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Das Ich als Metapherngenerator

Studien über Hysterie - Josef Breuer und Sigmund Freud

Title: Das Ich als Metapherngenerator

Term Paper , 2007 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Gemsemer (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Einleitung

[…] sie [die Innervationsempfindungen] mögen gegenwärtig zumeist so weit abgeschwächt sein, daß ihr sprachlicher Ausdruck uns als bildliche Übertragung erscheint, allein, sehr wahrscheinlich war das alles einmal wörtlich gemeint, und die Hysterie tut recht daran, wenn sie für die stärkeren Innervationen den ursprünglichen Wortsinn wiederherstellt.

Im Folgenden werde ich mich damit beschäftigen, wie „ein uneigentlicher sprachlicher Ausdruck, das eigentlich gemeinte Wort, durch ein anderes, das eine sachliche oder gedankliche Ähnlichkeit oder dieselbe Bildstruktur aufweist, ersetzt wird“. Es geht also um die Metapher als Übertragungsfigur. Man spricht auch von dem Begriff „Sprungtropus“, da sie von einem Vorstellungsbereich in den anderen zu springen weiß. Ich werde darstellen, wie die Metapher des Unbewussten in der Hysterie, auf die ich mich konzentrieren möchte, ihren bildlichen Ausdruck im Symptom findet. Hierbei muss ich nach der Entstehung der Hysterie fragen und nach ihren intrapsychischen Instanzen, die für die Schaffung eines Symptoms zur Verantwortung zu ziehen sind, also nach ihrer psychischen Ätiologie. Das Symptom nimmt dabei die Funktion der Metapher ein. Das Ich und sein Organisationstalent, nämlich seine Fähigkeit mit der eigenen Innenwelt und der sozialen Außenwelt zu kooperieren, also sein friedlicher Charakter, werden im Zentrum des Symptomverständnisses stehen.
Breuers Patientin Anna O. soll als paradigmatische Studie dienen, auch wenn der Erfolg ihrer Behandlung unumstritten fehlgeschlagen ist. Die Studien über Hysterie, in denen auch die Behandlung der Anna O. beschrieben ist, sind aber ein trotz allem spannendes Zeugnis der „spontanen, intuitiven Beobachtungen und Überlegungen Freuds“ und Breuers.
Und die aufgeführten Fälle haben trotzdem paradigmatischen Charakter für die hysterische Arbeitweise, also den Vorgang der Symptombildung.
Zuletzt werde ich mich dann noch mit der sensiblen Persönlichkeit des Künstlers befassen und darlegen, inwiefern dieser besonders vulnerabel ist und wieso Anna. O. eine kleine, private Künstlerin ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Hysterie (oder die histrionische Persönlichkeitsstörung)

1.1. Psychische Ätiologie

1.2. Die Rolle des Ichs als Organisator von Es und Über-Ich

1.3. Das Ich als Metapherngenerator

1.4. Das Symptom als physischer Ausdruck der unbewussten Metapher

2. Das Fräulein Anna O.

3. Sensibilität – Vulnerabilität

3.1. Der sensible Künstler

3.2. Dispositionen

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hysterie im Lichte der Metapherntheorie und analysiert, wie das Ich traumatische Inhalte durch Symptombildung als metaphorische Ausdrucksformen verarbeitet. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwiefern insbesondere kreative und sensible Persönlichkeiten aufgrund ihres Trainings im Umgang mit Metaphern eine höhere Disposition zur Symptombildung aufweisen.

  • Psychoanalytische Grundlagen der Hysterie (Konversionshysterie).
  • Die Funktion des Ichs als Organisator und Kompromissbildner.
  • Die Metapher als Brücke zwischen Unbewusstem und Symptom.
  • Fallanalyse: Anna O. als paradigmatisches Beispiel.
  • Zusammenhang zwischen Sensibilität, Kreativität und Vulnerabilität.

Auszug aus dem Buch

1.3. Das Ich als Metapherngenerator

Eben dieser Vorgang, meine ich, lässt sich nun mit der Schöpfung von Metaphern vergleichen, insofern, als dass die Übertragung eines unbewussten Phänomens in einen bildlichen Ausdruck, in ein Symptom geschieht. Die Metapher findet also einen physischen, dramatisierten Ausdruck. Oder auch einen verkürzten/abgekürzten Vergleich für den intrapsychischen Konflikt. Es findet also ein Bedeutungswandel statt und auf diese Weise kann das Ich die aufkommende Angst besser ertragen.

Tatsächlich wird das hysterische Symptom den sprachlichen Vorgängen analog gebildet. Zum Beispiel beschreibt Freud in den Studien über Hysterie wie der sprichwörtliche „Stich ins Herz“ (ebd.) als eben dieser empfunden werden kann. Wie es sich auch mit anderen typischen Redewendungen verhält (vgl. „Es steckt mir etwas im Kopf“, „etwas herunterschlucken“, u.a., ebd.). „Psychosomatisches Denken“ nennt Ilse Grubrich-Simitis dieses Phänomen. Sie bezieht sich hier auf die neue Arbeitsweise zwischen Therapeut und Patient, in der der Arzt seine autoritäre, allwissende Position einbüßt und die Sprache des Patienten, sowie der Ausdruck seiner Mimik, bedeutend zum Verständnis der Analyse beitragen. Es entsteht ein ganz „neuartiges Zuhören“ (vgl. ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Metapher als Übertragungsfigur ein und skizziert die methodische Untersuchung der Hysterie anhand der Symptombildung.

1. Hysterie (oder die histrionische Persönlichkeitsstörung): Dieses Kapitel analysiert die psychische Ätiologie hysterischer Symptome und erläutert die Rolle des Ichs als Organisator von Triebansprüchen.

1.1. Psychische Ätiologie: Es wird der Unterschied zwischen Hypnoid- und Abwehrhysterie diskutiert und die Entstehung des Symptoms zur Angstbindung beleuchtet.

1.2. Die Rolle des Ichs als Organisator von Es und Über-Ich: Hier wird das Ich als Instanz beschrieben, die versucht, traumatische Konflikte in die Gesamtorganisation einzubinden, wobei das Symptom als Kompromissbildung entsteht.

1.3. Das Ich als Metapherngenerator: Dieses Kapitel stellt die These auf, dass Symptome wie Metaphern funktionieren, um unbewusste Konflikte in einen bewussten, physischen Ausdruck zu übersetzen.

1.4. Das Symptom als physischer Ausdruck der unbewussten Metapher: Am Beispiel der Agoraphobie wird verdeutlicht, wie das Ich unbewusste Lustwünsche in körperliche oder räumliche Symptome übersetzt.

2. Das Fräulein Anna O.: Die Krankheitsgeschichte der Anna O. dient als Fallstudie, um die Entwicklung von Symptomen in vier Phasen und die Wirksamkeit der Talking Cure zu illustrieren.

3. Sensibilität – Vulnerabilität: Das Kapitel untersucht die Korrelation zwischen hoher Sensibilität und psychischer Verletzlichkeit sowie die Anforderungen an die Integrationsfähigkeit des Ichs.

3.1. Der sensible Künstler: Es wird diskutiert, wie Künstler durch ihre wache Wahrnehmung und ihre Arbeit mit Fremdem besonders exponiert für Vulnerabilität sind.

3.2. Dispositionen: Hier wird argumentiert, dass die kreative Persönlichkeit durch den täglichen Umgang mit Metaphern eine spezifische Disposition zur Symptombildung entwickelt.

4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass an die Integrationsfähigkeit kreativer, sensibler Menschen besonders hohe Anforderungen gestellt werden, da sie ihre Symptome metaphorisch-kreativ auszugestalten wissen.

Schlüsselwörter

Hysterie, Metapher, Symptombildung, Ich-Instanz, Unbewusstes, Angstbindung, Anna O., Konversionshysterie, Sensibilität, Vulnerabilität, psychische Ätiologie, Trauma, Kreativität, dissoziative Persönlichkeitsstörung, Psychoanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische Nähe zwischen der Bildung von Metaphern und der hysterischen Symptombildung aus psychoanalytischer Sicht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Symptomgenese bei Hysterie, die Rolle des Ichs bei der Angstbewältigung sowie den Zusammenhang zwischen künstlerischer Kreativität und psychischer Verletzlichkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Ich unbewusste Inhalte durch den Akt der Metaphorisierung in Symptome verwandelt, um Ängste zu binden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse klassischer psychoanalytischer Texte (insbesondere Freud und Breuer) sowie ergänzende psychologische Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Symptombildung, die Fallgeschichte der Anna O. und die spezifische Disposition kreativer Persönlichkeiten für psychoneurotische Störungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Metaphorisierung, Angstbindung, Ich-Funktion, Hysterie und Vulnerabilität geprägt.

In welcher Beziehung steht die „Talking Cure“ zur Metapher?

Die „Talking Cure“ wird als eine Form der Entschlüsselung metaphorischer Symptome durch Sprache begriffen, bei der die Patientin ihre Symptome „wegsprechen“ kann.

Warum wird Anna O. als „private Künstlerin“ bezeichnet?

Sie wird so bezeichnet, weil sie durch ihre hohe Sensibilität und kreative Fantasie eine ausgeprägte Fähigkeit zur „Dramatisierung“ und zur Inszenierung ihres eigenen „Privattheaters“ der Symptome besaß.

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Details

Title
Das Ich als Metapherngenerator
Subtitle
Studien über Hysterie - Josef Breuer und Sigmund Freud
College
Free University of Berlin  (Peter-Szondi-Institut für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Die Metapher
Grade
1,0
Author
Laura Gemsemer (Author)
Publication Year
2007
Pages
14
Catalog Number
V85672
ISBN (eBook)
9783638014540
Language
German
Tags
Metapherngenerator Metapher Freud Breuer Anna O. Hysterie Sensibilität Vulnerabilität Ich Angst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Gemsemer (Author), 2007, Das Ich als Metapherngenerator, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85672
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