Das Jenaer Universitätshochhaus 1968-1972 - Ein Beitrag zur Stadtgeschichte


Magisterarbeit, 1996

116 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. ZUR ENTWICKLUNG DER ZEISS - WERKE JENA UND DER FRIEDRICH - SCHILLER - UNIVERSITÄT JENA
1.1. DAS ZEISS - WERK NACH 1945
1.2. DIE ROLLE DER FRIEDRICH-SCHILLER-UNIVERSITÄT JENA

2. DIE NEUGESTALTUNG DER JENAER INNENSTADT SEIT DEM ENDE DER SECHZIGER JAHRE
2.1. BAUPLANUNG BEIM VEB CARL ZEISS UND BEI DER FRIEDRICH-SCHILLER-UNIVERSITÄT
2.2. DIE PLANUNG DER STÄDTISCHEN NEUBEBAUUNG

3. DIE STÄDTISCHE NEUBEBAUUNG UND DIE JENAER ÖFFENTLICHKEIT - DER KAMPF JENAER WISSENSCHAFTLER FÜR DEN ERHALT DES COLLEGIUM JENENSE

4. DAS INNERSTÄDTISCHE BAUGESCHEHEN JENAS VON 1969 - 1972

5. DIE VERÄNDERUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN LAGE DES VEB CARL ZEISS 1970/71

6. DIE UNIVERSITÄT ZIEHT INS HOCHHAUS

7. ZUSAMMENFASSUNG

EPILOG

ANHANG

EINLEITUNG

Zu den auffälligsten aber auch umstrittensten Bauten in Jena gehört das Universitätshochhaus. Die in der letzten Zeit öffentlich geführten Diskussionen um die Zukunft des Turmes zeigen das gewachsene Interesse an diesem Bauwerk, an dessen Entstehung und Baugeschichte.

Die Aufgabe der Arbeit beschäftigt sich nun mit der Geschichte des Universitätshochhauses als Bestandteil der sozialistischen Stadtplanung einschließlich der Konsequenzen für die Altbausubstanz am Beispiel der Neugestaltung des Jenaer Stadtzentrums 1968 - 1972.

Es soll versucht werden, die Entstehung, Planung und Nutzung des Universitätshochhauses im Widerstreit der verschiedenen politischen und ökonomischen Interessen einzuordnen und damit letztlich einen Beitrag zur Stadtgeschichte zu liefern.

Zur Jenaer Baugeschichte der letzten Jahre liegt kaum Literatur vor. Bestimmte Hinweise gibt die von F.- J. Verspohl und R. Zießler herausgegebene Arbeit „ Die Jenaer Universitätsbauten“, Gera 1995 sowie das Buch von G. Steiger „ Ich würde doch nach Jena gehen“, Jena 1978. In der allgemeineren Literatur über den Städtebau und die städtebauliche Planung in der DDR wird Jena am Rande u.a. bei Th. Topfstedt „Städtebau in der DDR 1955 - 1971“, Leipzig 1988 und H.Henselmann „Gedanken,Ideen,Bauten,Projekte“ Berlin 1978, berührt.

Angesichts dieser unzureichenden Literatursubstanz war die Verwendung von Archivalien unumgänglich.

Die Arbeit stützt sich schwerpunktmäßig auf Archivalien aus dem Firmenarchiv Carl Zeiss Jena, dem Thüringischen Staatsarchiv in Rudolstadt, dem Archiv des Zentralinstituts für Mikrobiologie Jena, dem Bauaktenarchiv Jena, dem Stadtarchiv Jena, dem Archiv des Liegenschaftsamtes der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Universitätsarchiv der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Bundesarchiv Potsdam, sowie auf Akten aus dem Sanierungsamt Jena und dem Bauamt Jena.

Im Archiv für Unterlagen des Staatssicherheitdienstes der DDR in Gera sind, nach derzeitigem Erkenntnisstand, keine Akten zu dem Thema meiner Arbeit vorhanden.

Mit der fortschreitenden Entwicklung des sozialistischen Systems in der DDR ergaben sich auch neue Prinzipien in der städtischen Planung und Entwicklung. Die wichtigste Aufgabe bei der Planung der Stadtentwicklung sollte nunmehr darin bestehen, nicht nur extensive Erweiterungen durchzuführen, sondern durch die Umgestaltung der Innenstadt den „sozialistischen Charakter“ des Stadtzentrums in vollem Umfang zum Ausdruck zu bringen.

Die Anstrebung dieses „sozialistischen Charakters“ geht schon auf das Jahr 1950 zurück.

Bereits kurz nach Gründung der DDR wurde im Jahre 1950 der Wiederaufbau im sozialistischen Sinne angestrebt. Es wurde ein Aufbaugesetz1 erlassen. Bereits relativ eindeutig hatte kurz davor ein Regierungsbeschluß die„ Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“2 formuliert. Nach diesen Grundsätzen begann in einigen Städten der Wiederaufbau und die Umgestaltung der Zentren nach einer gesellschaftlich und baukünstlerisch eindeutig definierten Zielvorstellung.

Das Zentrum wurde als der bestimmende Kern der Stadt angesehen, als der politische Mittelpunkt für das Leben der Bevölkerung, als Platz für die wichtigsten politischen, administrativen und kulturellen Stätten. Auf den Plätzen im Stadtzentrum sollten die politischen Demonstrationen, Aufmärsche und die Volksfeiern an Festtagen stattfinden.

Die „Grundsätze“ sahen eine städtebauliche Hierarchie vor. Vom Rand bis zur Stadtmitte sollten die Gebäude in steigender Größe das Auge zur „sozialistischen Stadtkrone“ führen. Diese sollte aus monumentalen Gesellschaftsbauten bestehen. Allgemein stellte sich die viel zu geringe Effizienz des Bauwesens als Problem dar. Der IV. Parteitag der SED 1954 orientierte auf die Einführung moderner Technologien. Unter der Losung „ Besser, schneller und billiger bauen“ fand 1955 die erste Baukonferenz der DDR statt. Es folgte ein Ministerratsbeschluß über „Die wichtigsten Aufgaben im Bauwesen“ und neue Richtlinien für eine einheitliche Typenprojektierung, die sich aber hauptsächlich auf den Wohnungsbau bezogen. Damit fielen dem Bauwesen Aufgaben in einer Größenordnung zu, die den Industrialisierungsprozeß im Wohnungsbau wesentlich beschleunigten.

Andererseits führte die notwendige Konzentration der Baukapazitäten auf die Entwicklung industrieller Bauverfahren zu einer zeitweiligen Verlangsamung des Aufbautempos in den kriegszerstörten Stadtzentren.

Neuen Auftrieb erhielt der Aufbau der Städte in der Republik, als die Deutsche Bauakademie im Januar 1960 die „Grundsätze der Planung und Gestaltung sozialistischer Stadtzentren“ veröffentlichte. Nach diesen Grundsätzen sollte das Stadtzentrum ein zusammenhängendes zentral gelegenes Stadtgebiet darstellen, in dem sich Bauten und städtebauliche Anlagen von zentraler örtlicher und überörtlicher Bedeutung befinden. Sie sollten den Mittelpunkt für das gesellschaftliche Leben der gesamten Bevölkerung und den Höhepunkt in der architektonischen Komposition der Stadt bilden. Es verband sich aber nun, diktiert von der Notwendigkeit, industrielle Bauverfahren auch bei der Anlage neuer Wohnkomplexe im Zentrum einzusetzen, das Idealbild vom weiträumigen sozialistischen Stadtzentrum mit dem städtebaulichen Gestaltungsprinzip der offenen Bebauung:3

Es wurde zwar in den Grundsätzen von 1960 hervorgehoben, daß die sozialistische. Umgestaltung der Stadtzentren nicht zur architektonischen Entwertung vorhandener Baudenkmale oder historischer Ensembles führen sollte, aber die Praxis sah meist anders aus. Bestimmend war der Wunsch, das Alte durch Neues abzulösen. Umfangreiche Flächenabrisse und eine Vernachlässigung gerade der älteren, vor 1880 entstandenen Wohnbauten, die den Hauptanteil der Zentrumsbebauung insbesondere der Mittel- und Kleinstädte bildeten, waren die Folge. Man plante die neuen Zentren so zu errichten, daß die alten Zentren entweder überwältigt oder ganz zur Peripherie verschoben werden.

Zwei Jahrzehnte lang konnte in Jena eine solche Umgestaltung vermieden werden, da andere Städte eine höhere Priorität besaßen. Das sollte sich in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre ändern.

1. ZUR ENTWICKLUNG DER ZEISS - WERKE JENA UND DER FRIEDRICH - SCHILLER - UNIVERSITÄT JENA

1.1. DAS ZEISS - WERK NACH 1945

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die städtebauliche Gestaltung der Jenaer Innenstadt durch das Zeiss-Werk und die Universität bestimmt. Daran änderte auch der Ausbau der Glaswerke Schott & Genossen sowie der pharmazeutischen Industrie nichts Grundsätzliches.

Die Bedeutung des Zeiss-Werkes blieb auch nach 1945 unangetastet.

Unter der sowjetischen Besatzung war nach Kriegsende die bald wieder anlaufende Produktion des Zeiss-Werkes in erster Linie für die Zwecke der Wiedergutmachung an die Sowjetunion bestimmt. Die Produktion wurde dem Wiederaufbau in der Sowjetunion angepaßt. Es konnte begonnen werden, den Rückstand an Produktion von Zivilgeräten, der durch die Militarisierung der Wirtschaft vor dem Ausbruch des Krieges eingetreten war, zu beseitigen.

Das Jahr 1945 war ausgefüllt mit der Behebung von Kriegsschäden. Es bestand Mangel an Spezialmaschinen sowie an Importen von Rohstoffen aus dem Ausland. Trotz bedeutender Kriegsschäden stieg die Leistungsfähigkeit von 2,6 Millionen Reichsmark 1945, auf 19,8 Millionen Reichsmark 1946. Überwiegend wurde für Reparationslieferungen und Zivilbedarf im Inland produziert.

Nach der Demontage des Zeiss-Werkes zur "Wiedergutmachung" durch die Sowjetunion im Jahre 1946 verblieben dem Zeiss-Werk noch 6 Prozent des Maschinenparks. Bereits während der Demontage begann der Neuaufbau für friedliche Zwecke. Der Wiederaufbau ging zügig voran, und der Plan für 1948 sah vor die Produktion so zu steigern, daß man den Stand von 1930 erreichte.

Das Zeiss-Werk wurde in der 1949 gegründeten DDR zum führenden Betrieb der feinmechanisch - optischen Industrie.

Im Oktober 1950 wurde in der DDR der erste Fünfjahrplan verabschiedet. Dem Industriezweig Feinmechanik und Optik, mit dem VEB Carl Zeiss Jena als dem bedeutendsten Betrieb stand eine Steigerung der Produktion bis 1955 von 238,9 % aufgelockerten, räumlich geordneten Bebauung und in großen, zusammenhängenden Grünflächen zum Ausdruck kommt, muß mit der Stadtgröße und den historischen Bauten in Einklang stehen.“ bevor. Natürlich gerieten diese Forderungen in Widerspruch zu den veralteten Methoden der gesamten Organisation und Leitung der Produktion und der ungenügenden Bausubstanz durch Kriegsschäden. Der Krieg hatte Bombenschäden in Höhe von 65 Millionen Reichsmark hinterlassen, 25 bis 30 Prozent der Anlagen waren zerstört. Es kam zu ernsten Schwierigkeiten, die erst 1955 überwunden wurden. Trotzdem hatte der VEB Carl Zeiss Jena in diesen Jahren einen stürmischen Aufschwung zu verzeichnen. 1955 begann der Export in das kapitalistische Ausland.4 Die Konjunktur der Zeiss-Werke korrespondierte durchaus mit wirtschaftlichen Wachstumstendenzen in der DDR. In wichtigen Bereichen der Industrie konnte die Produktion in den sechziger Jahren gesteigert werden.

Auf dem VII. Parteitag der SED im April 1967 wurden die Weichen für die Politik der DDR in den folgenden Jahren gestellt. Die Weiterentwicklung des Neuen Ökonomischen Systems und die Wirtschaftsprognose bis 1970 standen im Mittelpunkt. Die SED betonte vor allem die Bedeutung und die Priorität der Wissenschaft bei der Gestaltung des „entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus.“

Das Selbstbewußtsein Ulbrichts war, gestützt auf die wirtschaftlichen Erfolge in den sechziger Jahren, gewachsen. Eine Folge waren überzogene ökonomische Pläne. Auf der 9. Tagung des ZK der SED wurde von Walter Ulbricht herausgestellt, .“..daß ein neuer Abschnitt der Wissenschaft- und Wirtschaftspolitik begonnen hat. Eine Reihe von Betrieben haben den Anschluß an das Weltniveau gefunden. Die Aufgabe besteht jetzt darin, auf allen Gebieten an die Spitze vorzudringen. Das erfordert u.a. die Organisierung einer sozialistischen Großforschung, d.h. aufgabenbezogene und organisatorische Konzentration der vorhandenen Forschungspotenzen. Die Realisierung dieser Aufgabe setzt auch einen neuen Inhalt der Forschung voraus.“5

Welche Konsequenzen erwuchsen aus dieser Aussage für den VEB Carl Zeiss? Waren bis 1967 beim ehemaligen VEB Carl Zeiss Entwicklung, Produktion und Absatz von Geräten vorherrschend, die der Befriedigung von Einzelbedürfnissen dienten, (z.B. das Fernrohr für den Astronomen, das Mikroskop für den Arzt, der Theodolit für den Geodäten) zeigte sich nun, daß die Zahl der Anwendungsbereiche für die Einzelgeräte wesentlich größer angesetzt werden konnten, als ursprünglich in der Phase der Forschung und Entwicklung konzipiert wurde. Beispielsweise wurden die speziell für die Kartographie entwickelten automatischen Meß - und Zeichengeräte Cartimat in der technischen Produktionsvorbereitung (Konstruktion und Technologie), in der Elektronik bei der Herstellung von gedruckten Schaltungen und mikroelektronischen Schaltkreisen, in der Land - und Forstwirtschaft usw. bis zur Konfektionsindustrie eingesetzt. Diese Erweiterung führte zur Verfünffachung der Produktion gegenüber der ursprünglichen Konzeption. Man war nun bemüht, durch die Zusammenführung von Einzelgeräten und wissenschaftlich - technischen Grundlösungen in Verbindung mit gezielten Neuentwicklungen vollständige technologische Linien bereitzustellen, mit denen auf Jahre hinaus die strukturbestimmenden Industriezweige ausgerüstet werden sollten.

Auf Grundlage der „Direktive zur Entwicklung des VEB Carl Zeiss Jena zu einem Zentrum der Großforschung und Großproduktion für die Rationalisierungs - und Automatisierungstechnik der DDR auf der Grundlage der Entwicklung und Produktion von Gerätesystemen6 des Wissenschaftlichen Gerätebaus“ vom 27.06.1968 und den konzipierten Prognosen, wurde für den VEB Carl Zeiss Jena eine neue Entwicklungskonzeption erarbeitet.

Es wurde davon ausgegangen, daß der ehemalige VEB Carl Zeiss Jena das Wissenschaftspotential und auch das industrielle Potential des Industriezweiges Wissenschaftlicher Gerätebau verkörperte. Man war nun bemüht, dieses Reservoir beschleunigt weiterzuentwickeln und effektiv zu nutzen mit dem Ziel, weltmarktfähige Erzeugnisse mit hohen Gebrauchswerteigenschaften bei niedrigsten Kosten und hoher Arbeitsproduktivität zu entwickeln, zu produzieren und abzusetzen.

In dem wissenschaftlichen Präzisionsgerät sah man eine Doppelfunktion. Erstens als Arbeitsmittel in der wissenschaftlichen Forschung, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse hervorzubringen, und zweitens in der Bedeutung für die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Produktion.

Der Wissenschaftliche Gerätebau sollte neue Wege für die Forschung erschließen, der naturwissenschaftlichen und technischen Forschung hochpräzise und rationell arbeitende Meßgeräte zur Verfügung stellen, damit die Erkenntnisgrenzen erweitert werden und die Produktivität wissenschaftlicher Arbeit steigt. Er sollte zur militärischen Stärkung des „sozialistischen Lagers“ beitragen, indem er für die Landesverteidigung präzisionsoptische und präzisionsmechanische Geräte und Gerätesysteme zu Beobachtung, Erfassung und Registrierung von lokalen und weiträumigen Bewegungen schafft. Weiterhin sollten für das Gesundheitswesen feinmechanisch - optische Spezialgeräte zur Diagnose und für die Mikrochirurgie entwickelt werden, was als Begründung für die soziale Funktion des Gerätebaus diente.

Die Konzentration des Wissenschaftlichen Gerätebaus auf Schwerpunkt - Erzeugnisbereiche wie Analysenmeßtechnik,7 Längenmeßtechnik,8 terrestrische9 und extraterrestrische10 Vermessung und Weltraumforschung war von entscheidender Bedeutung für ein hohes Entwicklungstempo strukturbestimmender Gebiete der Volkswirtschaft der DDR wie, Elektrotechnik/Elektronik (insbesondere Mikroelektronik), Chemie (insbesondere Petrolchemie), Maschinenbau (insbesondere Werkzeugmaschinenbau), Datenverarbeitung und BMSR - Technik.

Die wissenschaftlichen und technischen Zielstellungen des ehemaligen VEB Carl Zeiss Jena sahen wie folgt aus:

„Der VEB Carl Zeiss Jena hat mit seinen Forschungs -, Entwicklungs - und Produktionspotentialen den Welthöchststand in den wissenschaftlich - technischen und ökonomischen Parametern seiner Erzeugnisse, Technologie, Leitung und Organisation seines Reproduktionsprozesses zu gewährleisten. Wesentliche Erfordernisse dazu sind:

1.) Applikationsforschung zur Erkundung perspektivischer Bedürfnisse strukturbestimmender Industrie- und Wissenschaftszweige und darauf beruhend Entwicklung entsprechender Gerätesysteme für die Rationalisierung und Automatisierung von geschlossenen technologischen Prozessen, von Mess - und Analysenprozessen und von geistigen Routineprozessen in den Zweigen Mikroelektronik (E), Chemie (C), Maschinenbau (M1), insbesondere Numerik -, Mess - und Steuersysteme für den Werkzeugmaschinenbau (M2), Bildvermessung (B), Kosmische Forschung (K), Technische Produktionsvorbereitung (TV) und Verteidigungstechnik (V).

2.) Konzentrierte Bearbeitung von ca. 400 wissenschaftlich - technischen Grundlösungen in 60 Forschungskomplexen auf den Gebieten Optik und Quantenelektronik (Laser, Holographie, Festkörperphysik), Längen- und Analysenmeßtechnik, Elektronik, (Anwendung der Mikroelektronik und der Messdatenverarbeitung) und moderner physikalischer Techniken (Ultrahochvakuum, tiefe Temperaturen usw )

3.) Grundlagen- und angewandte Forschung auf Gebieten der ökonomischen Kybernetik und der ökonomischen Systemwissenschaften und deren Anwendung auf die Planung, Leitung und Organisation des Reproduktionsprozesses des Kombinates VEB Carl Zeiss Jena unter Anwendung der elektronischen Datenverarbeitung.

4.) Aktive Mitgestaltung der Hochschulreform durch Teilnahme an Ausbildung und Erziehung der Studenten, Profilierung und Kooperation der Forschung im Schwerpunkt mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena.“11

Um die Vorlaufforschung zu sichern, war man bemüht, die Zusammenarbeit mit dem Institut für Optik und Spektroskopie der DAW Berlin, dem Physikalisch - technischen Institut der DAW Berlin, den Akademiewerkstätten Berlin, der TU Dresden, den Technischen Hochschulen Karl-Marx-Stadt, Ilmenau und Magdeburg, dem Physikalischen Institut der Karl-Marx-Universität Leipzig sowie mit der Bergakademie Freiberg, weiter auszubauen.

Die geplante Zusammenarbeit mit den Akademieinstituten in Jena sollte wie folgt aussehen:

TABELLE 112

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch den Ministerratsbeschluß 2/49/3/68 vom 28.08.68 wurde offiziell festgelegt den VEB Carl Zeiss Jena „ in Erweiterung der im Ministerratsbeschluß 112/2/67 vom 12.04.6713 festgelegten Zielstellung, zum Zentrum der Forschung und Produktion für die Rationalisierungs - und Automatisierungstechnik der DDR auf der Grundlage der Entwicklung und Produktion von Gerätesystemen des wissenschaftlichen Gerätebaues zu entwickeln.“

Verbunden war damit „im Zuge der Entfaltung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus, die Stadt Jena zu einer sozialistischen Stadt der Wissenschaft und Technik zu gestalten und die Arbeits - und Lebensbedingungen der Werktätigen des VEB Carl Zeiss Jena und der Bevölkerung von Jena zu verbessern.“14

Welche materiellen wie personellen Konsequenzen ergaben sich aus dieser Zielstellung? Zu diesem Zweck war die Zuführung von 6900 Hoch - und Fachschulkadern im Zeitraum von 1969 - 1975 geplant. Den größten Teil des Bedarfes sollte die FriedrichSchiller-Universität Jena, die Ingenieur-Hochschule Jena und die Technische Hochschule Ilmenau decken. Infolge der Umprofilierung der Ingenieurschule Jena zu einer Ingenieur - Hochschule sollte die Anzahl der Hochschulingenieure in gleicher Größe zu Lasten der Fachschulingenieure ausgebildet werden.

Es war beabsichtigt, die durch Verzögerungen der geplanten Erweiterungsmaßnahmen der Friedrich-Schiller-Universität ausfallenden Fachkräfte durch Absolventen anderer Hoch- und Fachschulen zu ersetzen. Diese Aufblähung des Personalbestandes mußte naturgemäß neue Fragen an die Bauentwicklung im Kombinat hervorrufen.

Zur Unterbringung dieses wissenschaftlichen Personals war die Bereitstellung von 10000 qm Fläche, wovon 3000 qm aus der Substanz der Akademiinstitute in Jena und 7000 qm aus der Substanz des VEB Carl Zeiss Jena kommen sollten, nötig.15 Beim VEB Carl Zeiss waren als Kapazitätserweiterungen bzw. Investitionsmaßnahmen ein Produktionssystem in Jena-Göschwitz mit einer Gesamtfläche von 58.700 qm, ein Forschungshochhaus im Stadtzentrum Jenas mit einer Kapazität von 4000 Arbeitsplätzen und ein Lehrlingskombinat einschließlich eines polytechnischen Zentrums mit einer Kapazität von 3000 Plätzen für die Berufsausbildung und 350 Plätzen für die polytechnische Ausbildung von 4500 Schülern, vorgesehen. Weiterhin die Rationalisierung und Umprofilierung des Hauptwerkes in den Jahren 1972 bis 1975, der Bau eines Hauses für Wissenschaft, Technik, Bildung und Kultur im Stadtzentrum und die Umorganisation des Reichsbahnausbesserungswerkes Jena.16

Die Realisierung der neuen Zielstellungen bedeutete für den VEB Carl Zeiss Jena also nicht zuletzt eine entschiedene Erweiterung der Baukapazitäten, worauf im weiteren Verlauf der Arbeit noch eingegangen wird.

Neben dem VEB Carl Zeiss wurde das Bild der Stadt aber auch maßgeblich durch die Friedrich-Schiller-Universität geprägt.

1.2. DIE ROLLE DER FRIEDRICH-SCHILLER-UNIVERSITÄT JENA

Die Friedrich-Schiller-Universität, die erste Universität auf deutschem Boden, die 1945 neu gegründet worden war, konnte bis zum Ende der sechziger Jahre einen steten Aufschwung an Studentenzahlen verzeichnen. In den sechziger Jahren wurden durch den Vorrang der technischen Wissenschaften neue Akzente gesetzt. Die bereits seit Ende der vierziger Jahre sich abzeichnende sozialistische Umgestaltung der Universität wurde mit der III. Hochschulreform abgeschlossen. Die sogenannte „III. Hochschulreform“ war auf Grund eines Gesetzes über das einheitliche Bildungssystem aus dem Jahre 1965, seit 1967 als ein neuer Abschnitt in der Entwicklung der Hochschulen der DDR eingeleitet worden. Die „organische Verflechtung des wissenschaftlichen Potentials der Universitäten und Hochschulen mit dem gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß“ herbeizuführen, „um die Forschungskapazität des Hochschulwesens in enger Verbindung mit der sozialistischen Praxis für die Erreichung von Pionier- und Spitzenleistungen einzusetzen“17, war ihre Hauptaufgabe. Diese Aufgabe und die Entscheidung des Parteitages für strukturpolitische Maßnahmen wurden zur Richtlinie für ein neu herauszubildendes wissenschaftliches Profil der Friedrich -Schiller-Universität. Da die Universität durch die Zersplitterung ihres wissenschaftlichen Potentials für die „neuen Aufgaben“ nicht gerüstet war, ging man daran, ein neues Jenaer Universitätsprofil zu entwerfen und umzusetzen. Durch die auf dem VII. Parteitag gefaßten Beschlüsse zur Förderung des in Jena beheimateten Wissenschaftlichen Gerätebaus lag es nahe, Ausbildungs- und Forschungskapazitäten auf diesen Industriezweig zu konzentrieren.18 Für das wissenschaftliche Profil der Friedrich-Schiller-Universität hatte das gravierende Umwandlungen zur Folge. Der letzte Rest der bürgerlichen Lehre sollte endgültig dem Parteidiktat untergeordnet werden.19 Die Landwirtschaftswissenschaften, die Pharmazie, philologische und kunstwissenschaftliche Ausbildungsrichtungen wurden aus „bildungsökonomischen und materiellen“ Gründen aus der Friedrich-Schiller- Universität ausgegliedert. Es wurden harte Diskussionen geführt, und selbst in den Reihen der SED kam es zu oppositionellen Haltungen gegen die Ausgliederungen verschiedener Ausbildungsrichtungen, besonders der Rechtswissenschaften.

Mit der III. Hochschulreform und in der Zusammenarbeit zwischen dem VEB Carl Zeiss und der Friedrich-Schiller-Universität enstanden auch für die Universität neue Zielstellungen.

Im Vertrag der Friedrich-Schiller-Universität mit dem VEB Carl Zeiss Jena aus dem Jahre 1968 steht:

„Die Friedrich-Schiller-Universität setzt ihr Forschungspotential vor allem für die Bedürfnisse des Wisssenschaftlichen Gerätebaus ein. Das gilt in vollem Maße für die Sektionen Physik für den Wissenschaftlichen Gerätebau, Technologie für den Wissenschaftlichen Gerätebau, ökonomische Kybernetik und in hohem Maße für die Sektionen Mathematik und Chemie. Darüber hinaus setzen auch andere Bereiche ihr wissenschaftliches Potential ein, um Problemstellungen aus dem Wissenschaftlichen Gerätebau zu untersuchen.“20 Dieser neue Vertrag mit dem Inhalt der gemeinsamen gesellschaftlichen Verantwortung für die rasche Entwicklung des Wissenschaftlichen Gerätebaues zwischen der Friedrich-Schiller-Universität und dem VEB Carl Zeiss sollte die traditionelle Zusammenarbeit, die am 07. Mai 1963 eingeleitet worden war, auf eine neue Stufe heben.

Die Grundfragen der Zusammenarbeit bestanden in der Erziehung und Ausbildung von hochqualifizierten Kadern verschiedener Wissenschaftsdisziplinen für den späteren Einsatz im Wissenschaftlichen Gerätebau, der Weiterbildung von Hochschulabsolventen aus dem VEB Carl Zeiss Jena durch die Einrichtungen der Friedrich-Schiller-Universität und der Forschung im Interesse eines wissenschaftlichen Vorlaufs für den Wissenschaftlichen Gerätebau. Der Generaldirektor war Mitglied des gesellschaftlichen Rates der Friedrich-Schiller-Universität und umgekehrt war der Rektor Mitglied des Produktionskomitees im VEB Carl Zeiss. In einer Stellungnahme heißt es:

„Uns geht es um eine Großindustrie, die in der Lage ist, die Möglichkeiten zu nutzen, die die Wissenschaft bietet. Andererseits benötigen wir eine moderne Wissenschaft, die den Anforderungen der modernen Großindustrie gerecht wird “21 „ Mit der Einbeziehung bedeutender Forschungskapazitäten der FSU in den Großforschungsverband erfolgt zugleich ein wichtiger Schritt in der Weiterführung der Hochschulreform mit dem Ziel der organischen Verflechtung des Hochschulwesens mit dem gesellschaftlichen Gesamtsystem des Sozialismus.“22

Diese Vereinigung der Industrieforschung mit der Universitätsforschung hatte zur Folge, daß die Friedrich-Schiller-Universität 70 % ihrer gesamten Forschungskapazität auf den Wissenschaftlichen Gerätebau zu orientieren hatte.

Besondere Orientierung erfolgte auf die oben genannten Sektionen. Die Befürchtungen nicht weniger Wissenschaftler, daß die eingeschlagene Entwicklung zu einer Magerprofilierung und zum Kulturabbau führe und die FSU gleichsam in eine akademische Bedienungsanstalt des VEB Carl Zeiss Jena für wissenschaftliche Tagesaufgaben verwandelt wird, erforderte „die Organisierung einer weitreichenden ideologischen Offensive durch die Parteiorganisation im Sinne der Aufgabenstellung des 9. Plenums“23, um alle Universitätsangehörigen von den Strukturänderungen zu überzeugen.

Die nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem VEB Carl Zeiss entstandenen Aufgaben mußten auch neue Akzente in der Bauplanung auslösen.

2. DIE NEUGESTALTUNG DER JENAER INNENSTADT SEIT DEM ENDE DER SECHZIGER JAHRE

2.1. BAUPLANUNG BEIM VEB CARL ZEISS UND BEI DER FRIEDRICHSCHILLER-UNIVERSITÄT

Im VEB Carl Zeiss wurden schon frühzeitig Überlegungen zum Ausbau der vorhandenen Bausubstanz angestellt.

Seit 1962 gab es im VEB Carl Zeiss Erwägungen, die betriebseigenen Bauten im Stadtzentrum zu erweitern.

Nach Fertigstellung des ersten Forschungshochhauses (Baues 59) im Leutragraben, welches jetzt als Mehrzweckgebäude genutzt wird, und dem Auszug der Laboratorien aus dem Teichgrabengebäude, sollte zwischen diesem und dem Reichsbankgebäude (heutige Sparkasse Schillerstraße) ein Zwischenbau entstehen, um die Vertriebsdirektion komplex unterbringen zu können. Für den an diese Bauten anschließenden Block bis zum Engelsplatz, Holzmarkt und Thälmannring war der Bau eines Kulturhauses und eines Appartementsgebäudes für „junge Intelligenz des VEB Carl Zeiss und der Universität“24 vorgesehen.

Im Rahmen eines 1967 ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerbs war bereits von einem neuen Verwaltungshochhaus die Rede.

In Vorbereitung des 2. Ministerratsbeschlusses von 1968 wurde vom VEB Carl Zeiss Jena zur Unterbringung des „Großforschungszentrums“ ein Gebäude konzipiert, daß zur Unterbringung von 3300 Fach- und Hochschulkadern geeignet war. Auf Grund der Untersuchungen zum Stadtzentrum, die mit einer öffentlichen Ausschreibung und einer Studie durch die Deutsche Bauakademie vom 30.04.68 verbunden waren, lagen Entwürfe und Modelle für ein Scheibenhochhaus vor, welches ursprünglich als Verwaltungsgebäude gedacht war. Diese Entwürfe und Wettbewerbsarbeiten wurden aber nie der Öffentlichkeit vorgestellt. Durch den Bezirksarchitekten Bortenreuter wurde Prof. H. Henselmann25 von der Deutschen Bauakademie Berlin eingeschaltet, um für Jena eine typische Dominante zu entwickeln. .

Prof. H. Henselmann schlug, „inspiriert durch die Türme von Jena“,26 eine Rundbaukonzeption vor. Im Reisebericht über den Besuch bei der Deutschen Bauakademie heißt es allerdings:

„Unter Berücksichtigung der bereits ausbilanzierten Stahlbaukapazität und der Sicherung des Teilfertigstellungstermins im Jahre 1971 schlägt Prof. Henselmann einen runden Baukörper von rund 40 - 42 m Durchmesser und einem Innenkern von 10 m Durchmesser in Abstimmung mit dem Präsidenten der Deutschen Bauakademie vor.“27 Der Baukörper sollte auf einem darunter befindlichen terrassenartigen Baukörper (3 Terassen) aufgesetzt werden. Die Höhe des runden Baukörpers sollte ca. 110 m betragen. Demnach liegen die Gründe für diesen Rundbau in der erschöpften Stahlbaukapazität und in ökonomischen Gesichtspunkten (z.B. schnelles Bautempo). Ansonsten hätte der VEB Carl Zeiss auch gerne einen rechteckigen Baukörper genommen.28

In einer am 14.01.69 dem Politbüro vorgelegten Projektstudie29 wurde der Rundbau mit dem im Flachbau enthaltenen Rehabilitationzentrum grundsätzlich bestätigt. Sie zeigt einen über einem vier - geschossigen Flachbau mit unterirdischen Parkgaragen stehenden Rundturm. Er erreicht eine Höhe von ca. 134 m bei insgesamt 33 Geschossen. und einem Durchmesser von 38,50m. Die vertikal durch Fensterbänder durchbrochene Fassade ist glatt. In ihr befinden sich in gesprenkelter Anordnung die nach außen auskragenden, runden, linsenförmigen Fenster. Den oberen Abschluß bildet eine Art Krone (sozialistische Stadtkrone ?) mit einem Hubschrauberlandeplatz.30 Dieser Vorschlag entstand jedoch ohne vorherige Einholung von Bauangeboten und war mit den im Ministerratsbeschluß vorgeschriebenen finanziellen Mitteln von 115,0 Mio M (55,0 Mio Forschunngsneubau; 60,0 Mio M Rehabilitationszentrum) nicht zu realisieren. Entgegen den im Ministerratsbeschluß getroffenen Festlegungen, ein Forschungshochhaus und ein Haus für Wissenschaft, Technik, Bildung und Kultur (Rehabilitationszentrum) zu bauen, war beschlossen worden, ein einheitliches Ensemble zwischen Forschungshochhaus und Rehabilitationszentrum zu bilden.31

Entsprechend einer vertraglichen Vereinbarung vom 27.11.68 war das VE Bau- und Montagekombinat Erfurt verpflichtet auf, Grund der dem Politbüro vorgelegten Arbeitsunterlagen dem VEB Carl Zeiss ein Angebot für den Bau des FNB 71 zu machen.

Mit der Übergabe des Angebotes am 31.10.69 von 217,0 Mio M, also einer erheblichen Kostenüberschreitung, kam es zu einer Beratung zwischen dem Generaldirektor des VEB Carl Zeiss E. Gallerach, Vertretern des Bauministeriums und der Deutschen Bauakademie, auf der einstimmig erklärt wurde, „daß der durch den Politbürobeschluß

(Projektstudie) der CZ-Bauten im Stadtzentrum von Jena“ am 05.11. 68 in Berlin, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3345(unpag.) festgelegte Baukörper zu dem im Ministerratsbeschluß genannten und in der Politbürovorlage bestätigten Wertumfang nicht zu errichten ist“32.

Auf Grund dieser Kostenexplosion, die Zeiss vor unüberwindliche ökonomische Probleme stellte, wurde beschlossen, die Konzeption zu überarbeiten. Am 18.11.69 erfolgte daraufhin eine Beratung mit Vertretern des Ministeriums für Bauwesen, dem BMK Erfurt und dem Carl Zeiss Jena. In den Gesprächen wurden dann durch die Vertreter von Zeiss nach Abstimmung mit Prof. H. Heynisch und Prof. H. Henselmann Zugeständnisse zur Reduzierung der Kubatur gemacht. Gleichzeitig entfielen damit auch spezielle Forderungen wie der Hubschrauberlandeplatz. Die Tiefgaragen, wovon eine Ebene aufgrund des Grundwasserspiegels schon im Februar 1969 reduziert worden war33, entfielen. Die geplante Fußgängerbrücke über der Schillerstraße, zwischen dem Bau 59 und dem FNB 71, hatte man schon im August 1969 aus Kostengründen, zugunsten eines Fußgängertunnels unter der Straße, aufgegeben.34

Eine daraufhin am 01.12.69, von der Innenprojektierung Erfurt,Betriebsteil Jena, natürlich immer in Zusammenarbeit bzw. unter Aufsicht der Deutschen Bauakademie, vorgelegte neue Konzeption hatte die Verringerung der Gesamthöhe des Baues um 15,80 m, sowie des Durchmessers um 4,60 m zur Folge. Dadurch verringerte sich die Gesamtbruttofläche um 14500 qm.

TABELLE 235

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die unzureichenden finanziellen Mittel wirkten sich auch an der Fassade, den Fenstern und den Decken aus. In der Beratung am 12.11.69 wurde in Vorbereitung einer neuen Konzeption bei der Gutachterstelle des Ministeriums für Bauwesen festgelegt, durch eine Arbeitsgruppe zu untersuchen, ob die Stahldecken durch eine brandschutztechnische günstigere Stahlbetondecke zu ersetzen ist.

Das Gutachten sprach sich positiv für die Stahlbetondecken aus. Obgleich dem BMK Erfurt also die brandschutztechnischen Konsequenzen einer Stahldecke bekannt waren, erfolgte keine Realisierung der Gutachterempfehlung36 - vermutlich aus Angst, durch die Umprojektierung das in der 22. Kontrollberatung vom 06.02.70 vorgegebene Limit von 137,6 Mio Mark37 zu überschreiten.

Von der zuerst geplanten weißen Kunststeinfassade mit runden Fenstern wurde zugunsten einer Vorhangfassade aus Aluminiumelementen abgegangen.

Das neue Gebäude sollte die Arbeitsumwelt für solche Arbeitskräfte darstellen, „ die für die konstruktive Bearbeitung von Gerätesystemen, rationelle und technologische Produktionsvorbereitung und Prozeßrationalisierung und - automatisierung schöpferisch tätig sind, einschließlich der für die strategische Führung des Werkes notwendigen Bereiche und ihrer wichtigsten Funktionsorgane.“38

TABELLE 339

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die anvisierte Großforschung und für die Verzahnung vom VEB Carl Zeiss Jena und der Friedrich-Schiller-Universität gab es Probleme, die nicht zuletzt in der ungenügenden Bausubstanz der Universität bestanden.

Sie besaß in Jena und zum Teil auch außerhalb des Stadtgebietes eine Altbausubstanz, deren Umfang, Nutzungsalter, Qualität und Verteilung den Anforderungen der Lehre und Forschung in großen Teilen nicht mehr entsprach. Von 82 in Rechtsträgerschaft der Friedrich-Schiller-Universität befindlichen Gebäuden wurden 39, d. h. ca 50 % vor 1900 errichtet, 3 von diesen vor 1800. Diese Angaben schließen die Gebäude der Medizin nicht mit ein. In einem Bericht zu der Rekonstruktion der Universität heißt es dazu:

„Diese Substanz gestattet es der Friedrich-Schiller-Universität nicht, die angemessenen räumlichen und funktionellen Voraussetzungen für die Erfüllung der ihr übertragenen Aufgaben zu schaffen. Diese Situation wirkt in hohem Maße mindernd auf die Effektivität in Lehre und Forschung. Sie erschwert die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Wissenschaftsgebiete, zerreißt durch ihre ausgedehnte Streulage elementare funktionelle Beziehungen, erhöht die Betriebskosten und steht echten Rationalisierungsmaßnahmen im Wege.“40

Die Diskrepanz zwischen der Anzahl der Studierenden und den räumlichen Gegebenheiten wird deutliche, wenn man berücksichtigt, daß die Friedrich-Schiller- Universität 1960 über etwa 4500 Studierende verfügte, 1971 jedoch - einschließlich Forschungs - und Fernstudenten - über 7300.

Um das wissenschaftliche Potential, gemäß dem Ministeratsbeschluß vom 28.08.68, der Universität „planmäßig“ in den profilbestimmenden Bereichen zu erweitern, wurden daraufhin folgende Neubauten geplant:

TABELLE 441

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten42

Ende 1970 erfolgte eine Präzisierung der Erweiterungsbauten mit der Verschiebung der Fertigstellungstermine des gesamten Vorhabens auf 1977.

Der vorgesehene Standort umfaßte eine Fläche von 118, 5 ha. Der Gesamtaufwand sollte von 1971 - 1977 358, 0 Mio M betragen.43

Weitere Beratungen über die Vorbereitung und Durchführung der Baumaßnahmen folgten mit dem Ziel einer Grundsatzentscheidung per 30.11.71 durch den Ministerrat.44 Diese Entscheidung fiel dann aber, wie sich später herausstellte, anders aus als erwartet.

Diese gigantischen Bauvorhaben, vor allem der Zeiss-Werke und der Universität mußten gravierende Auswirkungen auf die Jenaer Innenstadt besitzen.

2.2. DIE PLANUNG DER STÄDTISCHEN NEUBEBAUUNG

1969 wurde schrittweise und zögernd in der Bevölkerung bekannt, welche dramatische Umgestaltung die Jenaer Innenstadt durch den Aufbau des Großforschungszentrums erfahren sollte. In einer Direktive für die städtebauliche Gestaltung hieß es noch relativ unkonkret:

„Das Zentrum der Großforschung wird in Verbindung mit dem geistig kulturellen Zentrum für die gesamte Stadt das zentrale, dominierende Ensemble, das durch seine kühne und unverwechselbare Gestaltung dem Stadtzentrum den spezifischen neuen Ausdruck verleihen muß. Die besondere topographische Lage der Stadt, besonders des Zentrums im Achsenkreuz zweier gravierender Täler mit kulissenhaft wirkenden, oft schroffen, kahlen, zum Teil auch bewaldeten Berghängen, die fingerartig durch das Zentrum in die Auenlandschaft führen, zwingt dazu, auch aus dem Zentrum heraus die Landschaft erlebbar zu machen.

Es ist deshalb notwendig, die Zugänge zum Stadtzentrum durch hohe Baukörpergruppen besonders zu betonen und die vielgeschossigen Baukörper des Wohnungsbaues am Ostrand des Kerngebietes so zu gestalten, daß Durchblicke in die Landschaft erhalten bleiben.

Höhepunkt des Massenaufbaues der Baukörper im Zentrum bilden die Objekte des VEB Carl Zeiss Jena.“45

Als städtebauliches Grundprogramm war bis 1975 folgendes vorgesehen:

„Zwischen Holzmarkt und Leutrastraße, Schillerstraße und Markt
- hier wird bis auf die Randfläche des Eichplatzes ein flächenhafter Abbruch nötig
- in der oberen Zone: der Forschungsneubau; das Mehrzweckverwaltungsgebäude; in der Fußgängerzone mit besonderer Plattform
- das Rehabilitations - Zentrum
- in der unteren Zone: ruhender Verkehr und Warenanlieferung Baubeginn 1970

Zwischen Thälmann-Ring, Saalstraße und Markt - Zentraler Platz Teilabbrüche
- das Kaufhaus; Einrichtungen des Handels und der Dienstleistungen Baubeginn: 1971

Zwischen Thälmann-Ring, Knebelstraße, Paradiesstraße, Haeckel-Straße, Ernst- Abbe-Str.
- ergänzende Bauten der Kultur, des Handels, der Gastronomie und Dienstleistungen
- im Bereich Grietgasse zentrale Omnibushaltestelle 1973

Zwischen Goethe-Allee, Weigelstr, Markt, Saalstr,Thälmannring,
- kommt es bis 1975 darauf an, vorhandene Substanz am Kupferhütchen und an der Schloßgasse für Bauvorhaben des Verkehrs (Parkplatz und F88) zu beseitigen Zwischen Goethe-Allee und Käthe-Kollwitz-Straße, Am Planetarium und Saalbahnhofstr.
- hier ist die Neugestaltung der Zone in der Goethe- Allee vorgesehen Beginn 1973

Zwischen Thälmann-Ring und Bahnstrecke, Käthe-Kollwitz-Straße. und Paradiesbrücke
- dieses Gebiet soll weitestgehend geräumt und bis auf die Randzone am Kupferhütchen und Thälmann Ring flächenhaft für reinen Wohnungsbau erschlossen werden

Zwischen Puschkin-Platz - Westbahnhof - Lutherstraße - Brauerei

- es ist ausschließlich für den vielgeschossigen Wohnungsbau vorgesehen.“46

Doch was bedeutete das für die Jenaer Altstadt konkret ?

Bereits am 26. 04. 1968 hatte Walter Ulbricht im Volkshaus verkündet, daß der Präsident der Bauakademie und der Minister für Bauwesen veranlaßt haben, den Neubau des Stadtzentrums von Jena zu projektieren. „Das ist die Linie, die genau unseren Prinzipien entspricht, die wir auch in einigen anderen Städten anwenden, in denen Bombenschäden zu verzeichnen sind und wo es schwer ist, eine architektonische Gestaltung des Zentrums fertigzubringen, wenn man einige „alte Zähne“ stehen läßt. Man muß offenkundig auch einige „alte Zähne“ beseitigen, damit ein „gesundes Gebiß“ gefertigt werden kann.“47

Nur handelte es sich bei den „Zähnen“ teilweise um „Goldzähne.“

In den ersten Entwürfen der Umgestaltung sollte ein bewußter und deutlicher Eingriff in die Substanz mit dem Forschungsneubau und dem Rehabilitationszentrum vorgenommen werden.

„In der ersten Ausbauphase bis 1975 bleibt das Institut am Holzmarkt noch stehen - allerdings wird bereits in dieser Phase durch den Abriß der Südseite der Kollegiengasse das alte Collegium Jenense teilweise beseitigt. Dieser Eingriff ist eine Zwischenphase, im Endausbau wird auch das Institut am Holzmarkt und der damit verbleibende Teil des alten Collegium Jenense beseitigt werden müssen.“48

Der Wegfall des Reha-Zentrums, um das Collegium Jenense erhalten zu können, .“..wäre sowohl städtebaulich - räumlich unvertretbar, wie auch vor allem inhaltlich ein großer Verlust für das Zentrum und den Zentralen Platz. Es geht nicht um den Bau eines Schwimmbades, einer Kegelbahn und anderer für sich gesehen prosaischer Einrichtungen, sondern um die architektonische Manifestation des Wesens der wissenschaftlich-techn. Revolution unter den Bezirkes Gera und Rat der Stadt Jena, 23.05.68, in: Bauaktenarchiv Jena, Bestand: Stadtzentrum (unpag.) Bedingungen der soz. Revolution. Der VEB CZ hat mit der Bauaufgabe FNB und Reha-Zentrum den Beginn für eine völlig neue Kategorie von Bauten gemacht, die den Inhalt unserer soz. Epoche widerspiegeln.“49

Im Herbst 1968 nahm die Planung des Zentralen Platzes im Stadtzentrum von Jena konkrete Züge an. Bei einer Beratung beim Oberbürgermeister Windrich im Oktober 1968 wurde das von Auftragsleiter Bortenreuter vorgestellte Modell des Zentralen Platzes als städtebauliche Grundkonzeption bestätigt.50

Dieses Konzept sah das Zentrum Warenhaus mit seinem Standort zwischen GoetheAllee und Johannisstraße vor. Der Grundriß sollte mit einer Kantenlänge von 73 m quadratisch sein, der Abstand zur Altbausubstanz „Rose“ etwa 18 m und zu den Bauten der Weigelstraße ca. 10 m betragen.

Ein Mehrzweckgebäude war für die Umsetzung von Verwaltungen, Dienststellen, Kreditinstituten und Sozialversicherungen vorgesehen. Dieses Gebäude sollte in nördlicher Richtung unmittelbar neben dem alten Rathaus seinen Platz finden und den Markt vom neuen Zentralen Platz trennen. Geplant waren außerdem das Haus der Wissenschaft, Kultur und Bildung, sowie der Forschungsneubau vom VEB Carl Zeiss mit Rehabilitationszentrum. Durch diese vier Gebäude wollte man einen Platz von ca. 140 x 80 m schaffen, der bei Standdemonstrationen ca. 40 000 - 50 000 Personen aufnehmen konnte.

3. DIE STÄDTISCHE NEUBEBAUUNG UND DIE JENAER ÖFFENTLICHKEIT - Der Kampf Jenaer Wissenschaftler für den Erhalt des Collegium Jenense

Wie reagierte die Jenaer Bevölkerung auf eine in der Geschichte der Stadt einzigartige Umgestaltung des Stadtkerns?

Nach dem zur Verfügung stehenden Material, scheint es in der Öffentlichkeit nicht zu elementaren oppositionellen Regungen gegen die Innenstadtgestaltung gekommen zu sein. Die Kritik der Jenaer Bürger bestand nicht direkt aus Einwänden gegen den Forschungsneubau an sich, sondern vielmehr an der Öffentlichkeitsarbeit der zuständigen Stellen.

Es entstand der Eindruck einer „Geheimniswissenschaft“, da die Diskussionen um das neue Stadtzentrum auf einen Kreis von Fachleuten beschränkt blieb und die Jenaer Öffentlichkeit nur ungenügend mit einbezog. Ein zu der Zeit sehr kühner Artikel in der Thüringischen Landeszeitung vom 07.02.69 gibt die Situation sehr gut wieder:

„Sie kennen doch sicher jenen Barbier, der virtuos von seiner Beanspruchung singt, eine Bravourarie, applaussicher, wenn man sich die Luft richtig einteilt. Würde er die Arie „Wo nehm ich die Antwort her“ aus dem Wartical „Das schöne Jena von morgen“ singen, begleitet von einem Rezitativ des Chors stiller Informationsträger, wobei Statisten im Hintergrund ein Modell von einer Bühnenecke in die andere tragen, ich bin nicht sicher, ob er Beifall erhielte.

In der Tat, Nachbarn, was sich zur Zeit in Jena im permanenten Gespräch befindet, was an Fragen auf meinen Tisch flattert, das ist Ergebnis einer Informationsverteilung nach dem bekannten Salami-System: scheibchenweise. Hie die Gewißheit, da der Zweifel. Während der eine sagt, man könne über die Höhe des Hochhauses nichts in der Zeitung schreiben, ist die Höhe längst Tagesgespräch zwischen Saalfeld und Camburg, während der andere meint, das und jenes ist nicht für die Presse bestimmt, hatten bereits 11000 Jenaer die Gelegenheit genutzt, sich das Modell des neuen Zentrums anzusehen. Und natürlich diskutieren sie darüber, aber es fehlt die Grundlage Wer bereit ist, bei der Reparatur seiner Straße tatkräftig Hand anzulegen, weil das ein Stück schöneres Jena bedeutet, der leitet aus dieser Hilfe auch das Recht ab, in großen Dingen mitsprechen zu dürfen , das neue Zentrum sei keine Angelegenheit der Ingenieure allein, sondern aller Einwohner, die Bürger haben das Recht, von Beginn an mitzusprechen - aber diese Worte stehen im Widerspruch zur Enthaltsamkeit in der Öffentlichkeitsarbeit. Zur Zeit laufen die Baugrunduntersuchungen und Vermessungen, am 1. Juli soll mit dem Abriß begonnen werden. Beginnen wir also mit der Diskussion, wenn vollendete Tatsachen das Terrain erschweren?“51

[...]


1 Siehe hierzu Topfstedt, Th. „Städtebau in der DDR 1955- 1971“, Leipzig 1988, S.154, Anmerkung[12]

2 Siehe hierzu Topfstedt, Th. „Städtebau in der DDR 1955- 1971“, Leipzig 1988, S. 154, Anmerkung[13]

3 Siehe Topfstedt, Th., „Städtebau in der DDR 1955 - 1971“, Leipzig 1988, S. 49 f. „ Im Gegensatz zur Engräumigkeit der meisten mittelalterlichen Anlagen und der City kapitalistischer Städte ist Großzügigkeit und Weiträumigkeit ein Wesenszug sozialistischer Städte Eine großzügige und weiträumige Bebauung entspricht den räumlichen Vorstellungen und ästhetischen Anschauungen des Menschen im Sozialismus. Die offene, weiträumige Bebauung verändert das architektonische Bild der Plätze und Straßen. Die Bebauung der Ensembles sozialistischer Stadtzentren unterscheidet sich deutlich von den allseitig räumlich geschlossenen Straßen und Platzanlagen der Städte früherer Bauepochen. Die Großzügigkeit und Weiträumigkeit, wie sie in einer

4 Angaben aus: Schumann, W. „Carl Zeiss Jena - Einst und Jetzt“, Berlin 1962, S.585 u. 699

5 Protokoll der Betriebsleiterkonsultation VEB Carl Zeiss vom 12.11.68, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Protokolle der Direktionssitzungen 03.01.68-18.12.68, VA 00126 (unpag.)

6 „Ein Gerätesystem ist die Kombination von Erzeugnissen aus verschiedenen Erzeugnisgruppen bzw. die Integration verschiedener wissenschaftlich-technischer Grundlösungen mit zwingendem gebrauchswertseitigen Zusammenhang, gerichtet auf relativ geschlossene technologische Systeme; Meß- und Analysenprozesse; geistige Routinearbeiten, zum Zwecke der Rationalisierung und Automatisierung“, Strukturkonkrete Planunterlagen der Strukturlinie Wissenschaftlicher Gerätebau , Jena 21.03.69, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Bestand: Ehemalige Verschlußsachen 1969(unpag.)

7 Umfangreicher Einsatz in der reinen und angewandten Forschung fast aller naturwissenschaftlicher Disziplinen; Einsatz zur Kontrolle von Prozessen und Produkten in vielen Industriezweigen und Bereichen; Einsatz bei der apparativ- technischen Durchdringung der Land- und Forstwirtschaft; Einsatz bei der zunehmenden geologischen Erschließung vorwiegend der Entwicklungsländer, des Meeresbodens und der Polregionen; Einsatz bei der Analyse biologischer Stoffe in der medizinischen und biologischen Forschung.

8 Sie vermittelt Informationen über die Geometrie eines Werkstückes ohne Rückwirkung auf den Bearbeitungsvorgang ( passive Meßverfahren ) bzw. sie sichert die Fertigung maßhaltiger Werkstücke durch eine aktiv auf den Bearbeitungsvorgang zurückwirkende Datenverarbeitung der Meßergebnisse am Werkstück oder an der Bearbeitungsmaschine ( aktive Meßverfahren ). Längenmeßtechnik ist eine der Existenzgrundlagen für die von ihr berührten industriellen und wissenschaftlichen Bereiche.

9 Vielfältige Anwendungen z.B.Herstellung von Karten und Plänen zur Planung, Projektierung, Landvermessung, Landesverteidigung; Satellitenmeßtechnik

10 Extraterrestrische Vermessungen und Selektierungen, Kartierung extraterrestrischer Körper, Photointerpretation astronomischer Aufnahmen; Erdvermessung durch Raumflugkörper

11 Strukturkonkrete Planunterlagen der Strukturlinie Wissenschaftlicher Gerätebau vom 21.03.69, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Bestand: Ehemalige Verschlußsachen 1969(unpag.)

12 In: Strukturkonkrete Planunterlagen der Strukturlinie Wissenschaftlicher Gerätebau , Jena 21.03.69, Firmenarchiv Carl Zeiss, Bestand: Ehemalige Verschlußsachen 1969 (unpag.)

13 „Deckung des Bedarfes an wissenschaftlichen Präzisionsgeräten durch Beschleunigung der

Entwicklung des VEB Carl Zeiss Jena“, Ministerratsbeschluß 2/49/3/68 vom 28.08.68, in:Bundesarchiv Potsdam, Bestand: Ministerratsbeschlüsse, DC 20/I 4 1829, S.101f.

14 Ministerratsbeschluß 2/49/3/68 vom 28.08.68, Bundesarchiv Potsdam, Bestand: Ministerratsbeschlüsse, aus: Strukturkonkrete Planunterlagen der Strukturlinie Wissenschaftlicher Gerätebau vom 21.03.69, in: BetrieDC 20/I 4 1829, S. 102

15 Angaben barchiv Carl Zeiss, Bestand: Ehemalige Verschlußsachen 1969(unpag.)

16 Angaben aus: Ministerratsbeschluß 2/49/3/68 vom 28.08.68, Bundesarchiv Potsdam, Bestand Ministerratsbeschlüsse, DC 20/I 4 1829, S. 111

17 Hrsg. Schmidt, S. „Alma mater Jenensis“, Weimar 1983, S. 411, aus: Hörnig, H. „Die

Hochschulreform in der DDR-Ausdruck kontinuierlicher und schöpferischer Wissenschaftspolitik der SED, in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Sonderheft, 1971, S. 39

18 Hrsg. Schmidt, S. „Alma mater Jenensis“, Weimar 1983, S. 411

19 Siehe Fröhlich, S. „Die dritte sozialistische Hochschulreform an der Friedrich-Schiller-Universität.“in: Vergangenheitsklärung an der FSU Jena-Beiträge zur Tagung „Unrecht und Aufarbeitung“ am 19.und 20.06.92,Leipzig 1994 / „Die meisten Hochschullehrer sanken in den Status untergeordneter Sachbearbeiter ab, die meisten hatten an der Hochschulpolitik keinen Anteil mehr. Sie konnten, selbst wenn sie gewollt hätten, was aber -leider muß ich es hier vermerken, zumindest meiner Kenntnis nachan keiner Stelle sicht- bzw. hörbar wurde, ihre Stimme nicht mehr erheben.“

20 Vertrag über die Zusammenarbeit zwischen der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem VEB Carl Zeiss Jena 1968, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Bezirksparteiarchiv der SED Gera, Universitätsparteileitung Jena 489, S. 22

21 Stellungnahme zur Konzeption für den sozialistischen Großforschungsverband und dem Bildungsverband Wissenschaftlicher Gerätebau der Arbeitsgruppe für Prognose und Führungsfragen beim Sekretariat der Bezirksleitung Gera am 15.03.69, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Bezirksleitung Gera IV/B-2/9.02./583, S. 47

22 Zu Problemen der Vorbereitung und Bildung des Großforschungsverbandes Wissenschaftlicher Gerätebau, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Bezirksleitung Gera IV/B-2/9.02./583, S. 54

23 Erfahrungen und Probleme der politisch- ideologischen Führungstätigkeit bei der Konsequenten Orientierung der Friedrich-Schiller-Universität auf den Wissenschaftlichen Gerätebau 13.11. 68, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Bezirksparteiarchiv der SED Gera, Universitätsparteileitung Jena 489, S. 95f.

24 Brief von Dr. Schrade (Werkleiter VEB Carl Zeiss) an den Oberbürgermeister der Stadt Jena vom

12.02.62, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Bestand: Planungen, Prognosen, Entwicklungtrends, Abrechnungen (unpag.)

25 Prof. H. Henselmann, geb. 1905 in Roßla (Harz), 1919-22 Tischlerlehre, 1922-25 Handwerker-und Kunstschule Berlin, ab 1927 Architekt, u.a. Wohnhaus in Montreux (Schweiz) und Bauernhöfe für Neusiedler in Hohensalza, 1934 Ausschluß aus Reichskulturkammer, 1945 Kreisbaurat in Gotha, 1946 SED, 1945-49 Direktor der Staatlichen Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst Weimar, seit 1949 in Berlin, Mitarbeiter im Institut für Bauwesen der Deutschen Akademie der Wissenschaften (DAW), Hochhaus an den Weberwiese (1951) wird architektonisches Leitbild für die Stilphase der „nationalen Tradition“, gestaltet an der Stalinallee die Turmhauspaare am Straußberger Platz (1952/53), Bauten in Frankfurt (Oder) und Saßnitz; 1951 Direktor des Instituts für Theorie und Geschichte der Baukunst der Deutschen Bauakademie (DBA), Leiter der Meisterwerkstatt, 1954-59 Chefarchitekt von Berlin, nach 1956 maßgeblichen Anteil an der Umgestaltung des Berliner Stadtzentrums, Fernsehturmidee (1958), Haus des Lehrers und Kongreßhalle (1961-64), 1966-70 Chefarchitekt im Institut für Städtebau und Architektur der DBA, ab 1966 „Symbolarchitektur“

26 Forschungsneubau 71, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3386, J 42/6 (unpag.)

27 „Reisebericht über den Besuch bei der Deutschen Bauakademie zur Erarbeitung der städtebaulichen Konzeption (Projektstudie) der CZ-Bauten im Stadtzentrum von Jena“ am 05.11. 68 in Berlin, Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3345. An der Besprechung nahmen teil: von der Deutschen Bauakademie: Prof.Henselmann, Dr. Rühle; von der Stadt-und Dorfplanung Gera: Bortenreuter, Mahn, Metzler; vom Rat der Stadt Jena: Stadtarchitekt Dr.Kirsch,;vom BMK Erfurt: Dr. Fiedler,Dipl.-Ing. Henke, Bahlke, Möller; vom Carl Zeiss Jena : Schulze-Sandow, Architekt Schlag, Kaiser / H. Henselmann stellt bei dem Besuch eines Projektierungsstabes unter Leitung von Bortenreuter weiterhin fest:“ Richtig sei, daß er sich bei der Klärung ökonomischer Fragen auch mit dem Bau eines Rundhauses befaßt.“ Notitz über Besuch am 11.11.68 bei Prof. H. Henselmann, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3345 (unpag.)

28 Gründe:ansprechende Lösung für die Grundrißgestaltung mit optimaler Ausnutzung, eine gute Einordnung des neuen Baukörpers zu der bestehenden Substanz, Senkung des Ausrüstungaufwandes, insbesondere der Klimatisierung, bessere Möglichkeiten für die Anbindung an den Bau 59 (Schillerstraße), bessere Variationsmöglichkeit in der Nutzung der einzelnen Geschosse; „Reisebericht über den Besuch bei der Deutschen Bauakademie zur Erarbeitung der städtebaulichen Konzeption

29 Projektstudie der Deutschen Bauakademie Berlin, dem Büro für Städtebau des Rates des Bezirkes Gera, Rat der Stadt Jena, sowie dem BMK Erfurt, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Arbeitsunterlagen FNB 71(unpag.) siehe Anhang, S. 111 ff.

30 Ablehnung der Kopfausbildung von Prof.Heynisch und dem Politbüro, ebenso Bemängelung der

auskragenden Fenster (Staubanfall, klimabedingte Schmutzfahnenbildung und Verschmutzung der Fassade durch die Tauben-und Turmfalkenplage), Niederschrift über die Aussprache mit Vertretern des Instituts für Städtebau und Architektur der Deutschen Bauakademie am 06.02.69, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3343 (unpag.)

31 Die geplante Bausumme von 60,0 Mio M für das Haus der Wissenschaft, Technik, Bildung und Kultur wurde also dem Ensemble zugeschlagen, gleichzeitig verschob sich die Planung von der vorgesehenen Zeit 1973-75 auf 1972-1974 (Bau Rehabilitationszentrum); Entscheidungsvorlage „Zeiss-Bauten im Stadtzentrum Jenas“ 06.11.68,; Programmvorschlag „für das Haus der Wissenschaft...“; Protokoll der Direktionssitzung vom 19.11.68, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3345 (unpag.)

32 Briefentwurf von Generaldirektor E. Gallerach an Generaldirektor Degenkolbe, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3386, J 42 (unpag.)

33 Aktenvermerk des VE Bau- und Montagekombinates Erfurt Betriebsteil Industrieprojektierung Jena, 21.02.69,in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3386 (unpag.)

34 Brief von Aufbauleitung Zeiss (Hanemann) an VE Bau-und Montagekombinat Erfurt vom 17.07.69, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3345 (unpag.)

35 Strukturkonkrete Planunterlagen der Strukturlinie Wissenschaftlicher Gerätebau , Jena 21.03.69, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Bestand: Ehemalige Verschlußsachen (unpag.)

36 „Eine Einschätzung, aus welchen Gründen das BMK Erfurt die vorgeschlagene Variante nicht realisieren kann, ist unsererseits nicht möglich. Jedoch ist dazu herauszustellen, daß sowohl das spez. Gutachten des Chefarchitekten Queck und des Bauingenieurs Talmann als auch die bereits in Gleitbauweise bei gleichzeitigen Deckeneinbau (Stahlbeton) errichteten Hochhäuser Beweis genug dafür sind, daß in der DDR eine solche bautechnische Lösung möglich und aus volkswirtschaftlichen Gründen auch zweckmäßig ist.“ Gutachterstelle Ministerium für Bauwesen/Damm, 04.03.70, in: Stellungnahme zum Bericht der ABI betr. Brandbelastung FNB 71 von Aufbauleiter Zeiss Hanemann, 14.05.74, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3360 (unpag.)

37 “... in der letzten Steger-Beratung wurde die Investition von 137 Mio für das FNB 71 endgültig festgelegt“, Abteilung Bauwesen 12.02.70, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Kreisleitung Jena Stadt Kreiskomitee ABI Untersuchungsberichte ABI 70/71, IV B-4/06/125 , S.1

38 Technologische Beschreibung und Raumprogramm, 13.02.70, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3388 (unpag.)

39 Technologische Beschreibung und Raumprogramm, 13.02.70, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3388 (unpag.)

40 Grundzüge der intensiv-erweiterten Rekonstruktion der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Zwecke der Erhöhung der Effektivität und des Niveaus der wissenschaftlichen Arbeit in Erziehung, Lehre und Forschung , in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Unterlagen Universität, VA 1157 (unpag.)

41 Konzeption für die Erweiterungsbauten der Friedrich-Schiller-Universität in Jena-Lobeda, 12.06.69, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Bezirksparteiarchiv der SED Gera, IV B-4/06/143, S. 52ff.

42 Angaben aus: Bauaktenarchiv Jena, Bestand: Stadtzentrum (unpag.)

43 Ministerratsbeschluß 02-142/2/70, 16.12. 70, Beschluß über die ökonomische Zielstellung für die Erweiterungsbauten der FSU bis 1977 in Jena-Lobeda, in: Betriebarchiv Carl Zeiss, Bestand Ministerratsbeschlüsse (unpag.)

44 Festlegungsprotokoll über eine Beratung zur weiteren baulichen Entwicklung der Friedrich-Schiller- Universität bis 1975 beim Minister für Hoch- und Fachschulwesen, Genossen Prof. Böhme, 21.05.71, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Bezirksparteiarchiv Gera, Universitätsparteileitung Jena 1506, S. 11 ff.

45 Politisch- ideologische Zielstellung zum Aufbau des Stadtzentrums, in: Direktive für die städtebauliche Gestaltung und den Aufbau des Stadtzentrums Jena vom Ministerium Bauwesen, Rat des

46 Mögliche strukturelle Gliederung und zeitliche Abfolge, in: Direktive für die städtebauliche Gestaltung und den Aufbau des Stadtzentrums Jena vom Ministerium Bauwesen, Rat des Bezirkes Gera und Rat der Stadt Jena, 23.05.68, in: Bauaktenarchiv Jena, Bestand: Stadtzentrum (unpag.)

47 Zeitungsausschnitt der Thüringischen Landeszeitung, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, Investvorhaben/Allgemeiner Schriftwechsel 1968-1975, J 42/1, J 42/2 (unpag.)

48 „Jena-Sozialistische Stadt der Wissenschaft und Technik und seine Wechselbeziehung zur historisch gewordenen Stadt“ 17.03.69, in: Staatsarchiv Rudolstadt, Bezirksparteiarchiv der SED Gera IV B-4/06/143, S. 46, siehe Anhang S. 115

49 Wie oben

50 Protokoll über eine Beratung beim Oberbürgermeister der Stadt Jena am 29.Oktober zur Bestätigung der „Städtebaulichen Grundkonzeption des Zentralen Platzes im Stadtzentrum Jena“, in: Firmenarchiv Carl Zeiss, VA 3385, J 42 (1) (unpag.)

51 Siehe „Meyers Wochenendbrief“, in: Thüringische Landeszeitung, 07.02.69 Aufgrund dieses Artikels bekam der Verfasser,Redakteur Müller, Schwierigkeiten. Auf eine Anfrage von Prof. H. Knöll betreffs eines Berichtes über eine Kulturbundsitzung: „Herr Müller lehnte ab, er habe soviel Ärger mit diesem Meyer’schen Brief gehabt, er sei unter Druck gesetzt worden, er könne nicht mehr.“ Aktennotiz Prof. H. Knöll, Jena 21.02.69, in: Archiv Zentralinstitut für Mikrobiologie Jena, Nachlaß Prof. H. Knöll, HKA 33 1969-1971, HKA 34 1968-69, A 3450 1966-1970 (unpag.)

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Das Jenaer Universitätshochhaus 1968-1972 - Ein Beitrag zur Stadtgeschichte
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
1996
Seiten
116
Katalognummer
V8618
ISBN (eBook)
9783638155472
Dateigröße
19491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Universitätshochhaus Jena
Arbeit zitieren
Christian Graudenz (Autor), 1996, Das Jenaer Universitätshochhaus 1968-1972 - Ein Beitrag zur Stadtgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8618

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Jenaer Universitätshochhaus 1968-1972 - Ein Beitrag zur Stadtgeschichte



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden