Mittelalterliche Hoffeste, Schwertleite und Turniere - Mit Beispielen aus dem Heldenepos "Kudrun"


Seminararbeit, 2002
42 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hoffeste
2.1. Wort
2.2. Einladungen
2.3. Termine und Vorbereitungen
2.4. Festzug und Begrüßung
2.5. Höfische Unterhaltung
2.5.1. Sportliche Wettkämpfe
2.5.2. Unterhaltung durch Spielleute
2.5.3. Musikalische Darbietungen
2.5.4. Tanz
2.5.5. „Damen betrachten“
2.6. Abschied mit Geschenkübergabe

3. Schwertleite
3.1. Wort
3.2. Geschichtliche Entwicklung
3.3. Zeremoniell

4. Turniere
4.1. Wort
4.2. Anfänge des Turniers
4.3. Anlässe
4.4. Vorbereitungen
4.5. Der Kampf
4.6. Kritik am Turnier

5. Erziehung adeliger Knaben und Mädchen

6. Schluss

Mittelalterliche Musikinstrumente

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hoffeste, Turniere und Schwertleite sind drei Bereiche der mittelalterlichen Adelskultur, die aufs engste miteinander verbunden waren. Häufig begegnen uns alle drei zusammen und bilden ein Spektakel der besonderen Art. Sie boten den Teilnehmern und Zuschauern viel Freude und Unterhaltung, waren in erster Linie aber politische Akte. Höfische Feste dienten so nicht nur der Unterhaltung der gelangweilten High Society, die eine bunte Abwechslung im tristen Alltagsleben boten. Vielmehr wurden hier politische Ratssitzungen gehalten, die für die Politik des Landes von großer Bedeutung waren. Auch bei Hochzeitsfeierlichkeiten, dem typischen Anlass für höfische Feste, ging es primär nicht um die Liebe der beiden Brautleute; die Verheiratung war in vielen Fällen ein Akt, wodurch politische Bindungen, Friedensschlüsse oder die Vereinigung zweier Dynastien eingeleitet oder bekräftigt wurden.

Auch bei Turnieren ging es nicht allein um das Vergnügen der Zuschauer, sondern um das zur Schaustellen der Tapferkeit der Teilnehmer. Daneben boten Reiterspiele auch eine gute Möglichkeit, sich den Lebensunterhalt durch die verschiedensten ausgeschriebenen Preise zu versüßen.

Die Darstellung höfischer Feste, Turniere und Schwertleiten in literarischen Quellen unterscheidet sich naturgemäß von den Nachrichten aus historischen Zeugnissen. Während es in den dichterischen Werken vielmehr darum ging, die Prunk- und Machtentfaltung bei solchen Gelegenheiten zu beschreiben, ging es den Schreibern geschichtlicher Werke darum, die politischen Momente hervorzuheben. Das führte häufig auch dazu, dass die Angaben in den literarischen Quellen übertrieben sind und sie die Realität nicht exakt widerspiegeln. Andererseits darf man aber nicht alle Informationen der Dichter als unwahre, da übertriebene, Phantasien abtun. Sehr viele Einzelheiten aus der Dichtung korrespondieren mit den realen Verhältnissen und können deshalb sehr gut herangezogen werden, wenn es darum geht, die mittelalterliche Adelskultur zu erforschen. Nur muss man dabei aufpassen, dass man nicht alle Angaben für bare Münze nimmt; sie müssen immer wieder kritisch hinterfragt werden.

Auch der Bereich der Erziehung spiegelt sich in den Hoffesten, Turnieren und der Zeremonie der Schwertleite wider. In der Erziehung der jungen adeligen Mädchen und Knaben wurden die Grundmauern für ihr späteres Verhalten bei solchen großen Anlässen gelegt. In den literarischen Werken aus dem Mittelalter sind immer wieder Hinweise auf die Erziehung zu erkennen.

In der folgenden Arbeit soll anhand von ausgewählten Textbeispielen untersucht werden, inwieweit die dargestellten Verhältnisse in der Kudrun in Bezug auf Hoffeste, Turniere, Schwertleite und Erziehung der Realität entsprechen.

2. Hoffeste

Mittelalterliche Hoffeste waren große Ereignisse, bei denen neben der in den Dichtungen beschriebenen äußerlichen Prunkentfaltung auch das politische Moment, das in den literarischen Quellen zwar angedeutet wird, von dem wir aber vor allem aus den historischen Zeugnissen Informationen erhalten, eine wichtige Rolle spielte.

Wie wichtig das politische Element bei Hoffesten war, zeigen uns die Anlässe; es waren Hochzeiten, Krönungen, Schwertleiten[1] und Hoftage[2], wobei einige dieser Zeremonien im Laufe eines Festes gefeiert wurden.

Höfische Eheschließungen waren fast immer staatstragende Akte, die ein Bündnis, einen Friedensvertrag oder die Verbindung zweier Herrscherhäuser besiegelten und bekräftigten. Ob sich die Brautleute auch tatsächlich liebten, war sekundär. In den mittelhochdeutschen Dichtungen ist das Motiv der Hochzeit der häufigste Anlass für ein höfisches Fest.[3] Dieser Anlass wurde literarisch auf verschiedene Art und Weise bearbeitet. Das Formenrepertoire reicht von der ausführlichen und kürzeren Hochzeitsbeschreibung über die bloße Erwähnung einer Heirat bis zum Verzicht einer Hochzeitsbeschreibung und der eigens erwähnten Ablehnung, über eine Eheschließung zu berichten. Hinter jeder dieser Typen steht eine gewisse Absicht. Die ausführliche Beschreibung kommt dann vor, wenn die Hochzeit das Ziel der Handlung darstellt und damit das Ende einer kriegerischen Zeit oder die Gründung einer neuen Dynastie bedeutet.[4] Dieses Motiv ist in der Kudrun sehr deutlich am Ende zu sehen, als es zur Massenhochzeit kommt. Mit dieser wird das Ende des Konflikts zwischen Hartmut und Hilde und Herwig sowie Sigfried angezeigt. Durch die Verheiratungen wird ein Schlussstrich unter die vergangenen Verbrechen des Hartmut gesetzt, der nicht nur Kudrun entführt und sie jahrelang wie eine Sklavin gehalten hat, sondern der auch noch Hetel, den Vater Kudruns, umgebracht hat. Es soll nun eine Zeit des Friedens anbrechen, die mit den Verheiratungen besiegelt wird.

Mit der kürzeren Beschreibung soll der Held als eine seiner Umwelt angepasste Person gezeigt werden. Es geht hier also nicht um einen Wendepunkt oder das Ende einer Handlung, sondern allein darum, den Helden inmitten der höfischen Gesellschaft zu zeigen.[5]

Die anderen drei Arten, wie Hochzeitsfeiern in der Dichtung behandelt wurden, haben für die Handlung selbst keine allzu große Bedeutung.[6]

Wie in der Kudrun ersichtlich, konnten mehrere dieser Typen in einem Werk zugleich vorkommen.

Ein weiterer Festanlass waren die Krönungen bzw. Festkrönungen. Bei den Krönungen wurden dem zukünftigen Herrscher in einem aufwendigen Zeremoniell zuerst die Insignien überreicht; als Höhepunkt erfolgte dann das Aufsetzen der Krone. Häufig folgte darauf die Belehnung, ein Akt, der innerhalb eines Jahres erledigt werden musste. Dafür bot sich das Krönungsfest mit seinem feierlichen Rahmen sehr gut an.[7]

Festkrönungen wurden zwar nicht mehr so aufwendig gefeiert, wie die Erstkrönungen, nichts desto trotz waren es schillernde Feierlichkeiten, die häufig die Krönungen der Gattin oder eines Sohnes oder auch die eigene Hochzeit begleiteten. Dahinter liegt wohl das Bedürfnis des Herrschers, bei einem festlichen Anlass nicht ganz ohne Prunk auftreten zu müssen. Zudem waren es gute Gelegenheiten, dem Volk seine Macht und seinen Reichtum vor Augen zu führen und sich öffentlich als Herrscher zu zeigen.[8]

Auch Schwertleiten waren häufig der Anlass für ein Fest, bedeuteten diese doch das Aufsteigen des jungen Adeligen in den Stand der Ritter, womit er befähigt wurde, die Königswürde anzunehmen und Lehen zu vergeben.[9]

In der Kudrun wird anlässlich Hagens Schwertleite ein Fest veranstaltet (Str. 178). Im Zuge des Festes wird Hagens und Hildes Krönung vorgenommen (Str. 179). Sigebant, sein Vater übergibt ihm die Herrschaft (Str. 188) und anschließend belehnt er als der neue Herrscher seine Vasallen:

Dô sich verzigen hête der fürste Sigebant,

dô begúnde Hagene lîhen bürge unde lant

mit vil guotem willen. die si nemen solten,

er dûhte s i sô bíderbe, daz sis von im gerne nemen wolten. (189)

Schließlich wurden auch Hoftage festlich umrahmt. Neben den politischen Beratungen, die geführt wurden, kam auch das Feiern nicht zu kurz.

Den Zeitgenossen besonders wichtig war die Prunkentfaltung und die Quantität, das heißt je mehr Gäste erschienen und je mehr Geschenke verteilt wurden, desto besser war das Fest.[10] Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese Auffassung an folgendem Beispiel: Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, ließ 1263 auf dem Turnierplatz einen Baum mit goldenen und silbernen Blättern aufstellen; die Blätter winkten den Turnierteilnehmern als Preisgelder.[11]

Zu leichten Übertreibungen neigte wohl auch der Dichter der Kudrun, denn dort heißt es:

Rîten si begunden ûf vil manigen wegen
die ze hove kômen, der hiez man schône phlegen -,

únz dáz dem künige ûz < aller fürsten > rîche n

kômen heim ze hove sehs und ahtzic tûsent lobelîche. (39)

Es handelt sich hier um das Fest des Sigebant, das er auf Wunsch seiner Frau veranstaltet, und zu dem mehr als achtzigtausend Gäste kommen. Durch diese gewaltige Zahl wird das Ansehen des Sigebant erhöht, denn die Anzahl der Gäste deutet auf seine Macht hin.

Das Publikum der Hoffeste stellten zunächst vor allem der Gastgeber selbst mit seinem Gefolge und die von ihm eingeladenen Vasallen mit ihrem Gefolge, Fürsten, die sowohl in den literarischen als auch in den historischen Quellen „princeps“ bzw. „vürste“ genannt werden.[12] Je höher Rang und Titel eines Gastes waren, um so mehr erhielt dadurch das Fest an Ansehen. Vor allem in den Dichtungen wurden die Gäste mit hohen Titeln ausgestattet, um die Größe und die Bedeutung eines Festes anzuzeigen.[13]

Damen waren wohl auch anwesend, hatten aber eher dekorative Aufgaben zu erfüllen und sollten die Ritter unterhalten. Je prunkvoller sich eine Dame in ihren Gewändern und ihrem Schmuck präsentierte, desto mehr trug sie zum Ansehen und Ruhm des Festes und des Gastgebers bei.[14] Während weibliche Personen als Festteilnehmer in den Dichtungen immer wieder, vor allem bei Turnierveranstaltungen, genannt werden, kommen sie in den historischen Zeugnissen fast überhaupt nicht vor. Das liegt wohl daran, dass die Feste politischen Charakter hatten und Frauen von diesem Bereich ausgeschlossen waren.[15]

Angehörige der Geistlichkeit spielten bei Hoffesten eine wichtige Rolle, da sie häufig die Hochzeits-, Krönungs- und Schwertleitenzeremonien durchführten. Auch sie gehören in das Bild der Festteilnehmer, wie aus historischen Quellen ersichtlich ist, auch wenn in den Dichtungen nur wenig über sie zu lesen ist.[16]

Zu erwähnen wären noch die Bürger, die in literarischen Bearbeitungen nur dann genannt werden, wenn sie sich in ihrem Gehabe und wohl auch in ihren finanziellen Mitteln nicht zu stark vom Adel unterschieden. In der politischen Realität hatten Bürger zu Reichs- und Hoftagen keinen Zugang; in der Folgezeit durften sie zwar in Einzelfällen bei den Beratungen dabei sein, politisches Mitspracherecht hatten sie aber nicht. Ihr Dabeisein bei Hoffesten lässt sich wohl nicht ganz verneinen; manchmal waren sie durchaus unter der Festegesellschaft. Ob sie aber aktive Gäste waren, die an den verschiedenen Vergnügungen teil hatten oder ob sie nur stille Beobachter waren, weiß man nicht.[17]

2.1. Wort

In den mittelhochdeutschen Dichtungen begegnen uns vier Begriffe für das Wort „Fest“. Der wohl häufigste ist hôch(ge)zît (ahd. diu hoha gezît)[18], der die allgemeine Bezeichnung für „Fest“ war und mit unserer Hochzeit zunächst nichts zu tun hatte. Für diese stand der Ausdruck brûtlouft, wobei seit dem 13. Jahrhundert brûtlouft und hôchzît allmählich synonym für Vermählung verwendet wurden. Beide Vokabeln bezeichneten aber nicht den rechtlichen Akt der Eheschließung, sondern nur die sich daran anschließenden Feierlichkeiten.[19] Deshalb soll hier auch der Begriff brûtlouft in die Reihe der Wörter aufgenommen werden, die ein Fest bezeichneten.

Ein weiterer Terminus für „Fest“ war wirtschaft, womit manchmal aber auch nur der kulinarische Teil gemeint war.

hof bezeichnete schließlich sowohl die beratende Versammlung, die Residenz eines Adeligen und ein Fest.

Neben diesen in der Dichtung auftretenden Bezeichnungen liefern die historischen Quellen weitere Ausdrücke. Dazu gehören curia und convivium. Mit ersterem meinte man den Hoftag eines Königs, bei dem neben politischen Beratungen die Festlichkeiten nicht zu kurz kamen. convivium bezog sich entweder auf das Fest im Gesamten oder, ähnlich wie wirtschaft, nur auf die Mahlzeit.

Das heute geläufige fest kam erst allmählich im 13. Jahrhundert zur Anwendung.[20]

In der Kudrun verwendet man für Fest hôchzît (Str. 35, 3; 172, 4).

2.2. Einladungen

Die Einladungen zu einem Hoffest wurden von Boten entweder durch Briefe überbracht oder sie trugen sie mündlich vor. Die Einladungen ergingen fast ausschließlich an Männer; Frauen wurden nur selten erwähnt. Aufgrund der Präsenz von weiblichen Personen bei Hoffesten kann man aber davon ausgehen, dass die Damen in den Einladungen zwar nicht explizit genannt wurden, sie aber doch automatisch eingeladen waren.

Der Herrscher, der ein Fest veranstaltete, hatte nur wenig Interesse, bei solchen Gelegenheiten die Beziehungen zu anderen, ihm gleichrangigen Königen zu intensivieren. Ihm ging es vielmehr darum, seine Untergebenen um sich zu sammeln, um sie so an sich zu binden, sie zu kontrollieren und in politischen Fragen ihren Rat einzuholen. Die Einladungen ergingen so vor allem an die Vasallen und hatten die Form von Befehlen. Der Gastgeber erwartete auf seine Ladungen keine Antworten, die Befolgung seines „Wunsches“ setzte er voraus. Im Falle des Fernbleibens vom Fest wurde mit Strafe gedroht, wie Geldzahlungen.[21] Noch schlimmer war aber das Misstrauen des Gastgebers, der das Fernbleiben eines geladenen Gastes als Auflehnung gegen seine Person wertete.[22] Doch nicht nur Strafandrohungen ließen die Vasallen beim Hoffest erscheinen. Die Einladungen enthielten daneben auch Ankündigungen, dass den Gästen Geschenke winkten – für viele ein guter Grund, sich das Fest nicht entgehen zu lassen.[23]

In der Kudrun soll auf Uotes Anraten hin ein Fest veranstaltet werden, zu dem Sigebant die Landesfürsten einladen sollte. Die Einladungen sollen durch Boten übermittelt werden. Uote schlägt vor, ihr Kommen durch das Anerbieten von Geschenken zu garantieren:

Si sprach: „sô sult ir senden nâch fürsten in daz lant,

und biete t in ze gebene schâz únd gewant:

sô will ich boten senden nâch < den > mînen mâgen;

ich enbíute in holden willen: sô mag uns dester minner hie betrâgen.“ (34)

Der Lader selbst musste darauf achten, dass die Einladungen früh genug versandt wurden. Er musste eine angemessene Frist einräumen, die es den Gästen erlaubte, pünktlich zum Fest zu erscheinen. Aufgrund der mittelalterlichen Straßen- und Reiseverhältnisse war dies nämlich nicht immer leicht.[24]

Sigebant lässt seinen Gästen eine sehr lange Frist, auf seinem Fest zu erscheinen, denn dort heißt es:

Dô hiez er künden in diu fürsten lant.

wanne ez wesen solte, daz tet man in bekant.

sît wart sîn grôziu milte harte wol befunden.

man sagete die hôchzîte in drîn tagen und in jâres stunden. (172)

In Fällen, bei denen ebenbürtige Herrscher eingeladen wurden, war der Ton freundlicher und die Einladung hatte mehr den Charakter einer Bitte.[25]

2.3. Termine und Vorbereitungen

Da das Reisen im Mittelalter sehr wetterabhängig war, mussten die Hoffeste in einer trockenen und warmen Jahreszeit stattfinden, damit die Gäste ohne Probleme zum Festort gelangten. Ein besonders beliebter Termin war Pfingsten. Aber auch an anderen hohen kirchlichen Feiertagen wurden Feste gefeiert, häufig an Ostern, den Marienfesten[26], an den Festen der Apostel und anderer Heiliger, Christi Himmelfahrt und Allerheiligen. Die Wahl dieser kirchlichen Feiertage hängt auch damit zusammen, dass die bei Hoffesten gemachten politischen Akte dadurch mit einer religiösen Aura umgeben wurden und dadurch besonders gültig waren. Verlobungen und Vermählungen wurden nicht ausschließlich an Kirchenfesten gefeiert, sondern konnten an jedem beliebigen Tag durchgeführt werden.

Natürlich spielte auch das Weihnachtsfest eine wichtige Rolle und wurde vom König/ Kaiser genutzt, seine Vasallen um sich zu sammeln. Da aber aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse im Winter das Reisen ein schwieriges Unterfangen war, boten sich Feste in dieser Jahreszeit nicht wirklich an.[27]

Doch auch aus anderen praktischen Gründen wählte man für Hoffeste eine warme Jahreszeit. Allein das Herbeischaffen der benötigten Lebensmittel und die Bewirtung der Gäste bewerkstelligten sich im Sommer leichter. Dazu kommt noch, dass aufgrund der hohen Anzahl von Gästen nicht alle Unterkunft in der Burg des Gastgebers oder in den Herbergen der Stadt fanden. Viele mussten deshalb in im Freien errichteten Zelten wohnen, was im Winter natürlich nicht möglich gewesen wäre.[28]

In der Kudrun werden keine genauen Tage genannt, an denen die Feste veranstaltet werden. Aber auch hier ist die warme Jahreszeit die, an welcher Feste gefeiert werden:

D ô e r lóbete hõchzite, dar nâch in ahtzehen tagen

den friunden und den mâgen hiez er allen sagen,

die hin ze Irlande gerne wolten rîten,

daz si nâch dem sumere von des winters stunden solten bîten. (37)

Sigebants Einladungen enthalten die Angabe, dass das Fest erst im Sommer stattfinden wird; zweifellos eine praktische Überlegung, da das Reisen im Sommer viel leichter ging und auch das Fest selbst viel schöner und vor allem leichter zu gestalten war.

Waren der Termin festgelegt und die Einladungen verschickt, ging es nun darum, die verschiedenen Vorbereitungen zu treffen. Fand das Fest in der Nähe einer Stadt statt, wurden die Leute in den sich dort befindlichen Herbergen untergebracht. Oft reichten diese Quartiere aber nicht aus und so musste der Gastgeber auf Festwiesen Zelte errichten; manche Gäste nahmen diese selbst mit, da auch diese Herbergen, waren sie schmuckvoll gearbeitet und ausgestattet, dem Ansehen dienten.[29]

[...]


[1] Marquardt, Rosemarie: Das höfische Fest im Spiegel der mittelhochdeutschen Dichtung 1140 – 1240. (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik, 449. Hrsg. v. Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher, Cornelius Sommer). Göppingen 1985. S. 24.

[2] Bumke, Joachim: Höfische Kultur, Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, 1. München 1986. S. 276.

[3] Marquardt, Rosemarie: a.a.O. S. 26.

[4] Ehlert, Trude: Die Funktionen des Hochzeitsfestes in deutscher erzählender Dichtung vornehmlich des 12. und 13. Jahrhunderts. In: Feste und Feiern im Mittelalter. Paderborner Symposium des Mediävistenverbandes. Hrsg. v. Detlef Altenburg, Jörg Jarnut, Hans-Hugo Steinhoff. Sigmaringen 1991. S. 391 – 400; hier: S. 392 – 393.

[5] Ebd. S. 395.

[6] Ebd. S. 400.

[7] Marquardt, Rosemarie: a.a.O. S. 38.

[8] Ebd. S. 45 – 46.

[9] Bumke, Joachim: a.a.O. S. 318.

[10] Kühnel, Harry: Spätmittelalterliche Festkultur im Dienste religiöser, politischer und sozialer Ziele. In: Feste und Feiern im Mittelalter. Paderborner Symposium des Mediävistenverbandes. Hrsg. v. Detlef Altenburg, Jörg Jarnut, Hans-Hugo Steinhoff. Sigmaringen 1991. S. 71 – 85; hier: S. 71.

[11] Ebd. S. 79.

[12] Marquardt, Rosemarie: a.a.O. S. 127.

[13] Ebd. S. 117.

[14] Ebd. S. 139 – 140.

[15] Ebd. S. 145 – 146.

[16] Ebd. S. 150 – 152.

[17] Ebd. S. 155 – 158.

[18] Ehrismann, Otfried: Ehre und Mut, Aventiure und Minne. Höfische Wortgeschichten aus dem Mittelalter. München 1995. S. 92.

[19] Schröder, Edward: Brautlauf und Tanz. In: ZfdA 61 (1924). S. 17 – 34; hier: S. 26. Der Rechtsakt hieß sponsio, das Rechtsverhältnis conjugium, connubium, matrimonium (S. 26).

[20] Marquardt, Rosemarie: a.a.O. S. 19 – 24.

[21] Ebd. S. 65 – 68.

[22] Ebd. S. 73.

[23] Bumke, Joachim: a.a.O. S. 314.

[24] Marquardt, Rosemarie: a.a.O. S. 72.

[25] Ebd. S. 68.

[26] Vor allem in der Stauferzeit. Vgl. Marquardt, Rosemarie: a.a.O. S. 110.

[27] Ebd. S. 105 – 106.

[28] Veijalainen, Aila: Fest und Tischzucht in der deutschen höfischen Literatur des Mittelalters. Diss. Innsbruck 1983. S. 21.

[29] Bumke, Joachim: a.a.O. S. 286.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Mittelalterliche Hoffeste, Schwertleite und Turniere - Mit Beispielen aus dem Heldenepos "Kudrun"
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Germanistische Mediävistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
42
Katalognummer
V85545
ISBN (eBook)
9783638014120
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalterliche, Hoffeste, Schwertleite, Turniere, Beispielen, Heldenepos, Kudrun
Arbeit zitieren
Mag. phil. Michaela Weiler (Autor), 2002, Mittelalterliche Hoffeste, Schwertleite und Turniere - Mit Beispielen aus dem Heldenepos "Kudrun", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85545

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