Es wird versucht einen Konnex zwischen den Ansätzen von Goffman und religiösen bzw. kulturellen Unterschieden herzustellen. Dazu sollen auch Erfahrungen aus mehren theoretischen Vorbereitungswochenenden für ein Indienaustauschprogramm einfließen.
Der Aufbau dieser Arbeit ist bewusst schlicht ausgestaltet. Zu Beginn werden die wichtigsten Inhalte der „Techniken der Imagepflege“ prägnant dargestellt. Daraufhin wird der Versuch unternommen, einige Verweise auf kulturelle Unterschiede zu unternehmen. Abschließend wird der Autor einen persönlichen Kommentar zur Thematik abgeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangspunkt: Erving Goffman – ein Außenseiter?
3. Image
4. Techniken der Imagepflege
5. Die Angemessenheit der Techniken
6. Ein Aufeinanderprallen von zwei Vorstellungen? Rituelle Ordnung und indisches Kastenwesen
7. Das heutige Kastensystem und dessen Auswirkung auf die soziale Interaktion
8. Bemerkungen des Autors - Westliche Vorstellungen treffen indische Kultur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der soziologischen Konzepte von Erving Goffman, insbesondere der „Techniken der Imagepflege“, auf kulturell geprägte Interaktionsformen im Kontext des indischen Kastensystems.
- Grundlagen der soziologischen Interaktionstheorie nach Erving Goffman
- Definition und Funktion von Image und ritueller Ordnung
- Techniken der Imagepflege und deren Korrekturmechanismen
- Historische und soziologische Struktur des indischen Kastensystems
- Interkultureller Transfer soziologischer Modelle am Beispiel Indien
Auszug aus dem Buch
4. Techniken der Imagepflege
Kann ein Image-bedrohender Vorfall nicht vermieden werden und wird das Selbstbild des/der Handelnden bzw. eines/einer Interaktionspartner/in nicht geschont oder bewusst bzw. unbewusst verletzt, so bedarf es Verhaltensweisen, so genannte Techniken, um den Zustand der rituellen Ordnung wiederherzustellen.
„Mit Techniken der Imagepflege möchte ich Handlungen bezeichnen, die vorgenommen werden, um all das, was man tut, in Übereinstimmung mit seinem Image zu bringen [...]“
Diese können eine protektive (Rücksichtnahme) als auch eine defensive (Selbstachtung) Ausrichtung haben.
Grundsätzlich unterscheidet Goffman Vermeidungstechniken und Korrekturtechniken.
Erstere zielen darauf ab, eine Gefährdung und Bedrohung des Images erst gar nicht zu riskieren – der sicherste Weg, sein Selbstbild und/oder das der anderen zu schonen, Kontakten aus dem Weg zu gehen. Die unmittelbare Vermeidung von Image-Bedrohenden Verhaltensweisen ist aber nur eine Möglichkeit der Vermeidung. Weiters können laut Goffman Vorfälle einfach ignoriert werden oder Verhaltensweisen auf mehreren Ebenen anschlussfähig gemacht werden, etwa durch Ironisierung, Paraphrase, Doppeldeutigkeiten im engeren Sinne, sprachliche Relativierungen).
Korrekturtechniken werden dann angewandt, wenn ein Ereignis von allen Beteiligten als Image-bedrohender Vorfall anerkannt wurde und sie sich darum bemühen müssen, die Auswirkungen zu korrigieren. Die expressive Ordnung ist gestört und muss wieder hergestellt werden. Daher führen die Beteiligten, laut Goffman, eine Ausgleichshandlung aus, welche vier klassische Handlungsschritte beinhaltet.
Zunächst muss die Bedrohung akzeptiert werden und eine Verpflichtung zu ihrer Abwehr entstehen z.B. durch gestische, mimische, emotionale Reaktionen. Weiters muss der Versuch der Wiederherstellung der Ordnung durch den Missetäter und/oder die Betroffenen oder Zeugen unternommen werden. Dies kann durch das Angebot zur Wiedergutmachung durch den Missetäter oder das Eingeständnis der Schuld passieren. Weiters müssen Betroffene oder Zeugen dem Missetäter die Wiedergutmachung ermöglichen. Die Ausgleichshandlung endet nach der Akzeptanz der Angebote zur Wiedergutmachung mit dem Dank für das Angebot selbst bzw. für die Akzeptanz des Angebotes. Alle diese Interaktionen können verbal wie auch nonverbal vor sich gehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehungsgeschichte der Arbeit aus einem interkulturellen Austausch und skizziert den Aufbau der Untersuchung zur Verknüpfung von Goffmans Theorie mit dem indischen Kontext.
2. Ausgangspunkt: Erving Goffman – ein Außenseiter?: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle Goffmans in der Soziologie und führt seine zentralen Konzepte zur direkten Face-to-Face Interaktion ein.
3. Image: Hier wird der Begriff des Images als positiver sozialer Wert definiert, der durch Verhaltensstrategien in der sozialen Interaktion erworben wird.
4. Techniken der Imagepflege: Das Kapitel differenziert zwischen Vermeidungstechniken und Korrekturtechniken zur Wiederherstellung ritueller Ordnung bei Image-Bedrohung.
5. Die Angemessenheit der Techniken: Es wird erörtert, dass die Anwendung von Techniken von verschiedenen Parametern wie sozialem Status und emotionaler Atmosphäre abhängt.
6. Ein Aufeinanderprallen von zwei Vorstellungen? Rituelle Ordnung und indisches Kastenwesen: Hier findet eine erste Gegenüberstellung von Goffmans ritueller Ordnung mit der historischen Entwicklung des indischen Kastensystems statt.
7. Das heutige Kastensystem und dessen Auswirkung auf die soziale Interaktion: Dieses Kapitel analysiert die heutige Relevanz des Kastensystems trotz offizieller Abschaffung und dessen Einfluss auf alltägliche Interaktionsmuster.
8. Bemerkungen des Autors - Westliche Vorstellungen treffen indische Kultur: Die abschließende Reflexion bewertet die Anwendbarkeit von Goffmans Modellen im indischen Kulturraum unter Berücksichtigung der kulturellen Vorselektion.
Schlüsselwörter
Erving Goffman, Image, Interaktionsrituale, soziale Interaktion, indisches Kastensystem, rituelle Ordnung, Imagepflege, Face-to-Face Behavior, Hinduism, Jatis, Kulturvergleich, expressive Ordnung, Kommunikation, Selbstbild, soziale Normen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Interaktionstheorie von Erving Goffman und untersucht, wie diese theoretischen Konzepte auf die kulturellen Gegebenheiten und sozialen Strukturen in Indien anwendbar sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das Konzept der rituellen Ordnung, die Methoden der Imagepflege, die Historie und heutige Struktur des indischen Kastensystems sowie der interkulturelle Vergleich von Interaktionsnormen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Konnex zwischen Goffmans allgemeingültigen Interaktionstheorien und den spezifischen, oft rigid-hierarchischen Verhaltensregeln des indischen Kulturraums zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Primär- und Sekundärquellen, ergänzt durch Expertenwissen aus Interviews über indische Geschichte und kulturelle Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Goffmans Theorie zur Imagepflege und eine anschließende komparative Analyse, die diese Theorie auf das indische Kastensystem und dessen Auswirkungen auf den Alltag überträgt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Image, ritueller Ordnung, soziale Interaktion, Kastensystem und interkulturelle Kommunikation charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst das indische Kastensystem die soziale Interaktion nach Goffman?
Der Autor argumentiert, dass im indischen Kontext eine „erzwungene Präselektion“ von Interaktionspartnern existiert, die auf traditionellen Kastenschranken basiert und somit die von Goffman vorausgesetzte Freiheit der Interaktionswahl einschränkt.
Können Goffmans Modelle trotz der kulturellen Unterschiede in Indien angewandt werden?
Ja, der Autor kommt zu dem Schluss, dass Goffmans Modell sehr offen für Variationen ist und die Ansätze zur Imagepflege ihre Gültigkeit auch in einem anderen kulturellen Kontext behalten, sofern man die spezifischen kulturellen Vorselektionen berücksichtigt.
Warum ist das Thema der „erzwungenen Präselektion“ so wichtig?
Die Präselektion verdeutlicht, dass die soziale Ordnung in Indien stark durch Geburt und Rang determiniert ist, was die Flexibilität der von Goffman beschriebenen „expressiven Ordnung“ in der Interaktion herausfordert.
- Quote paper
- Stefan Wurm (Author), 2005, Soziale Interaktion und Image im Kontext des indischen Kastensystems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85843