Ludwig Tieck, Novalis und E.T.A Hoffmann gehören zu den führenden Autoren der deutschsprachigen Romantik. In dieser mystischen und naturverbundenen Epoche vollziehen sich einige politische und gesellschaftliche Umwälzungen, die beginnende Industrialisieung wirkt weiterführend auf die Natur und die Menschen. Man beginnt sich von Gott abzuwenden und der Wissenschaft zu widmen.
Die dreifache Verführung bezieht sich auf die Mächte Geld/Gold, Sexualität und Psychoanalyse. Das unwirtliche Bergwerk fungiert hierbei als romantisches Sinnbild, das alles in seinen Schächten vereint und ein Schlüsselmotiv der Erkenntnis bildet.
Inhaltsverzeichnis
Teil I : Die Bergwerksthematik in der Theorie
1. Einführung
2. Das Bergwerk und die Montanindustrie
2.1 Der Bergbau vom Mittelalter auf dem Weg zur Industrialisierung
2.2 Der mentalgeschichtliche Bezug zum Bergbau
2.3 Der Bergbau aus sozio-kultureller Sicht
2.4 Legitimationsproblematik des frühneuzeitlichen Bergbaus
2.5 Die Vorstellung über das Wachstum der Steine
2.6 Der romantische Bezug zu dieser Vorstellung
3. Die Epoche der Romantik
3.1 Eine kurze Eingliederung
3.2 Wortherkunft und Programmatik
3.3 Die verschiedenen Phasen der Romantik
3.4 Philosophische Interessen
3.5 Der Bergbau zur Zeit der Romantik
3.6 Das Motiv des „Bergwerks“ in der Romantik
4. Die Verführung
4.1 Versuch einer Definition
4.2 Die sexuelle Verführung
4.3 Verführung durch Kapital oder die Entdeckung des Warenfetischismus
4.4 Die verführerische Erkenntnis
Teil II : Die Bergwerke in ausgewählten Werken der Romantik
5. Novalis´ „Heinrich von Ofterdingen“
5.1 Der Autor unter dem Aspekt der Bergwerksthematik
5.1.1 Novalis Ökonomievorwürfe im „Heinrich von Ofterdingen“
5.2 Inhaltlicher Abriss
5.3 Vita activa versus vita contemplativa
5.4 Mittlerfunktionen
5.4.1 Der Bergmann
5.5 Die Verführung im Reich der Philister
5.6 Das Bergwerk des Wissens
5.7 Die Funktionen der Bergmannslieder
5.8 Verführung durch Sexualität: Der Traum der blauen Blume
6. Ludwig Tieck: „Der Runenberg“
6.1 Entstehung
6.2 Kurze Inhaltsskizze
6.3 Christian im Goldrausch oder die Verführung durch Geld
6.4 Zu den Wurzeln der Natur oder Verführung durch Wissen
6.5 Im Rausch der Sexualität
7. E.T.A Hoffmann: „Die Bergwerke zu Falun“
7.1 Der Stoff
7.2 Kurzer inhaltlicher Abriss
7.3 Verführung durch die Metalle
7.3.1 Die Begegnung mit dem Bergwerk
7.4 Die verführerische Macht des Wissens
7.5 Elis´ Traum
7.6 Verführung durch Sexualität oder „die weiblich lockende Schatztruhe“
7.7 Die konträren Frauentypen
8. Resumée
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht die dreifache Verführung im Kontext romantischer Bergwerksliteratur am Beispiel ausgewählter Werke von Tieck, Novalis und Hoffmann. Das primäre Ziel ist es, die Verbindung zwischen der Bergwerksthematik und der philosophischen sowie psychologischen Bedeutung von Verführung – durch Sexualität, Kapital und Wissen – zu analysieren und als Allegorie der menschlichen Seele und ihres Strebens nach Erkenntnis zu deuten.
- Die Bergwerksthematik als Symbol für die menschliche Seele und das Unterbewusste.
- Dreifache Ausformung der Verführung: Sexualität, Geld/Kapital (Warenfetischismus) und verführerische Erkenntnis.
- Analyse der Werke: Novalis' „Heinrich von Ofterdingen“, Ludwig Tiecks „Der Runenberg“ und E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“.
- Die Rolle von Mittlerfiguren beim Abstieg in die „Tiefe“.
- Gegenüberstellung von vita activa und vita contemplativa als Lebensentwürfe.
Auszug aus dem Buch
4.2 Die sexuelle Verführung
Unter der sexuellen Verführung versteht man das Handeln oder Verhalten einer Person, welches zielgerichtet die Absicht verfolgt, sexuelle Handlungen mit einer anderen Person zu vollführen und dafür bestimmte erotische Reize einsetzt, die dieses Ziel mit großer Wahrscheinlichkeit unterstützen werden.
Vorschläge und Ratgeber für diese hohe Kunst gibt es schon seit der Antike. Das Kamasutra entstand beispielsweise schon um das zweite bis dritte Jahrhundert nach Christus in einem höfischen Kontext, ähnlich dem bekannten Verhaltensratgeber des Freiherren von Knigge. Es wurde 1884 von Richard Burton aus dem Sanskrit übersetzt und somit der westlichen Welt zugänglich gemacht. Noch heute kann man diese Erotikbibel in jeder Buchhandlung erwerben und in zahlreichen Abbildungen etwas über die absolute Verschmelzung der Körper lernen.
Auch Ovid beschäftigte sich in seiner „Liebeskunst“ mit dem Handwerk der Liebe und nahm deswegen sogar in Kauf, aus Rom verbannt zu werden, denn in seiner Abhandlung sah man lediglich ein schmutziges und frivoles Sujet. In einem heitern und unterhaltsamen Tonfall schildert er seinen Zeitgenossen den wohlbekannten Ablauf der Verführung, dazu bevorzugte Lokalitäten zum Kennenlernen, wie z.B. die Arena, den Marktplatz und das Theater. Doch Ovid blieb einer der wenigen Männer, die sich mit dieser Materie befasst haben, denn die Verführung ist und bleibt eindeutig weiblich konnotiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung verortet das Bergwerksmotiv der Romantik im Kontext eines kritischen Naturverhältnisses und kündigt die Untersuchung der dreifachen Verführung an.
2. Das Bergwerk und die Montanindustrie: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des Bergbaus von der Antike bis zur Industrialisierung und den mentalgeschichtlichen Wandel.
3. Die Epoche der Romantik: Hier werden die Grundlagen der Romantik, ihre Phasen, die philosophische Ausrichtung und das spezielle Motiv des Bergwerks in dieser Epoche dargelegt.
4. Die Verführung: Es wird eine theoretische Definition der Verführung erarbeitet und in die drei Bereiche Sexualität, Kapital und Erkenntnis unterteilt.
5. Novalis´ „Heinrich von Ofterdingen“: Dieses Kapitel analysiert Novalis' Roman hinsichtlich des Bergmanns als Mittler, der Ökonomiekritik und der Verführung durch Wissen und Sexualität im Höhlentraum.
6. Ludwig Tieck: „Der Runenberg“: Untersuchung der Geschichte Christians, der durch das Versprechen von Wissen und Geld in den Wahnsinn und den Untergang getrieben wird.
7. E.T.A Hoffmann: „Die Bergwerke zu Falun“: Analyse von Elis Fröboms Schicksal, das durch die Verbindung von Wissen, Metallbesitz und einer tödlichen „Königin“ bestimmt wird.
8. Resumée: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, in der das Bergwerk als „Seelenspiegel“ und Ort der Auseinandersetzung mit dem Unterbewussten gefestigt wird.
Schlüsselwörter
Romantik, Bergwerk, Verführung, Montanindustrie, Sexualität, Warenfetischismus, Erkenntnis, Novalis, Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann, Seele, Wahnsinn, Naturphilosophie, Kapitalismus, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die symbolische und inhaltliche Bedeutung von Bergwerken in drei Schlüsselwerken der deutschen Romantik und zeigt auf, wie diese Orte als Metaphern für das Unterbewusstsein und als Schauplätze von „Verführung“ dienen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Naturverhältnis während der Industrialisierung, die psychologische Bedeutung des Abstiegs in die Tiefe sowie die Verführung durch Geld, Wissen und Sexualität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, wie die „dreifache Verführung“ (Sexualität, Kapital, Erkenntnis) in der romantischen Bergwerksliteratur fungiert und welche Funktion das Bergwerksmotiv für die Identitätsfindung der Protagonisten erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sozialhistorische Aspekte (Industrialisierung), philosophische Konzepte (Naturphilosophie) und psychoanalytische Ansätze (Freudsches Modell) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Bergwerksthematik und Romantik sowie eine detaillierte Interpretation der Werke von Novalis („Heinrich von Ofterdingen“), Tieck („Der Runenberg“) und Hoffmann („Die Bergwerke zu Falun“).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Romantik, Bergwerksmotivik, Verführungsthematik, Warenfetischismus und den metaphorischen „Abstieg in die Seele“ charakterisiert.
Warum spielt die Figur des „Bergmanns“ eine so zentrale Rolle?
Der Bergmann dient in allen drei Werken als „Mittler“, der die Protagonisten durch sein spezielles Wissen und seine Verbindung zur unterirdischen Welt aus ihrem bürgerlichen Leben lockt und den Prozess der Selbstfindung (oder des Scheiterns) einleitet.
Inwiefern führt die „verführerische Erkenntnis“ bei den Protagonisten zum Wahnsinn?
Die Erkenntnis ist in den Werken mit dem Überschreiten natürlicher und göttlicher Grenzen verbunden; wer versucht, die Geheimnisse des „Seelenbergwerks“ ohne die nötige Stärke zu ergründen, verliert den Bezug zur Realität und endet im Wahnsinn.
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- Jennifer Ackermann (Author), 2007, Die dreifache Verführung in den romantischen Bergwerken - eine Analyse zu Tieck, Novalis und Hoffmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86178