Krieg und Frieden in Hobbes` Leviathan


Hausarbeit, 2004

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Naturzustand als Kriegszustand
1.1. Kriegsdefinition
1.2. Ursachen des Krieges

2. Gesetze der Natur
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Grundlagen der rechtlichen Friedensstiftung
2.3. Mittel zum Frieden

3. Staatsbildung
3.1. Verwirklichung des Friedens
3.2. Sicherung des Friedens

4. Bürgerkrieg
4.1. Typisierung von Kriegen
4.2.Strategie zur Prävention von Bürgerkriegen

Fazit

Einleitung

In der Philosophiegeschichte gibt es wohl kaum einen bedeutenden Autor, der sich nicht zum Thema Krieg und Frieden geäußert hat. So z.B. angefangen mit dem Begründer der modernen politischen Geschichtsschreibung, Thukydides, der ein monumentales Werk über den peloponnesischen Krieg und mit dem Melier-Dialog „das berühmteste Beispiel sophistisch legitimer Machtpolitik“[1] verfasste.

Nicht zu vergessen ist der Entwickler einer berühmten Geschichts- und Staatslehre, Augustinus, der sein Augenmerk besonders auf einen bellum iustum legte und als vorrangiges Ziel der Politik die Sicherung des Friedens forderte.[2] Daran knüpft Thomas von Aquin an, der die Monarchie als Staatsform vorzieht, da diese am effektivsten hinsichtlich der Sicherung des Friedens ist.[3]

Im weiteren Geschichtsverlauf sticht für die Bedeutung von Krieg und Frieden die Lehre vom politischen Handeln von Niccolò Machiavelli ins Auge. Im Mittelpunkt seiner Lehre steht die Selbsterhaltung und Stabilisierung des Staates. Politik bedeutet für Machiavelli unbedingtes zweckrationales Handeln, folglich ist jedes Mittel, auch Krieg, jeder Zeit zur Sicherung des Staates erlaubt.[4]

Schließlich wird am 5. April 1588 in Westport Thomas Hobbes geboren, der sich selbst in seinem weiteren Leben als Begründer der neuzeitlichen politischen Philosophie verstehen sollte.

„Das Hauptziel seiner politischen Philosophie liegt, vor dem Hintergrund des englischen Bürgerkrieges, in der Errichtung einer friedvollen und stabilen politischen Ordnung auf der Basis einer individualistischen Vertragstheorie.“[5]

Diese Tatsache spiegelt sich besonders in seinem 1651 erschienen Werk „Leviathan“ wieder, das auch Grundlage dieser Arbeit sein soll und unter dem Thema des Seminars „Krieg und Frieden“ beleuchtet wird. Dabei stellen sich folgende Fragen, die anhand der Hobbesschen Schrift „Leviathan“ unter Einbezug von Sekundärliteratur geklärt werden sollen:

- Welcher Kriegsbegriff ist in Hobbes` Leviathan zu finden und welche Konsequenzen hat dieser für den Status des Friedens?
- Worin bestehen die Ursachen von Krieg und wie wird die Notwendigkeit von Frieden begründet?
- Wie kann der Frieden verwirklicht werden, wovon wird er gefährdet, wie gesichert?

Da ein Werk nur aus der Zeit seines Autors heraus zu verstehen ist, soll im letzen Kapitel die Bedeutung des Bürgerkrieges, der die Zeit Hobbes` prägte, in Abgrenzung zu anderen Kriegsformen erörtert werden.

Im ersten Kapitel, dem Naturzustand als Kriegszustand, soll zunächst der Kriegsbegriff geklärt werden. Das zweite Kapitel, Gesetze der Natur, wird Aufschluss über die Wege aus dem Naturzustand, hin zum Frieden geben. Daran schließt sich die Bearbeitung der Staatsbildung in „Leviathan“ an, was für die Klärung der Verwirklichung und Sicherung des Friedens von Bedeutung ist. Wie bereits erwähnt soll das letzte Kapitel der Rolle des Bürgerkrieges, der für Hobbes ein herausragendes politisches Problem darstellte, gewidmet werden.

1. Der Naturzustand als Kriegszustand

1.1. Kriegsdefinition

Dass der Naturzustand ein Zustand des Krieges ist und warum er das ist bzw. wie er aussieht, erklärt Hobbes wie folgt:

„Daraus ergibt sich klar, daß die Menschen während der Zeit, in der sie ohne eine allgemeine, sie alle im Zaum haltende Macht leben, sich in einem Zustand befinden, der Krieg genannt wird, und zwar in einem Krieg eines jeden gegen jeden. Denn Krieg besteht nicht nur in Schlachten oder Kampfhandlungen, sondern in einem Zeitraum, in dem der Wille zum Kampf genügend bekannt ist. Und deshalb gehört zum Wesen des Krieges der Begriff Zeit, wie zum Wesen des Wetters. Denn wie das Wesen des schlechten Wetters nicht in ein oder zwei Regenschauern liegt, sondern in einer Neigung hierzu während mehrerer Tage, so besteht das Wesen des Kriegs nicht in tatsächlichen Kampfhandlungen, sondern in der bekannten Bereitschaft dazu während der ganzen Zeit, in der man sich des Gegenteils nicht sicher sein kann. Jede andere Zeit ist Frieden.“[6]

In diesem Textausschnitt wird der Status des Friedens deutlich: Die Basis, man könnte sagen der „Normalzustand“, ist der Krieg, der Frieden der „Ausnahmezustand“. Dieser doch sehr eingeschränkte Status, den Hobbes dem Frieden beimisst, könnte mit dessen Erfahrungen mit dem englischen Bürgerkrieg erklärt werden, indem ihm dieser zeigte, wie die Beteiligten ihre Kriegshandlungen mit der Erreichung des Friedens rechtfertigten und somit Frieden zum Mittel des Krieges wurde.[7]

Außerdem verdeutlicht Hobbes, dass der Naturzustand sich als extreme Form des Krieges offenbart, in dem jedes Individuum mit dem Ziel der Selbsterhaltung teilnimmt, da keine Obrigkeit vorhanden ist. Weiterhin wird deutlich, dass ein zentrales Merkmal des Wesens des Kriegszustandes der Begriff Zeit ist. Somit herrscht noch kein Krieg, wenn es zu ein oder zwei Kamphandlungen kommt, es muss auch nicht einmal zu kriegerischen Handlungen kommen, der bekannte Wille über längere Zeit dazu genügt, um sich in einem Kriegszustand zu befinden. „Krieg ist ein Klima.“[8] „ In der Tat zeichnet sich der Naturzustand ja nicht bloß durch die Schädigung eines fremden Interesses aus, sondern durch die universelle Läsion, die Verletzung eines fremden Rechtsanspruches.“[9]

Dennoch sind gewalttätige Handlungen für den Krieg im Naturzustand kennzeichnend und von Bedeutung, was an der Formulierung „bekannte Bereitschaft“ zu sehen ist, da Erfahrung dem Kennen vorausgeht.[10]

Daraus ergibt sich die Konsequenz des Kriegszustandes, dessen Wesen zwar der bekannte Wille über längere Zeit zu Gewalt ist, sich aber dennoch in tatsächlicher physischer Gewalt äußert, so dass „das menschliche Leben (…) einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“[11] ist.

Was die Realität des beschriebenen Kriegszustandes angeht, äußert sich Hobbes:

„Vielleicht kann man die Ansicht vertreten, daß es eine solche Zeit und einen Kriegszustand wie den beschriebenen niemals gab, und ich glaube, daß er so niemals allgemein auf der ganzen Welt bestand. Aber es gibt viele Gebiete, wo man jetzt noch so lebt.“[12]

Aus dieser Aussage lässt sich schließen, dass der von Hobbes genannte Kriegszustand für die ganze Welt als Idealtypus fungiert und sich die realen Kriege diesem höchstens annähern können. Bei einzelnen Völkern (als Beispiel nennt Hobbes Gebiete in Amerika) kann diese extreme Form des Krieges trotzdem herrschen.

Zur weiteren Erschließung der Kriegsdefinition in Hobbes` Leviathan ist ein Blick auf die Semantik der Ableitungen der Begriffe „war“(in der englischen Fassung) und „bellum“ (in der lateinischen Ausgabe) zu werfen. Die Ableitung von „war“, „werra“, ist mit Unordnung zu übersetzen; wie auch Herfried Münkler der Ansicht ist, „daß im unmittelbaren Naturzustand nichts anderes zu finden ist als Unordnung.“[13] Im Gegensatz dazu, beschreibt die Ableitung von „bellum“, „duellum“, einen gewaltsamen Rechtsstreit.

Schließlich vereinigen sich diese beiden Bedeutungen im Kriegsverständnis von Hobbes, indem er den Naturzustand zum einen als einen des absoluten Chaos („werra“)[14] beschreibt, zum anderen als einen Rechtsstreit: Im Naturzustand hat jeder ein Recht auf alles, da es keine Obrigkeit gibt und somit jeder selbst zum eigenen Rechtssetzer wird.[15]

Nach der Klärung der Begrifflichkeit des Krieges sollen nun die Ursachen des Kriegzustandes ermittelt werden.

1.2. Ursachen des Krieges

In Hobbes` Leviathan wird der Mensch als ein isoliertes, bindungsloses Wesen, welches als „egoistischer Nutzenmaximierer“[16] auftritt, beschrieben. Mit Blick auf seine Fähigkeiten, sowohl in seiner geistigen als auch körperlichen Natur, ist der Mensch gleich. Zumindest so gleich, dass aus kleineren Unterschieden für den einzelnen kein Vorteil entsteht: „aus der Gleichheit aller Menschen erwächst der Krieg aller gegen alle.“[17] Diese Gleichheit bezieht sich auf die äußerste Möglichkeit. Damit will Hobbes nicht jedes Individuum zum Mörder erklären, aber die Möglichkeit dazu muss in Betracht gezogen werden. Aus dieser Unsicherheit resultiert die „unabdingbare Notwendigkeit der Selbstbehauptung“[18] und das Konfliktpotential jeder Gesellschaft.

„So liegen also in der menschlichen Natur drei hauptsächliche Konfliktursachen: Erstens Konkurrenz, zweitens Mißtrauen, drittens Ruhmsucht. Die erste führt zu Übergriffen der Menschen des Gewinnes, die zweite der Sicherheit und die dritte des Ansehens wegen.“[19]

Bezüglich der Erläuterung der ersten Konfliktursache, der Konkurrenz, muss zunächst auf den Begriff der Selbsterhaltung, die als ein Naturrecht angesehen wird[20], eingegangen werden: Damit ist nicht nur das reine Überleben gemeint, sondern das Streben nach einem angenehmen Leben mit Ackerbau, Schifffahrt, bequemen Gebäuden usw.[21], was auch in Zukunft garantiert sein soll. Daraus ergibt sich für Hobbes folgende Konsequenz:

„So halte ich an erster Stelle ein fortwährendes und rastloses Verlangen nach immer neuer Macht für einen allgemeinen Trieb der gesamten Menschheit, der nur mit dem Tode endet. Und der Grund hierfür liegt nicht immer darin, daß sich ein Mensch einen größeren Genuß erhofft als den bereits erlangten, oder daß er mit einer bescheidenen Macht nicht zufrieden sein kann, sondern darin, daß er die gegenwärtige Macht und die Mittel zu einem angenehmen Leben ohne den Erwerb von zusätzlicher Macht nicht sicherstellen kann.“[22]

[...]


[1] Demandt, Alexander: Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike, 3.Aufl., Köln 2000, S.63.

[2] Vgl. Oberndörfer, Dieter, Rosenzweig, Beate (Hrsg.): Klassische Staatsphilosophie. Texte und Einführungen. Von Platon bis Rousseau, München 2000, S.96.

[3] Vgl. Oberndörfer, S.109

[4] Ebd., S.135.

[5] Ebd., S.205.

[6] Fetscher, Iring (Hrsg.): Thomas Hobbes. Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, 6.Aufl., Frankfurt am Main1994, S.96; für Wolfgang Kersting entspricht diese Definition von Krieg der Strukturbeschreibung im Kalten Krieg, vgl. Kersting, Wolfgang: Thomas Hobbes. Zur Einführung, 2. Aufl., Hamburg 2002, S.133.

[7] Vgl. Kleemeier, Ulrike: Grundfragen einer philosophischen Theorie des Krieges. Platon – Hobbes – Clausewitz, in: Münkler, Herfried (Hrsg.): Politische Ideen, 16, Berlin 2002, S.134.

[8] Weiß, Ulrich: Das philosophische System von Thomas Hobbes, Stuttgart-Bad Cannstatt 1980, S.135.

[9] Hüning, Dieter: Freiheit und Herrschaft in der Rechtsphilosophie des Thomas Hobbes, in: Schriften zur Rechtstheorie, 185, Berlin 1998, S.84.

[10] Vgl. Kleemeier, S.129-132.

[11] Fetscher, S.96.

[12] Ebd., S.97.

[13] Münkler, Herfried: Thomas Hobbes. Einführungen, Frankfurt am Main 1993, S.118.

[14] Hobbes beschreibt das Leben im Naturzustand als „einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“ (Fetscher, S. 96), was auch diesen chaotischen Zustand belegt.

[15] Vgl. Kleemeier, S.135.

[16] Münkler, 1993, S.94.

[17] Schelsky, Helmut: Thomas Hobbes – Eine politische Lehre, Berlin 1981, S.335.

[18] Willms, Bernard: Thomas Hobbes. Das Reich des Leviathan, München 1987, S.135.

[19] Fetscher, S.95-96.

[20] Vgl. Weiß, S.147-148.

[21] Ebd., S.96.

[22] Fetscher, S.75.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Krieg und Frieden in Hobbes` Leviathan
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Seminar für Wissenschaftliche Politik)
Veranstaltung
Krieg und Frieden in der politischen Ideengeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V85692
ISBN (eBook)
9783638015905
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krieg, Frieden, Hobbes`, Leviathan, Ideengeschichte
Arbeit zitieren
Claudia Fischer (Autor), 2004, Krieg und Frieden in Hobbes` Leviathan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85692

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