Gesundheit ist ein Lieblingsthema der Deutschen und keineswegs ein neues Thema. Bereits in den 1970er Jahren gab es einen Trend zum Jogging, einer Sportart, die jeder ohne große Aufwendungen und Hilfsmittel ausüben kann. Im Jahr 1980 gab es in Deutschland bereits 1000 Fitnessstudios, in denen ca. 370.000 Mitglieder trainierten (Deutscher Sportbund e.V. 2000 zitiert nach Dreßler 2002: 44). Zum Jahresende 2001 trainierten bereits 5.400.000 Mitglieder in 6500 Fitnessstudios (Deutscher Sportbund e.V. zitiert nach Deloitte&Touche GmbH: 2006: 5, vgl. auch Rütten et al. 2005: 17).
Der starke Anstieg der Mitgliederzahlen impliziert, dass immer mehr Menschen an der Gesunderhaltung ihres Körpers interessiert sind. Weiterhin wird damit die These akzeptiert, dass jeder selbst für seine Gesundheit und Fitness verantwortlich sei. Heutzutage ist der Gesundheitssport wie Nordic Walking, Aquafitness und Yoga für einen breiten Bevölkerungsanteil interessant, um das eigene körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden zu erhalten bzw. wiederherzustellen und somit auch präventiv gegen die Entstehung von modernen Zivilisationskrankheiten zu wirken (Albers 2002: 142).
Insgesamt hat der Anteil der Bevölkerung, der Sport treibt, durch alle Altersgruppen hinweg zugenommen (Wasmer und Haarmann 2006: 530).
Gesundheit und die Beschäftigung damit ist nach Bauch als ein wichtiges Merkmal von modernen Gesellschaften zu verstehen (Bauch 1996: 9). Denn eine Gesellschaft kann nur bestehen, wenn die Bevölkerung gesund ist und somit die Erfüllung der sozialen Rollen gegeben ist (Siegrist 1995 zitiert nach Wolf und Wendt 2006: 12).
Diese Magisterarbeit ist im Zusammenhang mit der soziologischen Diskussion um bestehende und sich reproduzierende soziale Ungleichheit zu sehen. Auch wenn es in der deutschen Gesellschaft für weite Bereiche sozialer Ungleichheit eine große Akzeptanz gibt, wird diese im Bereich der Gesundheit und den damit verbundenen Lebenschancen von der Gesellschaft nicht akzeptiert.
1 Einleitung
2 Gesundheit ist eine Frage der Definition.
3 Die gesundheitliche Lage in Deutschland. Ein Überblick.
4 Die Unterschiede zwischen subjektiver und objektiver Gesundheit.
5 Die unterschiedlichen sozialen Einflussfaktoren auf Gesundheit
5.1 Die klassischen soziodemographischen Einflussfaktoren auf Gesundheit
5.1.1 Das Alter als vertikaler Einflussfaktor auf Gesundheit
5.1.2 Das Geschlecht als vertikaler Einflussfaktor auf Gesundheit
5.1.3 Der Familienstand und das soziale Netz als vertikale Einflussfaktoren auf Gesundheit
5.1.4 Bildung, Einkommen, Status. Soziale Schicht als horizontaler Einflussfaktor auf Gesundheit
5.1.5 Die Wohnsituation und die Unterschiede zwischen Ost und West als Einflussfaktoren auf die Gesundheit.
5.2 Der Zusammenhang zwischen Gesundheits- und Risikoverhalten und sozialer Schicht und deren Einfluss auf die Gesundheit.
5.2.1 Die schichtspezifischen Unterschiede im Ernährungsverhalten und deren Einfluss auf die Gesundheit.
5.2.2 Die schichtspezifischen Unterschiede in Bezug auf Tabak- und Alkoholkonsum.
5.2.3 Die schichtspezifischen Unterschiede im Sport- und Freizeitverhalten.
5.2.4 Die schichtspezifischen Unterschiede der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen.
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen sozialen Einflussfaktoren auf die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen sozialer Schichtung, Lebensbedingungen sowie Gesundheitsverhalten zu analysieren und die Bedeutung präventiver Ansätze vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit zu beleuchten.
- Soziale Schichtung als Determinante der Gesundheitschancen
- Einfluss von Geschlecht und Familienstand auf die Gesundheit
- Bedeutung des Gesundheits- und Risikoverhaltens (Ernährung, Sport, Suchtmittel)
- Die Rolle der Arbeitswelt und sozioökonomischer Belastungen
- Möglichkeiten und Grenzen der Verhältnis- und Verhaltensprävention
Auszug aus dem Buch
Die unterschiedlichen sozialen Einflussfaktoren auf Gesundheit
In Bezug auf die Gesundheit herrscht in der betriebswirtschaftlichen Literatur die Meinung vor, dass das Individuum der alleinige Produzent seiner Gesundheit sei. Externe und insbesondere soziostrukturelle Einflüsse werden, sieht man einmal von Vererbung, Umwelteinflüssen und Zufall ab, gänzlich ignoriert (Breyer et al. 2003: 71f). Auch in der Medizin herrscht die allgemeine Überzeugung, dass Krankheiten somatische, also körperliche Ursachen haben (König 2000: 270; vgl. auch Langenmayr 1980: 9; vgl. auch Siegrist 2005: 19). Daneben können externe, beeinflussende Faktoren zweiter Ordnung existieren, die jedoch als weitestgehend unbeeinflussbar betrachtet werden (König 2000: 270). Die psychosomatischen Theorien ergänzen diese somatischen Theorien durch die Psyche, welcher heutzutage ein größerer Einfluss auf die Krankheitsentstehung zugeschrieben wird (vgl. auch Bengel et al. 2001: 14f). Der Einfluss der Psyche auf die Entstehung einer Krankheit kann monokausal oder multikausal sein.
In den vergangenen Jahren gab es einen Perspektivenwechsel in den Gesundheitswissenschaften: Die Public Health-Perspektive wird hier immer dominierender, wobei es dabei mehr um die Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung der Bevölkerung geht als um die individuelle Krankheitsbekämpfung (Rosenbrock und Kümpers 2006 zitiert nach Gerlinger 2006: 43). Beim Public Health-Ansatz steht die Verhältnisprävention, also das Herstellen von gesundheitsförderlichen sozialen Verhältnissen, im Zentrum des Interesses. Die Weiterführung zum New Public Health-Ansatz steht für die zusätzliche Verbesserung der individuellen Bewältigungsmöglichkeiten im Sinne des „enabling“ und „empowerment“ (Gerlinger 2006: 43). Während man unter „enabling“ die Erweiterung des Spektrums an Tätigkeiten z.B. am Arbeitsplatz versteht, so bezeichnet der Begriff des „empowerment“ den Prozess der Verstärkung der Kompetenzen des Einzelnen. Die individuelle Handlungsfähigkeit und auch der Umfang des selbstbestimmten Handelns sollen ausgebaut werden. In unterschiedlichen Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit auf diesem Wege senken lässt (Gerlinger 2006: 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Präventionsangebote ein und erläutert die Forschungsabsicht, soziostrukturelle und verhaltensbezogene Gesundheitsfaktoren in Deutschland zu untersuchen.
2 Gesundheit ist eine Frage der Definition.: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene Gesundheitsbegriffe, von der WHO-Definition bis hin zu soziologischen Prozessen, und grenzt Gesundheit von Krankheit ab.
3 Die gesundheitliche Lage in Deutschland. Ein Überblick.: Hier werden aktuelle statistische Trends zur Lebenserwartung, Todesursachen und der Einfluss von Zivilisationskrankheiten in Deutschland dargestellt.
4 Die Unterschiede zwischen subjektiver und objektiver Gesundheit.: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie sich persönliche Einschätzungen vom medizinischen Befund unterscheiden und welche Bedeutung dies für das Wohlbefinden hat.
5 Die unterschiedlichen sozialen Einflussfaktoren auf Gesundheit: Der Hauptteil analysiert die soziostrukturellen Aspekte, insbesondere soziale Schichtung, Geschlecht und Familienstand, als primäre Determinanten für Gesundheit.
5.1 Die klassischen soziodemographischen Einflussfaktoren auf Gesundheit: Dieses Kapitel widmet sich detailliert Faktoren wie Alter, Geschlecht, soziale Netzwerke und der Wohnsituation sowie deren Auswirkung auf die Gesundheit.
5.2 Der Zusammenhang zwischen Gesundheits- und Risikoverhalten und sozialer Schicht und deren Einfluss auf die Gesundheit.: Hier wird untersucht, wie Ernährung, Sport, Suchtverhalten und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen durch soziale Faktoren gesteuert werden.
6 Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung reflektiert die interdisziplinäre Natur der Gesundheitssoziologie und unterstreicht die Notwendigkeit kontextbezogener Verhältnisprävention.
Schlüsselwörter
Gesundheitssoziologie, Soziale Ungleichheit, Soziale Schicht, Prävention, Gesundheitsverhalten, Public Health, Lebenserwartung, Krankheitsprävention, Soziodemographische Einflussfaktoren, Habitus, Gesundheitsberichterstattung, Lebenszufriedenheit, Arbeitsbelastung, Risikoverhalten, Humankapital
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit untersucht den Einfluss sozialer Faktoren auf die Gesundheit in Deutschland und beleuchtet, warum Gesundheitschancen nicht gleich verteilt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Schichtung, dem Einfluss von Geschlecht und Familienstand sowie dem spezifischen Gesundheits- und Risikoverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, wie soziostrukturelle Rahmenbedingungen (wie Schichtzugehörigkeit oder Arbeitswelt) das Gesundheitsverhalten und den Gesundheitsstatus der Bevölkerung maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche sowie der Sekundäranalyse aktueller statistischer Erhebungen und gesundheitswissenschaftlicher Datenberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er deckt einerseits soziodemographische Faktoren ab und untersucht andererseits den Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Verhaltensweisen wie Ernährung, Tabakkonsum und Sport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Soziale Ungleichheit, Gesundheitssoziologie, soziale Schicht, Prävention und Lebensbedingungen sind die zentralen Begriffe.
Welche Bedeutung hat das "Habitus-Konzept" in der Arbeit?
Es dient dazu, schichtspezifische, relativ stabile Verhaltensmuster und Vorlieben zu erklären, die eine direkte Auswirkung auf das Gesundheitsverhalten des Individuums haben.
Wie unterscheidet sich die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen?
Frauen und Personen aus höheren sozialen Schichten nehmen Vorsorge- und Beratungsangebote signifikant häufiger wahr als Männer oder Personen aus unteren sozialen Schichten.
- Quote paper
- Magistra Artium Claudia Kunze (Author), 2007, Gesund sein, sich gesund fühlen - Soziale Einflussfaktoren auf die Gesundheit in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86213