. Sprache und Form

3. Ruth Klügers Erinnerungskonzept: Dialog statt Empathie

III. Ergebnis

IV. Fachdidaktischer Bezug

5. Didaktische Vorüberlegung - Warum das Thema »Holocaust im Deutsch - unterricht?

6. „weiter leben. Eine Jugend.“ als Schullektüre

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Erinnerungskonzept von Ruth Klüger in ihrer Autobiographie „weiter leben. Eine Jugend.“ und analysiert, wie die Autorin psychologische und sprachliche Barrieren nutzt, um statt einer bloßen Empathie einen kritischen Dialog zwischen den Generationen anzuregen.

  • Analyse des Schreibprozesses und der psychologischen Widerstände.
  • Untersuchung der metaphorischen „Gespenster“ und ihrer Bedeutung für die Erinnerung.
  • Erörterung des erzählerischen Spannungsverhältnisses zwischen Inhalt und Form.
  • Kritik an der gängigen Holocaust-Rezeption und dem „Betroffenheitstourismus“.
  • Didaktische Möglichkeiten zur Vermittlung des Themas im Deutschunterricht.

Auszug aus dem Buch

1.2. Die „Gespenster“

Die Erkenntnis, dass aktives Verdrängen und Vergessen nicht möglich ist, wird insbesondere an der schwierigen Auseinandersetzung mit ihren sogenannten „Gespenstern“ deutlich, die durch den in einem Konzentrationslager ermordeten Vater und ihren in Riga erschossenen Bruder zum Ausdruck kommen. Der Versuch diese Gespenster zu ignorieren, schlägt zwangsläufig mit der Erkenntnis fehl: „Worüber man nicht spricht und schreibt, bleibt unerledigt.“13 Der Göttinger Unfall führt zu einem Umdenken in Klügers Erinnerungen. Die Vergangenheit und die Gespenster werden nicht länger verdrängt, sondern: „Ich beginne mich mit ihnen zu beschäftigen. [...] Schließlich haben sie mir ein Bein gestellt, so daß ich auf den Kopf fiel, [...].“ 14

Die Auseinandersetzung mit den unerlösten „Gespenstern“ steht im Mittelpunkt von Klügers Erzählung,15 die versucht durch stete Reflexionen und Infragestellung der eigenen Erinnerungen die Gespenster zu überwältigen. Das literarische Motiv des „Gespenstes“ ist im gesamten Text präsent und ist maßgeblich für den Entschluss der Autorin die Autobiographie zu schreiben verantwortlich. Die „Gespenster“ sind somit als Ursache des Schreibens auszumachen. Was verbirgt sich jedoch hinter diesen „Gespenstern“?

Erinnerung ist Beschwörung, und wirksame Beschwörung ist Hexerei. Ich bin ja nicht gläubig, sondern nur abergläubisch. Ich sag manchmal als Scherz, doch es stimmt, daß ich nicht an Gott glaub, aber an Gespenster schon. 16

Als erstes ist festzuhalten, dass das Bedeutungsspektrum der „Gespenster“ nicht zu einer Mystifizierung und Metaphorisierung des Holocausts beitragen soll.17 Bei den „Gespenstern“ handelt es sich nicht einfach nur um die ermordeten Opfer des Holocausts, die in den Erinnerungen von Ruth Klüger herumgeistern. Sie verweisen vielmehr auf die »Leerstellen«, „die Lücken, die aufgrund von Geheimnissen in uns zurückgeblieben sind.“18 Die „Gespenster“ versinnbildlichen somit die unaufhebbaren Diskrepanzen zwischen Erinnerungsbildern und Phantasie. Oder anders gesagt, sie stellen etwas Ungelöstes, ein verletztes Tabu, eine offene Fragen dar.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Person Ruth Klüger und die Bedeutung ihrer Autobiographie im Kontext der Holocaust-Literatur.

II. Hauptteil – Wie erinnert sich Ruth Klüger?: Analyse der psychologischen und sprachlichen Hürden bei der Aufarbeitung der traumatischen Vergangenheit.

1. Die psychologischen Schwierigkeiten des Schreibens: Untersuchung, wie der Göttinger Unfall und die sogenannten „Gespenster“ den Schreibanlass für die Autobiographie bildeten.

1.1 Der Göttinger Unfall als Schreibanlass: Beschreibung des Unfalls als metaphorischen Auslöser für den Durchbruch verdrängter Erinnerungen.

1.2. Die „Gespenster“: Auseinandersetzung mit dem Motiv der Gespenster als unerlöste Erinnerungsfragmente des Vaters und Bruders.

2. Die sprachlichen Schwierigkeiten des Erzählens: Reflexion über die Diskrepanz zwischen chronologischer Form und inhaltlichem Chaos.

2.1. Sprache und Form: Analyse des Schreibstils und der absichtlichen Provokation durch Nüchternheit und Verzicht auf Sentimentalität.

3. Ruth Klügers Erinnerungskonzept: Dialog statt Empathie: Erörterung der Forderung nach einem kritischen Dialog anstelle von bloßer, oft verlogener Identifikation.

III. Ergebnis: Zusammenfassung der Thesen über das Schreiben als Mittel der Bewältigung und als Dialogangebot.

IV. Fachdidaktischer Bezug: Betrachtung der Relevanz des Holocaust-Themas für den Unterricht.

5. Didaktische Vorüberlegung - Warum das Thema »Holocaust im Deutsch - unterricht?: Begründung für die Notwendigkeit der Thematisierung im Fach Deutsch über den Geschichtsunterricht hinaus.

6. „weiter leben. Eine Jugend.“ als Schullektüre: Bewertung der Eignung des Buches als Schullektüre unter Berücksichtigung der Komplexität für ältere Schüler.

Schlüsselwörter

Ruth Klüger, weiter leben. Eine Jugend., Holocaust, Autobiographie, Erinnerungskonzept, Dialog, Empathie, Vergangenheitsbewältigung, Gespenster, Zeitzeugenschaft, Didaktik, Holocaust-Literatur, Trauma, Literaturunterricht, Nationalsozialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert das Erinnerungskonzept von Ruth Klüger in ihrer Autobiographie „weiter leben. Eine Jugend.“ und untersucht, wie die Autorin den Umgang mit der NS-Vergangenheit durch Dialog statt durch blinde Empathie neu definiert.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die psychologischen und sprachlichen Schwierigkeiten beim Schreiben über den Holocaust, das Motiv der „Gespenster“ als offene Wunden der Erinnerung sowie die didaktische Einbettung des Werkes in den Deutschunterricht.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu erschließen, wie Klügers Erinnerungskonzept – „Dialog statt Empathie“ – funktioniert und warum sie sich bewusst gegen gängige Topoi des Holocaust-Diskurses stellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und fachdidaktische Analyse, die das Werk textnah interpretiert und in den Kontext der Holocaust-Literatur sowie didaktischer Vermittlungsansätze stellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der psychologischen Widerstände, die sprachlichen Herausforderungen der Erzählform und die Herleitung von Klügers Dialogkonzept durch die Auseinandersetzung mit ihren sogenannten „Gespenstern“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ruth Klüger, Holocaust-Erinnerung, Dialog vs. Empathie, autobiographisches Schreiben, fachdidaktische Vermittlung und kritische Aufarbeitung.

Wie wirkt sich der „Göttinger Unfall“ auf das Schreiben aus?

Der Unfall fungiert als Auslöser, der Klüger zwang, sich den verdrängten Erinnerungen an den Holocaust zu stellen, da das aktive Vergessen durch das traumatische Ereignis instabil wurde.

Warum lehnt Ruth Klüger „Empathie“ ab?

Sie lehnt Empathie ab, da sie sie als „Betroffenheitstourismus“ betrachtet, der zur sentimentalen Identifikation verleitet und eine echte, kritische Auseinandersetzung mit dem Anderen verhindert.

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Details

Title
Das Erinnerungskonzept Ruth Klügers. Dialog statt Empathie in "Weiter leben. Eine Jugend"
College
University of Münster  (Germanistisches Institut - Abteilung Neuere deutsche Literatur)
Course
Fachdidaktik: Holocaust – Literatur in der Schule: Drei Generationen nach Auschwitz
Grade
1,0
Author
Carina Malcherek (Author)
Publication Year
2005
Pages
31
Catalog Number
V85525
ISBN (eBook)
9783638013734
ISBN (Book)
9783656869955
Language
German
Tags
Erinnerungskonzept Ruth Klügers Fachdidaktik Holocaust Literatur Schule Drei Generationen Auschwitz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carina Malcherek (Author), 2005, Das Erinnerungskonzept Ruth Klügers. Dialog statt Empathie in "Weiter leben. Eine Jugend", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85525
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