Konstruktivismus und der klassische Bildungsbegriff


Hausarbeit, 2007
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Konstruktivismus
2.1 Definitionen
2.2 Geschichtlicher Rückblick
2.3 Arthur Schopenhauer und die Welt als Vorstellung
2.4 Jean Piaget und Wissen als Ergebnis von Anpassung
2.5 Ernst von Glasersfeld und Sprache als Zugang zur Wirklichkeit
2.6 Maturana und Varela und die Bedeutung des Erkennens
2.7 Heinz von Foerster und die kybernetische Wissenschaft
2.8 Paul Watzlawick und Wirklichkeit als Ergebnis von Kommunikation

3. Der klassische Bildungsbegriff
3.1 Der allgemeine Bildungsbegriff
3.2 Der klassische Bildungsbegriff am Beispiel Humboldts
3.2.1 Der Neuhumanismus
3.2.2 Humboldts Bildungstheorie

4. Konstruktivismus und klassischer Bildungsbegriff im Vergleich
4.1 Die Bedeutung der Sprache
4.2. Der Status der Bildung
4.3 Die Rolle des Individuums

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Bücher
6.2 URL`s

1. Einleitung

In dem Seminar „Nachhaltiges Lernen in der Erwachsenenbildung“ kam bei dem Thema „Konstruktivismus und Pädagogik“ die Frage auf, ob der Konstruktivismus mit dem klassischen Bildungsbegriff kompatibel ist.

Um dieser Frage nachzugehen habe ich die vorliegende Hausarbeit folgendermaßen aufgebaut:

Im ersten Teil der Arbeit gehe ich nach einer Definition der Begrifflichkeiten auf die geschichtliche Entwicklung des Konstruktivismus ein und werde im Folgenden die Standpunkte verschiedener Vertreter des Konstruktivismus vorstellen. Im zweiten Teil der Arbeit liegt der Schwerpunkt auf dem klassischen Bildungsbegriff der anhand Humboldts Bildungstheorie erläutert wird.

Im letzten Teil der Arbeit widme ich mich der Frage, ob der Konstruktivismus mit dem klassischen Bildungsbegriff kompatibel ist. Demnach suche ich nach möglichen Übereinstimmungen, die aus den jeweiligen Thesen diskutiert werden und zu einem Fazit zusammengefasst werden.

Anmerken möchte ich, dass in der vorliegenden Hausarbeit kein Unterschied zwischen dem Konstruktivismus und dem Radikalen Konstruktivismus hervorgehoben wurde, damit der Rahmen der Arbeit nicht gesprengt wird.

2. Der Konstruktivismus

2.1 Definitionen

Konstrukt (lat. construcio Zusammenfügung, Verbindung; engl. construct). Die gedankliche Zusammenfügung von Bedeutungen zu einem Begriff. Insofern Voraussetzung für jede bewusste Erfahrung. […]

(Schaub/Zenke 2004: 327-328)

Konstruktivismus Der Konstruktivismus ist […] eine Lerntheorie, der die subjektive Interpretation und Beteiligung beim Lernen betont. Nach ihm sind Wahrnehmungen […] Ergebnisse von individuell-subjektiven Konstruktionen. […] Die Methode des Konstruktivismus ist das Verstehen interner Prozesse. Hiernach vollzieht sich Lernen als aktive Wissenskonstruktion unter Einbezug von bestehendem Vorwissen. […]

(Schröder Jahr: 190)

Konstruktivismus bestimmte Richtung der →Wissenschaftstheorie, demzufolge die durch wissenschaftliche Forschung ermittelten Daten nicht als vom Forscher unabhängig betrachtet werden können. Vielmehr seien die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit als durch die Theorie und die Meßinstrumente des Wissenschaftlers konstruiert zu verstehen. […] Für radikale Konstruktivisten, wie Watzlawick oder Luhmann, gibt es keine Welt, die unabhängig vom Bewusstsein der erkennenden Subjekte existiert. Erkenntnistheorie und Wirklichkeitstheorie fallen hier zusammen. Implizit liegt dem Radikalen K. ein Bild des Menschen zugrunde, das diesen als System ohne reale Außenbeziehungen versteht, das nur mit sich selbst, seinen internen Zuständen interagiert. Insofern wird dem Radikalen K. unzulässiger Reduktionismus vorgeworfen. Insgesamt liegt die Gefahr des K. darin, daß er Theorien grundsätzlich gegen jede Kritik immunisiert. […]

(Stimmer Jahr: 396)

2.2 Geschichtlicher Rückblick

Der italienische Geschichtsphilosoph Giambattista Vico (1668-1744) kann sinnbildlich als der Vater des Konstruktivismus bezeichnet werden, denn er schrieb in seinem Hauptwerk „Principj di scienza nuova d'intorno alla commune natura delle nazioni“: „Verum quia factum“(das Wahre ist dasselbe wie das Gemachte).

Dieser neuheitliche Gedanke besagt, nur das was wir selbst gemacht haben ist als wahr erkennbar oder anders formuliert das was wir für wahr halten, ist durch unsere Gedanken konstruiert worden. Mit dieser Aussage widersprach Vico dem französischen Naturwissenschaftler René Descartes und dem von ihm begründeten Cartesianismus. Descartes hielt für wahr, was der Mensch so deutlich erkennt, dass daran nicht gezweifelt werden kann. Für Vico hatte das Prinzip Descartes keinen Bestand, denn er vertrat die Meinung, dass der Mensch die Objekte seiner Erkenntnis selbst gestaltet. Gegenstände präsentieren sich dem Menschen nicht als objektiv, sondern sie werden subjektiv wahrgenommen und erkannt.

Vico bringt erstmals das Element der Dynamik in den Prozess der Erkenntnis ein, denn für ihn stand nicht die bisher gültige geometrische Methode der menschlicher Erkenntnis im Vordergrund, sondern die Ursprünge und die Entwicklungen der Phänomene selbst. Mit seinem neuen Verständnis von der Theorie der Erkenntnis prägte Vico den Begriff des Konstruktivismus maßgeblich.

Der Ansatz von Vico wurde von verschiedenen Persönlichkeiten weiterentwickelt.

2.3 Arthur Schopenhauer und die Welt als Vorstellung

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1778-1860) vertrat die Auffassung, dass der Welt ein irrationales Prinzip zugrunde liegt. Gemeint ist damit zum einen, dass die menschliche Vernunft nicht in der Lage ist, eine hinreichende Erkenntnis der Welt zu erwerben und zum anderen das für die rationale Unerkennbarkeit der Welt eine irrationale Struktur der Wirklichkeit selbst verantwortlich ist. Damit können vom menschlichen Verstand keine Gesetzmäßigkeiten oder Zusammenhänge der objektiven Realität erfasst werden. Die Rationalität ist daher keine Methode um zu wahren Erkenntnissen zu gelangen. Da nach Schopenhauer keine von der Wahrnehmung unabhängige Außenwelt existiert kommt er dabei mit einem der obersten Leitsätze des Konstruktivismus überein. Dieser besagt, dass es keine vom Beobachter unabhängige Wirklichkeit gibt. Und so schreibt Schopenhauer:

„'Die Welt ist meine Vorstellung:' – dies ist eine Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt; wiewohl der Mensch allein sie in das reflektierte, abstrakte Bewusstsein bringen kann: und tut er dies wirklich, so ist die philosophisch Besonnenheit bei ihm eingetreten.“ (Schopenhauer 1986: 31)

In Schopenhauers Physiologie der Wahrnehmung, entsteht die Wirklichkeit im menschlichen Bewusstsein und wird durch die Vorstellungen vom Menschen selbst konstruiert. Das bedeutet, dass es keine Wirklichkeit schlechthin gibt – also keine objektive Wahrheit, sondern viele subjektive konstruierte Wirklichkeiten. Daraus resultiert wiederum, dass es kein Objekt ohne ein Subjekt geben kann, also kein zu beobachtender Gegenstand ohne einen Beobachter.

2.4 Jean Piaget und Wissen als Ergebnis von Anpassung

Der schweizerische Entwicklungspsychologe und Epistemologe Jean Piaget (1896-1980) legte den Grundstein für die Entwicklung des Radikalen Konstruktivismus. Er näherte sich der Frage wie Wissen aufgebaut ist, in dem er die kognitive Entwicklung bei Kindern untersuchte. So gelangte er zu der Erkenntnis, dass Wissen zunächst von jedem Individuum selbst aufgebaut werden muss. Piaget verstand unter dem, was wir als „Wissen“ bezeichnen, aber nicht die exakte Abbildung der Wirklichkeit, sondern sagte, dass die kognitiven Strukturen das Ergebnis von Anpassung sind. Piaget unterscheidet zwei verschiedene Formen der kognitiven Anpassung („Adaption“): Assimilation und Akkomodation. Beide sind komplementäre funktionale Prozesse, die eine Anpassung des eigenen Verhaltens an die Außenwelt und eine Anpassung der Außenwelt an das eigene Verhalten begrifflich erfassen.

2.5 Ernst von Glasersfeld und Sprache als Zugang zur Wirklichkeit

Der österreichisch-amerikanische Philosoph Ernst von Glasersfeld (*1917) gilt neben Heinz v. Foerster, Paul Watzlawick u.a. als Begründer des radikalen Konstruktivismus. Seine Wissenstheorie basiert auf Piagets Modell der Entwicklungspsychologie. Schon in seiner Kindheit lernte von Glasersfeld durch mehrere Wohnortwechsel und durch seine Eltern verschiedene Sprachen und erkannte, dass sich durch jede Sprache ein anderer und neuer Zugang zur Welt eröffnet. Der Mensch sieht und beschreibt Welt mit den ihm Verfügung stehenden Worten. In jeder Sprache gibt es unterschiedliche Begriffe und verschiedene Möglichkeiten die menschlichen Erfahrungen in Worte auszudrücken. Das heißt jede Sprache bietet eigene begriffliche Welten, und wenn der Mensch nur einer Sprache mächtig ist, dann begrenzt ihn das in seiner Weltanschauung. Damit erkannte von Glasersfeld schon in jungen Jahren den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken und damit zwischen Sprache und Erkennen.

Von Glasersfeld ist der Ansicht, dass man den Konstruktivismus aber nur dann zu einem Teil seinen eigenen Verstehens machen kann, wenn der Mensch bereit ist, sein bisheriges Verständnis von den Begriffen „Wissen“, „Wahrheit“, „Kommunikation“ und „Verstehen“ zu verändern – da der Konstruktivismus mit keiner traditionellen Erkenntnistheorie Gemeinsamkeiten aufweist. Hier führt er zum Beispiel die Besonderheit an, dass der radikale Konstruktivismus nicht versucht ein endgültiges Bild der Welt zu verkünden. Er stellt stattdessen eine Methode dar, sich den Problemen des Wissens und des Erkennens zu nähern. Basierend auf der Annahme dass das was wir „Wissen“ nennen nur in unseren Köpfen existiert und etwas ist, das wir nur durch eigene Erfahrungen konstruieren konnten. Das menschliche Wissen kann also nur in Beziehung zur Erlebniswelt des Subjekts betrachtet werden. Diese Art der Betrachtung führt zu dem Ergebnis, dass das was das Individuum aus seinen Erfahrungen macht, die Welt bildet, in der es bewusst lebt. (vgl. von Glasersfeld 1995:22)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Konstruktivismus und der klassische Bildungsbegriff
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Pädagogik, Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung)
Veranstaltung
Nachhaltiges Lernen in der Erwachsenenbildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V85904
ISBN (eBook)
9783638009997
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit analysiert, ob der klassische Bildungsbegriff mit dem Konstruktivismus kompatibel ist.
Schlagworte
Konstruktivismus, Bildungsbegriff, Nachhaltiges, Lernen, Erwachsenenbildung
Arbeit zitieren
Katharina Glaser (Autor), 2007, Konstruktivismus und der klassische Bildungsbegriff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85904

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