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Hieronymus Boschs Johannes auf Patmos: Versuch einer Deutung auf der Grundlage verschiedener Johannesdarstellungen und schriftlicher Quellen

Title: Hieronymus Boschs Johannes auf Patmos: Versuch einer Deutung auf der Grundlage verschiedener Johannesdarstellungen und schriftlicher Quellen

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 24 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Uta Beckhäuser (Author)

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Vor über zweitausend Jahren kam ein Denken auf, das die Menschen wie nie zuvor und bis heute in ihren Bann zog. Es entstand aus und neben dem Judentum und neben dem Islam, eine der größten monotheistischen Weltreligionen: das Christentum. Nie wieder sollte eine Religion so viele Menschen vereinen; heute zählt man etwa 1,8 Milliarden Christen. Ihr Stifter, Jesus von Nazareth, predigte Nächstenliebe und kündigte das Reich Gottes an.
Eines seiner zentralen Themen ist die Offenbarung an den Evangelisten Johannes: Im Namen Gottes lässt Jesus das Weltende in verschiedenen Bildern prophezeien. Die Vorstellung davon war durch Unheilserwartungen geprägt und sollte sich durch radikale innerweltliche Veränderungen vollziehen. Die Menschen, die Gott treu blieben, sollten in eine neue und vollendete Welt unter der Herrschaft Gottes geführt werden. Welche Menschen das sind, sollte durch das jüngste Gericht entschieden werden. Johannes wurde beauftragt, diese Vision von der endgültigen Zukunft der Weltgeschichte allen sieben Gemeinden in Kleinasien weiterzutragen.
Keine andere Religion ist in der europäischen bzw. abendländischen Kunst so stark vertreten wie das Christentum. Man kann sogar sagen, dass ausschließlich christliche Motive bis ins Mittelalter dominierten. Nicht zuletzt hing dies auch mit den Auftraggebern zusammen. Zahlreiche Künstler der Renaissance, wie Michelangelo, Raffael und Leonardo, erhielten ihre Aufträge meist vom Papst oder religiösen Herrscherfamilien. Dementsprechend waren die Apokalypse und das damit zusammenhängende jüngste Gericht besonders in der mittelalterlichen Kunst und auch in der Renaissance beliebte Motive, deren Darstellung es ständig zu übertreffen und weiterzuentwickeln galt.
Einer der wohl geheimnisvollsten und faszinierendsten Maler des ausgehenden Mittelalters, der sich mit diesem Thema auseinandersetzte, war der niederländische Maler Hieronymus Bosch (1450-1516). Er hinterließ kaum schriftliche Dokumente, so dass sich viele seiner Werke bis heute jeder eindeutigen Interpretation entziehen. Der Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert war durch zahlreiche Umbrüche gekennzeichnet und beeinflusste auch Bosch stark:

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Einleitende Fragestellung

1.2. Argumentationsaufbau

2. Hauptteil

2.1. Die Offenbarung an Johannes in der Bibel

2.2. Boschs Johannes auf Patmos: ein Altarfragment

2.3. Ein Vorbild Boschs: Schongauers Johannes auf Patmos

2.4. Hans Memling

2.5. James Marrow vs. Erwin Panofsky: eine Weiterentwicklung kunstgeschichtlicher Interpretationsmöglichkeiten

2.6. Versuch einer Interpretation

2.6.1. Johannes auf Patmos

2.6.2. Die sieben Todsünden: das göttliche Sonnenauge über den Sündern

2.6.2.1. Das Tondoformat auf der Rückseite der Johannestafel

2.6.2.2. Das Auge Gottes ist der Spiegel der Seele

2.6.2.2. Bosch und die Alchemie

3. Schluss

3.1. Zusammenfassung

3.2. Ausblick: Die Vorstellung eines Weltendes/ einer Erlösung in Religionen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Johannes auf Patmos" von Hieronymus Bosch durch eine kunsthistorische Analyse, die sowohl die biblische Offenbarung als auch zeitgenössische Johannesdarstellungen und alchemistische Bezüge einbezieht, um zu einer fundierten Deutung des fragmentarischen Altars zu gelangen.

  • Analyse der biblischen Offenbarung als Grundlage für die Bilddarstellung.
  • Vergleichende Betrachtung mit Werken von Martin Schongauer und Hans Memling.
  • Diskussion kunsthistorischer Interpretationsmethoden nach Panofsky und Marrow.
  • Untersuchung der symbolischen Bedeutung von Tondoformat, Spiegelmetaphorik und Alchemie.
  • Einordnung der Erlösungsthematik im interreligiösen Kontext.

Auszug aus dem Buch

2.6.2.2. Das Auge Gottes ist der Spiegel der Seele

Deutungen des rückseitigen Tondos gab es bisher nur wenige; auch wurde es teilweise kontrovers diskutiert. So stellt sich eine zusammenfassende Deutung als relativ schwierig dar. De Tolnay fragt zum Beispiel: „Was mögen der Pelikan und die Passionserzählung mit den Propheten zu tun haben, die, beseelt vom Geiste Gottes, wie das Licht in der Finsternis leuchten?“ (De Tolnay 1973: 286). Es gibt, wie bereits angekündigt, mehrere Perspektiven einer Interpretation. Zum einen ist die Farbgebung von Bedeutung, und dazu gehören auch die Farbabstufungen, und zum anderen ist die Form (das Tondo) ein entscheidender Anhaltspunkt. James Marrow hebt diese Aspekte einer Deutung besonders hervor, vernachlässigt dabei aber keinesfalls die Symbole.

Fraenger deutet das Gemälde als eine Umwendetafel für den Meditationsgebrauch, bei dem der Betrachter schrittweise zur Erlösung gebracht wird: „Denn die konzentrischen Verengungen dieser Kreise sind die Stufenleiter einer sich mehr und mehr vertiefenden Konzentration“ (Fraenger 1975: 252). Auch wenn er mit der Vermutung über die Funktion der Tafel allein steht, so kann letztere Auffassung durchaus auch auf ein Altargemälde angewendet werden. Man erblickt zuerst etwas dunkles, etwas Unheimliches und Schreckliches, das uns nicht klar ist, weil es nicht zu erkennen ist. Anschließend eröffnen sich dem Betrachter die Passionsszenen Christi, die etwas Neues, eine veränderte Welt ankündigen. Man blickt in die wahre Zukunft: eine von Christus beherrschte bessere Welt. Die Farbabstufungen dunkel, helldunkel und hell verdeutlichen den Weg hin zur Erlösung oder „Erleuchtung“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung des Christentums und Hieronymus Boschs Stellung als enigmatischer Maler am Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert.

2. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der Offenbarung, der ikonographischen Einflüsse auf Bosch, des methodischen Vergleichs zwischen Panofsky und Marrow sowie der symbolischen Analyse von Tondoformat, Alchemie und Spiegelmetaphorik.

3. Schluss: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Reflexion über die universelle menschliche Suche nach Erlösung im interreligiösen Vergleich.

Schlüsselwörter

Hieronymus Bosch, Johannes auf Patmos, Offenbarung, Apokalypse, Kunstgeschichte, Ikonologie, James Marrow, Tondoformat, Auge Gottes, Alchemie, Erlösung, Martin Schongauer, Hans Memling, Spiegelmetaphorik, Symbolik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Gemälde "Johannes auf Patmos" von Hieronymus Bosch, um dessen komplexe Bildsprache und symbolische Bedeutung zu entschlüsseln.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die apokalyptische Vision des Johannes, der Vergleich mit anderen zeitgenössischen Künstlern sowie die eschatologische Symbolik auf der Rückseite des Altars.

Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?

Ziel ist es, das Werk durch eine fundierte Analyse der Bildtraditionen und schriftlichen Quellen neu zu deuten und in den Kontext religiöser Erlösungsvorstellungen zu setzen.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt kunsthistorische Interpretationsmethoden, insbesondere die Weiterentwicklung der ikonologischen Methode durch James Marrow, um Symbole und Komposition kritisch zu befragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine biblische Hinführung, eine ikonographische Gegenüberstellung, eine methodische Grundsatzdiskussion und eine spezifische Interpretation von Boschs Tondo-Rückseite.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?

Schlüsselbegriffe sind Hieronymus Bosch, Apokalyptik, Ikonologie, Symbolik, Alchemie und Erlösungstheorie.

Inwiefern beeinflusst das Tondoformat die Interpretation der Rückseite?

Das Tondoformat wird als "Auge Gottes" gedeutet, das den Betrachter zur Selbsterkenntnis und Reflexion über die Heilsgeschichte anregt.

Welche Rolle spielt die Alchemie in Boschs Werk laut der Analyse?

Die Alchemie wird als Analogie für den Läuterungsprozess der Seele verstanden, wobei die Wandlung von Stoffen als Metapher für die Erlösung und Weltveränderung fungiert.

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Details

Title
Hieronymus Boschs Johannes auf Patmos: Versuch einer Deutung auf der Grundlage verschiedener Johannesdarstellungen und schriftlicher Quellen
College
Dresden Technical University  (für Kunst- und Musikwissenschaft)
Course
Hieronymus Bosch
Grade
2,3
Author
Uta Beckhäuser (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V85703
ISBN (eBook)
9783638015936
Language
German
Tags
Hieronymus Boschs Johannes Patmos Versuch Deutung Grundlage Johannesdarstellungen Quellen Hieronymus Bosch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Uta Beckhäuser (Author), 2006, Hieronymus Boschs Johannes auf Patmos: Versuch einer Deutung auf der Grundlage verschiedener Johannesdarstellungen und schriftlicher Quellen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85703
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