Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland ist die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in den letzten Jahren Gegenstand politischer Diskussionen, insbesondere der großen Koalition, geworden. Während die CDU diesem Modell skeptisch gegenübersteht bzw. ablehnt, ist die SPD für eine entsprechende Einführung.
Das Ziel der Befürworter ist ein existenzsichernder Lohn und damit eine Verbesserung der Lage bei den Niedriglohnempfängern.
Die Angst der Gegner, und ein oft genanntes Gegenargument zum Mindestlohn, ist ein Beschäftigungsrückgang, der nach Meinung vieler Ökonomen eintritt, sollte er zu hoch gewählt werden. Ist die Höhe aber zu gering, würde er vielleicht aber keine Auswirkungen haben.
In Deutschland wurde schon in verschiedenen Branchen ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt, so etwa im Baugewerbe und der Gebäudereinigung. Außerdem wirken Firmenund Flächentarifverträge ähnlich.
Diese Arbeit soll unter arbeitspolitischen Gesichtspunkten die Wirkungen eines Mindestlohnes zeigen. Dazu werden im Folgenden einige Arbeitsmarkttheorien vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Arbeitsmarkttheorien
2.1 Der neoklassische Arbeitsmarkt
2.2 Keynesianischer Arbeitsmarkt
2.3 Neoklassisches Modell mit veränderter Angebotskurve
2.4 Monopson - Theorie
2.5 Humankapitaltheorie
2.6 Effizienzlohntheorie
3 Mindestlöhne in anderen europäischen Ländern
3.1 Das Angelsächsisches Modell am Beispiel Großbritanniens
3.2 Das Kontinentaleuropäisches Modell am Beispiel Frankreichs
4 Deutschland und der Mindestlohn - Pro und Contra
5 Gewinner und Verlierer
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht unter arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten die möglichen Wirkungen eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwiefern ökonomische Theorien und internationale Erfahrungen als Grundlage für eine politische Entscheidungsfindung dienen können, wobei insbesondere die Problematik der Lohnfindung und deren Auswirkungen auf das Beschäftigungsniveau im Fokus stehen.
- Analyse verschiedener Arbeitsmarkttheorien (Neoklassik, Keynesianismus, Monopson-Theorie etc.)
- Vergleichende Betrachtung internationaler Mindestlohnmodelle (Großbritannien vs. Frankreich)
- Diskussion der Pro- und Contra-Argumente im deutschen Kontext
- Identifikation von Gewinnern und Verlierern einer Mindestlohneinführung
- Bewertung der politischen Relevanz der Lohnuntergrenze
Auszug aus dem Buch
2.4 Monopson - Theorie
In dieser Theorie ist das Unternehmen einziger Nachfrager von Arbeit, wobei das Arbeitsangebot durch viele Arbeiter bestimmt wird. Es besteht ein Nachfragemonopol. Bei einem nicht diskriminierenden Monopsonisten steigen die Grenzkosten stärker als die Durchschnittskosten. Durch seine Nachfragemacht wählt er einen Lohn unterhalb des Gleichgewichtslohnes dort, wo die Grenzkostenkurve gleich dem Wertgrenzprodukt (VMP) der Arbeit ist (w3). Dies ist die gewinnmaximierende Arbeitermenge L3. Hier fragt der Monopsonist weniger Arbeiter nach als im Gleichgewichtspunkt (w1/L1), was gleichzeitig eine Gewinnerhöhung für ihn bedeutet.
Um die Beschäftigung und das Lohnniveau zu erhöhen, könnte ein Mindestlohn eingeführt werden, der über im gewinnmaximierendem Lohn w3 liegt. Wird der Lohn w2 als Mindestlohn gewählt, hätte dies zur Folge, dass der Zusatzgewinn des Monopsonisten verringert wird.
In gleicher Weise würde eine Gewerkschaft als Anbieterkartell reagieren. Allerdings mit dem Unterschied, die Löhne so hoch wie möglich anzusetzen, ohne dabei unter die Beschäftigung von L3 zu sinken.
Unter diesen Gesichtspunkten hätte ein Mindestlohn zumindest keine negativen Folgen, wenn er nicht zu hoch angesetzt wird.
Diese Arbeitsmarktheorie ist aber in der Realität eher selten zu finden, weil sich in der Regel viele verschiedene Unternehmen auf einem Markt befinden und die Arbeitskräfte auch nicht homogen sind. Es stellt daher keine optimale arbeitspolitische Maßnahme dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definition des Mindestlohns und Einordnung der aktuellen politischen Debatte in Deutschland vor dem Hintergrund der Arbeitslosigkeit.
2 Arbeitsmarkttheorien: Darstellung verschiedener ökonomischer Erklärungsansätze zur Wirkung von Löhnen und Mindestlöhnen auf den Arbeitsmarkt.
3 Mindestlöhne in anderen europäischen Ländern: Vergleich der unterschiedlichen Modelle und Auswirkungen der Mindestlohneinführung in Großbritannien und Frankreich.
4 Deutschland und der Mindestlohn - Pro und Contra: Diskussion der spezifischen Argumente für und gegen eine Einführung in Deutschland unter Einbeziehung von Reformkontexten.
5 Gewinner und Verlierer: Identifikation der ökonomischen Gruppen, die durch eine Lohnuntergrenze begünstigt bzw. benachteiligt werden könnten.
6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass die Theorie und internationale Beispiele keine eindeutige Empfehlung erlauben, da die Auswirkungen maßgeblich von der Höhe des Lohns abhängen.
Schlüsselwörter
Mindestlohn, Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Neoklassik, Keynesianismus, Monopson, Humankapital, Effizienzlohn, Beschäftigung, Lohnpolitik, Tarifverträge, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Niedriglohnsektor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die ökonomische und arbeitsmarktpolitische Bewertung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland auf Basis theoretischer Modelle und internationaler Erfahrungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Arbeitsmarkttheorien, der Vergleich zwischen angelsächsischen und kontinentaleuropäischen Modellen sowie die spezifische Pro- und Contra-Debatte in Deutschland.
Was ist das Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, unter arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten die Wirkungen eines Mindestlohns zu untersuchen und zu zeigen, dass die ökonomischen Folgen stark von der praktischen Ausgestaltung abhängen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herleitung mittels verschiedener Arbeitsmarkttheorien sowie eine komparative Analyse von Fallbeispielen aus dem europäischen Ausland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse von Arbeitsmarktmodellen, eine Untersuchung der Beispiele Großbritannien und Frankreich sowie die Diskussion der deutschen Situation inklusive der Identifikation von Gewinnern und Verlierern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Mindestlohn, Beschäftigung, Arbeitsmarkttheorien, Niedriglohnsektor und Lohndumping.
Wie unterscheidet sich das britische vom französischen Mindestlohnmodell?
Großbritannien zeichnet sich durch ein niedrigeres Lohnniveau und ein geringeres Ausmaß an Sozialabgaben aus, während Frankreich ein höheres Niveau (SMIC) mit einer stärkeren steuerlichen Belastung durch Sozialabgaben kombiniert.
Warum ist das Monopson-Modell für Mindestlohn-Diskussionen relevant?
Es bietet eine theoretische Begründung, warum ein Mindestlohn unter spezifischen Bedingungen (Nachfragemonopol) die Beschäftigung erhöhen kann, anstatt sie zu senken.
Welche Bedeutung hat die Höhe des Mindestlohns laut Fazit?
Die Höhe ist laut Autor der entscheidende Faktor; ein zu hoher Lohn gefährdet Arbeitsplätze, während ein moderater Ansatz (wie evtl. in Großbritannien) weniger problematisch sein könnte.
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- Jörg Fehlhaber (Author), 2007, Mindestlohn als arbeitsmarktpolitische Maßnahme. Pro und Contra, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85632