Der nicht-direktiven Spieltherapie liegen die Grundgedanken von Rogers über das Individuum und die sich daraus entwickelte Persönlichkeitsstruktur zugrunde.
Nach Rogers liegt jedem Organismus die Tendenz einer konstruktiven Erfüllung seiner innerlichen Möglichkeiten zugrunde. Der Mensch hat ein natürliches Verlangen nach Entfaltung, die sogenannte Selbstverwirklichungstendenz. Virginia Axeline geht bei ihrem auf Rogers aufbauenden Persönlichkeitsstruktur davon aus, dass alle Erfahrungen, jede Haltung und unsere Gedanken das Individuum ständig verändern. Das angewandte nicht-direktive Verfahren in der Spieltherapie kann eine Gelegenheit für das Kind darstellen, Wachstums- und Reifungshilfe unter günstigeren Bedingungen zu erfahren. Dabei wird das Spiel als das natürliche Medium der Selbstdarstellung des Kindes genutzt, Frustration, Unsicherheit, Angst, Aggression oder Verwirrung „auszuspielen“. Wichtige Punkte dabei für ein wachstumsförderndes Klima liegen in der Person des Therapeuten, der mit seiner eigenen Person und seiner bedingungslosen Zuwendung und Akzeptanz, eine therapeutische Beziehung herstellt.
Gerade diese Beziehung spielt im Verlauf der Therapie eine zentrale Rolle. Sie ist nicht nur Beiwerk spezifischer Interventionsmethoden sondern bildet den Nährboden für die angestrebten Zielprozesse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gedanken zum Individuum Carl Rogers
3. Wachstumsförderndes Klima
3.1 Echtheit – Unverfälschtheit – Kongruenz
3.2 Akzeptanz- bedinglose positive Zuwendung
3.3 Einfühlsames Verstehen
4. Die nichtdirektive Spieltherapie
4.1 Zugrundeliegende Persönlichkeitsstruktur
4.2 Die nicht-direktive Therapie
4.3 Angewandte nicht-direktives Verfahren in der Spieltherapie
5. Die acht Grundprinzipien die Therapeuten im Nicht-direktiven Verfahren anwenden sollte
6. Der Fall Dibs
6.1 Begegnung in der ersten Stunde
6.2 Weiterentwicklung von Dibs im Laufe der Therapie
7. Anspruch an den Therapeuten
7.1 Ziel personenzentrierter Kinderpsychotherapie
7.2 Therapeutische Beziehung
8. Schlussbemerkung
9. Literaturhinweis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das nicht-direktive Verfahren in der Spieltherapie basierend auf dem personenzentrierten Ansatz von Carl Rogers und dessen Weiterentwicklung durch Virginia Axline. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen dieses Therapieansatzes darzulegen, die Anforderungen an den Therapeuten zu definieren und die Wirksamkeit anhand von Fallbeispielen und Prinzipien zu verdeutlichen, um aufzuzeigen, wie ein wachstumsförderndes Klima die kindliche Selbstentwicklung unterstützt.
- Grundlagen des personenzentrierten Menschenbildes nach Carl Rogers
- Die acht Grundprinzipien des nicht-direktiven Spieltherapie-Verfahrens
- Anwendung des nicht-direktiven Ansatzes am Fallbeispiel Dibs
- Die zentrale Rolle der therapeutischen Beziehung
- Förderung von Eigenverantwortung und Selbstentfaltung bei Kindern
Auszug aus dem Buch
6. Der Fall Dibs
„Komm, Dibs. Du musst jetzt heimgehen. Es ist Zeit zu Mittagessen“, Hedda sprach geduldig. Dibs rührte sich nicht. Sein Widerstand war starr und unnachgiebig. „Ich helfe dir mit dem Mantel“, sagte Hedda und ging langsam mit dem Mantel auf ihn zu. Er sah nicht auf. Er presste den Körper an die Wand und verbarg den Kopf in den Armen. „Bitte, Dibs. Deine Mutter wird bald hier sein.“ Sie kam immer spät: wahrscheinlich hoffte sie, dass dann der Kampf um Mantel und Mütze bereits vorüber seien und Dibs ruhig mitgehen würde. Hedda, (eine Lehrerin) war jetzt nahe bei Dibs. Sie beugte sich zu ihm hinunter und klopfte ihm auf die Schulter. „Komm, Dibs“, sagte sie sanft. „Du weißt, dass es Zeit ist.“ Wie eine kleine Furie ging er auf sie los. Seine Fäuste schlugen auf sie ein, er kratzte, versuchte zu beißen und schrie. „Nicht heimgehen!“ „Nicht heimgehen!“ Nicht heimgehen!“ Es war jeden Tag derselbe Schrei. (Vgl. Axline 1981:9)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die verschiedenen Theorienschulen der Kindertherapie ein und differenziert zwischen direktiven und nicht-direktiven Ansätzen, wobei die Bedeutung der therapeutischen Beziehung hervorgehoben wird.
2. Gedanken zum Individuum Carl Rogers: Dieses Kapitel erläutert das Menschenbild von Carl Rogers, insbesondere die angeborene Selbstverwirklichungstendenz des Individuums als Basis für klientenzentrierte Ansätze.
3. Wachstumsförderndes Klima: Hier werden die drei Kernkomponenten für ein therapeutisches Klima – Echtheit, bedingungslose positive Zuwendung und einfühlsames Verstehen – detailliert beschrieben.
4. Die nichtdirektive Spieltherapie: Das Kapitel verknüpft die Persönlichkeitsstruktur mit der Praxis der nicht-direktiven Spieltherapie und beschreibt das Spiel als natürliches Medium zur Selbstdarstellung und psychischen Druckentlastung.
5. Die acht Grundprinzipien die Therapeuten im Nicht-direktiven Verfahren anwenden sollte: Diese Prinzipien definieren die Haltung des Therapeuten, von der warmen Beziehungsaufnahme bis hin zur achtsamen Grenzsetzung im Spielzimmer.
6. Der Fall Dibs: Anhand des berühmten Falls Dibs wird die praktische Anwendung der nicht-direktiven Therapie illustriert, wobei die Entwicklung des Kindes von sozialem Rückzug hin zu Selbstentfaltung und Ausdrucksfähigkeit aufgezeigt wird.
7. Anspruch an den Therapeuten: Dieser Teil beleuchtet die notwendige Sensibilität, Selbst-Erfahrung und Kongruenz, die der Therapeut mitbringen muss, um die personenzentrierte Arbeit mit Kindern zu leisten.
8. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung reflektiert die Rolle des Therapeuten als Resonanzboden und diskutiert die Anwendbarkeit des nicht-direktiven Ansatzes sowie dessen Kritik an herkömmlichen Machtstrukturen.
9. Literaturhinweis: Listet die verwendeten Quellen und Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Nicht-direktive Spieltherapie, Carl Rogers, Virginia Axline, Personenzentrierter Ansatz, Therapeutische Beziehung, Selbstverwirklichungstendenz, Kongruenz, Einfühlsames Verstehen, Bedingungslose positive Zuwendung, Fall Dibs, Grenzfallkinder, Kindliche Entwicklung, Humanistische Psychologie, Spielmaterial, Emotionale Ausdrucksfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das nicht-direktive Verfahren in der Spieltherapie, basierend auf dem personenzentrierten Ansatz, und analysiert die theoretischen sowie praktischen Grundlagen der Arbeit mit Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild von Rogers, die therapeutische Haltung, die Bedeutung der Beziehung im therapeutischen Prozess und die Anwendung dieser Prinzipien am Beispiel des Falles Dibs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Wirksamkeit und Methodik des nicht-direktiven Verfahrens darzustellen und aufzuzeigen, wie ein wertschätzendes, freies Klima die kindliche Selbstentwicklung fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Darstellung therapeutischer Prinzipien und der qualitativ-deskriptiven Aufarbeitung von Fallstudien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen des wachstumsfördernden Klimas, die acht Grundprinzipien der Therapie, die detaillierte Fallanalyse von Dibs sowie die Anforderungen an die Haltung des Therapeuten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie personenzentrierte Spieltherapie, therapeutische Beziehung, Kongruenz, Selbstentfaltung und nicht-direktive Methodik charakterisiert.
Warum spielt die therapeutische Beziehung bei dem nicht-direktiven Verfahren eine so große Rolle?
Die Beziehung bildet laut Arbeit den „Nährboden“ für alle angestrebten Entwicklungsprozesse, da sie dem Kind Sicherheit bietet, sich innerhalb eines geschützten Rahmens eigenverantwortlich auszudrücken.
Inwiefern unterscheidet sich die Rolle des Therapeuten in diesem Verfahren von klassischen medizinischen Modellen?
Der Therapeut fungiert nicht als Anleiter oder Interpret, sondern als „Resonanzboden“; er versucht nicht, Symptome aktiv zu kurieren, sondern unterstützt das Kind darin, seine eigene Kraft zur Selbstheilung zu finden.
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- Beatrice Bucher (Author), 2005, Nicht-direktives-Verfahren in der Spieltherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85754