Walter Eucken, Begründer der Freiburger Schule, gilt als Urvater des deutschen Neoliberalismus und der sozialen Marktwirtschaft. Der Begriff „Neoliberalismus“ ist in der deutschen Gesellschaft ein negativ besetzter Begriff; er wird verbunden mit einer vollständigen Selbstverantwortlichkeit des Bürgers. Walter Eucken definiert das Eingreifen des Staates wie folgt: „Der Staat soll weder den Wirtschaftsprozess zu steuern versuchen, noch die Wirtschaft sich selbst überlassen…Der Staat muss deshalb durch einen entsprechenden Rechtsrahmen die Marktform - d.h. die Spielregeln, in denen gewirtschaftet wird, - vorgeben."
Eine wesentliche Frage, der sich die Freiburger Schule stellte, war die Frage von privater Macht in einer Gesellschaft. Inwieweit sind Unternehmen frei in ihrem Handeln und welche gesellschaftlichen Folgen ergeben sich aus einer liberalisierten Wirtschaft?
“Germany has a history of regulation. Traditionally the government has played a strong role in setting the institutional rules and implementing them… Things have to be orderly… quite a few Germans, probably a good majority of them, have a paternalistic view of the state as overseer and solver of problems.”
In dieser Hausarbeit dient die Privatisierung als Indikator für private Macht. Anhand eines Beispiels für Privatisierung, nämlich der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte, sollen die wirtschaftlichen Entwicklungen sowie gesellschaftliche Folgen aus dem Rückzug des Staates aus der Wirtschaft beschrieben werden.
Gliederung
1. Einleitung
1.1 Zweck und Grenzen dieser Arbeit
1.2 Allgemeines
1.3 Theorien von Eucken & Hayek
1.3.1 Euckens Position - Neolibralismus
1.3.2 Hayeks Position – Neoliberalismus
1.3.3 Der “starke” Staat
2. Hauptteil
2.1 Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte
2.1.1 Strompreisentwicklung
2.1.2 Gaspreisentwicklung
2.1.3 Konsequenzen für den Markt
2.2 Zusammenfassung
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, ob die als „unsozial“ wahrgenommene Tendenz zum Wirtschaftsliberalismus gerechtfertigt ist, indem sie die ordnungspolitischen Konzepte von Walter Eucken und Friedrich A. von Hayek analysiert und deren Wirksamkeit anhand der Privatisierung der Strom- und Gasmärkte empirisch überprüft.
- Ordnungstheoretische Positionen von Eucken und Hayek zum Neoliberalismus
- Die Rolle des Staates im Kontext des liberalisierten Marktes
- Analyse der Auswirkungen der Liberalisierung auf Strom- und Gaspreise
- Soziale Konsequenzen von Privatisierungsprozessen, insbesondere Entlassungen
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Euckens Position - Neolibralismus
Walter Eucken war der Meinung, dass eine Wirtschaftsordnung die Freiheit und Unabhängigkeit der Individuen ermöglichen und fördern sollte. Er wollte „eine Ordnung einer freien Gesellschaft“ kreieren. Ihm sagte also der Liberalismus wesentlich mehr zu als der Sozialismus. Eucken erkannte aber auch, dass private Macht die Freiheit der Vielen zugunsten der Beherrschung durch Wenige gefährdet und dass private Monopole, Kartelle und Verbände auch das politische System durchdringen und diskreditieren. Eucken stellt somit den puren Liberalismus (Laissez-Faire) insofern in Frage, als dass eine freiheitliche Wirtschaftsordnung nicht unbedingt zu einer freien Gesellschaft führen muss. Mit anderen Worten: Reiner Liberalismus kann durch die Bündelung von Wirtschaftsmacht in Unternehmen die Freiheit der Individuen gefährden.
Um diese im Laissez-Faire auftretenden Probleme zu vermeiden, soll der Staat laut Eucken in die Wirtschaft eingreifen können. Er soll dies aber nicht direkt durch wettbewerbsbeschränkende Maßnahmen wie Subventionen etc. tun, sondern indirekt durch die Aufstellung von gewissen Gesetzen („Spielregeln“), die grenzenlose Wirtschaftsmacht verhindern. Eucken widerspricht also der Theorie, dass sich der Markt komplett selbst regulieren kann, und ist der Meinung, dass der Markt vor der Schließung durch Kartellbildung geschützt werden muss, da die Wettbewerbsfreiheit Dritter beschränkt wird. Geschützt werden soll der Markt durch einen nach Eucken „starken“, aber unabhängigen Staat, der neutral, von Monopolen und Interessengruppen unabhängig, entscheiden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Definition von „unsozialem“ Handeln und stellt die Forschungsfrage nach dem staatlichen Eingreifen im Neoliberalismus.
2. Hauptteil: Dieser Teil belegt anhand der Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes die ökonomischen Folgen, wie Preisentwicklungen und Stellenabbau, und setzt diese in Bezug zur Markteffizienz.
3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Ziel der sozialen Gerechtigkeit durch die reine Privatisierung häufig nicht erreicht wird und ein staatlicher Rahmen nach Eucken/Hayek notwendig bleibt.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsliberalismus, Neoliberalismus, Walter Eucken, Friedrich A. von Hayek, Soziale Marktwirtschaft, Liberalisierung, Strommarkt, Gasmarkt, Privatisierung, Marktmacht, Staatliche Ordnung, Soziale Gerechtigkeit, Wettbewerb, Deregulierung, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Neoliberalismus und prüft kritisch, ob ein liberalisierter Markt zwangsläufig zu unsozialen Ergebnissen führt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Ordnungstheorien von Eucken und Hayek, die Rolle des „starken Staates“ sowie die praktischen Folgen der Energieversorgungs-Liberalisierung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob die Privatisierung von öffentlichem Eigentum und der Rückzug des Staates die soziale Sicherheit der Bürger gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Es wird ein theoretisch-normativer Ansatz gewählt, der durch die Auswertung empirischer Daten zur Preisentwicklung und Beschäftigung im Energiebereich ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte, deren Auswirkungen auf Endkundenpreise und die daraus resultierenden strukturellen Veränderungen in den Unternehmen.
Welche Schlagworte charakterisieren den Inhalt am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Neoliberalismus, Marktliberale Ordnung, Wettbewerb, soziale Gerechtigkeit und Privatisierungseffekte.
Warum wird die Privatisierung als Indikator für private Macht genutzt?
Die Privatisierung dient als Fallbeispiel, um zu beobachten, wie Unternehmen in einem deregulierten Umfeld agieren und ob sie die gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen können.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der „Pflanzen-Metapher“?
Die Metapher verdeutlicht, dass ein marktliberaler Prozess Zeit und staatliche „Pflege“ benötigt, da Wettbewerb nicht automatisch zu optimalen sozialen Ergebnissen führt.
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- Rabea Brietze (Author), Marc Dannbeck (Author), 2007, Ist der Wirtschaftsliberalismus unsozial?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85865