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Krankheit als Konzept und Motiv bei Adolf Muschg

Title: Krankheit als Konzept und Motiv bei Adolf Muschg

Seminar Paper , 1996 , 20 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Jana Thiele (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Krankheit, Therapie und ihr Verhältnis zu Kunst und Leben sind zentrale Begriffe sowohl in Adolf Muschgs literarischem Werk als auch Gegenstand seiner essayistischen und poetologischen Äußerungen. Jedem Gedanken an Heilung und Therapie geht eine bestimmte Vorstellung voraus, wo sie anzusetzen habe, welches die Ursachen der Krankheit sind. Die Aussage des Autors, daß die Krankheit des einzelnen symptomatisch für die Krankheit der Gesellschaft steht, verweist auf seinen zivilisationskritischen Impetus. Zwangsläufig muß also bei einer Untersuchung des Krankheitskonzeptes und Krankheitsmotivs in Muschgs Werken den Themenfeldern Kunst und Therapie besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Kunst wird von ihm auf ihr therapeutisches Potenzial befragt und ihr wird eine Hinweisfunktion zugestanden, die das grundsätzliche Leiden des Menschen an der Zivilisation in Erinnerung ruft. Allerdings kann sich Kunst im Extremfall als lebensfeindlich darstellen.
Der nicht aufzuhebenden Ambivalenz, mit der Kunst Leben entzieht und wieder an es heranführt, wird im Abschnitt „Kunst als Symptom: Ganzheitliche Suche im segmentierten Dasein“ nachgegangen. Muschgs ‚Krankheitskonzept’, dem eine ganzheitliche Sicht im Gegensatz zum dominierenden iatrotechnischen Krankheitskonzept eigen ist, wird mit Susan Sontags Position („Krankheit als Metapher“) kontrastiert. Zum Abschluß wird das Krankheitsmotiv in Muschgs Roman „Das Licht und der Schlüssel“ untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kunst als Symptom: Ganzheitliche Suche im segmentierten Dasein

2.1. Therapie als Schnittstelle: Produzent und Rezipient als Patient

2.2. Krankheitskonzepte bei Adolf Muschg und Susan Sontag

2.2.1. Die Kritik am modernen Krankheitskonzept

3. Das Krankheitsmotiv im Roman Das Licht und der Schlüssel

3.1. Mona

3.2. Samstag

3.3. Gezaghebber

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept und Motiv der Krankheit im literarischen und essayistischen Werk von Adolf Muschg, insbesondere in seinem Roman "Das Licht und der Schlüssel". Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Kunst als therapeutisches Mittel zur Überwindung gesellschaftlich bedingter Entfremdung und krankmachender Zivilisationsstrukturen fungieren kann.

  • Zivilisationskritische Analyse des modernen Krankheitsverständnisses.
  • Die Funktion der Kunst als "Symptom" und therapeutischer Gegenentwurf.
  • Kontrastierung der Positionen von Adolf Muschg und Susan Sontag.
  • Strukturanalyse der Figurenkonstellation im Roman "Das Licht und der Schlüssel".
  • Untersuchung der Entfremdung und der Suche nach Ganzheit im Individuum.

Auszug aus dem Buch

3.1. Mona

„Auto-Aggressionskrankheiten sind, wenn ich [Samstag, J. T.] Dr. Veenendaal recht verstehe, nicht nur medizinisch verboten, sondern auch menschlich, um nicht zu sagen: moralisch unanständig.“ Der todkranken Mona wird hier mit Verweis auf den selbstzerstörerischen Charakters ihrer Krankheit eine Schuld unterstellt. Monas Immunsystem, so Samstag, greift den eigenen Körper an, statt Fremdkörper abzuwehren.

„Da hat ein mehrkerniger Granulozyt, Pardon, ein weißer Blutkörper mit Freßeigenschaften, ein gesetzlicher Killer, den wir grundsätzlich gern am Werk sehen, sich schauerlich übernommen, er hat keineswegs böse Erreger verschlungen, Mikroben, wie es seine Pflicht und Schuldigkeit wäre, sondern kerngesunde Körperzellen, deren halbverdaute Reste wir mit Erschütterung betrachten, ja gerade auf die Kerne hat er's abgesehen mit seinem mörderischen Appetit, als fühlte er nicht, was wir fast mit Händen greifen können: daß er sich an ihnen den Tod holt, elend verrotten muß an seiner Heldentat.“ (LuS, S. 139)

Die Erkrankung des Abwehrsystems hat bei Muschg eine besondere metaphorische Komponente: „Neue apokalyptische Geißeln der Menschheit treten [...] auf. Wenn ich recht sehe, haben diese Seuchen alle etwas mit der Problematik unseres Abwehrsystems zu schaffen.“26 Gleichzeitig aber ist die Krankheit eine Zivilisationskrankheit, d. h. durch Zivilisation verursacht.

„Früher lagen die [Fremdstoffe, J. T.] bloß in der Luft, heute tut auch die Zivilisation ihr Bestes, läßt keinen Tag verstreichen, ohne ein neues Antigen auf uns arme Schweine loszulassen, auch die Medizin ist da groß im Geschäft, schließen wir doch nicht die Augen davor, daß das, was wir schamhaft Nebenwirkungen nennen, zum größten Teil allergische Reaktionen sind, mit denen sich der Organismus gegen Medikamente wehrt, gegen die sich der Patient nicht mehr wehren kann.“ (LuS, S. 140)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Bedeutung der Begriffe Krankheit, Therapie und Kunst im Werk Adolf Muschgs ein und erläutert den zivilisationskritischen Ansatz der Untersuchung.

2. Kunst als Symptom: Ganzheitliche Suche im segmentierten Dasein: Dieses Kapitel erörtert Muschgs Theorie des Schreibens als Symptom für einen Lebensmangel und kontrastiert seine Auffassung mit der Position von Susan Sontag.

2.1. Therapie als Schnittstelle: Produzent und Rezipient als Patient: Hier wird die Rolle der Kunst und Literatur als therapeutischer Prozess untersucht, der Produzenten und Rezipienten gleichermaßen zur Lebenskunst befähigen soll.

2.2. Krankheitskonzepte bei Adolf Muschg und Susan Sontag: Das Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Perspektiven beider Autoren auf Krankheit als Metapher und ihre kritische Haltung gegenüber der sozialen Funktionalisierung von Krankheitsbildern.

2.2.1. Die Kritik am modernen Krankheitskonzept: Diese Untersektion analysiert Muschgs Ablehnung der modernen, technisch-iatrozentrischen Medizin, die den Menschen in atomisierte Teile zerlegt.

3. Das Krankheitsmotiv im Roman Das Licht und der Schlüssel: In diesem Kapitel wird das Krankheitsmotiv anhand der drei Hauptfiguren Mona, Samstag und Gezaghebber exemplarisch im Roman analysiert.

3.1. Mona: Der Abschnitt beleuchtet Monas Auto-Aggressionskrankheit als Ausdruck ihres zivilisationsbedingten Leidens und ihren Weg zu einer möglichen Heilung durch Erzählung.

3.2. Samstag: Hier wird die Figur des Vampirs Samstag als Erzähltherapeut und allegorische Gestalt des Künstlers im Kontext des Romans untersucht.

3.3. Gezaghebber: Dieses Kapitel widmet sich dem blinden Kunstsammler Gezaghebber, dessen verzweifelter Versuch, Leben durch die Suche nach dem perfekten Kunstwerk zu ersetzen, scheitert.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Muschgs Werk die Entfremdung des Menschen im Zeitalter der "Teilbarkeit" thematisiert und Literatur als zwar notwendigen, aber begrenzten Reflexionsraum ausweist.

Schlüsselwörter

Adolf Muschg, Krankheit, Therapie, Zivilisationskritik, Literatur, Das Licht und der Schlüssel, Kunsttheorie, Psychoanalyse, Entfremdung, Ganzheit, Metapher, Körper-Seele-Dualismus, Individualität, Symptom, Vampirmotiv.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Adolf Muschg Krankheit und Therapie in seinem Werk, insbesondere im Roman "Das Licht und der Schlüssel", literarisch verarbeitet und kritisch als Ausdruck gesellschaftlicher Fehlentwicklungen deutet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kunst und Leben, die Rolle der modernen Schulmedizin, die zivilisationskritische Sicht auf das Individuum sowie die therapeutische Kraft der Literatur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Muschgs Konzept einer "ganzheitlichen Sicht" auf den Menschen darzulegen und aufzuzeigen, wie seine Literatur als Widerstand gegen die atomisierende Wirkung der modernen Industriegesellschaft fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die poetologische Essays des Autors mit einer detaillierten Interpretation der Figurenentwicklung und Motivik im Roman verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit Kunst als Symptom und Krankheit als Metapher sowie eine detaillierte Textanalyse der Romanfiguren Mona, Samstag und Gezaghebber.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen gehören die Zivilisationskritik, die Reflexion des beschädigten Lebens, die Ambivalenz der Kunst sowie der Verlust der menschlichen Ganzheit.

In welchem Verhältnis steht das Schreiben bei Muschg zur therapeutischen Praxis?

Muschg betrachtet das Schreiben sowohl als Symptom einer Neurose als auch als einen Versuch der Selbstvergewisserung, wobei er betont, dass Literatur den Anstoß zum Leben geben kann, eine Heilung jedoch einer echten therapeutischen Ebene vorbehalten bleibt.

Warum spielt die Gegenüberstellung mit Susan Sontag eine Rolle?

Der Vergleich dient dazu, die unterschiedlichen Herangehensweisen an den metaphorischen Missbrauch von Krankheiten zu verdeutlichen: Sontag kritisiert die Metaphorik als Instrument der Schuldzuweisung, während Muschg sie als mahnendes Zeichen für eine gesellschaftliche Gleichgewichtsstörung begreift.

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Details

Title
Krankheit als Konzept und Motiv bei Adolf Muschg
College
Free University of Berlin
Grade
1,5
Author
Jana Thiele (Author)
Publication Year
1996
Pages
20
Catalog Number
V85619
ISBN (eBook)
9783638006736
ISBN (Book)
9783638913584
Language
German
Tags
Krankheit Konzept Motiv Adolf Muschg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Thiele (Author), 1996, Krankheit als Konzept und Motiv bei Adolf Muschg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85619
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