Bastler und sozio-technische Unternehmer des sozialen Internets

Über die Transformation von sozialen Internetanwendungen zu ökonomischen Konzepten


Bachelorarbeit, 2007

78 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen und Abgrenzung von wichtigen Begriffen
2.1 Das Internet als Medium
2.2 Die Technologie des Internets
2.3 Web 2.0 und seine sozialen Anwendungen

3 Das Internet als Bestandteil des sozialen Netzwerks seiner Nutzer

4 Die Bastler des sozialen Internets
4.1 Die Internetkultur
4.2 Die Techno-Eliten
4.3 Die Hacker
4.3.1 Die technologische Exzellenz der Hacker
4.3.2 Die politische Motivation der Hacker
4.4 Bastler in virtuellen Gemeinschaften
4.5 Zwischenfazit Bastler

5 Die sozio-technischen Unternehmer des sozialen Internets
5.1 Entrepreneurship und Interpreneurship als theoretische
Grundlagen für die Figur des sozio-technischen Unternehmers
5.2 Der sozio-technische Unternehmer – seine Motive und seine Fähigkeiten
5.3 Soziale Interaktion im Internet
5.4 Die Technologie des sozialen Internets
5.5 Die Ökonomie des sozialen Internets
5.5.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
5.5.2 Erlösmodelle im sozialen Internet
5.6 Zwischenfazit sozio-technische Unternehmer

6 Die Transformation von sozialen Anwendungen zu profitablen Unternehmenskonzepten
6.1 Soziale und politisch-soziale Faktoren für eine erfolgreiche Transformation
6.2 Technologische Faktoren für eine erfolgreiche Transformation
6.3 Ökonomische Faktoren für eine erfolgreiche Transformation
6.4 MySpace: Ein Beispiel für eine gelungene Transformation
6.4.1 Die Geschichte von MySpace
6.4.2 Technologische Eigenschaften von MySpace
6.4.3 Möglichkeiten zur sozialen Interaktion auf MySpace
6.4.4 Die Erlösstrategie von MySpace

7 Zusammenfassung der Ergebnisse

Glossar

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das „Social Software Dreieck“

Abbildung 2: Handlungsprozess des sozio-technischen Unternehmers

Abbildung 3: Netzwerkeffekte in sozialen Anwendungen

Abbildung 4: Die Transformation von sozialen Anwendungen im Internet

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht Erlösmöglichkeiten im sozialen Internet

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 befindet sich das Internet heute unter dem Begriff Web 2.0 auf einer neuen Entwicklungsstufe. Im Web 2.0 ist der Nutzer nicht mehr länger nur Konsument, sondern er wird zum Produzenten. Er stellt Inhalte bereit, interagiert mit anderen Nutzern und gestaltet die Angebote im Netz selbst.

Aufgrund dieser sozialen Aktivität der Nutzer ist im Zusammenhang mit Web 2.0 auch oft vom sozialen Internet die Rede.

Eine Reihe der Anwendungen im sozialen Internet, wie beispielsweise Wikipedia, YouTube oder zahlreiche Weblogs, sind aus Initiative der Nutzer entstanden, die ihre Ideen und Vorstellungen umgesetzt haben ohne dabei über mögliche finanzielle Erlöse aus ihren Entwicklungen nachzudenken.

In der vorliegenden Arbeit soll dem entgegen gerade die Kommerzialisierung dieser Anwendungen im Fokus stehen. Dazu sollen Faktoren herausgearbeitet werden, die es zu beachten gilt, um eine soziale Internetanwendung in ein profitables Geschäftsmodell zu transformieren.

Um diesen Transformationsprozess analysieren zu können, sollen zunächst Arbeitsdefinitionen für zentrale Begriffe der Arbeit entwickelt und artverwandte Begriffe untereinander abgegrenzt werden.

Daraufhin wird das soziale Netzwerk des Nutzers betrachtet. Dabei soll geklärt werden, welche Funktion das soziale Internet im Leben seiner Nutzer hat. Im Speziellen soll es darum gehen, welche Rolle das Internet bei der Organisation des sozialen Netzwerks der Nutzer spielt.

Wer sind nun aber die Internetnutzer, die große Teile ihrer Freizeit online verbringen und das Internet und seine Anwendungen stetig weiterentwickeln ohne daraus finanziellen Profit erzielen zu wollen?

Zunächst sollen diese Nutzer als „Bastler“ bezeichnet werden. Der Begriff stammt aus dem Text „Zur Ökologie der Destruktion“[1] von Walter Seitter. Darin beschreibt Seitter den Bastler als jemanden, der ausgehend von heterogenen Mitteln und Bedingungen ein großes Ganzes zu schaffen versucht. Er baut an Bestehendes an bzw. vervollständigt bereits Vorhandenes. „Er ist der Gefangene von Ereignissen und Erfahrungen, die er unablässig ordnet und neu ordnet. Und gerade darin liegt seine Freiheit, dass er sich von […] anderen stoßen lässt, die er wieder stößt.“[2]

Die Bastler des Internets nutzen demnach die Architektur des Netzes, um daraus Anwendungen entstehen zu lassen, die ihnen selbst und anderen Verbesserungen bei der Nutzung des Internets ermöglichen. Dabei verfolgen sie keine kommerziellen Ziele, sondern gehen ihrer persönlichen Leidenschaft nach, die Potentiale des Internets immer weiter auszuschöpfen und sich Reputation innerhalb der Nutzergemeinschaft zu erarbeiten.

Dem Bastler soll eine Figur gegenüber gestellt werden, die Anlehnung an Walter Seitters „Ingenieur“ findet. Da es sich aber dabei um eine konstruierte Person handelt, die in erster Linie ökonomische Interessen verfolgt und diese im sozialen Internet verwirklichen möchte, soll hier anstelle von „Ingenieur“ der Terminus „sozio-technischer Unternehmer“ Verwendung finden. Allerdings geht dieser bei der Entwicklung von kommerziell tragfähigen sozialen Internetanwendungen genauso vor wie Walter Seitters Ingenieur. Er modifiziert nicht das Bestehende, sondern trägt alles ab, um dann auf einer Tabula rasa mit „der Schöpfung aus einem Guss, dem Produzieren von einem Kopf aus“[3] zu beginnen. Entgegen dem Bastler analysiert der sozio-technische Unternehmer sein Vorhaben genau und legt danach fest, welche Vorraussetzungen gegeben sein müssen, um Erfolg zu haben. Er plant exakt und weiß genau, welche Mittel er benötigt und welche Ziele erreicht werden sollen. Er ist ein Manager, der über umfangreiche Kenntnisse innerhalb der Ökonomie des Internets verfügt und so die sozialen Anwendungen in kommerziell tragfähige Angebote umzuwandeln versteht. Dazu kennt er sich mit den soziologischen Regeln des Netzes genauso gut aus, wie er die technischen Möglichkeiten dieses Mediums einschätzen kann.

Bastler und sozio-technische Unternehmer stellen ein Gegensatzpaar, welches dabei helfen soll, die Transformation der von Internetnutzern entwickelten sozialen Anwendungen zu kommerziell tragfähigen Unternehmenskonzepten zu beschreiben.

Somit soll in dieser Arbeit ermittelt werden, welche Erkenntnisse der Unternehmer aus der Arbeit des Bastlers übernehmen muss, damit seine konzipierten Anwendungen Erfolg haben. Oder anders ausgedrückt, welche Faktoren müssen beachtet werden, um spontane und aus persönlichem Antrieb geschaffene soziale Internetanwendungen in ökonomisch tragfähige Konzepte transformieren zu können.

2. Definition und Abgrenzung von wichtigen Begriffen

Wenn der Transformationsprozess von sozialen Anwendungen zu kommerziell tragfähigen Konzepten im Internet analysiert werden soll, muss zuvor geklärt werden, worin die Besonderheiten des Mediums Internet bestehen und was unter „sozialen Anwendungen“ im Internet oder dem „sozialen Internet“ an sich zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang soll auch der Begriff „Web 2.0“ kurz erläutert werden, da dieser oft kategorisch als soziales Internet gebraucht wird. Um begriffliche Missverständnisse zu vermeiden, werden artverwandte Begriffe untereinander abgegrenzt. Ebenso sollen an dieser Stelle einige Beispiele für soziale Anwendungen genannt werden.

2.1 Das Internet als Medium

Das Internet wird in der vorliegenden Arbeit als Medium bezeichnet, da es zunächst einmal vielfältige Formen der Kommunikation ermöglicht. Dazu können innerhalb der Kommunikationswissenschaft für die Systematisierung der Kommunikation im Internet vier Kategorien bestimmt werden:

- One-to-one asynchrone Kommunikation wie beispielsweise über E-Mail,
- Many-to-many asynchrone Kommunikation wie bei Blogs,
- Synchrone Kommunikation One-to-one, One-to-few, One-to-many wie es in Chats der Fall ist und
- Asynchrone Kommunikation im Sinne eines individuellen Abrufs von Informationen wie es auf Nachrichten- und Informationsseiten möglich ist.[4]

In keinem anderen Medium sind dabei die Übergänge zwischen direkter und medienvermittelter, personaler, Gruppen- und öffentlicher Kommunikation so fließend wie im Internet. Das heißt, die Kommunikation über das Internet wechselt immer wieder ihren Zustand. Es kann als Printmedium genutzt werden zum Lesen von Texten, man kann sich darin Filme anschauen und der Rezipient kann sogar an der Gestaltung von Inhalten aktiv mitwirken.

Klaus Beck[5] beschreibt das Internet als Hybridmedium, weil die verschiedenen Anwendungen, die über das Internet möglich sind, unterschiedlichen organisatorischen und institutionellen Mustern folgen, die weitaus stärker als bei anderen Medien durch die Nutzer selbst bestimmt werden. Hybridität bedeutet, dass die Kommunikation über das Internet in verschiedenen Kommunikationsmodi erfolgen kann. Einige Modi gleichen eher den publizistischen Medien (wie beispielsweise das World Wide Web), andere ähneln Telekommunikationsmedien (zum Beispiel E-Mail). Ein Zeichen für die Hybridität ist ebenfalls, dass zwischen diesen Modi ohne Medienbruch gewechselt werden kann.

Neben der Hybridität ist eine weitere Besonderheit des Internets, dass das kommunikative und soziale Verhalten der Menschen durch seine Funktionen und Applikationen stark verändert wurde. Denn in keinem Medium konnte man sich zuvor als Rezipient so weitreichend einbringen wie im Internet.

Deshalb hätte der kanadische Medienwissenschaftler Marshall McLuhan das Internet auch als ein kaltes Medium bezeichnet, da es aktive Ergänzung und Vervollständigung durch den Rezipienten fordert. Ausgehend von seiner Medientheorie ist das Internet ein Medium, weil es Auswirkungen auf die Persönlichkeit und auf das soziale Umfeld des Nutzers hat. Es beeinflusst also das Verhalten der Nutzer selbst und verändert ihre Beziehungen untereinander.[6]

Damit ist die erste der hier betrachteten Thesen McLuhans belegt. Denn seiner Auffassung nach gestalten und steuern Medien das Ausmaß und die Form des menschlichen Zusammenlebens.[7] Es ist also nicht der Inhalt, der die Nutzer der Medien beeinflusst, sondern die Medien selbst: The medium is the message[8].

Das Internet hat beispielsweise unser Kommunikationsverhalten verändert. Wir schreiben oftmals eine E-Mail, obwohl ein Anruf schneller zum Kommunikationsziel führen würde oder schauen auf Internetseiten, welches Wetter gerade vor der Tür herrscht.[9]

McLuhans zweite These, dass Medien die Faktoren Zeit und Raum im menschlichen Zusammenleben aufheben und die Vorraussetzung für eine Beteiligung der Gesamtperson schaffen,[10] klingt wie eine Beschreibung des Internets, ohne dass er es je kennen gelernt hatte.[11] Denn durch die Übertragung von Bildern oder anderen personifizierten Merkmalen findet eine Kommunikation statt, wie sie in ihrer Kombination aus Zeit- und Ortsunabhängigkeit gepaart mit der Beteiligung der gesamten Persönlichkeit mit keinem Medium zuvor möglich war. Im Vergleich dazu gibt es im Fernsehen und im Radio Programmabläufe, nach denen sich die Rezipienten richten müssen, wenn sie bestimmte Inhalte sehen möchten. Die Programme können nicht jederzeit abgerufen werden, sondern werden zu bestimmten Zeitpunkten zur Verfügung gestellt. Fernsehprogramme können zudem nicht in gleich bleibender Qualität an verschiedenen Orten gesehen werden und beiden Medien ist gleich, dass ein Programm von einer Gruppe von Menschen hergestellt wird, ohne dass die Nutzer der Medien spürbaren, gestalterischen Einfluss haben.

Die dritte These McLuhans beschreibt Medien als Ausweitung menschlicher Organe. Damit ist gemeint, dass bestimmte Funktionen aus dem menschlichen Körper ausgelagert werden. Dann nämlich, wenn die menschlichen Organe nicht mehr in der Lage sind ihre Funktionen optimal auszuüben. Das Rad beispielsweise ermöglicht dem Menschen sich schneller als zu Fuß fortzubewegen. Dieses Medium ist somit eine Ausweitung der menschlichen Funktion Fortbewegung.

Das Internet hingegen kann als die Auslagerung des Zentralnervensystems verstanden werden und ist im Vergleich zu anderen Kommunikationsmedien somit die radikalste Ausweitung der Person. Mit dem Aufkommen der Elektrotechnik und damit später auch dem Internet hat die Masse an Informationen die gleichzeitig und immer schneller verarbeitet werden muss, enorm zugenommen. Als Folge schuf der Mensch mit McLuhan gesprochen ein naturgetreues Modell seines eigenen Zentralnervensystems um sich mit dieser Ausweitung von externem Druck zu befreien. Er erweiterte sozusagen sein Zentralnervensystem, verlegte es nach außen und konnte damit eine enorme Leistungssteigerung des eigenen Organismus erzielen.[12] Denn durch das Internet steht im nun ein riesiger Speicher und ein komplexes Verarbeitungsprogramm für jede Art von Informationen zur Verfügung.

Als vierte These McLuhans beschreibt die von ihm ursprünglich für Rundfunk und Telephonie geprägte Formulierung „Global Village“ den durch das Internet entstandenen Kommunikationsraum sehr treffend. Sie suggeriert, dass alle „Dorfbewohner“ Zugang zum Internet und damit Zugriff auf ein breites Angebot an Informationen haben. Weitergedacht würde dies bedeuten, dass jeder Mensch sich ein eigenes Bild über Politik, Wirtschaft und soziale Belange machen könnte. Gezielt gesteuerte Information über beispielsweise staatliche Fernsehanstalten könnten damit durch das Medium Internet ausgehebelt werden.

2.2 Die Technologie des Internets

Betrachtet man nun die Technologie des Internets, so wird damit eine technische Infrastruktur bezeichnet, die sich aus Computernetzen, Datenprotokollen, individuellen und kollektiven Akteuren zusammensetzt.[13] Es bildet damit die Grundlage für verschiedene Anwendungen wie dem World Wide Web (WWW), E-Mail oder auch sozialen Anwendungen wie Blogs, Foren oder Social Network Anwendungen.[14] Unterhalb dieser Anwendungsebene liegt die Protokollschicht. Hier findet anhand von Protokollen der Datenaustausch statt. Protokolle sind die Sprache der Endgeräte untereinander. Weil sich alle großen Computerhersteller darauf geeinigt haben, die gleichen standardisierten Protokolle zu nutzen, verstehen sich alle Computer untereinander und bilden das weltweite Netz, als das man es heute kennt. Das Internet ging aus dem Arpanet hervor, welches mit dem Ziel entwickelt wurde, alle Rechner US-amerikanischer Forschungseinrichtungen zu vernetzen. Bereits im Arpanet wurde das Transmission Control Protocol (TCP) entwickelt, das später auch zur Grundlage des Internets werden sollte. Aus dem TCP ist das IP und damit die IP-Adresse entstanden, die heute immer noch den Standard für Internet-unterstütze Kommunikation bildet. Jeder Rechner hat eine IP-Adresse, durch die der Rechner im Netz immer wieder zu orten ist.

Parallel zum Arpanet entstand das Usenet, das auf einem eigenen Protokoll basierte. 1981 wurde allerdings die erste Verbindung zwischen Usenet und Arpanet hergestellt, so dass ein einheitliches standardisiertes Netz entstanden ist. Über dieses Netz haben sich dann auch schon soziale Anwendungen wie Bulletin Board Systems (BBS) und Newsgroups entwickelt. Anfangs wurden in diesen asynchronen Diskussionsforen lediglich technische Probleme des Netzes besprochen. Später entstanden aber daraus weitere Diskussionsgruppen, die ähnlich wie heutige soziale Anwendungen eine große Themenvielfalt abdeckten.[15]

1990 kommt es zum World Wide Web (WWW), das auf dem Hypertext Transfer Protocol (http) und der grafikfähigen Hypertext Markup Language (HTML) basiert. 1993 wird das WWW der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und verbreitet sich rasant. Das bunte durch Browser leicht zu nutzende und navigierbare Web mit seinen Möglichkeiten zur interaktiven Teilhabe existiert somit seit den 90er Jahren und stellt die Grundlage für das soziale Internet, oder dem, was wir heute als Web 2.0 bezeichnen, dar.

2.3 Web 2.0 und seine sozialen Anwendungen

Der Begriff Web 2.0 wurde von dem Verleger Tim O´Reilly geprägt. Er beschreibt in seinem am 30.09.2005 herausgebrachten Text „What is Web 2.0?“[16] Unterschiede zwischen Internetanwendungen, die das Platzen der „Internetblase“ im Jahr 2000 überlebten und denen, die danach nicht mehr im Netz vorzufinden waren. O´Reilly gibt in diesem Artikel keine genaue Definition für Web 2.0, aber er beschreibt darin Kompetenzen, von denen erfolgreiche Anwendungen im Web 2.0 mindestens eine besitzen müssen:

- Die Nutzung des Webs als Plattform, bedeutet, dass Dienste als Services angeboten werden und nicht als Software. Der Nutzer hat Zugang zum Netz und kann dort alle Anwendungen ohne weitere Hilfsmittel nutzen. Beispiele für solche Plattformen sind die Suchmaschine Google oder BitTorrent, eine Tauschbörse für Musik und Filme, zu der jeder Nutzer mit seinen Ressourcen beiträgt. Je beliebter eine Datei ist, umso besser kann sie angeboten werden, da entsprechend viel Bandbreite zur Verfügung steht. Die Webanwendung selbst dient als Plattform zum Tauschen der Dateien.
- Die kollektive Intelligenz der Nutzer mit einbeziehen – sei es durch Blogs, Wikis oder in Communities. Als Beispiel hierfür kann die Online-Enzyklopädie Wikipedia genannt werden, die mittlerweile die größte Enzyklopädie der Welt[17] ist und die dadurch entsteht, dass die Nutzer die Artikel selbst schreiben, bearbeiten und löschen.
- Zugang zu Daten, die schwer oder teuer zusammenzustellen sind und die umso wertvoller werden, je häufiger sie genutzt werden. Diese Daten sind das Kapital für Internetanwendungen. Es kann sich dabei um Nutzerdaten handeln oder aber auch um Inhalte, die den Nutzen der Anwendung bestimmen. Beispiel: der Anbieter von geografischen Karten NavTeq.
- Eine neue Generation von Software, die die Nutzer in Internetanwendungen besser mit einbeziehen. Als Beispiel kann Ajax genannt werden, eine Technologie, die es ermöglicht viele Anwendungen parallel auf einer Internetseite zu nutzen (vgl. Kapitel: 5.4).
- Software, welche die Grenzen einzelner Geräte überschreitet. Wie zum Beispiel iTunes. Dies ist eine Software zum Verwalten und Abspielen von MP3 und anderen Audiodateien. Durch die Verbindung zum Web können aber Cover für Alben, Informationen und Podcasts heruntergeladen werden, die Musikdateien gekauft und auf das mobile Gerät iPod überspielt werden.
- Einbeziehen der Long Tail. Dies bedeutet, dass durch Internetanwendungen über einen langen Zeitraum Marktnischen bedient werden können und damit Erlöse erzielt werden, die in der Realwelt nicht möglich waren, weil die Ansprache der Nischenzielgruppen sich durch die zu erwartenden geringen Verkäufe nicht gerechnet hätte. eBay stellt eine Plattform zur Verfügung, wo solche Nischenprodukte ihre Liebhaber finden. Das funktioniert natürlich nur, weil die Technik der Suchmaschinen das Auffinden der Nischen möglich macht (vgl. Kapitel 5.5.2).[18]

Fasst man die Kriterien von Tim O´Reilly zusammen, so stellt man fest, dass vor Web 2.0 die Internetnutzer auf statischen und meist nur selten aktualisierten Homepages von Firmen über Produkte, Dienstleistungen etc. informiert und unterhalten wurden. Eine Einbeziehung des Nutzers erfolgte dabei nur in geringem Rahmen. Es kommunizierte nur der Webseitenbetreiber ohne die Möglichkeit der Rückkopplung einzuräumen, weshalb man auch von einer On-to-many-Kommunikation spricht.

Web 2.0 wird dagegen oft als „Mitmachweb“[19] bezeichnet über das eine Many-to-many-Kommunikation stattfindet. Im Web 2.0 findet bei der Technologie ein Paradigmenwechsel von prozess- zu personenorientierter, zu so genannter Social Software statt. Heute pflegt man seine Kontakte via Xing, man managt und teilt sein Wissen über Weblogs, gestaltet seine Identität aktiv über Einträge in Wikis, sucht freies Bildmaterial auf Flickr und „schlägt“ bei Wikipedia unbekannte Fachbegriffe nach.

In dieser Arbeit werden die Begriffe „Social Software“, „soziales Internet“ oder „soziale Anwendungen“ im Internet dabei synonym verwendet und beschreiben in der Regel Systeme, mit denen Menschen kommunizieren, zusammenarbeiten oder auf eine andere Art interagieren können. Das heißt für die Nutzer bietet sich die Möglichkeit, Inhalte zu erstellen, sich selbst im Internet darzustellen, in Rollen zu schlüpfen oder gemeinsam Wissensbestände, Informations- oder Unterhaltungsangebote aufzubauen. Den Systemen ist gemein, dass sie dazu dienen, Gemeinschaften aufzubauen und zu pflegen, und zwar in aller Regel selbst organisiert über das Internet.[20]

Oft werden Begriffe wie Social Software, soziales Internet oder soziale Anwendungen auch mit Web 2.0 synonym verwendet. Allerdings entstanden beispielsweise soziale Anwendungen wie Wikis und Chats schon weitaus früher. Tief verankert in solchen sozialen Anwendungen ist der Community-Aspekt unter den Nutzern. Sie fühlen sich dieser Anwendung zugehörig, nutzen sie als Plattform um sich ein eigenes Profil anzulegen und können über diese Plattform mit anderen Menschen in Kontakt treten. Beispiele für solche Plattformen sind Xing, MySpace oder YouTube. Eine Auswahl einiger sozialer Anwendungen verbunden mit einer ersten allgemeinen Definition wird im Folgenden vorgenommen.

Chats:

In Gestalt des Internet Relay Chat (IRC) besteht dieser Modus Internet-unterstützter Kommunikation schon seit 1988. Heute ist Chat eine Sammelbezeichnung für synchrone, interpersonale Gruppenkommunikation geworden.[21] Chatten heißt soviel wie plaudern oder schwatzen. Es ist die kleinste und schnellste Kommunikationsform im Internet. Man trifft sich dazu in Chat-Räumen oder Channels und kann sich dort in Echtzeit austauschen. Für diese Form der Kommunikation sind Reaktionsvermögen, Schlagfertigkeit und das Beherrschen der chat-eigenen Sprache und Abkürzungen von Nöten.[22]

Foren:
Foren verwenden einen langsameren Kommunikationsrhythmus. Es werden von den Betreibern oder aus der Gruppe heraus Themen festgelegt, zu denen alle Gruppenmitglieder oder auch Gäste Beiträge verfassen können. Die Beiträge werden wie E-Mails verfasst und abgeschickt.[23] Eine synchrone Reaktion ist nicht möglich. Die behandelten Themen sind aber auch meistens komplexer als in Chats, so dass eine längere Bearbeitungszeit der Beiträge die Regel ist.

Weblog: (meistens nur als Blog bezeichnet):

Ein Blog ist eine regelmäßig aktualisierte Webseite mit chronologisch sortierten Beiträgen, beginnend mit dem aktuellsten Beitrag auf der Startseite.[24] Häufig werden Blogs auch als Web-Tagebücher bezeichnet, weil sie aktuell und fortlaufend das Leben des Verfassers dokumentieren und kommentieren. Man kann Blogs auch als eine Kolumne verstehen, die aktuelle Ereignisse aus Sicht des Verfassers filtert und weitergibt.[25] Dazu ist es möglich eine Kommentierfunktion einzurichten, die die Interaktion zwischen Autor und Rezipienten fördert. Mittlerweile gibt es Blogs zu vielfältigen Themen. Beispielsweise Watchblogs, die Medien und Firmen kritisch beobachten, Litblogs, die sich mit Literatur beschäftigen, Corporate Blogs von Firmen oder Fotoblogs, in denen vor allem Fotos veröffentlicht werden.

Wikis:

Wikis sind Software-Plattformen, bei der jeder Besucher den Text editieren kann. Das heißt, die Teilnehmer erzeugen Webseiten, die nicht nur vom Urheber, sondern von allen Teilnehmern ergänzt, weiter geschrieben und überarbeitet werden. Es entsteht somit eine enorme Wissensansammlung, die durch die Mitarbeit aller Teilnehmer stetig verbessert und vervollständigt wird. Wikis wachsen durch die kollektive Intelligenz der Nutzer. Das bekannteste Beispiel für ein Wiki ist Wikipedia, eine Enzyklopädie, die mittlerweile größer ist als die Encyclopædia Britannica.

Social Tagging:

Social Tagging (Collaborative Tagging) beschreibt den Prozess, in dem die Internetnutzer Inhalte einer Seite durch das Vergeben von so genannten „Tags“ (deutsch: Schlagwort / Schlüsselwort) ordnen und werten. Der Nutzer ordnet einem Objekt einen solchen Tag zu, der ihm ein späteres Wiederfinden erleichtern soll. Das Objekt (z.B. ein Hyperlink, ein Foto) kann mit beliebig vielen, vom Nutzer frei wählbaren Tags markiert werden. So ist es dem User möglich, sein eigenes, individuelles Begriffssystem aufzubauen.[26]

In Folksonomys hat der Nutzer die Möglichkeit, seine Tag-Sammlung der Allgemeinheit zugänglich zu machen. So können zum Beispiel Dokumente mit identischen Tags oder Nutzer mit ähnlichen Interessen (die anhand ihrer Tags identifiziert werden) in Verbindung gebracht werden.[27]

Der Begriff Folksonomy setzt sich aus „Folks“ (Englisch: Menschen, Leute) und „Taxonomy“ zusammen. Im Gegensatz zu einer Taxanomie klassifizieren die Benutzer Objekte selbst, indem sie diese mit ihren eigens gewählten Tags versehen. Die bekanntesten Beispiele für Social Bookmarking-Anwendungen sind Webseiten wie del.icio.us oder im deutschsprachigen Raum Mister Wong. Aber auch für die Fotocommunity Flickr ist das Prinzip des Tagging ein relevantes Werkzeug, weil dadurch die Fotos der Seite eine durch die Nutzer erzeugte Ordnung erhalten.

Social Network Anwendungen

Solche Anwendungen bieten den Internetnutzern die Möglichkeit ein Netzwerk mit anderen Nutzern zu bilden. Die Seite erlaubt es dem Nutzer seine eigenen Daten zu pflegen, zu verwalten und darüber mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten. Meist sind Social Network Plattformen einem Thema zu geordnet wie beispielsweise das Business Network Xing, wo es vor allem darum geht, Geschäftskontakte zu knüpfen und zu pflegen. Ein anderes Beispiel ist die Studentenplattform studiVZ, auf der sich zum größten Teil Studenten aufhalten und sich über ihre Interessen austauschen und sich unkompliziert kennen lernen können.

In Abbildung 1 sind die hier beschriebenen sozialen Anwendungen nach Funktion und Nutzen eingeordnet. Dadurch werden ihre verschiedenen Dimensionen zusammenfassend deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das „Social Software Dreieck“[28]

3. Das Internet als Bestandteil des sozialen Netzwerks der Nutzer

Howard Rheingold hat als einer der ersten Autoren über das Phänomen der virtuellen Gemeinschaften geschrieben und seine Erfahrungen, die er in der Community rund um das Bulletin Board System (BBS) „the WELL“ in den 80er Jahren sammelte, in seinem Buch „Virtuelle Gemeinschaft: Soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers“[29] verarbeitet. Er schätzt die enormen Entfaltungsmöglichkeiten, die sich jedem Individuum auf intellektuellem, sozialem, kommerziellem und politischem Gebiet im virtuellen Raum bieten.[30] Virtuelle Gemeinschaften sind für ihn „soziale Zusammenschlüsse, die dann im Netz entstehen, wenn genug Leute öffentliche Diskussionen lange genug führen und dabei ihre Gefühle einbringen, so dass (…) ein Geflecht persönlicher Beziehungen entsteht.“[31] Die Erklärung für dieses Phänomen liegt für ihn im wachsenden Bedürfnis nach Gemeinschaft, das die Menschen weltweit entwickeln, weil in der wirklichen Welt die Räume für zwanglose soziale Kontakte immer mehr verschwinden. Allerdings glaubt er auch an die Faszination, die von neuen Medien ausgeht. Diese ziehen „Kolonien von Enthusiasten“[32] an, da sie ihnen ermöglichen, auf eine neue Art miteinander umzugehen und vollkommen neue Dinge gemeinsam ins Leben zu rufen.

Die von Rheingold beschriebenen virtuellen Gemeinschaften bilden sich um soziale Anwendungen, die in dieser Arbeit untersucht werden. In ihnen konstituieren sich eigene Regeln des sozialen Umgangs und spezielle Formen der Kommunikation. Allerdings können virtuelle Gemeinschaften auch als soziale Aggregate beschrieben werden, die nur ein Teilphänomen sozialer Netzwerke darstellen. Deshalb soll als theoretische Grundlage zur Analyse der Nutzer sozialer Anwendungen im Internet die soziale Netzwerkanalyse dienen.

Kern der Theorie ist die These, dass jeder Mensch mit anderen Menschen in einem Netzwerk sozial verknüpft ist. Man kann eine Person deshalb nicht als unabhängiges Subjekt betrachten, sondern muss immer die sozialen Beziehungen, in die ein Individuum eingebunden ist, mitbeachten. Solche sozialen Beziehungen unterhält ein Mensch zu anderen Menschen aber auch zu Institutionen und Organisationen. Die Beziehungen sind Gegenstand der Untersuchungen der Netzwerkanalyse, weil sie das Verhalten des Menschen sehr stark prägen. Soziale Netzwerke können somit auch „als durch Personen konstituierte Verbindungen“[33] definiert werden.

Die Netzwerkanalyse berücksichtigt zur Erklärung von Verhaltensweisen also nicht nur die Eigenschaften der Person, sondern betrachtet darüber hinaus die Beziehungsmuster sowie die Merkmale der Bezugspersonen zu sozialen Einheiten wie anderen Personen, Institutionen und Organisationen[34].

In dieser Arbeit soll mit der Netzwerkanalyse das Umfeld der Internetnutzer untersucht werden, um zu verstehen, was ihre Motivation ist, sich an solchen Anwendungen zu beteiligen. Darüber hinaus soll analysiert werden, welche menschlichen Verhaltensmuster der sozialen Interaktion im Internet zu Grunde liegen.

Der Begriff Netzwerk soll dabei immer als Ego-zentriertes Netzwerk verstanden werden. Das heißt, dass Beziehungen grundsätzlich aus der Perspektive eines Akteurs (Ego) zu anderen Akteuren im Gesamtnetzwerk beschrieben werden. Dies erfolgt anhand der Strukturvariablen Dichte, Abgrenzung, Reichweite und Bindung, um die Struktur der Beziehungen von Ego zu anderen Personen in einem Netzwerk qualitativ untersuchen zu können.

Dichte: Die Variable beschreibt den Grad der jeweiligen Verbundenheit der Bezugsperson mit anderen Menschen. Sie stellt also das Ausmaß dar, in welchem die Netzwerkmitglieder auf direktem Wege miteinander in Beziehung stehen.[35]

Abgrenzung: Soziale Netzwerke und auch einige Bereiche innerhalb des Netzes sind durch bestimmte Sinngrenzen definiert, wie zum Beispiel die Familie, die Arbeit oder eine Organisation. Jeder dieser Netzwerkbereiche verfügt über Mitgliedsschranken, die dabei helfen sich von anderen Gruppen abzugrenzen. Man unterscheidet geschlossene, abgegrenzte und offene, verzweigte Netzwerke.

In abgegrenzten geschlossenen Gruppen oder Gemeinschaften bleiben fast alle Beziehungen innerhalb der Population. Die Mitglieder eines solchen Netzwerks grenzen sich stark gegenüber anderen Gemeinschaften ab.

Im Gegensatz dazu bestehen offene soziale Netzwerkbereiche aus weit verzweigten, ausgreifenden und durchlässigen Verbindungen. Die Abgrenzung zu anderen Gruppen ist also weniger stark als bei geschlossenen Gruppen.[36]

Reichweite: Die Reichweite eines Netzwerkes beschreibt die Relation zwischen der Größe eines Netzwerkes und der Heterogenität der verschiedenen Bezugspersonen. Mit Größe eines Netzwerkes ist hier, die Anzahl der Personen mit denen Ego in Beziehung steht, gemeint. Heterogenität beschreibt dagegen die Zusammensetzung des Netzwerkes nach soziodemografischen Größen wie beispielsweise Alter, Bildung oder Geschlecht.[37]

Bindung: Bindung gibt über die Stärke von Beziehungen und die persönliche Verbundenheit der Beziehungspartner untereinander Auskunft. Starke Bindungen finden sich meist im engeren Kernnetzwerk einer Person, das vor allem Familienmitglieder, Freunde und Verwandte umfasst. Diese Bindungen sind im Vergleich zu schwachen Kontakten dauerhafter. Sie zeichnen sich durch eine gewisse Kontinuität aus, weisen große emotionale Nähe und eine hohe Kontakthäufigkeit auf.

Schwache Bindungen dagegen sind weniger dauerhaft und stehen an der Peripherie von persönlichen Netzwerken. Trotzdem haben schwache Beziehungen aufgrund ihrer breiten Differenzierung eine wichtige Funktion. Sie bieten Ego Zugang zu neuen Informations- und Ressourcequellen und stellen damit Brücken zu anderen sozialen Welten dar.[38]

Durch das Internet eröffnen sich Personen einen neuen sozialen Raum, der ihnen als soziale Begegnungsstätte dient[39] und ihnen hilft, geografische Distanzen zu überwinden, Zeit zu sparen und damit bestehende soziale Kontakte weiterzuführen oder neue Beziehungen zu knüpfen.

Indem nun die oben eingeführten Strukturvariablen auf die Nutzer von sozialen Anwendungen im Internet übertragen werden, entsteht anhand logischer Folgerungen ein Bild darüber, welche Funktionen soziale Internetanwendungen in ihrem sozialen Netzwerk haben. Außerdem wird geprüft, ob das Internet eine weitere Institution im sozialen Netzwerk der Nutzer ist und wie es das soziale Netzwerk strukturell erweitert.[40]

Dichte in sozialen Internetanwendungen: Grundsätzlich entstehen durch das Internet viele zusätzliche Verbindungen zwischen verschiedenen sozialen Netzwerken der Menschen. Allein durch das Weiterleiten von E-Mails oder das Verlinken des eigenen Blogs mit anderen stellen die Nutzer Verbindungen zwischen sich und anderen unbekannten Personen her. Soziale Anwendungen wie beispielsweise Chats oder Foren können dabei zu einer Reduzierung der Dichte im Netzwerk von Ego führen, da viele entstandene Beziehungen bilaterale Verbindungen sind oder nur zeitlich begrenzt existieren.[41] Allerdings kann dem entgegengesetzt werden, dass in virtuellen Communities, die sich beispielsweise um Social Network Anwendungen bilden und sich über gemeinsame Interessen definieren, eine hohe Dichte herrscht, die vergleichbar mit engen realweltlichen Beziehungen ist. Aber auch zur Stabilisierung und sogar zur Erhöhung der Dichte in persönlichen realweltlichen Kernnetzwerken (Familie, enge Freunde) sind das Internet und seine sozialen Anwendungen nützlich. In diesem Bereich ist die Dichte ohnehin sehr hoch, sie kann aber durch die Nutzung dieses Mediums weiter verstärkt werden. Die Unaufdringlichkeit, Schnelligkeit und der geringe Aufwand der Kommunikation machen die Beziehungspflege leicht möglich.[42] Beispielsweise können Freunde, die in verschiedenen Städten studieren, über studiVZ Bilder und Kommentare austauschen und somit eine enge Beziehung aufrecht erhalten.

Soziale Anwendungen im Internet lassen sich also nutzen um soziale Netzwerke zu verdichten, aber auch um neue Sozialkontakte auszubilden. Demnach steht der Nutzer dieser Anwendungen im Zentrum eines verteilten persönlichen Netzwerkes, das aus ganz verschiedenen Beziehungen besteht, von lockeren und bilateralen bis hin zu engen, dauerhaften und dicht vernetzten Gruppenverbindungen.

Abgrenzung in sozialen Internetanwendungen: In heutigen Gesellschaften bilden lockere Kontakte im sozialen Netzwerk der Menschen die Mehrheit gegenüber abgegrenzten Gruppenformationen. Obwohl unsere Gesellschaft weniger stark abgegrenzte Gruppen hervorbringt, weil beispielsweise die Bedeutung der Familie oder der Nachbarschaft abnimmt, gedeihen doch immer wieder auch deutlich abgegrenzte Gemeinschaften als Zufluchtsstätte vor äußerem Druck und als Quelle der Unterstützung.

[...]


[1] Seitter, Walter (1990): Zur Ökologie der Destruktion, in: Aisthesis – Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik, Leipzig: Reclam, S. 422 – 459

[2] Vgl. Seitter, Walter (1990): S. 422

[3] Ebenda, S. 412

[4] Vgl. Morris/ Organ zitiert nach Beck, Klaus (2006): S. 21 f.

[5] Vgl. Beck, Klaus (2006): S. 12-29

[6] Vgl. McLuhan, Marshall (1992): S. 17

[7] Vgl. ebenda, S. 18

[8] Vgl. ebenda, S. 17

[9] Wie es der russische Autor Wladimir Kaminer so treffend in seinem Text „Deutsch unter Hypnose“ auf dem Hörbuch „Best Of – Live“ beschreibt.

[10] Vgl. McLuhan, Marshall (1992): S. 19

[11] Er starb am 31. Dezember 1980 in Toronto. Vgl. Marchand, Philip (1999): S. 13

[12] Vgl. McLuhan, Marshall (1992): S. 59

[13] Vgl. Thiedeke, Udo (2004): S. 18

[14] Vgl. Kreuzberger, Michael (1997): S. 25

[15] Vgl. Beck, Klaus (2006): S. 8; Vgl. Rheingold, Howard (1994): S.181

[16] O´Reilly, Tim (2004): [www]

[17] Vgl. Alby, Tom (2007): S. 88

[18] Vgl. Alby, Tom (2007): S. 151

[19] Vgl. zum Beispiel http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/chartmann_republica_070322.shtml

[20] Vgl. Alby, Tom (2007): S. 87

[21] Vgl. Beck, Klaus (2006): S. 118

[22] Vgl. Leitner, Helmut (2003): S. 21

[23] Vgl. ebenda, S. 22

[24] Vgl. Alby, Tom (2007): S. 21

[25] Vgl. Leitner, Helmut (2006): S. 23

[26] Vgl. Alby, Tom (2007): S. 117

[27] Vgl. Richter, Alexander/ Koch, Michael (2007): S. 23

[28] Darstellung in Anlehnung an Richter, Alexander/ Koch, Michael (2007): S. 12

[29] Rheingold, Howard (1994): Virtuelle Gemeinschaft: Soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers, Bonn, Paris: Addison-Wesley.

[30] Vgl. Rheingold, Howard (1994): S. 15

[31] Rheingold, Howard (1994): S. 16

[32] Ebenda, S. 17

[33] Rauchfuß, Katja (2003): S. 5

[34] Vgl. Pappi, Franz Urban (1987): S. 13; vgl. dazu auch: Holzer, Boris (2006): S. 9;

Rauchfuß, Katja (2003): S. 18

[35] Vgl. Rauchfuß, Katja (2003): S. 29

[36] Vgl. ebenda, S. 30

[37] Vgl. Rauchfuß, Katja (2003): S. 30

[38] Vgl. ebenda, S. 31

[39] Vgl. ebenda, S. 51

[40] Als Basis für die Rückschlüsse sollen die Überlegungen von Katja Rauchfuß und die von ihr genutzten empirischen Untersuchungen genutzt werden. Rauchfuß, Katja (2003): Sozi@le Netze. Zum Wandel sozialer Netzwerke durch die Nutzung des Internets, Marbug: Tectum.

[41] Vgl. Rauchfuß, Katja (2003): S. 62

[42] Vgl. Castells, Manuel (2005): S. 134

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Bastler und sozio-technische Unternehmer des sozialen Internets
Untertitel
Über die Transformation von sozialen Internetanwendungen zu ökonomischen Konzepten
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
78
Katalognummer
V85780
ISBN (eBook)
9783638900683
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bastler, Unternehmer, Internets
Arbeit zitieren
Theodor Carl (Autor:in), 2007, Bastler und sozio-technische Unternehmer des sozialen Internets , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85780

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