[...]Diese Arbeit will nun Helds Ansatz des Kosmopolitismus ergründen, normativen Ursprünge aufdecken und den Weg über die Universalisierung dieser, hin zur Schaffung einer kosmopolitisch gerechten Weltordnung nachvollziehen und kritisch betrachten. So werden zunächst die moralischen und ethischen Grundlagen der kosmopolitischen Demokratie erklärt, um anschließend die kosmopolitischen Werte anhand einer systematischen Auflistung von Helds Prinzipien darzustellen. Nachdem die Notwendigkeit einer neuen politischen Ordnung beleuchtet worden ist, soll konstruktive Kritik geübt und besonders anhand der Konzepte von Habermas und Höffe ein Kernproblem der kosmopolitischen Demokratie aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ethische und moralische Grundlagen
2.1. Metaprinciple of Autonomy
2.2. Metaprinciple of Impartialist Reasoning
2.3. Kosmopolitische Werte
3. Die Notwendigkeit einer neuen politischen Ordnung und deren Ausgestaltung
4. Kritische Betrachtung
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Ansatz der kosmopolitischen Demokratie nach David Held, indem sie dessen normative Grundlagen erarbeitet, die Notwendigkeit einer globalen politischen Ordnung analysiert und das Konzept einer kritischen Prüfung durch renommierte theoretische Gegenpositionen unterzieht.
- Normative und ethische Grundlagen der kosmopolitischen Demokratie
- Systematische Darstellung der acht kosmopolitischen Prinzipien
- Die Notwendigkeit einer neuen globalen politischen Ordnung angesichts der Globalisierung
- Kritische Analyse der institutionellen und gesellschaftlichen Umsetzbarkeit
- Diskussion der Konzepte von Habermas und Höffe im Vergleich
Auszug aus dem Buch
2.3. Kosmopolitische Werte
Ausgehend von der Universalität des normativen Kerns erstellt Held weitere ‘kosmopolitische Prinzipien’, die die “Grundlage darstellen, auf der der Anspruch eines jeden Menschen, über die Institutionen mitzubestimmen, die sein Leben beeinflussen, geschützt und gefördert werden kann”. Diese Werte sind komplex und lassen sich kaum vollständig formulieren. Held versucht dies jedoch durch die Definition von acht zentralen Prinzipien, welche miteinander verbunden sind und sich teilweise überschneiden.
Das erste Prinzip, ’gleicher Wert und gleiche Würde’, manifestiert den Umstand, dass jeder Mensch den selben moralischen Status inne hat. Es hebt die Einzelperson hervor und stellt diese in den Mittelpunkt jeglicher moralischer Argumentation; Staaten bzw. politische Gemeinschaften sind zweitrangig und die moralische Bedeutung dieser wird begrenzt. Die Handlungsanweisung, die diesem Grundprinzip des egalitaristischen Individualismus entspringt, bringt Nussbaum auf den Punkt: “One should always behave so as to treat with equal respect the dignity of reason and moral choice in each and every human being”.
Direkt hier entspringt das zweite Prinzip, ‚aktive Selbstbestimmung’. Man muss erkennen, dass die Bedingungen des sozialen Lebens – sowohl öffentlich als auch privat – nicht statisch, sondern veränderbar sind. So beinhaltet dieses Prinzip die Möglichkeit im eigenen Umfeld selbstbewusst, selbstreflexiv und selbstbestimmend (s.O.) zu handeln und zugleich die Pflicht darauf zu achten, mit dem eigenen Handeln nicht die Möglichkeiten anderer zu beschneiden.
Das dritte Prinzip, ’persönliche Verantwortlichkeit und Rechenschaftspflicht’, setzt die vorhergehenden Prinzipien in Zusammenhang und spiegelt die Vielfalt der Menschen wider. Es besagt, dass Menschen unterschiedliche soziale, ökonomische oder kulturelle Ziele verfolgen, die allesamt legitim sind und beachtet werden müssen. Sie sind allerdings nur so lange legitim, wie die ersten beiden Prinzipien beachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik des Kosmopolitismus unter Einbezug historischer Wurzeln und der Notwendigkeit, politische Systeme angesichts globaler Vernetzung neu zu denken.
2. Ethische und moralische Grundlagen: Erläuterung der normativen Fundamente, insbesondere der Metaprinzipien der Autonomie und der objektiven Argumentation sowie der acht spezifischen kosmopolitischen Prinzipien.
3. Die Notwendigkeit einer neuen politischen Ordnung und deren Ausgestaltung: Analyse der normativen und empirischen Gründe für ein globales Mehrebenensystem, das den Nationalstaat ergänzt und demokratische Legitimität auf verschiedenen Ebenen sichert.
4. Kritische Betrachtung: Diskussion der Kritikpunkte von Theoretikern wie Saward, Dahl, Wendt und Mouffe, die sich insbesondere auf die institutionelle Durchführbarkeit und das idealistische Menschenbild des Konzepts beziehen.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die das Modell trotz bestehender Legitimitäts- und Umsetzungsprobleme als anstrebenswerte Antwort auf die Herausforderungen der Weltgesellschaft bewertet.
Schlüsselwörter
Kosmopolitismus, Kosmopolitische Demokratie, David Held, Globalisierung, Politische Theorie, Weltgesellschaft, Metaprinzipien, Souveränität, Legitimität, Politische Ordnung, Menschenrechte, Individuum, Mehrebenensystem, Demokratische Prinzipien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der „kosmopolitischen Demokratie“ nach dem Politikwissenschaftler David Held und untersucht dessen normative Grundlagen sowie seine politische Umsetzbarkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ethischen Grundlagen des Kosmopolitismus, die Auswirkungen der Globalisierung auf den Nationalstaat sowie die Legitimität globaler politischer Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den normativen Kern von Helds Theorie zu ergründen, den Bedarf an einem globalen politischen System aufzuzeigen und kritische Einwände aus der politikwissenschaftlichen Debatte zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politiktheoretische Analyse, die auf einer Literaturdiskussion und einer systematischen Rekonstruktion sowie kritischen Reflexion der argumentativen Struktur von David Held basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die moralischen Grundlagen (Metaprinzipien) und die acht kosmopolitischen Werte erläutert, gefolgt von einer Begründung für eine neue politische Ordnung und einer detaillierten kritischen Auseinandersetzung mit Gegenpositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kosmopolitismus, Weltgesellschaft, Souveränitätsdefizit, Demokratische Prinzipien und Globales Regieren geprägt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen dem moralischen und dem politischen Kosmopolitismus eine Rolle?
Held integriert verschiedene Ansätze in sein Konzept, wobei er den moralischen Kosmopolitismus als ethisches Fundament für die politische Gestaltung einer global gerechten Ordnung nutzt.
Welchen Stellenwert räumt der Autor der Rolle des Individuums in der kosmopolitischen Demokratie ein?
Das Individuum bildet den Ausgangspunkt und die Basis, da alle politischen Entscheidungen, selbst auf globaler Ebene, letztlich an den Bedürfnissen und der Autonomie des Menschen gemessen werden müssen.
Welches zentrale Argument führen Kritiker wie Alexander Wendt gegen Helds Modell an?
Kritiker wie Wendt warnen vor einer „Tyrannei der Mehrheit“, bei der mächtige kulturelle Gruppen ihre Interessen auf globaler Ebene durchsetzen könnten, was die Legitimität des Systems untergraben würde.
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- Till Ludwig (Author), 2007, Politische Theorie der Weltgesellschaft: Kosmopolitismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85907