In der heutigen globalisierten Welt gewinnt interkulturelle Kompetenz mehr und mehr an Bedeutung. Die Kulturen vermischen sich. Unternehmen expandieren in alle Teile der Erde. Es entsteht ein neue Dimension von Nomadentum, indem Menschen aus privaten, politischen, sozialen wie auch beruflichen Gründen in andere Länder umsiedeln. Diese Entwicklung stellt neue Herausforderungen an die modernen Gesellschaften. Um eine erfolgreiche Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturkreisen und Ländern im Allgemeinen und den Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung und Religion im Besonderen zu gewährleisten, bedarf es zunehmend interkultureller Kompetenz.
[...]
Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es – vor dem Hintergrund der interkulturellen Kompetenz – die Auffassung von Großzügigkeit und Geiz am Beispiel der arabischen Gastfreundschaft näher zu beleuchten.
Zunächst soll ein Überblick über die Historie gegeben werden, dem sich eine genauere Betrachtung der „Gastfreundschaft“ anschließt. Es folgen praxisorientierte Überlegungen zum Themenkreis „Einladungen“ und den dazugehörigen Besonderheiten und Verhaltensweisen. Abschließend werden einige mögliche Probleme in der Kommunikation zwischen Deutschen und Arabern veranschaulicht.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Historie von Großzügigkeit, Geiz und Gastfreundschaft im arabischen Kulturraum
2.1. Historische Ansätze in vorislamischer Zeit
2.2. Die Behandlung von Großzügigkeit und Geiz im Koran
3. Über die arabische Gastfreundschaft
4. Ablauf und Verhaltenskodex bei Einladungen
4.1. Besonderheiten von Besuchen bei arabischen Gastgebern
4.2. Eigenheiten beim Essen
5. Kulturspezifische Besonderheiten und mögliche Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, vor dem Hintergrund der interkulturellen Kompetenz die Auffassung von Großzügigkeit und Geiz am Beispiel der arabischen Gastfreundschaft zu beleuchten und daraus resultierende Kommunikationsbesonderheiten für das Verständnis zwischen Deutschen und Arabern aufzuzeigen.
- Historische Grundlagen der Gastfreundschaft in der Beduinenkultur
- Religiöse Verankerung von Großzügigkeit im Koran
- Praktische Verhaltensregeln und Etikette bei Einladungen
- Interkulturelle Differenzen im Zeitverständnis und der Informalität
- Vermeidung von Missverständnissen durch interkulturelle Sensibilität
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Ansätze in vorislamischer Zeit
In vorislamischer Zeit existieren zwei Bevölkerungsgruppen, die sich in ihrer Lebensweise und wirtschaftlichen Betätigung deutlich voneinander unterschieden: einerseits die Ackerbauer und Städter, andererseits die Nomaden resp. Beduinen (von arab. بدوي badawī „nicht sesshaft“).
Die Domestizierung des Kamels um 1100. v. Chr. ermöglichte den Nomaden Arabiens ein ganzjähriges Leben in der Wüste. Das Kamel fungierte als Lastenträger und Reittier, aus dessen Haar auch Zelte und Decken gefertigt wurden. Unter den Beduinen entstand eine auf dem Besitz dieser Tiere beruhende Hierarchie. Das patriarchalische Stammessystem der Beduinen lieferte seinen Mitgliedern Schutz, indem der Stamm die Verantwortung für den Einzelnen übernahm. Der Beduine ist ursprünglich als Individualist geboren, doch hängt er stark von seiner Sippe resp. seinem Clan ab. Die Verbannung aus der Sippe ist gleichbedeutend mit Tod oder Versklavung. Die Wüstengebiete wurden streng durch die jeweiligen Stämme kontrolliert. Wer ein fremdes Gebiet betrat, lief Gefahr, ausgeraubt oder getötet zu werden – sofern er nicht das Gastrecht einer Sippe resp. eines Stammes besaß. Die existentiell wichtigste Aufgabe war es, die Einheit des Stammes zu bewahren, der zudem stark auf Gleichheit ausgerichtet war. Die Oberhäupter besaßen keinerlei besondere Rechte. Alle materiellen Güter eines Stammesmitglieds kamen der gesamten Sippe und den Bedürftigen zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung betont die wachsende Bedeutung interkultureller Kompetenz in einer globalisierten Welt und definiert den Fokus der Arbeit auf das arabische Verständnis von Großzügigkeit und Gastfreundschaft.
2. Zur Historie von Großzügigkeit, Geiz und Gastfreundschaft im arabischen Kulturraum: Dieses Kapitel erläutert die Wurzeln der Gastfreundschaft in der beduinischen Tradition und deren Institutionalisierung durch den Koran.
3. Über die arabische Gastfreundschaft: Hier wird der Status der Gastfreundschaft als religiöse Pflicht und gesellschaftliche Norm im modernen arabischen Raum beschrieben.
4. Ablauf und Verhaltenskodex bei Einladungen: Dieses Kapitel liefert praktische Empfehlungen für den Umgang mit Einladungen, Besuchsriten und Tischsitten in arabischen Haushalten.
5. Kulturspezifische Besonderheiten und mögliche Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation: Der Abschnitt analysiert Unterschiede im Zeitverständnis, der Informalität und mögliche Ursachen für interkulturelle Missverständnisse zwischen Deutschen und Arabern.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont, dass gegenseitiges Verständnis durch Toleranz und Respekt kulturelle Differenzen überbrücken kann.
Schlüsselwörter
Arabische Gastfreundschaft, Interkulturelle Kompetenz, Großzügigkeit, Geiz, Beduinenkultur, Koran, Zakat, Sadaqa, Mağlis, Kommunikation, Höflichkeit, Interkulturelle Missverständnisse, Zeitverständnis, Islam, Ethnologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das soziokulturelle Konzept von Großzügigkeit und Geiz im arabischen Raum, insbesondere anhand der gelebten Gastfreundschaft.
Welche Themenfelder sind zentral?
Im Zentrum stehen die historischen Wurzeln bei den Beduinen, die religiöse Verankerung im Koran sowie konkrete Verhaltensregeln für den interkulturellen Austausch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, für die Unterschiede zwischen arabischen und deutschen Kommunikationsnormen zu sensibilisieren, um interkulturelle Missverständnisse zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Werke verschiedener Experten (u.a. Peter Heine, Abdelaziz Bouchara) sowie soziokulturelle Beobachtungen heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Darstellung von Einladungsetikette und eine Betrachtung von Kommunikationshürden in der Praxis.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gastfreundschaft, interkulturelle Kompetenz, Zeitverständnis (Zeitbewusste vs. Zeitvergessene Gesellschaft) und die soziale Rolle der Großzügigkeit.
Warum ist das Konzept des "Gesichtsverlusts" in der Arbeit so wichtig?
Das Konzept verdeutlicht, warum Araber in bestimmten Situationen lieber eine freundliche Unwahrheit sagen, als ihr Gegenüber durch ein "Nicht-Wissen" oder eine direkte Ablehnung in Verlegenheit zu bringen.
Was bedeutet die "Zeitvergessene Gesellschaft" im Kontext der Arbeit?
Dieser Begriff beschreibt, dass in arabischen Kulturen zwischenmenschliche Beziehungen und der Austausch Vorrang vor einer strikten Zeitplanung haben, was im Kontrast zum deutschen Konzept "Zeit ist Geld" steht.
- Quote paper
- Ulrike Römer (Author), 2007, Die Auffassung von Großzügigkeit und Geiz in der arabischen Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85635