Filmdiskussion zu "Lily und Marie - Leben mit behinderten Kindern"


Seminararbeit, 2007

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Lily und Marie – Leben mit behinderten Kindern

2 Fachliche und ethische Grundlagen zum Thema Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch
2.1 Rechtliche Grundlagen
2.2 Mangel an Qualitätssicherung

3 Diskussion zum Film
3.1 Prävention: Down-Syndrom als lebensunwertes Leben?
3.2 Unzureichende Beratung vor Schwangerschaftsabbruch

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

0 Einleitung

„Lily und Marie - Leben mit behinderten Kindern“ ist der Titel einer TV-Dokumentation von Sylvia Matthies. Das Leben einer Familie, die 2 Kinder mit Down-Syndrom adoptiert haben, wird mit all seinen Vor-und Nachteilen beschrieben. Lily und Marie sind keineswegs eine nicht zumutbare Belastung für ihre Eltern und deren Familienalltag, wie sie in der Gesellschaft oft empfunden werden. Im Gegenteil: Die Familie führt ein ganz normales Leben. Im Zuge der sich immer weiter fortschreitenden Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik besteht in der Gesellschaft jedoch ein Übereinkommen, dass diese Menschen nicht leben sollten. Im Folgenden sollen die wichtigsten Aspekte des Filmes genannt und diskutiert werden.

1 Lily und Marie- Leben mit behinderten Kindern

Lily und Marie haben das Down-Syndrom. Da ihre Geburt heute als untragbares Schicksal gilt, werden die meisten Kinder, bei denen pränatal eine Trisonomie 21 diagnostiziert wurde, schon vor der Geburt getötet. Lily und Marie hätten wohl beide nicht überlebt, wenn ihr Chromosomendefekt schon in der Schwangerschaft entdeckt worden wäre. Ihre Mütter haben sie kurz nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Sie wurden liebevoll von Martina und Helmut Zilske aufgenommen, trotz skeptischer Reaktionen und zahlreicher Vorurteile aus ihrem unmittelbaren Umfeld. Lily und Marie haben sich gut entwickelt, da sie sich in ihrer Familie geborgen fühlen und gut gefördert werden. Denn wenn man Kindern mit Down-Syndrom die Chance gibt, sich zu entwickeln, bleibt nur ein kleiner Prozentsatz wirklich schwerstgeschädigt. Vieles hängt davon ab, wie die Kinder gefördert werden.

Die meisten Kinder mit Down-Syndrom gelten trotzdem als schwerstgeschädigt und in der Regel als unzumutbar für die Mütter, sodass die Gesellschaft stillschweigend die Meinung vertritt, dass sie schon vor der Geburt erkannt und getötet werden sollten. Bei den heute üblichen vorgeburtlichen Untersuchungen liegt das Hauptaugenmerk auf dem Erkennen einer Trisonomie 21: Bei den Ultraschalluntersuchungen wird nach zu dicken Nackenfalten, schwach ausgeprägten Nasenbeinen oder zu kurzen Gliedmaßen gesucht. Ein Arzt, der nicht alles mitteilt, was bei den Ungeborenen nicht der Norm entspricht, riskiert Schadensersatzansprüche. Nach einer pränatal erkannten Diagnose kommt es bei 90% der Föten mit Down-Syndrom zur Abtreibung. Seit der Erneuerung des Abtreibungsparagraphen §218a im Jahr 1998 ist diese Abtreibung von behinderten Kindern bis zum Einsetzen der Wehen nicht rechtswidrig, wenn sie für die Mütter eine schwere psychische Belastung sind (medizinische Indikation). Die getöteten Kinder werden meist als Sondermüll entsorgt; nur selten werden sie begraben.

Die Risiken einer pränatalen Untersuchung werden jedoch häufig unterschätzt. Nach der sogenannten Chorionzottenbiopsie, bei der Zellen der Placenta entnommen werden, erleiden etwa 3% der Frauen eine Fehlgeburt. Auf Grund unzureichender Beratungsgespräche von Seiten der Ärzte und deren häufiges Zureden für eine (invasive) pränatale Untersuchung ohne ausdrückliches Hinweisen auf die möglichen Gefahren, wird den meisten Müttern erst danach klar, wie risikoreich die Diagnostik überhaupt ist. Oft sind die Pränataldiagnostiker nur auf Abbruch ausgelegt. Die Folgen von möglichen Defekten werden von ihnen oft in den schlechtesten Farben geschildert. Dass die Diagnosen nicht immer auf sicherem Boden stehen, wird meist nicht erwähnt. Eine statistische Erfassung ist nicht vorgeschrieben. Eine Qualitätssicherung in der Pränataldiagnostik gibt es bisher nicht: Nicht immer wird eine Diagnose, die zu einer Abtreibung führte, noch einmal überprüft.

Wirklich dramatisch wird es, wenn bereits lebensfähige Kinder ihre Abtreibung überleben. Dem Gesetz nach müssen Ärzte auch um das Leben dieses Kindes kämpfen, wenn sie mindestens ein Lebenszeichen aufweisen. Manche Hebammen wurden trotzdem schon von ihren Ärzten angewiesen, die dokumentierte Lebendgeburt einfach in eine Todgeburt umzudokumentieren, um zusätzliche Kosten und Emotionen zu verhindern.

In der ärztlichen Beratung nach einem pathologischen Befund wird von solchen schönen Erfahrungen, wie sie zum Beispiel Familie Zilske mit ihren Kindern jeden Tag erleben, nur selten gesprochen, wenn es darum geht, ob das Kind mit Down-Syndrom abgetrieben werden soll oder nicht. Dass man die Existenz ihrer Kinder oft für verzichtbar hält, ist für Martina Zilske unverständlich. Sie führen ein ganz normales Familienleben, und wünschen sich, dass man den betroffenen Müttern und Vätern die Möglichkeit gibt, sich in Familien wie ihnen zu informieren, damit sie die Angst vor dem Leben mit Down-Syndrom verlieren können und auch diesen Kindern eine Lebenschance geben.

2 Fachliche und ethische Grundlagen zum Thema Pränataldiagnostik und Schwanger- schaftsabbruch

Die Betreuung von Mutter und Kind in allen Phasen der Schwangerschaft von Empfängnis bis zur Geburt wird unter dem Begriff der Pränatalmedizin zusammengefasst. Um den Schutz der Gesundheit von Mutter und Kind zu gewährleisten, wurden vom Bundesauschluss der Ärzte und Krankenkassen die Mutterschafts-Richtlinien verabschiedet (vgl. Beermann 1997). Ihr allgemeines Ziel ist die frühe Erkennung möglicher Gesundheitsstörungen, Risikoschwangerschaften und Behinderungen des Kindes (vgl. ebd.). Durch ihren wachsenden Fortschritt hat die Pränatalmedizin einen hohen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft, wird aber auch ethisch und rechtlich heftig diskutiert, denn ein positiver Befund führt in den meisten Fällen zum Schwangerschaftsabbruch, sodass der Anschein entsteht, dass Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft abge-lehnt werden (vgl. BVKM 2007).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Filmdiskussion zu "Lily und Marie - Leben mit behinderten Kindern"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V86093
ISBN (eBook)
9783638043502
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmdiskussion, Lily, Marie, Leben, Kindern
Arbeit zitieren
Caroline Lorig (Autor:in), 2007, Filmdiskussion zu "Lily und Marie - Leben mit behinderten Kindern", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86093

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