Die Darstellung des Volkes in William Shakespeare’s 'Coriolanus'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

22 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt:

1. Einführung

2. Shakespeare Biographie

3. Inhalt Coriolanus

4. Parallelen Plutarch - Shakespeare

5. Shakespeares Zeit - politische Situation

6. Die Darstellung des Volkes im Coriolanus
6.1 Das Volk - Vorkommen im Text und Analyse
6.2 Annabel Patterson: The Popular Voice and the Jacobean State

7. Das Volk in Coriolanus im Vergleich zu anderen Shakespeare Stücken

8. Analyse body fable

9. Zusammenfassung, Fazit

1. Einführung

Das Volk spielt in vielen Stücken des ausgehenden Mittelalters eine wichtige, beziehungsweise immer wichtigere werdende Rolle. Die Zeit des Umbruchs und der Rebellionen und Revolutionen in Europa hat begonnen und bestimmt zunehmend auch die Literatur. In Shakespeares römischen Historiendrama Coriolanus widmet auch dieser sich der Beziehung zwischen Volk und Herrscher. Versteckt unter dem Deckmantel der Antike zeigt er in Anthony and Cleopatra, Julius Caesar und natürlich Coriolanus Parallelen zu der, teilweise turbulenten, politischen Situation seiner Zeit auf.

William Shakespeare schrieb mit Coriolanus 1607/08 seine, wie angenommen wird, letzte und wohl auch reifste Tragödie, ein Werk, das im antiken Rom spielt und dennoch ohne Schnörkel und eher nüchtern daherkommt.

2. Shakespeare Biographie

William Shakespeare war der wohl bedeutendste englische Dichter und wichtigster Vertreter der Englischen Renaissance. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, wird aber allgemein mit seinem Taufdatum, dem 26. April 1564 angegeben. Die Taufe fand üblicherweise drei Tage nach der Geburt statt, weshalb auch der 23. April als Geburtstag in Frage kommt. Die Taufe fand in der Kirche von Stratford- upon- Avon statt. Er kam als drittes Kind von John Shakespeare, einem Geschäftsmann, und Mary Arden, Mitglied einer wohlhabenden Familie des niederen Adel, zur Welt. Er genoss eine erstklassige Schulbildung an der örtlichen grammar school, an der er in Latein, Dichtkunst Geschichte und Morallehre unterrichtet wurde.

1582 heiratete er die acht Jahre ältere Anne Hathaway, mit der er drei Kinder zeugte. Die erste Tochter Susana wurde im Mai 1583, die Zwillinge Hamnet und Judith im Februar 1585 geboren. Hamnet starb im Alter von nur 11 Jahren. Nach der Geburt der Zwillinge verschwindet William Shakespeare für die folgenden acht Jahre aus den Dokumenten und scheinbar auch aus Stratford, weshalb dieser Zeitraum auch als die lost years, die verlorenen Jahre, bezeichnet wird. Über diese Zeit gibt es keinerlei Aufzeichnungen, nur jede Menge Gerüchte. Er soll als Wilderer verhaftet worden sein und eine Zeit im Gefängnis verbracht haben, als Schulmeister gearbeitet haben, oder auch als Diener einer adligen Familie, dann wieder heißt es, er habe im Krieg in den Niederlanden als Söldner gekämpft. Die glaubwürdigste Geschichte ist allerdings die, dass er mit einer reisenden Theatergruppe nach London ging und dort in einem Theater Hilfsarbeiten verrichtete.

Die Bestätigung seines Londonaufenthalts liefert ein Pamphlet des Dichters Robert Greene, in dem er ihn als Emporkömmling bezeichnet, dem es aufgrund seiner fehlenden Universitätsausbildung nicht zustünde, zu dichten.1 Schon bei der Veröffentlichung des Pamphlets nach Greenes Tod entschuldigte sich der Herausgeber für dessen Äußerungen, was wohl daran lag, dass Shakespeare mit seiner Truppe Lord Strange ’ s Men 1592 mittlerweile populär und bekannt war.2 1594 benannten sie sich nach ihrem neuen Gönner in Lord Chamberlain ’ s Men um.

Er begann sein Geld in den Kauf von Gut und Immobilien zu investieren und kaufte im Zuge dessen auch das zweitgrößte Haus in Stratford, des New Palace.

1599 wird er Teilhaber des Globe Theatre, dem Stammhaus seiner Schauspieltruppe, und ist somit am Umsatz des Hauses beteiligt. Er schrieb die aufgeführten Stücke und war somit maßgeblich für deren Erfolg verantwortlich.

Nach der Thronbesteigung macht King James, 1603, Shakespeares führende elisabethanische Schauspieltruppe, als die King ’ s Men, zu seiner eigenen.

Zur damaligen Zeit war es durchaus üblich bereits existierende Stücke, Märchen, Sagen umzuschreiben und zu Dramen zu verarbeiten. Auch geschichtliche Quellen und Chroniken wurden als Grundlage verwendet, wie es auch bei Coriolanus der Fall war, dessen Vorlage Plutarchs Leben und Taten ber ü hmter Griechen und R ö mer war.

Im Jahre 1612 kehrt er im Alter von 46 Jahren in seinen Geburtsort Stratford zurück. Er zieht sich nicht vollständig aus dem Theaterleben zurück, verbringt jedoch die meiste Zeit des Jahres in seinem Heimatort.

Er verfasst sein Testament im März 1616, als Erben seines Besitzes setzt er seine Tochter Susanna und seine Frau Anne, die allerdings lediglich sein second best bed erbt, ein. Er stirbt schließlich kurze Zeit später am 23. April 1616 und wird im Chorraum der Holy Trinity Church in Stratford beigesetzt.

Veröffentlicht wurde sein Gesamtwerk erstmals im Jahre 1623 von seinen Theaterkollegen John Heminges und Henry Condell unter dem Titel Mr William Shakespeares Comedies, Histories and Tragedies. Es umfasst 37 Dramen und 154 Sonnete, die nach ihm benannt, eine eigene Gattung, das Shakespeareian sonnet, bilden. Zu seinen bekanntesten und erfolgreichsten Stücken gehören sicherlich Hamlet, Romeo und Julia und Ein

Sommernachtstraum.

Nach seinem Tod rückte sein Leben immer mehr ins Interesse der Öffentlichkeit, vieles blieb aber im Verborgenen, weshalb Gerüchte aufkamen nach denen seine Stücke in Wirklichkeit von Francis Bacon oder dem Earl of Oxford geschrieben worden sind. Shakespeare gilt auch heute noch als einer der brillantesten Schriftsteller der Neuzeit mit immensem Einfluss auf die gesamte spätere westliche Literatur und Kultur.

3. Inhalt Coriolanus

Coriolanus wurde wie schon erwähnt wahrscheinlich 1607/08 geschrieben und im Jahre 1609/10 im Blackfriars Theatre in London uraufgeführt. Es wird mit den Stücken Anthony

and Cleopatra und Julius Caesar als die roman plays bezeichnet. Dennoch unterscheidet sich Coriolanus von den anderen beiden, die im imperialistischen Rom des ersten Jahrhunderts spielen. Es lässt sich zeitlich circa fünfhundert Jahre früher einordnen, als Rom noch eine von vielen italienischen Städten war, deren Bewohner unentwegt um ihr Überleben kämpfen mussten. Es zeigt den Kampf zwischen dem Patriarchat und den Plebejern der damaligen Zeit des Transformation von der Monarchie hin zur Republik.

Das Volk leidet Hunger und verlangt nach einer Festsetzung eines gerechten Preises für Getreide. Um den Protesten nachzugeben, gewährt die adlige Oberschicht, das Patriarchat, ihnen fünf Vertreter zu wählen, Tribune genannt.

Der das Volk verachtende Caius Martius führt zu dieser Zeit Krieg gegen ein benachbartes Volk, die Volsker, angeführt von seinem Rivalen Tullus Aufidius. Er kehrt als Sieger und Held nach Rom zurück und bekommt als Ehrung für seine Verdienste den Beinamen Coriolanus verliehen und man bietet ihm eine Stelle als Konsul an, die er laut Tradition aber nur erhält, wenn er das Volk um ihre Stimme bittet, was Coriolanus zunächst als erniedrigend ablehnt, aber schließlich doch einwilligt. Die Plebejer geben ihm zunächst ihre Stimmen, nachdem Brutus und Sicinius sie über die Verachtung, die Coriolanus für das Volk empfindet, informiert, ändern sie jedoch ihre Meinung, was den stolzen, von sich überzeugten Caius Martius rasend vor Wut macht. Er spricht sich dagegen aus, dass dem Volk ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt wurde. Die beiden Konsuln nutzen die Gelegenheit um das Volk gegen den arroganten und als Politiker ungeeigneten Coriolanus aufzuhetzen und er wird schließlich vom Volk aus der Stadt verjagt und verbannt.

Er verbündet sich mit seinem ehemaligen Erzfeind, Aufidius, der sich jedoch schon bald von seinem neu gewonnen Mitstreiter gegen die Römer, in den Schatten gestellt fühlt. Sie greifen zusammen das ziemlich hilflos scheinende Rom an. Sie umlagern die Stadt und zwei der ältesten Freunde Coriolanus kommen um ihn um Gnade zu bitten, er lehnt ihr Gesuch allerdings ab. Als jedoch seine Mutter, Volumnia, der er beinahe schon hörig ist, ihn darum bittet Frieden zu schließen, willigt er ein und sie wird zur Retterin des römischen Volkes. Inzwischen kehren Aufidius und Coriolanus nach Antium zurück, wo er von den Volskern als Held gefeiert wird. Aufidius, beleidigt vom Verhalten seiner eigenen Leute, erklärt, dass das Misslingen die Stadt Rom zu erobern, allein Coriolanus Schuld. Aufgrund seines Verrats gingen sie nicht als Sieger aus der Schlacht hervor. Im darauffolgenden Streit wird Coriolanus von einigen von Aufidius Anhängern ermordet.

4. Parallelen Plutarch - Shakespeare

William Shakespeares Coriolanus orientiert sich an der von Plutarch circa 100 vor Christus verfassten Biographiensammlung Leben und Taten ber ü hmter Griechen und R ö mer. Plutarchs Anliegen war es anhand des Lebens berühmter Personen moralisch vertretbares und tugendhaftes Verhalten aufzuzeigen und Fehlverhalten zu kritisieren. In diesem Sinn wurden die Biographien aufgearbeitet. Plutarchs Vorlage dafür war Dionysios von Halikarnassos Text über Coriolanus. Neben dieser Quelle existiert noch Ab urbe condita libri CXLII von Livius, der ebenfalls die Coriolanus Legende wiedergibt. Plutarchs Text wurde im Jahre 1579 von Thomas North ins Englisch übersetzt, welche dann als direkte Quelle Shakespeares für seine Römerdramen diente.

Plutarch beschreibt Coriolanus Charakter wie folgt:

“ While the force and vigour of his soul, and a persevering constancy in all he undertook, led him successfully into many noble achievements, yet, on the other side, also, by indulging the vehemence of his passion, and through an obstinate reluctance to yield or accommodate his humours and sentiments to those of a people about him, he rendered himself incapable of acting and associating with others. Those who saw with admiration how proof his nature was against all the softnesses of pleasure, the hardships of service, and the allurements of gain, while allowing to that universal firmness of his the respective names of temperance, fortitude, and justice, yet in the life of the citizen and the statesman, could not choose but be disgusted

at the severity and ruggedness of his deportment, and with his overbearing, haughty, and imperious temper. ” 3

Plutarch erkennt also schon die Ambivalenz des Charakters dieses besonderen Mannes, einerseits wird er aufgrund seines Ehrgeizes und seiner Verdienste auf dem Schlachtfeld verehrt, andererseits machen ihn sein Stolz, Hochmut und Arroganz unsympathisch und schwierig im Umgang.

Als junger Soldat kämpft er vor allem zur Freude seiner Mutter. Als Waise aufgewachsen, fühlt er sich laut Plutarch dazu verpflichtet, die Rolle seines Vaters zu übernehmen. Er genoss neben seiner kämpferischen Ausbildung, aber auch geistige Bildung, die die andere ergänzen sollte. Darüber schreibt Plutarch:

“ Education and study, and the favours of the muses, confer no greater benefit on those that seek them than these humanizing and civilizing lessons, which teach our natural qualities to submit to the limitations prescribed by reason, and to avoid the wildness of extremes. ” 4

Er trat, aufgrund seiner durch seine Verdienste für Rom, gestiegenen Sympathie zur Wahl zum Konsul an. Er machte jedoch nie einen Hehl aus seinem Stolz auf seine Herkunft und seine Verachtung für die Plebejer, woraufhin er die Wahl verlor. Plutarch meint dazu:

„ He had always indulged his temper, and had regarded the proud and contentious element of human nature as a sort of nobleness and magnanimity; reason and discipline had not imbued him with that solidity and equanimity which enters so largely into the virtues of the statesman. ” 5

Er erfüllt somit nicht die Anforderungen, die an einen Politiker gestellt werden.

Shakespeare folgt bei seiner Beschreibung des Lebens von Coriolanus dem Plutarch- Text Schritt für Schritt und lässt sich von der Übersetzung sogar sprachlich beeinflussen. Er nimmt jedoch verschiedene Änderungen vor um die dramatische Wucht seines sorgfältig gearbeiteten Stückes zu erhöhen. Coriolanus ist eine edle Natur, die durch die kleinliche, egoistische Welt ins Unrecht versetzt wird.

Alle Nebenfiguren, auch die vom Shakespeare erfundene Gattin Virgilia, dienen dazu, seine Persönlichkeit hervorzuheben. Ergreifender als bei Plutarch wirkt Volumnia, die Mutter, in ihrer Rolle als Gegenspielerin. Sie hat den Sohn für eine Laufbahn des Ruhmes erzogen und muss ihn, als es zu spät und nur noch unter vollkommener Aufgabe seiner selbst möglich ist, verzichten lehren.

5. Shakespeares Zeit - politische Situation

Die Zeit in der William Shakespeare lebte, war eine Zeit des Umbruchs und der politischen Unruhe. Der aus gutem Elternhaus stammende, und auch durch seinen Beruf eher Wohlstand gewohnte Autor, erlebte mehrere Hungernöte mit, die sogenannten „ famine years “ und auch die damit verbundenen Unruhen, die immer mal wieder sporadisch, aber auch teilweise gut organisiert auftraten.

Es begann mit den „London riots“ im Jahr 1595, in denen mindestens 13 Unruhen in und um London ausbrachen. Nach bereits zwei vorangegangen „food riots“ versammelten sich schließlich die aufgebrachten Menschen am Tower Hill um das Zeughaus zu stürmen, die Gefangen zu befreien und den Lord Mayor umzubringen. 1596 ruft Bartholomew Steere zum sozialen Klassenkampf auf und fordert, dass sich in der Gegend um Oxfordshire gewisse Leute getötet werden müssen, damit sich die Situation der einfachen Leute verbessert. Die protestierende Menge wurde um an ihnen ein Exempel zu statuieren und andere Aufmüpfige abzustrecken, hart bestraft. Sie wurden gefangen genommen und nach London gebracht um sie dort zu foltern und schließlich, im Juni 1597, zu exekutieren.

Die „Midland Insurrections“ im Jahr 1607 schließlich seinen die Aufruhen gewesen, die Shakespeare zum Schreiben von Coriolanus motivierten. Mehrere schlechte Ernten über das letzte Jahrzehnt hinweg führten zu einer schweren Hungersnot in den Gegenden von Northamptonshire, Leicestershire und Warwickshire. Die Bauern von Warwickshire verfassten, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, sogar ein Manifest. In dem sie lediglich forderten, das ihnen Ackerland zur Verfügung gestellt werden solle. Diese Aufstände waren größtenteils friedlich, großflächig und relativ gut organisiert, dennoch wurden circa fünfzig Aufständige getötet und die Anführer gehängt. Die Aufstände wurden vom Großteil des Volkes und auch von der, von der Hungersnot nicht betroffenen, Bürgerschaft zumindest moralisch unterstützt. Sie weckten das Bewusstsein für die Probleme, der sich der Plebs politisch, sozial und ökonomisch ausgesetzt sah. Als Reaktion wurde zu Spendenaktionen für die Unterschicht aufgerufen, um in der Lage zu sein Brot für sie zur Verfügung zu stellen.

[...]


1 Quelle Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/William_Shakespeare (03.07.2006)

2 Park Honan: Shakespeare. A Life. Oxford: Oxford University Press, 1998.

3 Plutarch: The Life of Coriolanus, englische Übersetzung von John Dryden, Quelle Internet: http://classics.mit.edu/Plutarch/coriolan.html (01.08.2006)

4 Plutarch

5 Plutarch

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung des Volkes in William Shakespeare’s 'Coriolanus'
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V85543
ISBN (eBook)
9783638043311
ISBN (Buch)
9783638948708
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Volkes, William, Shakespeare’s, Coriolanus
Arbeit zitieren
Daniela Krämer (Autor), 2006, Die Darstellung des Volkes in William Shakespeare’s 'Coriolanus', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85543

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