Zwischen Provokation und Empathie - Daily Talkshows im Vergleich


Hausarbeit, 2007

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0.0 Einleitung

1.0 Allgemeine Informationen zum Thema Talkshow
1.1 Der Begriff Talkshow
1.2 Die Rolle des Moderators
1.3 Die Rolle des Experten
1.4 Die Rolle der Gäste
1.5 Formulierung des Titelthemas und sprachliche Besonderheiten
1.6 Die Ziele der Talkshows
1.7 Die Analyse einer Talkshow- Theorie

2.0 Analyse: Zwischen Provokation und Empathie- Die Oliver Geissen Show vs. Vera am Mittag
2.1 Die Oliver Geissen Show: Pustekuchen- Im Bett ist die Luft raus
2.2 Vera am Mittag: Verrückt- Ein Kind um jeden Preis

Bibliographie

0.0 Einleitung

Wenn man sich einmal umhört, so will kaum einer zu den Konsumenten von so genannten Daily Talks gehören. Sie werden gemeinhin als Unterschichtenfernsehen bezeichnet, die Themen seien niveaulos, die Gäste asozial. Doch woher kommt der Erfolg der Talkshowformate der privaten Sender? Die Einschaltquoten sind doch beachtlich- dafür, dass niemand die Shows gucken will. Oder ist es nur eine bestimmte „soziale Schicht“, die die Einschaltquoten hoch treibt? Allein schon die Sendezeiten dieser Shows- nämlich meist am frühen Nachmittag- machen es für die arbeitende Bevölkerung eigentlich unmöglich, sich die Shows anzusehen.

Die vorliegende Arbeit wird sich mit dem Phänomen Talkshow beschäftigen und unter dem Aspekt „Daily Talks- Zwischen Provokation und Empathie“ eine Analyse zweier Talkshows im deutschen Fernsehen vornehmen.

Der erste, allgemeine Teil dieser Arbeit soll einen Überblick über das Genre der Talkshow vermitteln. Ich werde erläutern, was unter einer Talkshow an sich zu verstehen ist, und zudem die Zusammenhänge zwischen Moderator, Gästen, Publikum und Experten herausstellen, indem ich die verschiedenen Rollen erläutere.

Der folgende zweite Teil besteht aus einer vergleichenden Analyse zweier Talkshows. Entsprechend dem Thema der Analyse „Zwischen Provokation und Empathie“ habe ich zwei Shows ausgewählt, die meiner Meinung nach diese Komponenten deutlich vertreten. Die Oliver Geissen Show steht hierbei eher für das Merkmal der Provokation. Das Konzept der Show benötigt einen Moderator, der in seiner Rolle forsch und provokant agiert, um das Publikum bestmöglich zu unterhalten. Für das Merkmal Empathie hingegen habe ich die Sendung Vera am Mittag gewählt. Die Moderatorin Vera verkörpert eine mitfühlende, verständnisvolle, tröstende, aber trotzdem sachliche und meist neutrale Gesprächspartnerin für die Gäste. Das Konzept der Sendung beruht weit mehr auf Emotionen und persönlichen Schicksalen. Bei der Analyse werde ich besonders auf das kommunikative Verhalten der Moderatoren eingehen. Hierbei betrachte ich außerdem vergleichend die beiden Moderatoren und ihre Rollen, die sie einzunehmen haben. Außerdem werde ich versuchen, das Ziel der beiden Talkshows anhand des Verhaltens der Moderatoren herauszustellen.

Anmerken möchte ich an dieser Stelle außerdem, dass natürlich immer auch die Moderatorinnen mit einbezogen sind, wenn ich von Moderatoren spreche.

1.0 Allgemeine Informationen zum Thema Talkshow

1.1 Der Begriff Talkshow

„Die Basis einer guten Talkshow ist immer die gleiche: Es geht um Menschen, die eine Geschichte erzählen wollen. Um ihre Beziehungen, Probleme, soziale Ungerechtigkeiten etc.“ So Iris Stelzner, die Leiterin des Bereichs Talk von ProSieben, über die Talkshows des Senders.[1]

Eine Talkshow ist eine Unterhaltungssendung in Form eines Gesprächs oder einer Diskussion, die im Fernsehen ausgestrahlt wird. Der Begriff Talkshow stammt aus den USA, wo diese Form der Unterhaltungssendung in den 1950er Jahren entstand. Das Gespräch findet dabei zu einem vorgegebenen Thema zwischen Moderator und Gast statt, oder als Diskussion zwischen mehreren Talkgästen. Insgesamt wird die Diskussion jedoch meist durch den Moderator gelenkt. Es stehen viele unterschiedliche Sendeformate hinter dem Begriff Talkshow, denen man jedoch gemeinsame Merkmale zuordnen kann. So zum Beispiel, dass die Sendung meist nach dem Moderator benannt ist, welcher die Leitung der Diskussion oder des Gesprächs übernimmt. Es lässt sich ein Muster bei der Auswahl und Formulierung der Themen erkennen, auf welches ich später ausführlicher eingehen werde. Beim Sendeformat der Talkshow steht nicht, wie im Fall von Reportagen oder Nachrichtenmagazinen, die Informationsvermittlung im Vordergrund. Talkshows dienen in erster Linie der Unterhaltung und haben kaum Informationswert für den Zuschauer. Diese Unterhaltung erfolgt meist in Form von spontanem oder inszeniertem Handeln der Talkgäste, die sich und ihr Leben oder ihre Probleme zur Schau stellen. Die Gäste präsentieren Geschichten aus ihrem Leben möglichst authentisch, vor laufender Kamera. Emotionen, Skandale, Katastrophen oder Sensationen jeder Art sind Thema der Shows.

Es lässt sich jedoch unterschieden zwischen seriöseren und weniger seriösen Talkshows. Das oben beschriebene Format gehört eher zu den weniger seriösen, mehr niveaulosen Sendungen.

Die seriösen, eher niveauvollen Talkshows laufen meist wöchentlich und überwiegend im Abendprogramm. Sie zeichnen sich durch intellektuell anspruchsvollere Themen wie Politik, Wirtschaft oder Kultur aus. Zu den Talkgästen zählen zudem häufig Politiker und/oder Prominente. Die meist weniger anspruchsvollen und angesehenen Talkshows werden von Montags bis Freitags im Tagesprogramm gezeigt, daher heißen sie auch Daily Talks. Hier geht es hauptsächlich um triviale Alltagsthemen oder persönliche, emotionale Schicksale. Selbst das Intimste wird verraten, Emotionen werden hoch geputscht, um die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen.

Diese Art von trivialem Talk zeichnet sich durch eine hohe Konfrontationsbereitschaft der Gäste aus. Der Talk verwandelt sich nicht selten in Streit, was auch daran liegt, dass bewusst die gegensätzlichsten Persönlichkeiten mit extrem unterschiedlichen Meinungen eingeladen werden, um bewusst ein Eskalieren der Diskussion zu provozieren. Nicht selten werden die Gäste verbal angegriffen oder vom Publikum ausgebuht und beleidigt. Zu dieser Art Talkshow gehören z.B. Andreas Türck, Arabella, Britt, sowie Die Oliver Geissen Show und Vera am Mittag. Unzählige dieser Formate gab und gibt es mittlerweile. Produziert und gesendet werden diese meist von privaten Sendern wie RTL oder ProSieben/Sat.1. Auf Niveau und intellektuellen Anspruch wird in der Regel verzichtet.

Bedingt durch die Sendezeiten der Daily Talks, nämlich Montag bis Freitag, meist am frühen Nachmittag, spricht ein solches Sendeformat ein ganz bestimmtes Publikum an. Programmtechnisch gesehen ist die Sendezeit eher Nebenzeit. Das zu dieser Sendezeit angesprochene Publikum besteht also zum Großteil aus Arbeitslosen oder Rentnern. Bezieht man nun die Tatsache mit ein, dass derartige Daily Talks eher niveaulose Themen und Diskussionsbeiträge bieten, so kommt schnell der Verdacht auf, dass es sich bei dieser Art Talkshow um so genanntes Unterschichtenfernsehen handelt. Jedoch waren Talkshows, trotz großer Kritik, über Jahre das erfolgreichste Sendeformat für den Nachmittag.

1.2 Die Rolle des Moderators

Ein wichtiger Teil des Talkshowformats ist der örtliche Rahmen der Show. Das Bühnenbild der verschiedenen Talkshows reicht von konzipierter Wohnzimmeratmosphäre bis hin zu schlichten Theken, die als Redepult für die Gäste dienen. Das Bühnenbild der einzelnen Talkshows ist häufig wie ein Wohnzimmer konzipiert, was den Eindruck von Intimität vortäuschen soll. Durch Kontinuität und Wiedererkennungswert wird ein intimes Gespräch auf dem Sofa eines guten Freundes vermittelt.

Hierzu gehört auch die Rolle des Moderators, die zentral ist für das Format der Talkshow. Der Moderator oder auch Talkmaster, ist jene Person, die die Show leitet. Schon daran, dass die einzelnen Talkshows nach ihrem Moderator benannt sind, lässt sich erkennen, dass der Moderator Erkennungsmerkmal und Markenzeichen der Sendung darstellt. Die Aufgaben eines Moderators sind meist wie folgt: Er führt als Gastgeber durch die Sendung, begrüßt Gäste und Publikum, sowie das Fernsehpublikum und verabschiedet sie auch am Ende wieder. Der Moderator soll den Gesprächsverlauf organisieren, je nach Show und Moderator geschieht dies in unterschiedlicher Form: Der Moderator stellt die Fragen und hat auch das Recht den Gästen ins Wort zu fallen. Die Zuteilung des Wortes, also das turntaking, kann durch den Moderator erfolgen. Es gibt aber auch Moderatoren, die die Diskussion bis zu einem bestimmten Punkt selbst laufen lassen und nur eingreifen, wenn es nötig wird. So lassen sich die Themen und vor allem der zeitliche Rahmen durch das Eingreifen des Moderators kontrollieren, Abschweifungen der Gäste können vermieden werden, der Moderator kann außerdem entscheiden, in welche Richtung sich das Gespräch entwickeln soll. Insgesamt lässt sich festhalten, dass bei den meisten Daily Talks die Gäste mit „Du“ angesprochen werden. Der Moderator stellt sich somit auf eine Ebene mit den Gästen. Außerdem vermittelt er ein Gefühl von Vertrauen und einer lockeren Gesprächsatmosphäre.

[...]


[1] Quelle: http://www.presseportal.de, Archiv: ProSieben Media AG. (http://recherche.newsaktuell.de)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Zwischen Provokation und Empathie - Daily Talkshows im Vergleich
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistik IV)
Veranstaltung
Talk, Talk, Talk
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V86052
ISBN (eBook)
9783638011341
ISBN (Buch)
9783640336319
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zwischen, Provokation, Empathie, Daily, Talkshows, Vergleich, Talk
Arbeit zitieren
Katharina Muders (Autor), 2007, Zwischen Provokation und Empathie - Daily Talkshows im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86052

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