Die übereinstimmende Meinung, die in der wissenschaftlichen Literatur vertreten wird, ist, dass die Einführung eines ERP-Systems heutzutage zu den komplexesten, teuersten und risikoreichsten Projekten gehört, die ein Unternehmen aufgreifen kann.
Umso wichtiger ist es also, von Anfang an eine nachvollziehbare Systematik auszuarbeiten und sich konsequent daran zu halten. Der Aufwand für nachfolgende Korrekturmaßnahmen kann recht schnell sowohl den geplanten technischen als auch den finanziellen Rahmen sprengen. Und diese Systematik sollte von der ersten ernsthaften Überlegung an, die ERP-Thematik aufzugreifen, vorhanden sein.
Ziel dieser Arbeit war einen methodischen Ansatz zur systematischen Notwendigkeitsprüfung, Vorbereitung und der prozessorientierten Auswahl eines ERP-Systems auszuarbeiten.
Das Hauptaugenmerk lag dabei auf einer höchstmöglichen Praxisorientierung, Nachvollziehbarkeit und einer weitgehenden Allgemeingültigkeit. So wurde eine umfangreiche Marktrecherche durchgeführt, um konkrete Empfehlungen geben zu können. Die Recherche stütze sich sowohl auf einer aufwendigen Untersuchung des Online-Angebotes im Bereich der ERP- und ERP-nahen Dienstleistungen als auch auf zahlreiche konventionelle Informationsquellen, allen voran die fachspezifischen Printmedien. Das oberste Ziel hierbei war es, eine weitgehende Anbieterunabhängigkeit sowie Allgemeingültigkeit der Empfehlungen zu erreichen. Bedingt durch den begrenzten Rahmen einer Diplomarbeit sowie der hohen Komplexität der gesamten ERP-Thematik wurde der Fokus bewusst lediglich auf den Auswahlprozess eines ERP-Systems gelegt.
Das sekundäre Ziel lag in der Begründung der Notwendigkeit einer ERP-Einführung, die aus den Anforderungen des organisatorischen Wandels resultiert. Insbesondere werden dessen Auswirkungen auf die Organisation und die entsprechenden Geschäftsprozesse erläutert und als Folge die Notwendigkeit der Optimierung und anschließenden Automatisierung dieser Prozesse mit Hilfe einer ERP-Lösung nachgewiesen. Zusätzlich soll ein Überblick über die wesentlichen Merkmale und Funktionalitäten solcher Systeme gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Ausgangspunkt der Arbeit
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 ERP-Systeme als Folge des organisatorischen Wandels
2.1 Wirkungen des organisatorischen Wandels auf die Märkte und Unternehmen
2.1.1 Wandel der Märkte
2.1.2 Wandel im Unternehmen
2.1.3 Prozesse als Träger des Wandels im Unternehmen
2.1.4 Prozessanforderungen in Folge des Wandels
2.2 ERP-Systeme als Folge des Wandels und Träger der Prozesse
2.2.1 Insellösungen als Ausgangslage der Unternehmens-IT
2.2.2 Von ERP bis APS und Business Intelligence – geschichtlicher Exkurs
2.2.3 Funktionsweise und Aufbau eines ERP-Systems
3 Prozessorientierte Auswahl eines ERP-Systems
3.1 Grundsätzliches
3.2 Die wesentlichen Problemfelder
3.3 Grundsätzliche Notwendigkeitsanalyse
3.4 Definition der Anforderungen an das ERP-System
3.4.1 Prozesse als Ausgangsbasis der Anforderungsdefinition
3.4.2 Prozessoptimierung in der Praxis
3.4.3 Funktionelle Anforderungen
3.5 Die Anbieterwahl
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit entwickelt einen praxisorientierten Leitfaden für die systematische Notwendigkeitsprüfung, Vorbereitung und Auswahl von Enterprise Resource Planning (ERP)-Systemen, um Unternehmen bei der komplexen Entscheidung zwischen Softwarelösungen unter Berücksichtigung des organisatorischen Wandels zu unterstützen.
- Analyse der Auswirkungen des organisatorischen Wandels auf Unternehmen
- Bedeutung und Funktionsweise von integrierten ERP-Systemen
- Methoden zur prozessorientierten Notwendigkeitsanalyse und Anforderungsdefinition
- Kritische Erfolgsfaktoren bei der Implementierung von IT-Projekten
- Strategien für die systematische Marktrecherche und Anbieterwahl
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Prozesse als Träger des Wandels im Unternehmen
Bisher haben wir die Organisation lediglich als ein abstraktes Objekt für die primäre Absorbierung des organisatorischen Wandels betrachtet. Um jedoch dessen konkrete Auswirkungen darstellen zu können, bedarf es einer näheren Betrachtung des Begriffs „Organisation“. Als Organisation bezeichnet man üblicherweise „das planmäßig koordinierte und zielorientierte Zusammenwirken von Menschen zur Erstellung eines gemeinsamen materiellen oder immateriellen Produkts“32. Für ein Unternehmens ist dies eine quantifizierbare Wertschöpfung. Hierbei stellt sich allerdings die Frage nach dem kleinsten und somit grundlegendsten Bestandteil eines solchen wertschöpferischen Zusammenwirkens. Als solch kleinste Einheiten fungieren in der wissenschaftlichen Literatur die Prozesse:
„Ein Prozess ist der Vorgang des Umformens und/oder Transport von Materie, Energie oder Daten“33. Transformation/Transport sind dabei räumlich und zeitlich strukturiert und durch ein klar definiertes Input zu Anfang und Output am Ende des Prozesses gekennzeichnet34:
Wenn man nun diese Definition auf ein Unternehmen projiziert und seine grundlegende Zielsetzung, nämlich die Wertschöpfung, in den Vordergrund rückt, so stellt man fest, dass es sich dabei hauptsächlich um einen Wertschöpfungsprozess handelt, also um eine „Veredelung“ des Gutes oder der Dienstleistung, die auf Anforderung des Kunden durchgeführt wird. Solche Wertschöpfungsprozesse werden im Allgemeinen auch „Geschäftsprozesse“ genannt36:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Dynamik der modernen Wirtschaft ein, erläutert die zunehmende Bedeutung von IT und Organisation als Auslöser des Wandels und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
2 ERP-Systeme als Folge des organisatorischen Wandels: Hier werden die Ursachen des globalen Marktwandels, die Notwendigkeit von Geschäftsprozessmanagement und die Rolle von ERP-Systemen als technologische Antwort auf diese Herausforderungen detailliert analysiert.
3 Prozessorientierte Auswahl eines ERP-Systems: Das Hauptkapitel behandelt die praktische Vorgehensweise bei ERP-Projekten, von der Notwendigkeitsprüfung über die Anforderungsdefinition bis hin zur methodischen Auswahl des passenden Anbieters.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Dieses Kapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit eines prozessorientierten Vorgehens für den langfristigen unternehmerischen Erfolg.
Schlüsselwörter
ERP-Systeme, Geschäftsprozessmanagement, Organisatorischer Wandel, Prozessoptimierung, Business Process Reengineering, Softwareauswahl, Lastenheft, Notwendigkeitsanalyse, Wertschöpfungskette, IT-Implementierung, Supply Chain Management, Unternehmens-IT, Systemintegration, Projektmanagement, Wirtschaftlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, ERP-Systeme zielgerichtet und prozessorientiert in Unternehmen einzuführen, um dem ständigen organisatorischen Wandel gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der ökonomischen Umweltfaktoren, der Optimierung von Geschäftsprozessen und der methodischen Auswahl geeigneter Softwarelösungen für Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Ausarbeitung eines praxistauglichen Leitfadens, der Unternehmen durch die komplexen Phasen der Notwendigkeitsprüfung bis hin zur finalen Auswahl eines ERP-Anbieters führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf dem Prinzip der Systemanalyse, ergänzt durch eine umfangreiche Marktrecherche und die Auswertung bestehender Management-Methoden wie Business Process Reengineering.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Identifikation von Problemfeldern, der Definition von funktionalen Anforderungen sowie konkreten Schritten zur Anbieterselektion, einschließlich der Berücksichtigung von Referenzmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen ERP-Systeme, Geschäftsprozessmanagement, Prozessoptimierung, Unternehmenswandel und strategische Softwareauswahl.
Warum ist die Analyse der Geschäftsprozesse vor einer ERP-Einführung so kritisch?
Ohne vorherige Analyse und Optimierung der Prozesse droht die Implementierung einer suboptimalen Struktur, was die Effektivität des Systems mindert und später teure Korrekturen erforderlich macht.
Was macht das "Teufelsquadrat" in ERP-Projekten aus?
Es beschreibt das Phänomen, dass bei einem ERP-Projekt konkurrierende Ziele wie Qualität, Kosten, Zeit und der Umfang der Lösung in einem komplexen Spannungsfeld zueinanderstehen.
- Quote paper
- Denis Steiner (Author), 2006, Leitfaden zur prozessorientierten Auswahl eines ERP-Systems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86177