„Kultur, Seele, Freiheit, Kunst“ - Der Arminiusmythos und sein Anteil an der nationalen Selbstfindung im Kaiserreich


Examensarbeit, 2006

102 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. „O Hermann, dir verdanken wir das!“ - Einleitung

2. „Geschichte in Natur“ - Eine Mythentheorie

3. Die Nation - „Ein Gewebe von Mythen“

4. Deutsche „Erinnerungsorte“

5. „ ... liberator haud dubie Germaniae ...“ - Arminius , die Varusschlacht und die römische Überlieferung

6. Deutsche Nationsbildung und Hermannsmythos
6.1 Deutsche Nationsbildung
6.2 „Ein Erlediger Teutscher Nation“ - Die Entdeckung des Arminius und der deutschen Geschichte
6.3 „ ... weil wir noch durch ihn sind ...“ - Arminius zu Beginn der deutschen Nationalbewegung
6.4 „Schwinge auch ferner dein Schwert...“ - Die deutsche Nationalbewegung beim Übergang zur Massenbewegung

7. „ ... als Vereinigungspunkt für alle Herzen ...“ - Hermann im Kaiserreich

8. „Germania-Pils und Thusnelda-Schnittchen“ - Ein Mythos wird Geschichte

9. Fazit und Ausblick Quellen- und Literaturverzeichnis

1. „O Hermann, dir verdanken wir das!“ - Einleitung

Das ist der Teutoburger Wald, Den Tacitus beschrieben, Das ist der klassische Morast, Wo Varus stecken geblieben. Hier schlug ihn der Cheruskerfürst, Der Hermann, der edle Recke; Die deutsche Nationalität, Sie siegte in diesem Drecke.

O Hermann, dir verdanken wir das! Drum wird dir, wie sich gebühret, Zu Detmold ein Monument gesetzt; Hab selber subskribieret.1

Wer an den Cheruskerfürsten Hermann (laut römischer Überlieferung eigentlich Arminius) denkt, dem fällt das Hermannsdenkmal in Detmold ein. Die zitierten Verse aus Heinrich Heines im Jahre 1844 veröffentlichtem Wintermärchen zeigen, dass es dem Dichter 31 Jahre vor Vollendung des Nationaldenkmals nicht anders ging. Mit dem Verweis auf das Hermannsdenkmal, dessen Entstehungsgeschichte sich wie diejenige der deutschen Nation beinahe durch das gesamte 19. Jahrhundert zog, wird auch deutlich, dass Arminius eine nicht unwesentliche Bedeutung für die Bildung dieser Nation hatte. Heines Zeitgenossen war diese Verbindung völlig selbstverständlich - in der Varusschlacht fand in ihren Augen die Geschichte der deutschen Nation ihren Ursprung. Aber Heines Sichtweise ist eine besondere. Vergleicht man dessen wenige Verse mit anderen Umsetzungen des Arminiusstoffes bis zu seiner Zeit, kann mit Recht von einem Bruch innerhalb der Arminiusdichtungen gesprochen werden.2 Mit seiner ungewöhnlichen Satire übt er Kritik an dem „Drecke“, welcher der „deutschen Nationalität“ zum Siege verhalf, und er meint damit den Mythos, den die unzähligen „Hermannsschlachten“ begründet hatten und der aus seiner Sicht der zeitgenössischen Nationalbewegung einen ungünstigen Anstrich gab. Heine ging also in gewissem Maße davon aus, dass der Arminiusmythos einen Anteil an der nationalen Selbstfindung der Deutschen hatte - und zwar einen wenig wünschenswerten.

Damit sind wir bei den Fragen angekommen, die in der vorliegenden Arbeit untersucht werden soll. Wie entwickelte sich der Arminiusmythos, welche Rolle spielte er für die Herausbildung einer deutschen nationalen Identität und welche Folgen hatte dieser Einfluss auf die deutsche Nationsbildung und das Selbstbild der Deutschen in ihrem ersten Nationalstaat, dem Kaiserreich, dessen Gründung den Höhepunkt der deutschen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert markiert?

Wie die Ereignisse um Arminius in verschiedenen Zeiten interpretiert wurden, können wir heute in erster Linie aus Kunstwerken in Form von Literatur, Gemälden oder Denkmälern erschließen. Aber auch aus Schulbüchern oder politischen Stellungnahmen geht die Bedeutung des Hermannsmythos3 hervor. Die hohe Anzahl an gut zugänglichen Quellen korreliert mit der großen Menge an Forschungsliteratur. Zum Arminiusbild in der Literatur von Ulrich von Hutten bis Heinrich Heine sind neben der Unzahl von Aufsätzen zu einzelnen Dichtern vor allem die übergreifenden Darstellungen von Julius Riffert4, Richard Kuehnemund5, Wilhelm Gössmann6 und Gesa von Essen7 hervorzuheben. Die Adaptionen des Arminiusstoffes in Oper, Kunst und in Denkmalen werden in den Sammelwerken von Günther Engelbert8, Mamoun Fansa9 und besonders in dem Sammelband von Rainer Wiegels und Winfried Woesler10 behandelt. Im Bezug auf die römische Überlieferung zu Arminius, die für die Herausbildung des Mythos eine nicht zu überschätzende Voraussetzung bildete, sei an dieser Stelle auf das grundlegende Werk von Dieter Timpe11 verwiesen, das auch nach 36 Jahren noch den aktuellen Forschungsstand widerspiegelt.

Neben Abhandlungen zum Arminiusmythos sind für diese Arbeit Veröffentlichungen zur Entstehung der Nationen und deren Voraussetzungen von Bedeutung. Hier soll aus der Vielzahl der Veröffentlichungen die vor kurzem erschienene Abhandlung Miroslavs Hrochs hervorgehoben werden, die neben einem Überblick über die Nationalismusforschung eine für diese Arbeit nützliche Periodisierung der Nationsbildung bietet.12 Auch die Geschichte der deutschen Nationalbewegung ist ein gut erforschtes Feld. Interessant für diese Arbeit sind in diesem Zusammenhang verschiedene einem von Frankreich ausgehenden Trend folgende „Symbol-Geschichten“13, die sich zur Aufgabe machen, „die Orte , die Denkmäler, die Symbole und die Mythen zu untersuchen, um die sich Deutschland als Nation konstituiert hat“14, wie Etienne François 1995 noch ankündigt. Sechs Jahre später setzt er dieses Konzept zusammen mit Hagen Schulze um.15 In dem entstandenen

Sammelwerk finden sich nun die Mythen, auf die sich die deutsche Identität gründet. Auch ein kurzer Aufsatz über Arminius von Werner Doyé16 ist enthalten. Schon zuvor wurden die Monographien von Charlotte Tacke17 und Andreas Dörner18 veröffentlicht, die sich ebenfalls mit dem Arminiusmythos im Kontext der Entstehung eines deutschen Nationalbewusstseins beschäftigen. Tacke interessiert sich dabei insbesondere für die sozialen Umstände des Denkmalsbau, der dort abgehaltenen Feste und einem diesbezüglichen Vergleich des Arminiusmythos in Deutschland und dem Vercingetorixmythos in Frankreich. Dörner interpretiert den Arminiusmythos als politisches Symbol, das abhängig von den äußeren Bedingungen unterschiedlich ausgelegt worden sei.

In dieser Arbeit soll nun der umgekehrte Weg gegangen werden. Es soll die Entstehung und die Funktionsweise des Mythos untersucht werden, um die Frage zu klären, ob der Arminiusmythos eine konstituierende Wirkung auf die deutsche Nationalbewegung hatte und wenn ja, auf welche Weise er diese Wirkung erreichte. Dahinter steckt die These, dass Mythen im Allgemeinen einen nicht unerheblichen Anteil an Nationenbildungen, nicht nur in Deutschland haben. Der Arminiusmythos als gut erforschter Gegenstand soll dabei beispielhaft als ein nationaler Mythos einer Nation behandelt werden, wobei aber im Rahmen dieser Arbeit selbst dieser nicht erschöpfend betrachtet werden kann.

Das Phänomen des Nationalmythos spielte in unserer Geschichte und es spielt auch in der Gegenwart eine gleichbleibend große Rolle. Politik ist in Zeiten, in denen Regierungen vom Wohlwollen des Volkes abhängig sind, ohne politische Mythen nicht vorstellbar, und auch unser heutiges Nationalbewusstsein stützt sich auf Mythen. Denkt man einmal darüber nach, was man mit Deutschland, mit dem Deutschsein verbindet, wird man im Geiste sehr wahrscheinlich eine Ansammlung von verschiedensten Ideen hervorbringen, die in aller Regel mit Orten, Ereignissen oder Personen in Verbindung stehen. Heute spielen dabei vermutlich eher Ereignisse wie das Wirtschaftswunder, das Fußballwunder von Bern, die Berliner Luftbrücke oder die Hamburger Flut eine Rolle, alles Mythen im kollektiven bundesrepublikanischen Gedächtnis.19 Die politischen Themen, die aktuell am relevantesten scheinen, sind die Angst vor der Globalisierung und die Angst vor islamischem Terror. Auch hier stellt sich die Frage nach der Mythisierung und inwieweit diese unsere nationale Identität berührt. Zuletzt steht außerdem die Frage im Raum, wie in Zukunft die europäische Einigung voranschreiten wird und ob es nicht vielleicht auch für ein Zusammenwachsen Europas eines europäischen Mythos bedürfte. Wäre in diesem Fall ein solcher Mythos wünschenswert und konstruierbar, oder sind alle Mythen abzulehnen? Der Hermannsmythos als einer der grundlegenden deutschen Nationalmythen bietet ein Fallbeispiel, das uns Mythen, ihre Bedeutung und ihre Wirkung erkennen lehren kann.

Zu dessen Untersuchung soll der Hermannsmythos in seine Bestandteile zerlegt werden, um seine Funktionsweise zu offenbaren. Nach einem einführenden Kapitel, in dem geklärt werden soll, was genau in dieser Arbeit unter einem Mythos verstanden wird (Kapitel 2), folgt ein allgemeines Kapitel über die Funktion von Mythen für die Bildung von Nationen (Kapitel 3). In Kapitel 4 soll am deutschen Beispiel erläutert werden, was einen Mythos zu einem nationalen Mythos macht. Danach folgt zunächst der historische Hintergrund, auf dem der Arminiusmythos fußt, denn gerade im Vergleich mit den wahren Hintergründen kann die Funktionsweise eines Mythos verstanden werden. Außerdem liegt der Erfolg eines Mythos in seiner ursprünglichen Konzeption begründet. Dann soll im sechsten Kapitel geschildert werden, wie die Ereignisse um Arminius in den verschiedenen Phasen der deutschen Nationsbildung zunächst wiederentdeckt, dann verbreitet und schließlich ins kollektive Gedächtnis der Nation aufgenommen werden. Die Folgen des Arminiusmythos für die Identität der Deutschen in ihrem verwirklichten Nationalstaat sind Thema des Kapitel 7. Der folgende Abschnitt soll dann die weitere Entwicklung des Mythos sowie Gründe für seinen Verlust an Bedeutung schildern (Kapitel 8), bevor in Kapitel 9 ein Fazit gezogen wird.

2. „Geschichte in Natur“ - Eine Theorie zum Mythos

Betrachtet man die Literatur, die im Rahmen dieser Arbeit einbezogen wird, fällt schon an den Titeln auf, dass der Begriff des Mythos gerne vorangestellt wird. Seit etwa Mitte der 90er Jahre scheint er geradezu inflationär benutzt zu werden. Dabei wird wie bei vielen Begriffen mit einer hohen Verbreitung selten herausgestellt, welche Bedeutung von Fall zu Fall gemeint ist, obwohl über das Verständnis dieses Begriffes mitnichten Einigkeit besteht, so dass er trotz oder gerade wegen der Häufigkeit seiner Nutzung schwer verständlich bleibt. Umso wichtiger ist also zunächst darzustellen, welches Verständnis von diesem Begriff den folgenden Ausführungen zugrunde gelegt werden soll.

Es soll in dieser Arbeit gezeigt werden, wie die aus der Antike überlieferten Geschehnisse um Arminius und der Varusschlacht in der Neuzeit wieder aufgegriffen wurden, um zur nationalen Selbstfindung der Deutschen beizutragen. Solch einen Einfluss konnten jene längst vergangenen Ereignisse nur deshalb ausüben, weil ihnen auch in der für die Nationenbildung relevanten Zeit ein aktueller Bezug gegeben wurde, der das entstehende Selbstverständnis der Deutschen mitprägte. Es gibt also eine Überlieferung, die Arminius und die Varusschlacht betrifft und die auf tatsächliches Geschehen beruht. Diese Überlieferung hat einen eigenen Inhalt. Bei der Rezeption dieses Inhalts in der Neuzeit wurden Deutungen aktiviert, die sich an diesen Inhalt anlehnten, aber über diesen hinaus gingen. So konnte aus der Überlieferung ein Beweis etwa für eine zweitausend Jahre währende Kontinuität deutscher Geschichte werden, vielleicht bis heute, „von Hermann dem Cherusker bis Helmut Kohl“.20 Das entspricht der Funktionsweise eines Mythos, wie sie von Roland Barthes beschrieben wird21:

Barthes arbeitet in seiner klassischen Mythentheorie die zentrale Funktion des Mythos heraus. „Er verwandelt Geschichte in Natur.“22 Er sieht auch eine Zielsetzung der Mythen: „Denn der Zweck der Mythen ist, die Welt unbeweglich zu machen.“23 Das heißt, Mythen konservieren den Zustand der Welt, indem sie ihm seine Geschichte nehmen, indem sie also verschleiern, dass historische Entwicklungen zum Hier und Jetzt geführt haben. Dieses wird dadurch selbstverständlich, geradezu unbezweifelbar. Wenn der Mythos einem Gegenstand seine Geschichte genommen hat, wird er zur Natur und dementsprechend nicht in Frage gestellt.

Gerade an Arminius kann gezeigt werden, wie ein Mythos die Entwicklung der erst im Laufe des 19. Jahrhunderts Massenwirkung erreichenden Nationalidee verschleiert. Der Hermannsmythos lässt die Nation als eine Urkategorie erscheinen, ein ewiges Prinzip. So scheint nicht die Nationalidee neu zu sein, sondern gerade das Fehlen der Nation wird zum widernatürlichen Zustand, der einen Bruch der Kontinuität darstellt. Hierin liegt gerade die politische Attraktivität von Mythen. Sie erzeugen Selbstverständlichkeiten, wo eigentlich keine sind. Im folgenden soll nun erklärt werden, auf welche Weise Mythen diese Funktion erfüllen.

Mythen sind Bestandteil der Kommunikation. Sie müssen uns über Medien vermittelt werden, durch Sprache, Fotos, Gemälde, Plakate, Denkmäler oder andere Medien. In jedem Fall kommt der Mythos also in Form von Zeichen daher, was uns in den Bereich der Semiotik führt. Nach Ferdinand de Saussure besitzen Zeichen eine Ausdrucks- und eine Inhaltsseite. Der Ausdruck oder das „Bedeutende“ kann zum Beispiel aus einem sprachlichen Laut oder einem Bild bestehen. Es verweist auf einen Inhalt, dem „Bedeuteten“. Die Relation aus beidem bildet das Zeichen. Barthes betont, dass dieses Zeichen bereits von Sinn erfüllt ist.24

Der Mythos ist ebenso ein Zeichensystem - allerdings auf einer höheren Ebene. Das bereits von eigenem Sinn erfüllte Zeichen der ersten Ebene wird auf dieser Metaebene zum Bedeutendem. Der eigene Sinn wird „entfernt“ und dient nur noch als „Form“ für den Mythos. Das Bedeutete auf dieser höheren Ebene, der „Begriff“ (nach Barthes) des Mythos ist von unbestimmter Gestalt und aus assoziativen Elementen zusammengesetzt. Gerade diese assoziativen Elemente spielen im Rahmen dieser Arbeit eine Rolle. Hier finden wir die Kategorien, die bei einem nationalen Mythos den Weg in das Selbstverständnis einer sich als Nation konstituierenden Gruppe finden. Bei einem Zeichensystem der ersten Ebene spricht Barthes von der Objektsprache, bei dem der zweiten Ebene von der Metasprache.25

Betrachten wir etwa das Hermannsdenkmal auf der Ebene der Objektsprache, so ist es Ausdruck für die gewonnene Schlacht Hermanns, der nun mit hochgerecktem Schwert für die Freiheit der Germanen bürgt.26 Im Bereich der Metasprache wird der Sinn des Hermannsdenkmals, die Geschichte des siegreichen Cheruskerfürsten zur bloßen Form für den Begriff der deutschen Nationalität und deren zweitausendjährigen Kontinuität.27 Hermanns Geschichte wird dabei nicht vergessen. Gerade aus seiner Geschichte folgen die assoziativen Elemente, die nun auf die Vorstellung von einer deutschen Nation übertragen werden und so deren Selbstbild prägen können.

Der unbestreitbare Inhalt des Denkmals (nicht bestreitbar, weil er ja als Aussage vor dem Betrachter steht) lässt die mythische Aussage ebenfalls unbestreitbar erscheinen, so dass dieser mythische Begriff, also die deutsche Nationalität als selbstverständlich empfunden wird, als Naturzustand.28 Die Tatsache, dass es seit zweitausend Jahren eine deutsche Nation gibt, wird so zu einer natürlichen Gegebenheit. Dass erst eine viel jüngere historische Entwicklung zu dieser Nation geführt hat, wird ausgeblendet. Genau auf diese Weise verwandelt der Mythos „Geschichte in Natur“.

An diesem Beispiel wird auch deutlich, dass die Form des Mythos nicht völlig willkürlich ist, sondern einer gewissen Analogie bedarf. Typischerweise werden solche Analogien von der Geschichte geliefert, aber in einer für den Mythos idealen Form präsentiert. Eine zu genaue Wiedergabe des analogen Gegenstandes würde den Blick vom Mythos ablenken - von der Metasprache auf die Objektsprache.29 Im genannten Beispiel besteht die Analogie zum Beispiel zwischen Germanen und Deutschen. Bei einer sehr genauen Betrachtung würde deutlich werden, dass Germanen und Deutsche eben nicht einander entsprechen (es würde schon ausreichen, die Völkerwanderung in solche Überlegungen einzubeziehen). Bei oberflächlicher Rezeption wirkt die Gleichsetzung von Germanen und Deutschen jedoch plausibel. Gerade durch die Anschaulichkeit seiner Form (also seinem Sinn auf objektsprachlicher Ebene) und die ihm dadurch verliehene Überzeugungskraft kann der Mythos auf die Realität einwirken, selbst wenn diese Form im Grunde einer Fiktion entspricht.30 Somit ist gezeigt, dass Mythen ein historisches Phänomen sind. Sie bedienen sich der Geschichte, um Geschichte vergessen zu machen und prägen dabei Vorstellungen. Sie dienen einer bestimmten politischen Funktion, und werden sie entziffert, kann diese Funktion entlarvt werden.31 Die Entschlüsselung von Mythen dient also der Geschichtswissenschaft, denn sie kann historische Entwicklungen wieder sichtbar machen, wo sie von Mythen verdeckt und damit als unabänderlicher Zustand akzeptiert worden sind.

Laut Barthes wird unser Leben in allen Bereichen von Mythen bestimmt. Er legt den Schwerpunkt seiner Untersuchung auf alltägliche Mythen, um zu zeigen, wie wir ohne es zu merken einer bürgerlichen Ordnung und einer bürgerlichen Ideologie entsprechen.32 Der Arminiusmythos hat allerdings einen explizit politischen Hintergrund. Er wirkt nicht nur auf den Alltag, sondern dient darüber hinaus der politischen Sinngebung und wird dementsprechend im Gegensatz zu Barthes „Mythen des Alltags“ auch explizit in politischen Kontexten zur Sprache gemacht. In dieser Funktion der Sinngebung und ihrer Herausstellung in politischen Kontexten ähneln politische Mythen einer Ideologie.33 Letztere besitzen allerdings keine Zeichenfunktion im Sinne Barthes. Durch diese Zeichenfunktion erfüllen Mythen ihre Aufgabe der Sinngebung unterschwellig. Sie dienen der Festigung einer Ideologie, indem sie deren Werte als natürlichen Zustand legitimieren. Da Mythen Sinn produzieren, sind sie eine essentielle Grundlage zur Bildung einer Gemeinschaft. „Noch so erheblicher Wohlstand kann bei einem spricht an dieser Stelle nicht von der Form, sondern vom Mythos allgemein, trifft aber später eine ähnliche semiologische Definition. Vgl. S. 79. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Dörners neuere Publikation aus dem Jahre 1996 lediglich eine „überarbeitete und [vor allem] gekürzte Fassung“ des genannten Titels ist, weswegen ich mich an dem umfangreicheren älteren Werk orientiere. Vgl. Andreas Dörner: Politischer Mythos und symbolische Politik. Der Hermannmythos: Zur Entstehung des Nationalbewußtseins der Deutschen. Hamburg 1996.

symbolischen Vakuum den Bestand eines politischen Systems nicht sichern“.34 Die Basis auf welcher der Erfolg von Mythen somit gründet, ist die tendenzielle Ablehnung der Menschen von der Beliebigkeit ihres Daseins. Sie bieten eine Antwort auf die Frage der Rechtfertigung der eigenen Existenz. Politische Mythen bieten die attraktive Möglichkeit, die Grenzen des eigenen Lebens aufzuheben und es zu einem Teil von etwas Höherem und Beständigerem (zum Beispiel einer Nation) zu machen. Damit erhalten Mythen eine quasireligiöse Funktion. Der Erfolg eines politischen Mythos hängt dabei davon ab, wie plausibel er einen Lebenssinn vermitteln kann. Er muss dazu einen Ausweg aus den komplexen Lebensverhältnissen der Individuen bieten und dient so einer Vereinfachung individueller Lebensverhältnisse.35

Besonders erfolgreich ist ein politischer Mythos deshalb dann, wenn er sich in seiner Tiefenstruktur auf einfache und leicht übertragbare Strukturen reduzieren lässt, wie etwa des Kampfes von Gut gegen Böse oder der Befreiung von Unterdrückung. Neben einer besseren Anschaulichkeit bieten solch einfache Strukturen einen guten Ausgangspunkt, die Verankerung eines Mythos im kollektiven Gedächtnis einer Gemeinschaft durch intertextuelle Bezüge noch zu verstärken, wie es etwa bei der Verquickung von Hermannsmythos und Nibelungensage der Fall ist. Den „Texten“ ist gemein, dass ein großer Held zunächst den Sieg gegen eine Übermacht ermöglicht (Germanen gegen die Römer, Wormser gegen Sachsen), dann aber durch Verrat in den eigenen Reihen den Tod findet. Durch die Verfestigung solcher Tiefenstrukturen wird es möglich, die Form, in welcher der Mythos auftritt, auf ein Minimum zu reduzieren. Ein Bildausschnitt, ein Satz oder ein Begriff kann genügen, um die gesamte Schlagkraft des Mythos hervorzurufen, wofür die „Dolchstoßlegende“ ein bekanntes Beispiel liefert.36 Eine einfache Tiefenstruktur ermöglicht außerdem eine leichtere Analogisierung im Bezug auf aktuelle politische Realitäten, die nötig ist, um den Mythos am Leben zu halten.37

Der Erfolg des Hermannsmythos liegt nicht zuletzt in seiner universellen Anwendbarkeit im Bezug auf äußere Gegner. Es kann eine ewige Kontinuität von deutsch-„welschem“ Gegensatz konstruiert werden, da die dem Arminiusmythos ebenfalls zugrundeliegende Tiefenstruktur des siegreichen Kampfes gegen einen äußeren Feind auf verschiedene historische Ereignisse angewendet werden kann. Hierin liegt auch die Grundlage für den Erfolg des Hermannsmythos als deutscher Nationalmythos: Das Individuum verlangt nach einem höheren Sinn, den es in der Zugehörigkeit zu einer übergreifenden Gemeinschaft findet, die wiederum einer Legitimierung durch eine gemeinsame Identität bedarf. Die wichtigste identitätsspendende Gemeinschaft ist die Nation. Das wichtigste Element zur Konstruktion von Identität einer Gruppe ist die Abgrenzung nach außen. Dieses Konzept geht beim Hermannsmythos im Bezug auf die Identitätsbildung der deutschen Nation hervorragend auf.38 Hier wird sehr deutlich, dass Mythen eine zentrale Rolle bei der Konstruktion von Nationen bilden.

3. Die Nation - „Ein Gewebe von Mythen“

„Das Dasein der Nation ist [...] ein tägliches Plebiszit.“39 Schon 1882 bemerkte Ernest Renen in seinem berühmten Aufsatz Was ist eine Nation, der in seinen Grundgedanken bis heute überzeugt40, dass die Grundvoraussetzung für den Bestand einer Nation in dem Willen ihrer Mitglieder zum Zusammenleben und der Erhaltung dieses Willens liegt. Eine Nation bildet sich also aus der inneren Überzeugung ihrer Mitglieder heraus und nicht durch zweifelhafte Kategorien wie Rasse, Sprache, Religion, Wirtschaft oder Geographie.41 Dieser Wille zur Nation entsteht

jedoch nicht aus dem Nichts. Er bedarf einer Grundlage. Diese Grundlage ist der „gemeinsame Besitz eines reichen Erbes an Erinnerungen [...]. Wie der einzelne ist die Nation der Endpunkt einer langen Vergangenheit von Anstrengungen, von Opfern und von Hingabe.“42 Eine Nation scheint also nicht denkbar ohne eine Geschichte, die ihren Bestand legitimieren kann. Diese Feststellung ist plausibel nachvollziehbar, wenn man an die Probleme denkt, die in der Deutschen Demokratischen Republik im Bezug auf die Bildung einer kollektiven Erinnerung bestanden. Während in der Bundesrepublik die gesamte (auch die negativ besetzte) Vergangenheit vereinnahmt werden konnte, gelang es in der DDR aufgrund der dortigen ideologiebedingten Barrieren nicht, eine überzeugende Legitimation für den Staat aus der Geschichte heraus zu schaffen.43 Das Scheitern der DDR lag auch in einer fehlenden kollektiven Geschichte begründet, mit der man sich hätte identifizieren können. Dass am Ende der Entwicklungen der Jahre 1989 und 1990 die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und keine Fortführung der (ebenfalls als Option bestehenden) Zweistaatlichkeit stand, veranschaulicht den Stellenwert historischer Legitimation in diesem Zusammenhang ebenso wie das Beispiel Österreichs, bei dem solche Probleme eben nicht bestehen, da es auf eine plausible, weit in die Vergangenheit zurückreichende Tradition aufbauen konnte (während die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich nur eine kurze Episode war).

Es ist also eine gemeinsame Geschichte, die eine Nation konstituiert. Diese gemeinsame Geschichte ist aber „in aller Regel von begrenzter Realität [...], in aller Regel mehr erträumt und konstruiert als wirklich.“44 Es ist nicht die wirkliche Geschichte, die den Willen zur Nation prägt, sondern eine idealisierte, vereinfachte Geschichte, in der bestimmte Ereignisse hervorgehoben und andere vergessen werden. Es handelt sich um eine aus Mythen zusammengesetzte Geschichte.

Während das Beispiel DDR veranschaulicht, dass eine Nation ohne Geschichte nicht dauerhaft Bestand haben kann, muss nun geklärt werden, warum es einer stark idealisierten Geschichte bedarf. Ebenfalls bei Renen findet man den Satz: „Ja, das gemeinsame Leiden eint mehr als die Freude.“45 Der 11. September 2001, der eine Welle des Patriotismus in Amerika nach sich zog, hat die Wahrheit dieses Satzes deutlich bewiesen. Es sind demnach Emotionen, welche die Menschen zusammenführen. Die menschlichen Bedürfnisse nach Wärme, Stärke und Stabilität sollen durch die Bindung an eine übergeordnete Gruppe befriedigt werden. Eine idealisierte Geschichte kann diesen Anspruch durch stärkere Identifikationsmöglichkeiten und damit einhergehende stärkere emotionale Bindungen entscheidend besser erfüllen. Mythen sind die Kernelemente dieser idealisierten Geschichte. Sie erzeugen Emotionen, die auf die Nation übertragen werden.46

Greifbar werden solche Emotionen bei den Inszenierungen nationaler Kulte in Form von Festen. Diese folgen einem steten Schema: Erster Punkt ist die Betonung der Konkretweit und Einzigartigkeit des Objektes der Identifikation. Dieses Objekt muss eine Region, Person oder ein Ereignis sein, da eine Idee (oder Ideologie) weder konkret ist noch eine Grundlage zur Identifikation bildet, ohne die keine Emotionen erzeugt werden können. Zweiter Punkt ist die Beschwörung einer als gemeinsam angenommenen Vergangenheit und deren Aktualisierung. Dritter Punkt ist die Beschwörung begeisternder gemeinsamer Ziele, vornehmlich Einheit, Opferbereitschaft und Patriotismus. Nach François, Siegrist und Vogel sind diese Aspekte „in diesem für die Konstituierung der Nation entscheidenden Prozess [der Nationalisierung durch nationale Kulte und Riten] immer vorhanden.“47

Dieses für Feste ausgearbeitete Schema lässt sich bei der Rezeption von Mythen in jeder Form beobachten. Der Hermannsmythos bildet als Grundlage der Identifikation zugleich eine Person, eine Region und ein Ereignis. Dessen Authentizität wird durch Schulbücher, Geschichtsschreibung und Literatur bezeugt. Die Varusschlacht wird als Ereignis der gemeinsamen Vergangenheit angenommen und stets wird die Parallelität der aktuellen politischen Lage (im 19. Jahrhundert) betont, woraus dann gemeinsame Ziele wie Einheit, Opferbereitschaft und Patriotismus abgeleitet werden. Die Anforderungen an nationale Inszenierungen erfüllt der Hermannsmythos optimal. Es ist letzten Endes egal, ob der Hermannsmythos dabei Gegenstand eines Festes, Dramas, Denkmals oder eines politischen Diskurses ist.

„Die Nation ist ein Gewebe von Mythen.“48 Das gilt nicht alleine für die deutsche, sondern für alle westlich geprägten Nationen, wodurch ausreichend empirisches Material zur Verfügung steht, um Aussagen zu bestimmten Mustern zu treffen, welche den Mythen dieser Nationen gemeinsam sind.49 Betrachtet man die Nationalmythen verschiedener Nationen, fällt auf, dass diese nahezu miteinander austauschbar sind. Das mag einerseits in der bereits erwähnten Neigung zu einfachen und sich wiederholenden Tiefenstrukturen liegen, andererseits in deren gleicher Zielsetzung, der Konstituierung einer Nation begründet sein. Das oben beschriebene Schema zur Inszenierung symbolischer Politik deutete bereits auf die zentralen Inhalte der Mythen aller Nationen hin, auf welche deren historische Vorstellungen aufbauen: Identität (das heißt, die Gleichsetzung der Nation mit einer Person), Kontinuität (dessen Nachweis im 19. Jahrhundert zentrale Aufgabe der Historiker war) und Gemeinschaft (das heißt, die Nation als Schicksalsgemeinschaft kann nur als wahre Einheit bestehen).50 Mit der Hervorhebung des Einheitsgedankens geht eine typische Ablehnung der europäischen Nationen von Fremdherrschaft einher. So fehlt in keiner Nation ein großer Augenblick der nationalen Freiheitsbewahrung im Mythenarsenal, auch wenn im Moment des Widerstandes meist überhaupt kein homogener Staat geschweige denn eine Nation bestand.51 Selbstverständlich wird dabei stets die Rolle der unterjochten vom übermächtigen Feind bedrohten Nation eingenommen. Gleichzeitig wird in der Bekämpfung der Unterdrückung von außen überall der Weg auch zur Freiheit im Inneren gesehen. Das erklärt, weshalb sich die europäischen Nationalbewegungen im 19. Jahrhundert typischerweise auf den Liberalismus stützen.52 Es wird noch gezeigt werden, dass die deutsche Nationalbewegung im Laufe der Entwicklung ihren Bezug zum Liberalismus verliert, was nicht zuletzt mit dem Arminiusmythos zusammenhängt.

Es spiegelt sich in der Quantität der Kriegsmythen wieder, dass die Bedrohung von Einheit und Freiheit in der Regel vom äußeren Feind ausgeht. Häufig steht ein in der Antike liegender Gegensatz zum Weltreich Rom im Zentrum eines solchen Mythos. So wie Deutschland Arminius oder Frankreich Vercingetorix zum Helden hat, verehren die Niederländer Civilis.53 Dieser mehrfach beschworene Gegensatz zu Rom, der überraschenderweise einhergeht mit dem Fehlen eines sich eigentlich anbietenden Rom betreffenden Mythos in Italien54, lässt vermuten, dass dieses alle heutigen Grenzen überschreitende vergangene Weltreich in einem zu eklatanten Widerspruch zu der Vorstellung moderner Nationalstaatlichkeit steht, als dass es im positiven Sinne hätte Platz finden können im Pantheon europäischer Nationalmythen.

Auch die Gleichsetzung von Rom mit Frankreich ist nicht nur ein deutsches Phänomen, sondern liegt auch bei anderen Nachbarstaaten Frankreichs vor.55 Da das 19. Jahrhundert unter dem Eindruck der an Rom erinnernden napoleonischen Eroberungszüge steht, in denen einer der wichtigsten Auslöser für die Entstehung übergreifender Nationalbewegungen besteht, ist diese Tatsache nicht überraschend. Galt es doch, das Imperium Napoleons zu überwinden, wie einst das römische Imperium überwunden werden musste.

Neben Einheit und Freiheit spielt das Christentum eine wichtige Rolle für die Nationalisierung der europäischen Staaten. So besitzt im Prinzip jede europäische Nation eine eigene Auslegung des Christentums, womit ein gewisser Anspruch auf den Status der ausgewählten Nation unterstrichen werden kann. Frankreich sieht sich als „älteste Tochter der Kirche“, Österreich definiert sich über den Katholizismus, Russland über die orthodoxe Kirche, England über den Protestantismus, Deutschland über Luther (was gut mit dem Gegensatz zu Frankreich und Rom korreliert). Einigkeit herrscht nur in der Ablehnung des Islams, von dem im europäischen Empfinden eine existentielle Gefahr für alle Nationen ausgeht.56 Die Religion spielt bei der Konstituierung der Nationen eine so große Rolle, dass die transzendente Nation geradezu als göttliche Manifestation angesehen wird, der man „Verehrung und Treue, Unterwerfung und Opfer schuldet.“57 Dementsprechend liegt manchen Mythen regelrecht eine nationale Heilsgeschichte zugrunde. Aus deutschem Blickwinkel wirkt dann die nationale Zersplitterung im 19. Jahrhundert (oder die Uneinigkeit der germanischen Stämme im ersten Jahrhundert) wie ein Sündenfall, die als daraus folgend verstandene Fremdherrschaft wie ein Gottesgericht, wonach dann die Wiedergeburt in Form der nationalen Erhebung folgt. Damit ist das verpflichtende Ziel der Einheit zusätzlich untermauert. Dem äußeren Feind fällt in diesem Verständnis die Rolle des Bösen auch im biblischen Sinne zu. Napoleon wird auf diese Weise zum Fürsten der Finsternis.58

Im Allgemeinen macht das Wesen nationaler Mythen also folgendes aus: Sie besitzen erstens einen geschichtlichen Kern, der zweitens ein Potential zur Analogiebildung besitzt, also aktuell anwendbar ist. Drittens enthalten sie dementsprechend Handlungsanweisungen, weswegen sie auch nicht völlig beliebig auslegbar sind. Viertens bieten sie die Möglichkeit zur Identifikation, was fünftens durch die Erzeugung von Emotionen begünstigt wird. Sechstens zielen sie in aller Regel auf die Größen Einheit und Freiheit ab. Siebtens bieten sie in ihrer Stützung der Nationalidee dem einzelnen Menschen einen Ausweg aus der Begrenztheit seines Daseins, was achtens einhergeht mit einer Sakralisierung der Nation.

4. Deutsche „Erinnerungsorte“

Die Entlarvung der Nation als ein auf Mythen gestütztes Konstrukt, lässt nicht die Schlussfolgerung zu, eine Nation sei keine „reale Entität“.59 Ab einer bestimmten Entwicklungsstufe der Nationalidee werden die Nationen zu unwiderlegbaren Handlungsgrößen.60 Den nationalen Mythen kommt die Aufgabe zu, auf die vermeintliche Alternativlosigkeit der jeweiligen Nation zu verweisen. Dabei werden die Entwicklungen ausgespart, die zum Beispiel zur deutschen Nation geführt haben, um mögliche Alternativen auszuklammern. Aber es gibt solche Alternativen. Andere historischen Entwicklungen hätten zu einer preußischen, einer bayerischen oder einer europäischen Nation führen können. Ein Nationalmythos wird von einer Nation vereinnahmt, die in ihm den Beweis für ihre Existenz findet und dabei vergisst, dass erst historische Entwicklungen zu dieser Nation geführt haben.61

Thomas Nipperdey stellt fest, dass ein Nationaldenkmal „in seiner Sichtbarkeit auf ein Unsichtbares [verweist]“ und identifiziert die Nation mit diesem Unsichtbaren.62 Das Hermannsdenkmal ist ein solches Nationaldenkmal, aber eben nur eines neben anderen. Genauso gibt es außer dem Hermannsmythos natürlich noch eine Unzahl weiterer Mythenformen, die ebenso das kollektive Gedächtnis der deutschen Nation bestimmen.

In dem von Etienne François und Hagen Schulze herausgegeben dreibändigen Werk „Deutsche Erinnerungsorte“ wird in beinahe 120 Aufsätzen eine große Zahl von Personen, Ereignissen, Gebäuden, Vorstellungen und Kunstwerken vorgestellt. Als Erinnerungsorte gelten sie aufgrund ihrer „symbolischen Funktion“63, weil sie also ebenfalls im Sinne Barthes auf einer Metaebene auf etwas anderes verweisen. Fragen wir nun, worauf sowohl „Canossa“64, „Das Nibelungenlied“65, „Die Völkerschlacht“66 und „Arminius“67 verweisen, gibt der Titel des Werks die Antwort. Alle diese Erinnerungsorte sind eben deutsch. Sie alle rufen in oben beschriebener Weise eine unbestimmte Vorstellung einer deutschen Geschichte hervor und machen dadurch vergessen, dass die Vorstellung einer deutschen Geschichte und einer deutsche Nation höchstens seit 200 Jahren die Massen ergreift.68 So war der berühmte „Gang nach Canossa“ durch Heinrich IV. keine Demütigung einer deutschen Nation, sondern das politische Handeln eines einzelnen Monarchen, der sich dadurch gegenüber Bischöfen und gegnerischen Fürsten im eigenen Reich behaupten konnte.69 Zum Epos der Nibelungen sagt Hegel schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts:

In dem Nibelungenlied z.B. sind wir zwar geographisch auf einheimischen Boden, aber die Burgunder und König Etzel sind so sehr von allen Verhältnissen unserer gegenwärtigen Bildung und deren vaterländischen Interessen abgeschnitten, daß wir selbst ohne Gelehrsamkeit in den Gedichten Homers uns weit heimatlicher empfinden können.70

Was für die Burgunder gilt, trifft erst recht auf Arminius und die alten Germanen zu. Und auch die Völkerschlacht war nicht eine große Erhebung der deutschen Nation gegen die Fremdherrschaft. Ein Oberst namens Müffling schuf das Wort von der Völkerschlacht. Er meinte damit aber ganz profan das Heervolk, was in der Rezeption der Schlacht selbstredend schnell vergessen wurde. Weitestgehend vergessen wurde auch der Anteil Russlands an der Schlacht (der bezeichnender Weise in der Geschichtsschreibung der DDR wieder betont wird). Der Wiener Kongress zeigte dann auch, dass es den deutschen (und anderen europäischen) Monarchen lediglich um die Wiederherstellung des Zustandes vor Napoleon und nicht um die Bildung einer deutschen Nation ging, auch wenn die Nationalbewegung zu diesem Zweck als Werkzeug dienen konnte.71 Zumindest gab es zur Zeit der Völkerschlacht Ansätze eines Nationalgefühls, das propagandistisch ausgenutzt werden konnte, auch wenn die Opferbereitschaft nicht die später beschworenen Ausmaße annahm72 und die Euphorie nach dem Sieg über Napoleon nicht überall geteilt wurde. So zählte zum Beispiel Sachsen, das etwa die Hälfte seines Gebietes an Preußen verlor, eher zu den Verlierern der Befreiungskriege.73

Es wird bei genauer Betrachtung dieser Ereignisse deutlich, dass sie sich in Wahrheit nicht auf eine deutsche Nation beziehen und dennoch werden sie im kollektiven Gedächtnis zu Ereignissen deutscher Geschichte. Allein hiermit erfüllen sie eine Funktion als Mythen, welche die Vorstellung einer deutschen Nation „zur Natur machen“. Tatsächlich herrschte bei Historikern seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Meinung vor, die Nation sei eine „Urkategorie“, die neu belebt werden müsse.74 Es wundert also nicht, wenn die beschriebenen Ereignisse in aller Selbstverständlichkeit als nationale Geschichte angenommen werden.75

Der von François und Schulze für ihr Werk zur Auswahl stehende, aber abgelehnte Titel „Deutsche Mythen“76 hätte also allemal eine Berechtigung gehabt, und von vielen Autoren der Essays wird das Wort vom Mythos letztendlich auch aufgegriffen. Das Ziel des Werkes überschneidet sich letztendlich mit dem Ziel der Mythenkritik Barthes. Es soll nämlich helfen, „zu erkennen, daß es keine Schicksalhaftigkeit gibt, daß die Geschichte offen ist und voll Überraschungen“77, es soll also aus Natur wieder Geschichte machen.

Es sind in diesem Werk fast 120 Nationalmythen gesammelt, die wiederum nur einen Bruchteil aller deutschen Nationalmythen ausmachen. Eine Auswertung von Schulbüchern aus dem Jahre 1871 führte zu dem Ergebnis, dass im Gründungsjahr des Kaiserreiches fünf Erinnerungsorten der vermeintlich deutschen Geschichte besonders viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde. Neben Arminius und der Varusschlacht sowie der schon erwähnten Völkerschlacht bei Leipzig spielen dort Friedrich I. Barbarossa, Martin Luther und dessen Verbrennung der Bannandrohungsbulle und die Kaiserproklamation von Versailles eine herausragende Rolle.78 Diese Mythen beinhalten über die Nationalidee hinaus weitere Konzepte, durch welche die deutsche nationale Identität geprägt wird.

Eine diesbezügliche Untersuchung des Arminiusmythos ist besonders vielversprechend, weil dieser als Nationalmythos die längste Tradition hat, weil er Konzepte verschiedener Mythen vereint und weil er in dem Jahrhundert, in dem der erste deutsche Nationalstaat gebildet wird eine besonders große Rolle spielte und so einen besonders großen Einfluss auf das deutsche Selbstverständnis in diesem Nationalstaat, dem deutschen Kaiserreich hat. Die Wurzeln für diesen späten Erfolg des Arminius liegen ohne Zweifel in den tatsächlichen historischen Begebenheiten um seine Person und besonders deren Überlieferung.

5. „ ... liberator haud dubie Germaniae ...“ - Arminius, die Varusschlacht und die römische Überlieferung

Schriftliche Quellen über Arminius und die Varusschlacht sind rar. Sieht man von den wenigen archäologischen Quellen zur Varusschlacht ab, beruht unser gesamtes Wissen über Arminius ausschließlich auf die Geschichtsschreibung römischer Autoren, deren Ambitionen teils alles andere als die Schaffung wahrheitstreuer Darstellungen historischer Ereignisse waren.79 Zeitgenössische Abhandlungen gibt es abgesehen von den vagen und sehr subjektiven Schilderungen des römischen Ritters Velleius Paterculus nicht mehr. Dieser war vor allem an einer Hervorhebung der großen Taten des Kaiser Tiberius’ interessiert. Die spärliche Quellenlage, die viel Raum für Mutmaßungen lässt, führte in der Vergangenheit zu vielen falschen Interpretationen und politischem Missbrauch.80 Wie schon angedeutet, begünstigen ungenaue Kenntnisse die Herausbildung eines erfolgreichen Mythos, da dadurch viel Raum für eigene Interpretationen bleibt.

[...]


1 Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen. Hg. v. Werner Bellmann. Stuttgart 2001. S. 32.

2 Vgl. Wilhelm Gössmann: Deutsche Nationalität und Freiheit. Die Rezeption der Arminius-Gestalt in der Literatur von Tacitus bis Heine. In: Heine-Jahrbuch 16 (1977). S. 71-95. Hier S. 71f.

3 Die Begriffe Arminius- und Hermannsmythos sollen in dieser Arbeit synonym benutzt werden.

4 J[ulius] E. Riffert: Die Hermannsschlacht in der deutschen Literatur. In: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 34 (1880). S. 129-176 u. 241-332.

5 Richard Kuehnemund: Arminius or the Rise of a National Symbol in Literature (From Hutten to Grabbe). Reprinted. New York 1966.

6 Vgl. Anm. 2.

7 Gesa von Essen: Hermannsschlachten. Germanen- und Römerbilder in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts. Göttingen 1998 (Veröffentlichungen aus dem Sonderforschungsbereich 529. „Internationalität nationaler Literaturen“. Serie B: Europäische Literaturen und Internationale Prozesse 2).

8 Günther Engelbert (Hg.): Ein Jahrhundert Hermannsdenkmal. 1875-1975. Detmold 1975 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe 23).

9 Mamoun Fansa (Hg.): Varusschlacht und Germanenmythos. Eine Vortragsreihe anlässlich der Sonderausstellung Kalkriese - Römer im Osnabrücker Land in Oldenburg 1993, Oldenburg 1994 (Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland. Beiheft 9).

10 Rainer Wiegels u. Winfried Woesler (Hg.): Arminius und die Varusschlacht. Geschichte - Mythos - Literatur. 3. akt. u. erw. Aufl. Paderborn 2003. In dieser Auflage des Sammelwerkes findet sich neben zahlreichen Aufsätzen zu unterschiedlichsten Aspekten der Arminiusforschung ein Nachwort mit bibliographischen Angaben von Veröffentlichungen zum Thema in den Jahren 1995-2003. Vgl. ebd. S. 433-439.

11 Dieter Timpe: Arminius-Studien. Heidelberg 1970 (Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften 34, neue Folge, 2. Reihe).

12 Miroslav Hroch: Das Europa der Nationen. Die moderne Nationsbildung im europäischen Vergleich. Göttingen 2005 (Synthesen. Probleme europäischer Geschichte 2).

13 Vgl. Etienne François: Von der wiedererlangten Nation zur „Nation wider Willen“. Kann man eine Geschichte der deutschen „Erinnerungsorte“ schreiben? In: Etienne François, Hannes Siegrist u. Jakob Vogel (Hg.): Nation und Emotion. Frankreich und Deutschland im Vergleich. 19. und 20. Jahrhundert. Göttingen 1995 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 110). S. 93-110. Hier, S. 93.

14 Vgl. François, S. 104.

15 Etienne François u. Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte. 3 Bde. München 2001-2002.

16 Werner M[artin] Doyé: Arminius. In: Etienne François u. Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte 3. Bd. 2. durchges. Aufl. München 2002. S. 587-602.

17 Charlotte Ta>18 Andreas Dörner: Politischer Mythos und symbolische Politik. Sinnstiftung durch symbolische Formen am Beispiel des Hermannsmythos. Opladen 1995.

19 Die letzten drei Beispiele sind uns gerade als Kino- oder Fernsehfilm erneut ins kollektive Bewusstsein gerufen worden.

20 Hagen Schulze: Staat und Nation in der europäischen Geschichte. München 1994 (Europa bauen). S. 109.

21 In der religiösen Mythenforschung wird das im folgenden beschriebene Phänomen nicht als Mythos, sondern als politischer Pseudomythos bezeichnet. Vgl. Kurt Hübner: Die Wahrheit des Mythos. München 1985. S. 357-362. Diese Pseudomythen unterschieden sich laut Hübner von echten Mythen dadurch, dass sie „gemacht werden“ und nicht „wachsen“. Vgl. ebd., S. 361. An anderer Stelle begründet Hübner, warum gerade der Mythos der Nation ein „echter Mythos“ sei. Diese gingen aus „einer historischen Unwillkürlichkeit und inneren Zwangsläufigkeit hervor.“ Ders.: Das Nationale. Verdrängtes, Unvermeidliches, Erstrebenswertes. Graz, Wien u. Köln 1991. S. 286. Die Nation sei demnach unvermeidbar, da nur sie den zwangsläufigen „Zentrifugalkräften“ im Staat entgegenwirke. Vgl. ebd., S. 285-291. Problematisch ist hierbei, dass die Annahme der „Zwangsläufigkeit“ der Nationalidee kaum haltbar ist. Hübner beschreibt in seinem Buch eine Kontinuität der Nationalidee von der Antike bis heute, die in der Geschichtswissenschaft Widerspruch findet. Vgl. z.B. Schulze 1994, S. 112ff. Gerade anhand des Hermannsmythos, der die Nationalidee beinhaltet, kann (wie noch geschehen soll), gut nachvollzogen werden, dass er und mit ihm noch andere Mythen sowie die mit ihnen einhergehende Vorstellung von der „Zwangsläufigkeit“ der Nation „gemacht“ ist. Gerade bei diesen Mythen greift das im Folgenden beschriebene Konzept Barthes.

22 Roland Barthes: Mythen des Alltags. Übers. v. Helmut Scheffel. Sonderausgabe. Frankfurt 2003. S. 113.

23 Ebd., S. 147.

24 Vgl. Barthes, S. 91f. u. S. 96.

25 Vgl. ebd., S. 92-99.

26 Historische Ungenauigkeiten spielen an dieser Stelle keine Rolle. Die (an dieser Stelle nur oberflächliche) Beschreibung entspricht der Darstellung.

27 Und für weitere Kategorien des Hermannsmythos, die später herausgearbeitet werden sollen.

28 Vgl. Barthes, S. 97f.

29 Vgl. ebd., S.108f.

30 Vgl. Andreas Dörner: Politischer Mythos und symbolische Politik. Sinnstiftung durch symbolische Formen am Beispiel des Hermannsmythos. Opladen 1995. S. 78. Dörner

31 Vgl. Barthes, S. 111 u. S. 123f.

32 Vgl. ebd., S. 124.

33 Vgl. Dörner 1995, S. 77.

34 Andreas Dörner: Der Mythos und die nationale Einheit. Symbolpolitik und Deutungskämpfe bei der Einweihung des Hermannsdenkmals im Jahre 1875. In: Archiv für Kulturgeschichte 79 (1997). S. 389-416. Hier S. 58.

35 Vgl. Dörner 1996, S. 87-92.

36 Vgl. ebd., S. 80-82.

37 Vgl. Dörner 1996, S. 92.

38 Vgl. ebd., S. 92f.

39 Ernest Renan: Was ist eine Nation? In: Michael Jeismann u. Henning Ritter (Hg.): Grenzfälle. Über neuen und alten Nationalismus. Leipzig 1993. S. 290-311. Hier, S. 309.

40 Vgl. Henning Ritter (1993) : Der Gast der bleibt. Anmerkungen zur Rückkehr der Nationen. In: Jeismann, S. 371. Ebenso Schulze 1994, S. 110.

41 Vgl. Renan, S. 298-308.

42 Ebd., S. 308.

43 Vgl. Emmanuel Terray: Die unmögliche Erinnerung. Die Herstellung eines künstlichen nationalen Gedächtnisses in der DDR und ihr Mißlingen. In: Etienne François, Hannes Siegrist u. Jakob Vogel (Hg.): Nation und Emotion. Frankreich und Deutschland im Vergleich. 19. und 20. Jahrhundert. Göttingen 1995 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 110). S. 189-195.

44 Schulze 1994, S. 111.

45 Renan, S. 309.

46 Vgl. Etienne François, Hannes Siegrist u. Jakob Vogel: Die Nation. Vorstellungen, Inszenierungen, Emotionen. In: François u.a. S.13-38. Hier S. 16-23.

47 Ebd., S. 26.

48 Etienne François u. Hagen Schulze: Das emotionale Fundament der Nationen. In: Flacke, Monika (Hg.): Mythen der Nationen. Ein Europäisches Panorama. Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl. Begleitband zur Ausstellung vom 20. März 1998 bis 9. Juni 1998. Berlin 1998. S.17-32. Hier S. 19.

49 Es spricht auf den ersten Blick nichts dagegen, dass die folgenden Ausführungen nicht auch für alle Nationalstaaten gelten. Da die mir vorliegende Literatur sich allerdings beinahe ausschließlich auf europäische Nationalstaaten bezieht, soll meine hier getroffene Aussage auch auf diese beschränkt bleiben. Für eine anschauliche Übersicht über zentrale Mythen 16 europäischer Staaten und der USA vgl. Flacke 1998.

50 Vgl. François u. Schulze 1998, S. 20-22.

51 Vgl. Stefan Germer: Retrovision. Die rückblickende Erfindung der Nationen durch die Kunst. In: Flacke 1998. S. 33-52. Hier S. 39.

52 Vgl. François u. Schulze 1998, S. 23.

53 Vgl. François u. Schulze 1998, S. 27f.

54 Vgl. ebd., S. 24.

55 Vgl. François u. Schulze 1998, S. 24.

56 Vgl. ebd., S. 25. An der Betonung des Gegensatzes zwischen dem christlichen Europa und der islamischen Welt hat sich seit dem 19. Jahrhundert nicht besonders viel geändert, wenn man einerseits an die verbreitete Terrorangst und andererseits an das Problem der Aufnahme der Türkei in die Europäische Union denkt.

57 Ebd.

58 Vgl. Stefan Ludwig Hoffmann: Mythos und Geschichte. Leipziger Gedenkfeiern der Völkerschlacht im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In François, Siegrist u. S. 111-132. Hier S. 114f. Laut Hoffmann liegt diese Heilsgeschichte dem bildungsbürgerlichem Verständnis der Völkerschlacht zugrunde. Diese Anschauung wäre auch vom Bildungsbürgertum verbreitet worden. Man kann so eine Heilsgeschichte auch im Arminiusmythos wahrnehmen. Durch die dort vorliegende Analogie zwischen altem Germanien und dem zersplitterten Deutschland des 19. Jahrhunderts, wird sogar besser verständlich, warum Hoffmann an dieser Stelle von einem zyklischen Geschichtsbild spricht.

59 Miroslav Hroch: Das Europa der Nationen. Die moderne Nationsbildung im europäischen Vergleich. Göttingen 2005 (Synthesen. Probleme europäischer Geschichte 2). S. 24.

60 Denkt man im Vergleich an Könige, die ihre Legitimation aus dem Gottesgnadentum ableiten, so ist die Existenz von Königen unbestreitbar, auch wenn das Gottesgnadentum als unwirklich abgelehnt wird. Die Entschlüsselung von Mythen, die der Nation zu Grunde liegen, stellt ebenso nur die Mythen infrage aber nicht die Existenz der Nation.

61 So wie das Gottesgnadentum die Alternativlosigkeit des Königs unterstreicht.

62 Vgl. Thomas Nipperdey: Nationalidee und Nationaldenkmal im 19. Jahrhundert. In: Ders.: Gesellschaft, Kultur, Theorie. Gesammelte Aufsätze zur neueren Geschichte. Göttingen 1976 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 18). S. 133-173. Hier S. 138f.

63 Etienne François u. Hagen Schulze 2001: Einleitung. In: Dies. (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte. 1. Bd. 4. durchges. Aufl. München 2002. S. 18.

64 Otto Gerhard Oexle: Canossa. In: François u. Schulze, 1. Bd., S. 56-67.

65 Peter Wapnewski: Das Nibelungenlied. In: François u. Schulze, 1. Bd., S. 159-169.

66 Kirstin Anne Schäfer: Die Völkerschlacht. In: Etienne François u. Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte 2. Bd. 2. durchges. Aufl. München 2002. S. 187-201.

67 Doyé, S. 587-602.

68 Vgl. Schulze 1994, S. 117-126.

69 Vgl. Oexle, bes. S. 58-61.

70 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Werke. 13. Bd. Vorlesungen über die Ästhetik I. Frankfurt/Main 1986. S. 353.

71 Vgl. Schäfer, S. 187-189.

72 Vgl. Monika Fla>

73 Vgl. Hoffmann, S. 111-132.

74 Vgl. Hroch, S. 13.

75 Ich habe an dieser Stelle Beispiele gewählt, die besonders im 19. Jahrhundert eine Rolle spielen, weil es erstens den zentralen Zeitraum dieser Arbeit beschreibt und weil zweitens jüngere Nationalmythen, wie Bismarck oder das Wirtschaftswunder tatsächlich die deutsche Nation betreffen, deren Bildung in betreffendem Jahrhundert mit Hilfe von Mythen Gestalt vollendet wurde.

76 Vgl. François u. Schulze 2001, S. 17.

77 François u. Schulze 2001, S. 24.

78 Vgl. Flacke, S. 101.

79 Vgl. Wiegels, S. 234ff u. S. 239f.

80 Vgl. ebd., 231f.

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
„Kultur, Seele, Freiheit, Kunst“ - Der Arminiusmythos und sein Anteil an der nationalen Selbstfindung im Kaiserreich
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
102
Katalognummer
V85757
ISBN (eBook)
9783638900621
ISBN (Buch)
9783638905923
Dateigröße
1135 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seele, Freiheit, Kunst“, Arminiusmythos, Anteil, Selbstfindung, Kaiserreich
Arbeit zitieren
Matthias Rouwen (Autor), 2006, „Kultur, Seele, Freiheit, Kunst“ - Der Arminiusmythos und sein Anteil an der nationalen Selbstfindung im Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85757

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