Politische Theorie der Weltgesellschaft: Kosmopolitismus

Diskussion von David Helds Konzept der kosmopolitischen Demokratie


Hausarbeit, 2007
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ethische und moralische Grundlagen
2.1. Metaprinciple of Autonomy
2.2. Metaprinciple of Impartialist Reasoning
2.3. Kosmopolitische Werte

3. Die Notwendigkeit einer neuen politischen Ordnung und deren Ausgestaltung

4. Kritische Betrachtung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Zeiten einer immer stärkeren wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Vernetzung der Welt , sind eine Vielzahl politischer Theoretiker damit befasst, den Gedanken einer Weltgesellschaft und eines globalen politischen Systems neu zu fassen. In diesen Ansätzen wird meist Kants Weltbürgertum weiterentwickelt, doch die ursprüngliche Idee des Kosmopolitismus[1] reicht zurück bis zur Philosophie der Stoa. Hier konstatierte man erstmals, dass die Vernunft jedem Menschen zu eigen ist und ersann eine globale Gemeinschaft, die sich durch dieses Merkmal auszeichnete. Indirekt bestand außerdem die Absicht, die Relevanz damaliger politischer System zu relativieren und diese zu kritisieren.[2]

Über die Jahrhunderte entwickelte sich der moralische Grundgedanke weiter, wurde mittels der Menschenrechte sowohl spezifiziert als auch erweitert und schließlich im internationalen Recht kodifiziert. Das Gesamtkonzept des Kosmopolitismus entwickelte sich bis heute weiter, so dass mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze zur Betrachtungsweise einer globalen Ordnung und dem Sinn und Zweck einer solchen bestehen. Unterschieden wird in erster Linie zwischen moralische m und politische m , kulturelle m und ökonomische m , strikte m und moderate m Kosmopolitismus.[3] Die Variationsvielfalt ließe sich noch weiter auffächern, doch so unterschiedlich die Theorien auch sein mögen, gemeinsam ist allen der Versuch „die kulturelle, legale und ethnische Basis einer politischen Ordnung in einer Welt zu garantieren, in der politische Gemeinschaften und Staaten von Bedeutung sind, diese aber nicht ausschließlich und allein“[4].

Der Autor dieses Zitats – der zwar dem politischen Kosmopolitismus zugeordnet wird, aber selbst versucht verschiedene kosmopolitische Ansätze in seine Arbeit einfließen zu lassen – hat die Vorrangigkeit einer auf individuellen Rechten basierenden Weltordnung hervorgehoben und entwickelte auf der Basis demokratischer Grundwerte eine neue Idee der globalen politischen Gemeinschaft, die am Ursprung der Stoiker ansetzt und eine ausschließlich durch Nationalstaaten getragene politische Ordnung in Frage stellt. Er sieht aufgrund zunehmender Vernetzung der Welt – und dies in jeglicher Hinsicht – die Souveränität der Menschen übergangen und die Legitimität der Staaten schwinden. Die für eine liberal demokratische Welt unbedingt notwendige Symmetrie und Kongruenz zwischen Entscheidungsträgern und Empfängern ist durch die Globalisierung in Schieflage geraten. Eine in diesem Sinne gerechte Welt, die das Individuum und die Menschenrechte in den Vordergrund stellt, ist nach David Held nur durch ein restrukturiertes Institutionengefüge im Sinne der ‚kosmopolitischen Demokratie’ möglich.

Diese Arbeit will nun Helds Ansatz des Kosmopolitismus ergründen, normativen Ursprünge aufdecken und den Weg über die Universalisierung dieser, hin zur Schaffung einer kosmopolitisch gerechten Weltordnung nachvollziehen und kritisch betrachten. So werden zunächst die moralischen und ethischen Grundlagen der kosmopolitischen Demokratie erklärt, um anschließend die kosmopolitischen Werte anhand einer systematischen Auflistung von Helds Prinzipien darzustellen. Nachdem die Notwendigkeit einer neuen politischen Ordnung beleuchtet worden ist, soll konstruktive Kritik geübt und besonders anhand der Konzepte von Habermas und Höffe ein Kernproblem der kosmopolitischen Demokratie aufgezeigt werden.

2. Ethische und moralische Grundlagen

2.1. Metaprinciple of Autonomy

Das Fundament durch das die kosmopolitische Demokratie gerechtfertig werden kann, oder anders ausgedrückt, das egalitaristische, liberal demokratische Menschenbild, das nicht nur Helds Konzept, sondern jeglichem demokratischen Konzept zugrunde liegt, ist durch das Prinzip der Autonomie[5] umschrieben. Held setzt stark an Kants Werk an, welcher diese s Prinzip als „das alleinige Prinzip aller moralischen Gesetze und der ihnen gemäßen Pflichten”[6] kennzeichnet. Das Konzept der Autonomie begründet sich im Individualismus und ist nicht weiter zu rechtfertigen, sondern erstreckt sich vielmehr durch die Vernunft, welche als Grundlage zum Handeln in jeglicher Hinsicht gilt.

Held leitet aus dem MPA grundlegende Eigenschaften einerseits für die Individuen und andererseits für das politische System ab. Ein Mensch kann selbstbewußt, selbstreflexiv und selbstbestimmend[7] urteilen.[8] Außerdem erschließt sich aus dem MPA die Bedingung für eine jede politische Gemeinschaft, einen “fairen Rahmen” zu bilden, welcher begrenzend und zugleich ermöglichend ist.

Im Idealfall entspringt aus dieser Idee des fairen Rahmens eine Regierung, die durch eine rechtlich verankerte Machtstruktur begrenzt wird, wie es zumeist in einem modernen demokratischen Staat praktiziert wird.[9]

Eine tatsächliche Verwirklichung des MPAs kann jedoch nur geschehen, wenn eine symmetrische und kongruente Beziehung zwischen Entscheidungsträgern und Empfängern besteht.[10] Weicht ein politisches System hiervon ab, besteht die Gefahr von Fremdentscheidung, was einem Aspekt des MPAs, der Selbstbestimmung, zuwider läuft.

[...]


[1] Von griechisch ’kosmos’ (Universum, Ordnung, Weltordnung) und ’polis’ (Stadt, Burg, Gemeinde); nach Schmidt 2004: 390. Der Ursprung des Begriffs kann aber auch in dem griechischen Wort ’kosmopolitês’ (Weltbürgertum) gesehen werden; vgl. Kleingeld/Brown 2006.

[2] vgl. Llanque 2007: 112

[3] Kleingeld/Brown 2006

[4] vgl. Held 2003: 167f.

[5] im Folgenden “MPA“

[6] Kant 1906: 43

[7] im Original: „self-conscious, self-reflective, self-determining“. Held 1995: 146

[8] Dies trägt nicht nur Chancen für den Einzelnen mit sich, sondern auch Pflichten und Rechte, die allesamt beachtet werden müssen, um die Autonomie der anderen nicht einzugrenzen.

[9] vgl. Held 2005: 147

[10] nähere Erläuterungen hierzu im dritten Kapitel

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Politische Theorie der Weltgesellschaft: Kosmopolitismus
Untertitel
Diskussion von David Helds Konzept der kosmopolitischen Demokratie
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V85907
ISBN (eBook)
9783638043403
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische, Theorie, Weltgesellschaft, Kosmopolitismus
Arbeit zitieren
Till Ludwig (Autor), 2007, Politische Theorie der Weltgesellschaft: Kosmopolitismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85907

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