Personales Erzählen - Eingrenzen der Welt (Textbeispiele)


Seminararbeit, 2002
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Theoretische Einführung
1.1. Definition
1.2. Charakteristische Merkmale der personalen Erzählsituation
1.3. Die geschichtliche Entwicklung der personalen Erzählung bzw. des personalen Romans
1.4. Die drei typischen Erzählsituationen (laut Stanzel)
1.4.1. Die auktoriale Erzählsituation
1.4.2. Die Ich-Erzählsituation
1.4.3. Die personale Erzählsituation
1.5. Der Typenkreis (nach Stanzel)
1.5. Der Typenkreis (nach Stanzel)
1.6. Die drei Konstituenten der Erzählsituationen
1.7. Übergangsformen zur personalen Erzählsituation
1.7.1. Von der auktorialen zur personalen Erzählsituation
1.7.2. Von der Ich-Erzählsituation zur personalen Erzählsituation
1.8. Weitere Theorien
1.9. Die Verwirklichung des personalen Erzählverhaltens
1.9.1. Der innere Monolog
1.9.2. Die erlebte Rede
1.9.3. Der Bewusstseinsroman

2. Erarbeitete Beispiele
2.1. Anna Seghers: „Das siebte Kreuz“
2.1.1. Fakten und formale Kennzeichen des Buches
2.1.2. Die Autorin
2.1.3. Der Inhalt
2.1.4. Die Leseprobe
2.1.5. Die historischen Hintergründe bzw. der Bezug zur Realität
2.2. Elias Canetti: „Die Blendung“
2.2.1. Fakten und formale Kennzeichen des Buches
2.2.2. Der Autor
2.2.3. Der Inhalt
2.2.4. Die Leseprobe
2.2.5. Die historischen Hintergründe bzw. der Bezug zur Realität

3. Nachweise
3.1. Zitate
3.2. Literaturangaben
3.3. Abbildungsverzeichnis

1. Theoretische Einführung

1.1. Definition

„personal“

- die Person, den Einzelmenschen betreffend
- die Person (Träger eines durch ein Verb gekennzeichneten Geschehens) betreffend (Sprachwissenschaften) 1)

1.2. Charakteristische Merkmale der personalen Erzählsituation

- Der Erzähler mischt sich nicht in das Geschehen ein, er gibt keine Kommentare zum Besten, spricht nicht zum Leser (vgl. auktoriales Erzählverhalten)…

- Der Erzähler tritt hinter die Figur zurück, d.h., die Anwesenheit des Erzählers wird dem Leser nicht bewusst. Er sieht die Welt mit den Augen der Romanfigur, die dadurch erst zur „persona“ 2) bzw. zur Rollenmaske, die der Leser anlegt wird.

Dadurch kommt es beim Leser zu einem Gefühl der Unmittelbarkeit. Ihm wird die Illusion vermittelt, das Geschehen unmittelbar mitzuerleben.

Der personale Roman soll spontan, planlos… wirken, um das Gefühl der Unmittelbarkeit zu bestärken.

- Laut Henry James wird in der personalen Erzählsituation eine quasi-dramatische Illusion erzeugt, welche dem Drama aber insofern überlegen ist, da Wahrnehmungs- und Bewusstseinsprozesse der Perspektivfigur bzw. dem Reflektor mitgeteilt werden. Das Einmischen eines persönlichen Erzählers wäre demnach ein unerwünschter Illusionsbruch.
- Die szenische Darstellung überwiegt.
- Ebenso scheinen viele Dialoge, erlebte Reden, innere Monologe und Bewusstseinsspiegelungen (Darstellung des Geschehens im Bewusstsein einer Romanfigur) auf, welche zusätzliche Charakteristika der personalen Erzählsituation sind. „Im personalen Roman wird nicht eine Geschichte erzählt, so wie sie sich in der Phantasie oder der Einbildung eines persönlichen, d.h. von subjektiven Momenten bestimmten Erzählers einstellt, sondern Wirklichkeit dargestellt, d.h. szenisch vorgeführt oder im Bewusstsein einer Romangestalt gespiegelt.“ 3)

Die indirekte Rede hingegen würde den Erzähler stärker hervortreten lassen.

- Die Hauptfigur des personalen Romans ist kein Held, sie entspricht viel mehr dem Durchschnitt. Anfangs erscheint sie dem Leser wenig anziehend wenn nicht sogar nicht sympathisch, im Laufe der Handlung entwickelt der Betrachter jedoch Verständnis oder zumindest eine gewisse Toleranz für die Handlungs- und Denkweise der Hauptfigur.

1.3. Die geschichtliche Entwicklung der personalen Erzählung bzw. des personalen Romans

Der personale Roman ist durch das Zusammenwirken von auktorialem und Ich-Erzählstil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Von diesem Zeitpunkt an gewann der personale Roman immer mehr an Bedeutung. Sein Aufstieg wurde durch einige Faktoren besonders begünstigt:

- Durch das philosophische Prinzip Objektivierung, welches im Roman zur Dramatisierung wird.

Der personale Roman ist also „erzählerlos“ 4) in dem Sinn, dass der Erzähler und dessen Einstellung/ Gefühle nicht sichtbar werden. Es wird gezeigt, vorgeführt, dargestellt… Der personale Roman gleicht also einer Darstellung !

Der Leser im personalen Roman kann mit einem Zuschauer bei einem Schauspiel verglichen werden.

- Durch eine erzähltechnische Neuerung (Einhaltung einer bestimmten P erspektive).

- Durch ein neues Thema (Unterbewusstsein und Bewusstsein).

1.4. Die drei typischen Erzählsituationen (laut Stanzel)

1.4.1. Die auktoriale Erzählsituation

Die auktoriale Erzählsituation zeichnet sich durch eine Erzählerfigur, welche kommentiert, sich in das Geschehen einmischt, den Leser direkt anspricht und meist allwissend ist, aus.

Es herrscht der so genannte Erzählbericht vor; indirekte Reden und die Konzentration auf die Außenperspektive überwiegen. Weiters ist eine Nicht-Identität der Seinsbereiche typisch.

1.4.2. Die Ich-Erzählsituation

Wie bei der auktorialen Erzählsituation ist hier eine Erzählerfigur tätig. Allerdings ist dieser Ich-Erzähler mit einer Romanfigur identisch (Identität der Seinsbereiche). Unterschieden wird hier zwischen dem erlebenden Ich (mit verstärktem körperlichem Bezug) und dem erzählenden Ich. Beide Varianten bedienen sich vorwiegend der Innenperspektive.

1.4.3. Die personale Erzählsituation

Charakteristisch für das personale Erzählverhalten sind:

- Die Reflektorfigur:

Die Reflektorfigur fungiert entweder als Reflex (Beschreibung des Handlungsablaufs) oder als Reflexion (Bewusstseinswiedergabe); wobei bei letzterer eine starke Tendenz zum Bewusstseinsroman (detailreiche, assoziativ zergliedernde Erzählweise, direkte Rede, Beschreibung) spürbar wird.

Weiters stehen viele Dialoge, erlebte Reden, innere Monologe und eben besagte Bewusstseinswiedergaben in Verwendung.

- Die Nicht-Identität der Seinsbereiche:

Der Erzähler steht außerhalb der dargestellten Welt der Romanfiguren. Er ist nicht selbst in die Handlung involviert, sondern reflektiert das Geschehen nur (Er-Bezug). Daher wird der personale Roman oft als „scheinbar erzählerloser Roman“5) umschrieben.

- Das Überwiegen der Innenperspektive:

Der Horizont der personalen Reflektorfigur ist beschränkt, was sich schon alleine daraus ergibt, dass in erster Linie Erlebtes und Wahrgenommenes -also der Erfahrungsbereich der Perspektivfigur- reflektiert wird.

1.5. Der Typenkreis (nach Stanzel)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Allgemeinen ließen sich sechs Dominanzen unterscheiden, wobei aber nur die drei angeführten (Ich-, personale und auktoriale Erzählsituation) häufig aufscheinen, die anderen drei nur vereinzelt.

Diese drei typischen Erzählsituationen (Ich-ES, auktoriale ES, personale ES), welche sich aus der Kombination dieses Schemas ergeben, sind natürlich Idealformen. In der literarischen Realität scheinen hingegen etliche Mischformen, Zonen des Übergangs… auf.

Die personale Erzählsituation wird –wie bereits in Punkt 1.4. erwähnt- „primär durch die Dominanz einer Reflektorfigur [dramatischer Modus], sekundär einerseits durch das Überwiegen der Innenperspektive [interne Fokalisierung], andererseits durch die Nicht-Identität der Seinsbereiche, d.h. Er-Bezug [homodiegetisch] charakterisiert“7).

Dieser Typenkreis und die damit festgelegten Erzählsituationen können sich natürlich im Laufe der Zeit verändern. So könnte der innere Monolog mit seinem primären Überwiegen der Innenperspektive beispielsweise (z.B.: Samuel Beckett: innerer Monolog-Trilogie „Malloy“, „Malone dies“, „The Unnamable“) in den nächsten Jahren durchaus die Stellung einer typischen Erzählsituation erhalten.

1.6. Die drei Konstituenten der Erzählsituationen

Die drei Konstituenten sollen zusammen mit einem System von binären Oppositionen die Orientierung auf dem Typenkreis erleichtern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Allerdings ist auch der personale Roman meist nicht durchgehend personal verfasst; es handelt sich durchwegs um Mischformen!!!

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Personales Erzählen - Eingrenzen der Welt (Textbeispiele)
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Veranstaltung
Epikanalyse in Theorie und Praxis
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V85892
ISBN (eBook)
9783638033657
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personales, Erzählen, Eingrenzen, Welt, Epikanalyse, Theorie, Praxis
Arbeit zitieren
Claudia Braito (Autor), 2002, Personales Erzählen - Eingrenzen der Welt (Textbeispiele), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85892

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