Humor ohne Worte: Charlie Chaplin und Dick & Doof als Pioniere des Stummfilms


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
29 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einführung

2. Der Stummfilm

3. Charlie Chaplin – Vom Waisenkind zur Filmlegende
3.1 Die Anfänge
3.2 Pionier des Stummfilms
3.3 Die Figur des kleinen Tramp

4. Dick & Doof – Ein unschlagbares Duo
4.1 Die Anfänge
4.1.1 Stan Laurel
4.1.2 Oliver Hardy
4.2 Der erste Kontakt
4.3 Gemeinsame Karriere
4.4 Eine klare Rollenverteilung

5. und dann kam der Ton
5.1 Charlie Chaplin – Ein Star geht unter
5.2 Dick & Doof
5.2.1 Nichts kann sie stoppen
5.2.2. Der langsame Abstieg

6. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis
Webseiten:

1. Einführung

Heutzutage sind Film und Fernsehen fest etablierte Medien des Alltags, aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts war das bewegte Bild etwas vollkommen Neues, die Aneinanderreihung zu einem Film eine „folgenschwere“ Erfindung. Noch nicht einmal Ton war anfangs vonnöten um die Menschen zu erreichen, vielmehr „schufen die Filmmacher im Hollywood der Stummfilmzeit etwas von so bleibendem Wert, daß es Kunst genannt werden kann.“ (Brownlow 1997, 23). Jene Anfangszeit des Films ist heute jedoch vor allem wegen ihrer herausragenden Schauspieler in Erinnerung geblieben. Allen voran Charlie Chaplin, der auch dank seiner liebenswert traumwandlerischen Figur des kleinen Tramp weltweit zum beliebtesten Komiker avancierte. Ihm in nichts nachstehend das Duo „Laurel & Hardy“, in Deutschland besser bekannt als „Dick & Doof“, das immer noch jeder kennt und dank der stereotypen, naiven Charaktere liebt.

Doch wie kam es dazu, dass gerade diese Schauspieler einen Ruhm erlangt haben, der auch heute – Jahre nach ihrem Tod – noch nahezu ungebrochen ist? Ein Überblick über die jeweiligen Lebensläufe und Karrieren soll im Folgenden über diese Entwicklung Aufschluss geben. Außerdem sollen besonders die Darstellung und der Umgang mit Humor eine genauere Betrachtung erfahren.

2. Der Stummfilm

Die ersten bewegten Filmbilder waren stumm, doch deswegen noch lange nicht minderwertig. Die Stummfilmzeit gilt noch heute als überaus erfolgreiche Epoche der Filmgeschichte und erlebte ihren Höhepunkt zwischen 1916 und 1928. Es war die Zeit als „American films became the principal, if not the only important source of supply for movie theatres.“ (Saunders 1987, 253) Hochburg war – damals wie heute – Hollywood, wo bereits im Oktober 1911 das erste Filmstudio eröffnet wurde (vgl. Brownlow 1997, 55). Doch auch in Europa ging die Entwicklung voran. „Deutschland, und speziell sein bedeutendster Regisseur Ernst Lubitsch, präsentierte schon kurz nach dem Krieg Filme von hoher Qualität“ (Brownlow 1997, 586) und sorgte damit für einige Unruhe bei amerikanischen Produzenten. Durch hohe Investitionen gewannen sie die deutschen Talente daher für ihre Projekte. Der zweite große Konkurrent Großbritannien, „das in der Anfangszeit des Kinos führend in der Welt war, wurde [...] durch den I. Weltkrieg stark zurückgeworfen.“ (Brownlow 1997, 591) Aus filmischer Sicht ein Glücksfall für Amerika, denn so kamen begabte Schauspieler und Techniker – wie zum Beispiel Charlie Chaplin und Stanley Jefferson – überhaupt erst ins Land. „Kaum vorzustellen, was hätte geschehen können, wenn diese Männer geblieben wären, um die englische Filmindustrie zu stärken.“ (Brownlow 1997, 591) Doch so dauerte es nicht lange, bis „the United States had emerged as the unrivaled center of world filmmaking.“ (Marantz Cohen 2001, 5)

Technisch gesehen war die Stummfilmzeit eine Epoche dauernder Neuerungen und Experimente. Fast alle heutigen Methoden gehen auf jene Anfänge des Films zurück. Brownlow (1997, 23) sieht hier den Erfolg: „Es waren nicht nur die Film-Stories oder die Stars, die der Leinwand ihre magische Wirkung verliehen. Es waren die Sorgfalt, die harte Arbeit, die Beharrlichkeit und das Können der Stummfilm-Techniker.“ Eins war jedoch überflüssig: Ton, „da die visuelle Sprache der Gesten und Minen keiner Übersetzung bedurfte.“ (Heinz 2005, 18)

Inhaltlich konzentrierten sich die Filme auf „the three primary film genres of comedy, western, and melodrama.“ (Marantz Cohen 2001, 11) Vor allem die Komödie erlebt durch die stumme Pantomime der Filme einen unvergleichlichen Aufschwung, denn Humor ist universell und kann ohne Worte besonders gut transportiert werden. Darüber hinaus verlieh die Improvisation den Filmen einen besonderen Charakter: „Die stummen Komödien besaßen jene wunderbare Spontaneität, weil sie normalerweise spontan waren“ (Brownlow 1997, 502), keiner der großen Komiker jener Zeit spielte nach einem Drehbuch. Dies wurde erst mit Erfindung des Tonfilms notwendig. Bis dahin war vor allem dem Humor keine Grenze gesetzt. Die Folge: „Audiences loved it. The idea that slapstick comedies might represent a new art form, however, was unlikely to have occurred to anyone.“ (Bowser 1990, 183) Andererseits muss auch festgehalten werden:

Insgesamt war die ganze Epoche eine erstaunliche Folge von glücklichen Zufällen und glänzenden Fügungen – von dem Augenblick, als Chaplin über seine unsterbliche Aufmachung als Tramp stolperte, bis hin zur zufälligen Besetzung von Oliver Hardy in einem Film mit Stan Laurel. (Brownlow 1997, 503)

3. Charlie Chaplin – Vom Waisenkind zur Filmlegende

3.1 Die Anfänge

Am 16. April 1889 wird Charles Spencer Chaplin in London geboren. Sowohl sein Vater Charles Chaplin als auch seine Mutter Hannah sind auf der Bühne zu hause:

„His father was a versatile vocalist and actor; and his mother, known under the stage name of Lily Harley, was an attractive actress and singer“ (http://www.charliechaplin.com/en/articles/21);

Berufe, die ihren Sohn nicht unberührt lassen sollten. Bevor der junge Chaplin allerdings wirklich von den Erfahrungen seiner Eltern profitieren kann, lassen sich diese scheiden. Sein Vater entzieht sich jeglicher Verantwortung, verweigert finanzielle Unterstützung und verfällt dem Alkoholismus. Chaplins Mutter verliert aufgrund emotionaler Probleme ihre Fähigkeit zur Schauspielerei und muss sie den Lebensunterhalt für Charlie und seinen älteren Halbbruder Sydney nun durch einfache Näharbeiten verdienen. Diesem Druck kann sie nicht lange stand halten. Sie erkrankt schwer und wird in den folgenden Jahren immer wieder in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Chaplin muss also schon früh lernen, was es bedeutet, auf sich allein gestellt zu sein. Er wohnt zwar für kurze Zeit bei seinem Vater, wächst aber vorwiegend in Waisenhäusern auf. Seine Kindheit ist daher vor allem eine sehr traurige und hoffnungslose Zeit. Eine harte Schule, die ihn aber erst zu dem späteren ehrgeizigen Schauspieler macht.

Der erste Gedanke an eine eigene Karriere kommt Chaplin bereits, als sein Bruder Sydney von zu hause fortgeht, um auf der Bühne zu arbeiten. 1899 fängt er mit zehn Jahren zwar erst einmal eine Friseurlehre an, tritt aber schon bald – dank des geerbten Talents – als Stepptänzer in Varietés auf. Außerdem wird er Mitglied bei den „Lancashire Lads“, wo er Geschmack an dem Leben als Künstler findet. Hier lernt er den ebenfalls noch sehr jungen Stanley Jefferson kennen, der später als Teil des Comedyduos „Laurel and Hardy“ ebenfalls Weltruhm erlangen soll.

Doch das Leben meint es weiterhin nicht gut mit Chaplin. Als er zwölf ist stirbt sein Vater, seine Mutter wird erneut in eine Klinik eingewiesen und sein Bruder ist auf Tournee. Doch der junge Charlie gibt nicht auf, sondern stürzt sich sprichwörtlich in die Arbeit. Sein Einsatz wird bald belohnt, er bekommt seine ersten Bühnenrollen und startet 1906 seine Karriere. Bei den „London Comedians“ spielt er verschiedene Pantomimen und entdeckt dabei vor allem sein Talent als Komiker. Später wird er Schauspieler bei der „Fred Karno Repertoire Company“, wo er erneut an der Seite von Stanley Jefferson spielt. 1910 geht das Team erstmals auf Tournee durch die USA. Doch zu diesem Zeitpunkt sieht keiner der Schauspieler seine Zukunft in Amerika. Erst bei der zweiten Reise 1912 entscheidet sich Chaplin zu bleiben, er sieht in der aufkommenden amerikanischen Filmindustrie seine große Chance. Und er soll recht behalten.

Bei einem Auftritt in New York wird Chaplin 1913 von dem Produzenten und Filmemacher Mark Sennett entdeckt und unter Vertrag genommen:

„Charlie Chaplin left the stage to join Mack Sennet's [sic] Keystone Films Studio, marking a milestone both in his own life and in the history of film.“ (http://www.clown-ministry.com/index_1.php?/site/articles/charlie_chaplin_biography_the_little_tramp_world_famous_tramp_clown)

Bereits in den ersten zwei Monaten tritt er in neun Filmen auf. Ein Tempo, das aus heutiger Sicht unmöglich erscheint, aber in jenen Anfangsjahren des Films durchaus normal war. Nach Chaplins erstem Auftritt in „Making a Living“ folgt „Kid Auto Races at Venice“, in dem er zum ersten Mal in seiner berühmt gewordenen Aufmachung mit zu weiten Hosen und einem zu engen Gehrock erscheint. Der Grundstein für die Figur des Tramps, des Landstreichers, ist gelegt. Chaplins Talent spricht für sich, der Weg zum Erfolg ist frei.

„Although Charlie Chaplin started at the Keystone company as a bit player, with the introduction of his world-famous tramp character he quickly exploded into a major star.“ (http://www.clown-ministry.com/index_1.php?/site/articles/ charlie_chaplin_biography_the_little_tramp_world_famous_tramp_clown)

3.2 Pionier des Stummfilms

Bis Ende 1914 dreht Chaplin die unglaubliche Zahl von 35 Filmen für Keystone und wird praktisch über Nacht bekannt. Auch andere Produzenten werden nun auf das junge Talent aufmerksam. Daher nimmt er nach Ende seines Vertrags mit Sennett das Angebot der neu gegründeten Produktionsfirma „Essanay Film Company“ in Kalifornien an. Hier entpuppt sich Chaplin nicht nur als begnadeter Komiker sondern auch als talentierter Regisseur und Produzent. Bereits mit 25 Jahren dreht er seinen ersten eigenen Film „Twenty Minutes of Love“. Von nun an schreibt er alle Drehbücher selbst und produziert insgesamt zwölf Filme, darunter einige von seinen bekanntesten Kurzfilmen, wie zum Beispiel „His new Job“, „A Night Out“ oder „In the Park“. Die Figur des Tramps entwickelt sich dabei stets weiter und wird mit der Zeit zu seiner Paraderolle.

Das folgende Jahr wird für Chaplin sogar noch erfolgreicher. 1916 gehört er mit 27 Jahren bereits unumstritten zu den bekanntesten Schauspielern der Welt, alle seine Filme sind Kassenschlager und von der noch unbekannten Produktionsfirma „Mutual“ bekommt er 670.000 Dollar für zwölf Filme.[1] Auch persönlich entwickelt sich der junge Mann weiter und weiß genau was er will. Als die USA im April 1917 in den 1. Weltkrieg eingreifen, beginnt in ganz Amerika sogar eine politische Kampagne gegen den ansonsten so beliebten Schauspieler, weil dieser sich nicht freiwillig als Soldat melden will. Stattdessen verfolgt er äußerst zielstrebig seine Karriere und

„decided to become an independent producer in a desire for more freedom and greater leisure in making his movies.“ (http://www.charliechaplin.com/en/articles/21)

Und wieder einmal setzt Chaplin seine Plane um. Trotz aller feindlicher Stimmen bietet ihm die „First National“ Anfang des Jahres 1918 für acht Filme die Rekordsumme von einer Million Dollar. Beim Dreh zu „A Dog's Life“ hat Chaplin außerdem zum ersten Mal die vollständige Kontrolle über jeden einzelnen Teil in der Filmentwicklung, ein weiterer Schritt in Richtung der kompletten Selbstständigkeit. Die Vollendung folgt bereits im selben Jahr, als seine eigenen „Chaplin-Studios“ in Hollywood eingeweiht werden. Auch privat steht eine wichtige Veränderung in Chaplins Leben an. Am 23. Oktober 1918 heiratet er die erst 17-jährige Mildred Harris, eine von insgesamt vier Ehefrauen in seinem Leben.

Charlie Chaplin began in his personal life a recurring, destructive pattern -- he chases (and frequently marries) a young woman, loses interest in her (being consumed by his creative energies), goes through a messy breakup (or divorce), typically impacting his professional life, and then repeats the pattern.

(http://www.clown-ministry.com/index_1.php?/site/articles/charlie_chaplin_ biography_the_little_tramp_world_famous_tramp_clown)

Doch vorerst geht es in Chaplins Leben weiter bergauf, das Jahr 1919 hält sowohl berufliche als auch private Freuden bereit. Einerseits erfährt seine Figur des kleinen Tramps die endgültige Reifung, andererseits schenkt ihm seine junge Ehefrau den ersten Sohn, der jedoch bereits nach drei Tagen stirbt. Wie früher flüchtet sich Chaplin auch nach diesem Verlust in die Arbeit „Few comic artists in any form have transformed such real-life misery into such consoling laughter as did Charlie Chaplin.“ (Green 1998, 127) Noch im selben Jahr gründet er zusammen mit anderen Schauspielern die Firma „United Artists“, die unabhängige Filmproduktionen ermöglicht. Bevor er diese Aufgabe angeht, muss Chaplin allerdings seinen Vertrag mit „First National“ erfüllen. Sein letzter Film ist ironischerweise „A Day's Pleasure“, in dem es um einen schönen Familientag am Strand geht. Obwohl Chaplin den Tod seines Sohnes zu verdrängen versucht, kann er sich den Konsequenzen nicht entziehen. Bereits 1920 zerbricht seine Ehe mit Mildred nach nur zwei Jahren, Chaplin zieht seine Karriere vor. Ein bitterer Scheidungsstreit sowie eine weitere öffentliche Kampagne gegen ihn folgen.

Hier zeigt sich allerdings erneut, dass anscheinend nichts und niemand Chaplins Karriere etwas anhaben kann. Im Februar 1921, also erst kurze Zeit nach all den unangenehmen Schlagzeilen, feiert sein erster Spielfilm „The Kid“ Premiere. Dieser macht Chaplin nun endgültig zu einer lebenden Legende und hilft ihm sowohl künstlerisch als auch finanziell weiter. Im September – quasi auf dem Höhepunkt seiner Karriere – nimmt er sich jedoch eine Auszeit und geht auf Europareise um etwas Abstand vom Filmgeschäft und von seinen privaten Verlusten zu bekommen. Doch egal wo er hinkommt, überall wird er als Filmstar frenetisch gefeiert. Sein Ruhm eilt ihm voraus und er hat keine Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu entziehen. Diese, für Chaplin sehr ergreifende, Erfahrung verarbeitet er daher sogar in einen Roman, „My Trip Abroad“.

[...]


[1] Chaplin dreht 1916 und 1917 folgende Filme für Mutual: „The Floorwalker“, „The Fireman“, „The Vagabond“, „One A.M.“, „The Count“, „The Pawnshop“, „Behind the Screen“, „The Rink“, „Easy Street“, „The Cure“, „The Immigrant“ und „The Adventurer“.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Humor ohne Worte: Charlie Chaplin und Dick & Doof als Pioniere des Stummfilms
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Humor in den Medien
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
29
Katalognummer
V85860
ISBN (eBook)
9783638018692
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Humor, Worte, Charlie, Chaplin, Dick, Doof, Pioniere, Stummfilms, Medien
Arbeit zitieren
Janine Gruschwitz (Autor), 2007, Humor ohne Worte: Charlie Chaplin und Dick & Doof als Pioniere des Stummfilms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85860

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