Frauen im Spannungsfeld von islamischer Tradition und moderner Lebenswelt

Frauengestalten in ausgewählten Romanen von Tahar Ben Jelloun


Diplomarbeit, 2005
102 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Geschlechtertheorie
2.2 Geschlechterrollen und Weiblichkeit in der Literaturtheorie
2.3 Der soziokulturelle Hintergrund
2.3.1 Die marokkanische Gesellschaft
2.3.2 Die islamische Frau in Marokko
2.3.3 Die Berberin
2.3.4 Die Situation der maghrebinischen Einwanderer in Frankreich
2.3.5 Die marokkanische Frau in Frankreich
2.4 Islam und Moderne im Dialog - von Stereotypen zu Dialogen

3. Der Autor und die berücksichtigten Werke
3.1 Kurzbiografie Tahar Ben Jelloun
3.2 Harrouda
3.3 Les Yeux baiss é s
3.4 L'Enfant de sable und La Nuit sacr é e

4. Textanalyse
4.1 Die Frauengestalten der vier Romane
4.1.1 Die Darstellung der traditionellen Frauengestalten
4.1.1.1 Die Mutter und Ehefrau
4.1.1.2 Die Tochter
4.1.2 Die Darstellung unangepasster Frauengestalten
4.1.2.1 Zahra zwischen Mann und Frau
4.1.2.2 Fathma, die Immigrantin
4.1.2.3 Weitere unangepasste Frauenfiguren
4.2 Die Bedeutung der Traumerzählungen
4.3 Das Patriarchat bei Tahar Ben Jelloun
4.4 Einflüsse auf die Sichtweise des Autors auf Frau und Gesellschaft

5. Schlussbetrachtung

6. Anhang
6.1 Bibliographie der Werke Tahar Ben Jellouns (Auswahl)
6.2 Bilder und mehr

1. Einleitung

Das Ende des 20. Jahrhunderts ist geprägt von einem schwelenden kulturellen und politischen Konflikt zwischen Okzident und Orient. Schon seit dem frühen Mittelalter stehen die beiden Weltkreise durch ihre geografische Nähe sowohl in engem Kontakt als auch in gespannter Konkurrenz zueinander. Die jüngste Geschichte dieser Nachbarschaft wurde insbesondere für Frankreich vor allem durch den Kolonialismus geprägt. Bis in die Fünfziger und Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts standen die Länder des Maghreb im nördlichen Afrika in erster Linie unter französischer Kolonialherrschaft, was nach der Unabhängigkeit dieser Länder zu einer engen Bindung der arabisch- islamisch geprägten Kulturkreise zum ehemaligen Kolonialherren geführt hat. Durch erleichterte Einreisebedingungen und Gastarbeiterverträge wurde die Immigration von Bewohnern des Maghreb nach Frankreich ermöglicht und gefördert. Dieses Aufeinandertreffen der europäischen und arabischen Kultur ergibt bis heute auf beiden Seiten einen Austausch, der aufgrund der Unterschiede in wirtschaftlichen, soziokulturellen und religiösen Belangen auch gewisse Konflikte hervorruft, deren Bewältigung besonders nach dem Aufkommen des islamistischen Terrors seit den 1990ern eine der größten Aufgaben Europas darstellt.

Dieses Spannungsfeld findet seinen Widerhall auch in der zeitgenössischen frankophonen Literatur. Beispielhaft dafür steht der marokkanische Autor Tahar Ben Jelloun, der als Immigrant nach Frankreich kam und heute ein Wanderer zwischen beiden Kulturen ist. Seine persönlichen Erfahrungen und das Hin- und Hergerissensein zwischen der marokkanischen und französischen Identität sind ein wesentlicher Bestandteil seines Werks. In seinen Romanen thematisiert Ben Jelloun unter anderem die Probleme maghrebinischer Einwanderer in Frankreich und die sozialen Konflikte, die sich durch die Modernisierung und die Einflüsse der westlichen Welt für sein Heimatland Marokko ergeben. Dabei fällt sein Augenmerk oft auf die maghrebinischen Frauen, denen er in diesem Prozess der Veränderung eine besondere Rolle beimisst, da sich an ihnen die vielartigen Probleme am deutlichsten zeigen. Das vorherrschende Koranverständnis der ausgeprägt religiösen marokkanischen Gesellschaft und die noch in den Kinderschuhen steckende Emanzipation der Frauen in Marokko macht diesen Teil der Bevölkerung für Ben Jelloun besonders interessant für sein Schreiben, mit dem er persönlich auch eine Vision von einem modernen, aufgeklärten Marokko und der friedlichen Koexistenz der Kulturen verbindet.

Diese Arbeit setzt sich mit den Frauengestalten von vier ausgewählten Romanen Tahar Ben Jellouns auseinander: L'Enfant de sable, La Nuit sacr é e, Les Yeux baiss é s und Harrouda. Es werden dabei die ihnen vom Autor gegebenen Eigenschaften und die dadurch entstehenden Konfliktsituationen, ihre Funktion innerhalb der Romanhandlung und die Darstellungsweise untersucht. Die Analyse soll zudem die erzählerischen Stilmittel und Gendertheorien miteinbeziehen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Frauengestalten über die Romane hinweg diskutieren und eine Bewertung ermöglichen, die einerseits die Intention des Autors aufzeigen und andererseits die Bedeutung seines Romanwerks verdeutlichen soll.

Die sich aus dieser Arbeit ergebenden Erkenntnisse sollen eine Ergänzung für die Auseinandersetzung mit dem Autor darstellen. Es sollen erweiterte und neue Interpretationsansätze aufgezeigt werden, die in der Sekundärliteratur bisher zum Teil nur oberflächlich oder ansatzweise betrachtet worden sind. Durch diese soll ferner der wertvolle Beitrag Ben Jellouns zur frankophonen Literatur vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage hervorgehoben werden.

2. Grundlagen

2.1 Geschlechtertheorie

"Das natürlich angelegte Geschlecht wird mit Sex bezeichnet, die kulturellen und gesellschaftlichen Momente, die die Geschlechterbilder und -normen bestimmen, werden als Gender bezeichnet."1 In allen Kulturen der Welt existieren konkrete Vorstellungen über die gesellschaftliche Rolle, die ein Mensch bezogen auf sein biologisches Geschlecht einnehmen soll. Schon die Erziehung der Kinder geschieht von Geburt an geschlechtsspezifisch, so dass diese sich von Anfang an ihrer geschlechtlichen Rolle in der Gesellschaft angemessen verhalten. Diese Pauschalisierung ist gewissermaßen von pragmatischem Nutzen, widerspricht aber oft der biologischen Realität, die in vielen Fällen keine so klare Abgrenzung bei der Ausprägung von Geschlechtern zulässt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass so genannte Androgynitätstest ergaben, dass nur jeweils ein Drittel der Männer bzw. der Frauen in ihrem Verhaltensmuster typisch männlich oder weiblich sind. Die anderen zwei Drittel trugen mehr oder weniger hohe Anteile an Eigenschaften in sich, die traditionellerweise dem anderen Geschlecht zugeordnet werden.2

Die Zweckmäßigkeit von überlieferten Geschlechterrollen wird in Europa seit Jahrhunderten immer wieder vereinzelt in Frage gestellt, erfährt aber erst im Zuge des gesellschaftlichen Wandels durch die Modernisierung im 19. Jahrhundert eine zunächst zögerliche, aber stetig steigende Diskussion. Auch wenn es zur zweiten Jahrtausendwende mehr und mehr Menschen gibt, die von traditionellen Schemata abweichen und sich nicht nur im Privaten, sondern auch in der Öffentlichkeit abweichend verhalten, fällt es selbst heute vielen noch schwer, dies zu akzeptieren und zu verstehen. So gibt es trotz verbesserter Rechtslage auch hierzulande noch häufig Vorurteile

Homosexuellen gegenüber, und auch im Kleinen stößt man hier und da auf Aussagen wie: "Kind, pass' auf dein Kleid auf und spiel' nicht mit Autos, du bist doch ein Mädchen!" Umfragen in der westlichen Welt zeigen, dass trotz Emanzipation und Fortschritt nach wie vor die alten Verhaltensmuster in den Köpfen der Leute vorherrschen. Der Mann ist der Versorger, die Frau gehört an den Herd. Der Mann glaubt sich auch dann noch in dieser Rolle, wenn die Frau das einzige Einkommen der Familie verdient.3

Was macht aber eine Frau zur Frau, was einen Mann zum Mann, und warum haben wir Probleme, wenn jemand aus seiner ihm zugewiesenen Rolle ausbricht und sich nicht entsprechend der Erwartungen verhält? Einen interessanten Ansatz für eine Antwort findet man in einigen feministischen Theorien, die das Geschlecht als eine rein kulturelle Erfindung ansehen. Ähnlich der Aussage Simone de Beauvoirs "On ne naît pas femme, on le devient."4, bestimmt sich das Geschlecht nach diesen Theorien durch das Handeln. Es ist eine Art Rolle, die wir spielen, abhängig von "Situation und Interaktionspartner".5

Während in der westlichen Welt bedingt durch sozialen Wandel, feministische Bewegungen und in jüngster Zeit auch durch Rechtsreformen ein allgemeines, wenn auch langsames Umdenken zur Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft stattfindet, stecken ähnliche Bewegungen in anderen Teilen der Welt aufgrund anderer soziokultureller Entwicklungen noch in ihren Kinderschuhen.

Auch in Marokko, das in dieser Arbeit eine besondere Rolle spielt, verläuft dieser Umdenkungsprozess bisher recht schleppend. Marokko liegt im äußersten Westen (Maghreb) des islamischen Kulturkreises und ist trotz eines hohen Anteils an Berbern, der in diesem Punkt eher moderaten Urbevölkerung Marokkos, von den patriarchalischen Strukturen des arabischen Islam geprägt. Hier finden wir häufig die so genannte Hypermaskulinität des Mannes; ein Verhalten, dessen Begrifflichkeit auf Freud zurückgeht und von der amerikanischen Geschichtsprofessorin Elizabeth Pleck genauer beschrieben wird.6 Die Trennung von der Mutter und die Herausbildung einer männlichen Identität wird kulturell als notwendig gesehen, bringt aber oft eine Überheblichkeit Frauen gegenüber mit sich. Eine entsprechende Erziehung ("Männer weinen nicht!") tut ihr übriges dazu, um besonders "männliche" Männer hervorzubringen, die ihre weiblichen Seiten verneinen und Kontrolle über Frauen ausüben. Während körperliche Stärke bei Männern in vergangenen Zeiten für die Gesellschaft überlebensnotwendig war7, ist sie dahingehend heute immer weniger von Bedeutung. Während nun in der westlichen Welt "angepasstes", d.h. kein hypermaskulines Verhalten vielerorts schon etabliert ist und für den "typischen" Mann immer weniger gefragt ist, leben die alten Erziehungstraditionen im Maghreb noch weiter. Die Gründe hierfür liegen sicherlich auch in der anders gearteten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung dieser Region begründet, die sich erst seit der französischen Kolonialzeit und der Unabhängigkeit Marokkos im Jahre 1956 der westlichen annähert. Ein Bewusstseinswandel, der voraussetzt, dass Männer Machtpositionen aufgeben und auch Frauen sich aktiver durchsetzen, ist entsprechend in Marokko nur in seinen Anfängen zu erkennen.

2.2 Geschlechterrollen und Weiblichkeit in der Literaturtheorie

Bevor die eigentliche Analyse der Romane und ihrer dort dargestellten Frauengestalten erfolgt, sollen zunächst einige allgemeine Vorbemerkungen über die Darstellung von Weiblichkeit in der Literaturtheorie gemacht werden, die sich in Tahar Ben Jellouns Werk wieder finden lassen.

Immer dann, wenn es in Büchern um Frauen geht, ist man dazu geneigt, diese als Frauenromane "abzustempeln". "(D)ie Frauenbewegung der vergangenen Jahrzehnte verwendete das Etikett »Frauenliteratur« als Synonym für Emanzipationsliteratur. Sie bezeichnete damit eine Form feministischer Literatur, deren Anliegen eine möglichst exakte und umfassende Beschreibung weiblicher Existenz aus der Perspektive der Frau ist."8 Die Werke Ben Jellouns als Frauenromane zu bezeichnen, trifft allerdings nicht den Punkt, da er kein weiblicher Autor ist. Er beschreibt aus männlicher Sicht die Konflikte, denen die Frauen im maghrebinischen Kulturkreis und als Immigrantinnen in Frankreich gegenüber stehen. Er befindet sich also in einem entre-deux, welches eine literarische Welt beschreibt, die vermittelnd zwischen beiden Geschlechtern steht. Später werden wir sehen, dass dieses entre-deux aber noch viel weiter geht und auch das Schreiben zwischen den Kulturen meint.

Gerade für die Textanalyse ist der angesprochene Sachverhalt wichtig, "weil die jeweilige Besetzung der Erzählposition maßgeblichen Einfluss darauf hat, welche Vorstellungen von >Weiblichkeit< und >Männlichkeit< in einem Text entworfen werden."9 Es ist also nicht nur wichtig zu beachten, welches Geschlecht die im Werk dargestellten Figuren haben, sondern auch welches Geschlecht der Autor selbst hat, um eine umfassende Analyse anzufertigen.

Ebenfalls wichtig sind auch zwei Ansätze, die der Männer- und Geschlechterforscher Walter aus dem so genannten Sex-Role Strain konzipiert. Es handelt sich hier einerseits um den frauenidentifizierten Ansatz, der den Mann als Unterdrücker der Frau sieht, und dem männeridentifizierten Ansatz andererseits, der die negativen Seiten des Patriarchats herausstreichen will, um eine Überwindung dieser Strukturen möglich zu machen.10 Beide Ansätze sind bei Tahar Ben Jelloun nicht zu vernachlässigen.

Zusätzlich spielen noch Aspekte wie etwa Raumdarstellung, unzuverlässiges Erzählen oder multiperspektivisches Erzählen eine Rolle. "Die gender-orientierte Narratologie hat sich bisher mit der Raumdarstellung noch kaum befasst"11, obwohl "die verschiedenen Arten der Wahrnehmung, Beschreibung und Beurteilung von Räumen im Erzähltext [...] geschlechterrelevante Orientierungen und Konnotationen zeigen."12 So werden Orte wie die Küche der Frau und die Werkstatt dem Mann zugeordnet. Vor allem in der maghrebinischen Literatur muss auch noch zwischen öffentlichen und privaten Räumen unterschieden werden. Da die maghrebinische Frau das Haus nur selten verlässt, wie wir später im Abschnitt über die Mutter noch genauer sehen werden, ist ihr der private Raum zugeteilt, während der Mann eher mit dem öffentlichen Raum in Verbindung gebracht wird. Der private Raum, das Haus, stellt für den Mann traditionell einen "temporären Ruheort" dar, für die Frau kann das Haus neben dem Ort der Pflichterfüllung sogar Gefängnischarakter einnehmen13. Auch diesen Aspekt werden wir später wieder finden. Daneben gibt es noch Orte, die sich beide Geschlechter teilen und so genannte mentale Räume. Es sind räumliche Vorstellungen, die in der Fantasie konstruiert werden und Ausdrucksformen für unbewusste Vorgänge sind.14 Solche Darstellungen werden gerne dann verwendet, wenn an der Geschlechterordnung Kritik geübt wird. Die eingeschobenen Traumepisoden in Ben Jellouns Werken sind einerseits auf diese Weise zu sehen, andererseits stehen sie auch für die Identitätssuche der jeweiligen Protagonistinnen.

Der Aspekt des unzuverlässigen Erzählens ist bei Ben Jelloun ebenfalls von Bedeutung. Der Leser soll diese Unzuverlässigkeit erkennen, indem er bei der Textarbeit über Widersprüche, Inkohärenzen und andere Unstimmigkeiten stolpert. Dadurch soll der Leser aufmerksam werden und konventionelle Geschlechterrollen und die Beziehung der Geschlechter zueinander hinterfragen. Auch sollen die Konsequenzen aufgezeigt werden, die sich ergeben, wenn der weibliche Handlungsspielraum eingeschränkt wird. Ähnlich funktioniert auch das multiperspektivische Erzählen. Dadurch, dass sich mehrere Erzähler zu Wort melden und die Geschichte aus ihrer Sichtweise darstellen, soll beim Leser eine kritische Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen ausgelöst werden.15

Diese kritische Auseinandersetzung wird auch über die von dem Philologen Ralf Schneider entworfenen Modelle zur Figurencharakterisierung erreicht. Während das Modell der Kategorisierung die Figur einer etablierten Kategorie, z.B. die der traditionellen Frauenrolle, zuordnet, soll durch die Entkategorisierung das Gegenteil evoziert werden, da der "Rezipient mit Informationen über eine zuvor kategorisierte Figur konfrontiert wird, welche die bisherige Ausgestaltung des Models [...] inadäquat erscheinen lassen."16 Letztlich ist auch die Handlung, die story, ein zentrales Merkmal eines narrativen Textes. Die story bestimmt den Text thematisch und könnte auch als die Ebene des Dargestellten bezeichnet werden, während man bei der nicht ganz unproblematischen Verwendung des Begriffs plot von der Ebene der Darstellung sprechen kann. Der Grenzerfahrungsplot ist für diese Arbeit von Bedeutung, da für ihn "destabilisierende Ereignisfolgen [...] charakteristisch sind wie z.B. die Isolierung der Protagonistin, [...] das Abbrechen von Familienbanden "17 Die Entfremdung von der Gesellschaft spielt vor allem in L'Enfant de sable/La Nuit sacr é e eine wichtige Rolle, da die Protagonistin ihr Leben bis auf wenige Ausnahmen einsam verbringt, aber auch Fathma aus Les Yeux baiss é s ist von der Gesellschaft entfremdet und isoliert, so dass sie, wie ihr Ehemann feststellt, weder in Marokko, noch in Frankreich, sondern an einem dritten Ort zwischen den Kulturen lebt.

2.3 Der soziokulturelle Hintergrund

2.3.1 Die marokkanische Gesellschaft

Um die Gesellschaftsstrukturen Marokkos und auch den Konflikt mit der modernen Welt zu verstehen, ist es erforderlich, zunächst einige Aspekte des Landes darzustellen.

Marokko ist ein Land der Kontraste und Gegensätze. Von der Wüste über Gletscher und Skigebiete, über Dattelpalmoasen, fruchtbaren Ebenen bis hin zu den bei Touristen beliebten Stränden ist hier alles zu finden. Ebenso setzt sich die Bevölkerung aus verschiedenen Gruppen zusammen: verschiedene Berberstämme, Araber, Haratin und Juden teilen sich das Land zusammen mit einigen spanischen und französischen Einwanderern, wobei die Bevölkerung sehr ungleichmäßig über das Territorium verteilt ist. Am dichtesten besiedelt sind der Norden und die Küstengebiete.

Fast die Hälfte aller Marokkaner lebt in den großen Städten. Dort findet man auch immer mehr Familien, die nach westeuropäischem Vorbild leben, was man nicht nur an der Aufgabe alter Bräuche und Traditionen sieht, sondern auch an der Kleidung. Gerade die Jugendlichen orientieren sich hier verstärkt an westlicher Mode. Auf dem Land jedoch haben sich die alten Familienstrukturen noch fast vollständig bewahrt. In der patriarchalisch dominierten Großfamilie leben drei Generationen zusammen, bestimmt wird sie durch den Hausherren, der nicht nur für den Lebensunterhalt sorgt, sondern die Familie auch nach außen vertritt.18

Etwa 99% aller Marokkaner sind sunnitische Muslime. Neben Arabisch und Französisch gibt es noch mehrere Berberdialekte. Auch das Spanische ist in Nordmarokko rund um die Stadt Tanger anzutreffen. Die meisten Marokkaner sind arm und die Bildungsmöglichkeiten eingeschränkt. Frauen haben kaum Zugang zu Bildungseinrichtungen. Die Mittelschicht ist wenig ausgeprägt, es gibt nur eine kleine reiche Oberschicht und eine immer weiter wachsende Unterschicht.19 Die Gründe hierfür liegen einerseits in der schwierigen wirtschaftlichen Situation des Landes, andererseits auch in den "Unzulänglichkeiten der staatlichen Sozial- und Altersfürsorge".20 Nicht zuletzt orientiert sich die tiefgläubige marokkanische Gesellschaft am Koran.

2.3.2 Die islamische Frau in Marokko

"Rechtschaffene Frauen sollen gehorsam, treu und verschwiegen sein, damit auch Allah sie beschütze." (Vierte Sure)21

Der Koran regelt nicht nur als religiöse Offenbarung, sondern auch als konkrete Handlungsanweisung das Zusammenleben der Menschen im marokkanischen Alltag.22 Die meisten Frauen verlassen das Haus nur zum Einkaufen, im Straßencafé sitzen fast ausschließlich die Männer. Obwohl der Mann die Familie nach außen repräsentiert, ist es die Frau, die Trägerin der Familienehre ist und die sich deshalb vorbildlich im Sinne der Koranauslegung zu verhalten hat. Sie sucht sich ihren Ehemann nicht selbst aus, bekommt ihn meist vor der Hochzeit auch nicht zu Gesicht und muss jungfräulich in die Ehe gehen. Die Scheidung war bisher für die Frau kaum möglich, für den Mann aber kein Problem. Eine geschiedene Frau in Marokko galt und gilt als gescheitert, und nicht immer hat sie das Glück, zu ihrer Familie zurückkehren zu können, was bedeutet, dass viele geschiedene Frauen in bitterster Armut leben müssen. Neben dem tadellosen Verhalten in der Öffentlichkeit ist es vor allem die Kinderfrage, die als Scheidungsgrund angeführt wird. Kinderlosigkeit bzw. das Gebären von Töchtern, nicht aber von Söhnen, wird als Versagen der Frau aufgefasst.23

Im Oktober 2003 jedoch erfuhren die marokkanischen Frauenrechte bahnbrechende Neuerungen. König Mohammed VI. legte ein Reformpaket vor, das der Frau ein Recht auf Scheidung zukommen lässt und die bisher weit verbreitete Vielehe so gut wie unmöglich macht. Auch das Mindestalter für die Heirat ist heraufgesetzt worden. Während Mädchen in der Vergangenheit schon mit 15 Jahren verheiratet werden konnten, ist dies heute für beide Geschlechter erst ab dem 18. Lebensjahr gestattet.24 Diese Familienrechtsreform ist eine der ersten in der arabischen Welt, die "eine Gleichstellung von Frauen und Männern kodifiziert."25

Dennoch besteht in den Köpfen der Menschen die Tradition weiter. So heißt es auch in L'Enfant de sable: "Dans une société morale […] il n'y a absolument pas de place pour […] celle qui […] trahit l'ordre. Une femme seule, célibataire ou divorcée, une fille-mère, est un être exposé à tous les rejets."26 Die Frau kann sich nur langsam ihren Weg in die Emanzipation bahnen, aber einige Erfolge sind schon jetzt sichtbar. So ist die Analphabetenrate zurückgegangen, und die Frauen übernehmen nach und nach immer mehr Positionen in der Industrie oder im Dienstleistungsbereich. Einige gehen in die Politik, andere sind als Künstlerinnen aktiv. Auch auf dem Land verändert sich die Rolle der Frau, wenngleich viel langsamer als in der Stadt.27

2.3.3 Die Berberin

Ein Drittel der marokkanischen Bevölkerung (ca. 12 Millionen Menschen) sind Berber, eine der ältesten indigenen Ethnien im Maghreb, deren Sprache mit ca. 30 regionalen Dialekten, die vor allem eine mündliche Sprache ist.28 Die wichtigsten Berbergruppen Nordafrikas sind auf der Karte im Anhang angegeben. In Marokko gibt es drei große Berbergruppen: Die Rifains im Norden, die Imazighens im Mittleren Atlas und die Chleuhs im Hohen Atlas und Antiatlas. Einige Touareg, eine den Berbern verwandte Volksgruppe, leben im Südosten des Landes in den Randgebieten der Sahara nahe der Grenze zu Algerien.

Die soziale Stellung der Frau ist bei den Berbern anders als bei den Arabern. Zwar sind auch die Berber Muslime und orientieren sich in ihrer Lebensweise am Koran, jedoch hat die Frau von Alters her mehr Rechte. Ihre Aufgabe ist die Weitergabe der Bräuche und Traditionen. Besonders bei den Touareg nimmt die Frau eine besondere Stellung ein. So ist es in diesem Nomadenvolk nicht notwendig, dass die Frau jungfräulich in die Ehe geht, und das Zelt ist Eigentum der Frau. Auch wenn die Heirat von den Eltern arrangiert wird, haben beide Ehepartner das Recht, sich scheiden zu lassen. Auch die Schrifttradition liegt in erster Linie bei den Frauen. Die berberischen Schriftzeichen, die von Gruppe zu Gruppe variieren, werden vorwiegend zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Begräbnissen verwendet. Die Touareg sind die einzigen, die ihre Sprache auch als Schriftsprache (Tifinagh) im eigentlichen Sinne verwenden. Seit einiger Zeit gibt es in Marokko jedoch auch Schulunterricht auf Berberisch, berberisches Fernsehen und es wurde ein Institut für Berberstudien gegründet als Anerkennung an diese älteste Kultur in Marokko.29

Allerdings wird die Stellung der Frauen in den berberischen Volksgruppen "durch die zunehmende Arabisierung […] mehr und mehr untergraben."30

2.3.4 Die Situation der maghrebinischen Einwanderer in Frankreich

Die Geschichte der Einwanderer nach Frankreich reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Damals waren es vor allem deutsche Gastarbeiter, die ins Land kamen, um zu arbeiten. Bereits "1886 war der Anteil der Ausländer an der aktiven Bevölkerung sieben Prozent…"31 Ab Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann die ersten Algerier nach Frankreich. Nach dem ersten Weltkrieg kam es zu einer ersten großen Einwandererwelle, weil Arbeitskräfte gebraucht wurden. Zunächst waren es aber nur Männer, die in Frankreich arbeiteten, um ihre Familien zu Hause zu ernähren. Erst nach dem zweiten Weltkrieg kamen auch die ersten Frauen und Familien nach Frankreich, wobei die Einreise sich einfach gestaltete, da die Algerier durch die französische Kolonialzeit quasi als französische Staatsbürger galten. Die ersten Immigranten aus Marokko und Tunesien kamen in den 60er Jahren ins Land, da es einen Anwerbevertrag von Arbeitskräften zwischen den ehemaligen maghrebinischen Kolonien und Frankreich gab. Im Jahre 1990 waren knapp 585.000 Marokkaner in Frankreich beschäftigt. Diese machten einen Anteil von 16% der Gesamtzahl der Ausländer in Frankreich aus.32 Auch nach dem Einwandererstopp im Jahre 1975 kamen weitere Immigranten ins Land, denn es kam zu zahlreichen Familienzusammenführungen, und auch die illegale Einwanderung nahm mehr und mehr zu.

Während der Großteil der Gastarbeiter in den 60er und 70er Jahren noch an eine Rückkehr in die Heimat glaubten, war dieser Gedanke in den 90er Jahren nur noch wenig verbreitet, denn es kam zu einer Reduzierung der Kontakte ins Heimatland, und die Immigranten fühlten sich in der maghrebinischen Heimat immer mehr fremd und zunehmend Frankreich zugehörig.

Die Unterbringung der steigenden Zahl an Einwanderern erfolgte in den so genannten bidonvilles, welche anfangs Barackensiedlungen ohne Strom und Elektrizität waren. Im Jahre 1966 waren in Paris ca. 50.000 nordafrikanische Einwanderer in solchen bidonvilles untergebracht. Während die Männer ihrer Arbeit nachgingen und die Kinder durch den Schulbesuch Kontakte zu Franzosen hatten, blieben die Frauen hauptsächlich unter sich und hatten kaum Kontakt zur Welt außerhalb ihres Wohnviertels. Allerdings kam es häufig zu Konfrontationen zwischen den Einwanderern und der französischen Bevölkerung als Folge des Algerienkrieges. Die Immigranten fühlten sich ausgestoßen.33

Ab den 70er Jahren wurden die bidonvilles durch die grands ensembles und cit é s de transit ersetzt. In diesen Wohnvierteln war die Bevölkerung gemischt, d.h. 40-50% der Bewohner waren Immigranten aus verschiedenen Ländern, der Rest war französisch. Da diese Wohnviertel später allerdings als quartiers difficiles in Verruf kamen, zogen die meisten der französischen Bewohner weg, so dass im Jahre 1990 ca. 80% der Wohnblöcke von Maghrebinern bewohnt war. Zu dieser Zeit kam es zu Jugendkrawallen und -protesten, die die Renovierung der Häuser zur Folge hatten und durch die verschiedene Förderungsprogramme für die Lebensqualität ins Leben gerufen wurden. Die Jugendlichen fühlten sich von der französischen Gesellschaft ausgestoßen und sahen keine Zukunft für sich. Nur wenige Familien konnten es sich aber leisten, in einen anderen Stadtteil umzuziehen.34

Auch in der Schule gab es Probleme, denn die maghrebinischen Schüler hatten zumeist Eltern, die nur wenig französisch sprachen. Auch das Bildungsverständnis stellte einen Konflikt zum französischen Schulsystem dar, was sich besonders in der Geschlechterfrage zeigte, da Mädchen in der Heimat kaum zur Schule gehen durften, während die Jungen in der Koranschule unterrichtet wurden. Später kamen aber mehr und mehr Einwanderer aus maghrebinischen Städten nach Frankreich, die über mehr Bildung verfügten und somit auch bessere Bildungschancen hatten. Dennoch sind bis heute die Bildungsabschlüsse der Immigranten niedriger als die der französischen Mitschüler und das trotz der in den letzten 20 Jahren eingeführten Hilfen wie Hausaufgabenbetreuung oder Berufsbildungsangebote. Weitere Gründe für schlechtere Berufschancen sind neben der Bildung aber auch Vorurteile und Diskriminierung seitens der französischen Bevölkerung.35

Seit den 90er Jahren bildeten sich immer mehr islamische Gruppen in Frankreich, die allerdings eine andere Religionspraxis ausübten als die Generation der Eltern. Dies führte zum Bau neuer islamischer Kultstätten und Koranschulen. Der zuvor in Hinterhöfen und zu Hause gelebte Islam wurde nun in die Öffentlichkeit getragen. Dennoch praktizieren heute nur 40% der jugendlichen Muslime regelmäßig ihren Glauben. Vor allem der Ramadan spielt hier eine wichtige Rolle, da er als "intensives Erlebnis von kultureller Gemeinschaft"36 empfunden wird. Die seit 1989 geführte Diskussion um das Kopftuch, die so genannte affaire des foulards, hat bis heute nichts an Brisanz verloren, da das Tragen des Kopftuchs gegen das laizistisches Grundprinzip der französischen Schule verstößt. Interessanterweise sehen aber 75% der Franzosen kein Problem in den Kopftüchern, während 45% der arabischen Bevölkerung dagegen ist und sich nur 30% dafür aussprechen.37

Erschreckend ist, dass seit den 80er und 90er Jahren die Front National immer mehr Zuspruch erhält. Jean-Marie Le Pen sieht in den Immigranten eine "Bedrohung der französischen Nation"38, wobei er einen Unterschied macht zwischen den leicht zu integrierenden Einwanderern aus dem europäischen Ausland und aus Übersee und den nicht integrierbaren Einwanderern aus dem Maghreb, was er mit den zu großen kulturellen Unterschieden begründet. Die französische Integrationspolitik sieht die Front National als Sackgasse:

"L'IMMIGRATION: DES MENACES MORTELLES POUR LA FRANCE ET LES FRANÇAIS - Une menace mortelle pour l'identité française"39

und

"Mais, contrairement à l’immigration venue des pays européens au milieu du xixe siècle et au début du xxe siècle ou aux élites venues des possessions d’outre- mer, l’intégration massive de millions de ressortissants immigrés - que l’on conforte, qui plus est, dans leurs différences les moins acceptables! - détruit cette identité. Il faut donc inverser le courant de l’immigration."40

Aber diese Ansicht spiegelt zum Glück nicht die allgemeine Meinung zum Thema Immigration wieder. Heute geht man eher zu einem multikulturellen Diskurs über, der für ein Miteinander und Nebeneinander plädiert und im Kontrast zum Programm der absoluten Anpassung steht, wie es von den Republikanern vertreten wird und der sich auch gegen die extreme Meinung der Front National wendet.41

2.3.5 Die marokkanische Frau in Frankreich

Durch die in Frankreich bestehende Schulpflicht kommen die eingewanderten Mädchen automatisch in Kontakt mit der westlichen Welt. Während die Mütter sich häufig von der Außenwelt abschotten und Probleme mit der französischen Sprache haben, funktioniert die Integration bei der jüngeren Generation um einiges einfacher. Die in Frankreich geborenen beurettes sehen sich als Französinnen und haben nur noch wenig Kontakt zu ihrem Heimatland. Dennoch haben es die maghrebinischen Jungen meist leichter, da Mädchen tendenziell mehr von der Familie bewacht werden. Die Mädchen und Frauen müssen auch zumeist härter arbeiten, was erklärt, warum ihre Schulnoten im Vergleich besser sind als die des anderen Geschlechts. Auch Vorurteile sind nicht selten, zum Beispiel dann, wenn sich Mädchen westlich bzw. "etwas gewagt" mit kurzen Röcken oder Spaghettiträgertops kleiden. Strenge Familien halten ihre Töchter dann manchmal für Huren und bestrafen sie. Zwangsverheiratungen können die Folge sein, sind aber zum Glück nicht mehr so häufig anzutreffen wie früher. Eben genannte Vorurteile können für einige Mädchen Grund sein, sich freiwillig ein Kopftuch aufzusetzen. Damit wollen sie signalisieren, dass sie als anständige Mädchen in Ruhe gelassen werden wollen und nicht für männliche Flirtversuche zu haben sind. Diese kommen bei leger gekleideten Frauen oft vor, manchmal in erschreckendem Ausmaß, da einige Männer sie sozusagen als "Freiwild" ansehen.

Es gibt nicht wenige Frauenorganisationen, die gegen diese Vorurteile kämpfen und den Frauen mehr Freiheit geben wollen. Eine dieser Organisationen ist Ni putes ni soumises. Im Jahre 2001 gab es frankreichweit örtliche Frauenkongresse, die unter der Bezeichnung Etats g é n é raux locaux des femmes stattfanden.42

Ebenfalls in Deutschland gibt es Frauenprojekte. Während die meisten Marokkanerinnen hierzulande mittlerweile über eine relativ gute Bildung verfügen und selbstbewusster sind, haben gerade die Berberfrauen, die oft als Heiratsmigrantinnen ins Land gekommen sind, noch vergleichsweise große Probleme: "Sie kommen von Bergdörfern, haben meist keine Schule besucht, können oft weder lesen noch schreiben und sind oft völlig isoliert."43

In letzter Zeit finden durch die Polarisierungsprozesse nach den Ereignissen des 11. September wieder vermehrt fundamentalistische Denkweisen Verbreitung. In manchen Familien führt dies dazu, dass die Erziehung wieder strenger wird und Mädchen zum Kopftuchtragen gezwungen werden. Die erklärt sich mit einer Angst vor dem Verlust der islamischen Werte und Traditionen, nicht zuletzt auch mit einem Identitätskonflikt, der vor allem im später noch ausführlicher behandelten Les Yeux baiss é s, der Geschichte einer Immigrantin nach Frankreich, sichtbar wird. Dabei müssen islamische Traditionen und moderne Welt nicht zwangsläufig in Konflikt stehen wie der folgende Abschnitt demonstrieren soll.

2.4 Islam und Moderne im Dialog - von Stereotypen zu Dialogen

Ein großes Problem ist die weit verbreitete und oft allzu einseitige Betrachtungsweise des Islam, die gerne für politische Zwecke ge- oder missbraucht wird. Auch kann der Koran unterschiedlich ausgelegt werden und je nach Auslegung finden fundamentalistische Denkweisen mehr oder weniger Nährboden. Daher soll nun versucht werden, mit einigen Missverständnissen und Vorurteilen aufzuräumen.

"(C)e muezzin n'(est) qu'un pauvre homme récitant le Coran sans rien y comprendre"44, erklärt Zahras Vater in La Nuit sacr é e. Diese Aussage scheint übertragbar auf viele Menschen in Orient und Okzident. "Es gibt wohl keine andere Religion, die so vielen Vorurteilen und Missdeutungen ausgesetzt ist…"45 schreibt der bosnische Religions- und Kulturwissenschaftler Smail Bali , der selbst Moslem ist. Eigentlich sei der Islam stark weltlich orientiert46, und es gibt zahlreiche Interpretationsschulen der Lehre, die unterschiedliche Schwerpunkte haben und sich auch in ihrer Strenge massiv voneinander unterscheiden, so dass es unter den Anhängern dieser Religion heute so viele Uneinigkeiten gibt wie nie zuvor.47

Wenn man die so genannte Scharia 48 genauer betrachtet, fällt auf, dass viele der vorgegebenen Verhaltensweisen aus der jüdischen und christlichen Tradition stammen. Man darf nicht vergessen, dass der Koran und die Bibel gemeinsame Wurzeln haben, so dass vieles, was uns fremd erscheint, eigentlich gar nicht so weit von unserer eigenen christlichen Tradition entfernt ist. Andere islamische Verhaltensregeln sind späteren Ursprungs, wie zum Beispiel die Beschneidung der Frau, die auf eine afrikanische Praxis zurückgeht und heute noch in ostafrikanischen Ländern wie Somalia oder Ägypten existiert.49

Besonders interessant ist die Frage nach dem Kopftuch: Soll eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen oder sich völlig verschleiern? "Im vorislamischen Arabien war die Verschleierung ein Vorrecht der Frauen besserer Gesellschaftsschichten."50 Eine ganz ähnliche Sitte gab es auch in

Europa. So ging die Dame im 18. und 19. Jahrhundert nicht ohne Hut aus dem Haus. Bis heute findet man auch hierzulande noch Bäuerinnen, die ein Kopftuch tragen und das ganz unabhängig von sozialer Herkunft oder Religion, sondern weil diese Frauen in einer Zeit geboren und aufgewachsen sind, in der ein Kopftuch alltäglich war, quasi zur Mode gehörte, und außerdem die zumeist langen Haare zusammenhalten sollte, damit sie bei der Arbeit nicht störten. Die sich im Koran (Sure 33) befindlichen Hinweise auf den Schleier sind ursprünglich ganz ähnlich zu deuten.

Auch die Textstellen zur Unterdrückung der Frau und der Darstellung des Mannes als über ihr stehend sind nicht nur eine Frage der Auslegung, sondern beziehen sich auf das Ideal, welches das syrische Mönchschristentum im 10. Jahrhundert entworfen hat.51 An anderer Stelle heißt es im Koran nämlich auch, dass Allah den Gläubigen keine Beschwernisse auferlegen, sondern Lebenshilfe gewähren will, für die sie am Lebensende belohnt werden:

"All denen - seien es Gläubige, Juden, Christen oder Sabäer - wenn sie nur an Gott glauben, an den Jüngsten Tag und das Rechte tun, wird einst Lohn von ihrem Herrn, und weder Furcht noch Traurigkeit wird über sie kommen." (Zweite Sure, 63)52

Man kann anhand dieses Zitats unschwer erkennen, dass der Islam für ein Miteinander der Religionen und Völker plädiert, und Teile der Bevölkerung setzen sich ebenfalls für diese Denkweise ein, wie anders erklären sich Veranstaltungen und Kundgebungen, die gegen den Terrorismus und den Heiligen Krieg demonstrieren?

Dennoch ist die Situation in den verschiedenen Ländern äußerst unterschiedlich. Besonders was die Position der Frau betrifft, gehen die Meinungen hier stark auseinander. Während in Tunesien die Frauen schon früh für ihr Recht gekämpft haben und dort die Vielehe auch schon seit Jahren abgeschafft ist53, ist dies anderswo noch nicht so weit verbreitet - man denke nur an die Frauen unter den reaktionären Taliban in Afghanistan.

Für Marokko sind es vor allem zwei Frauen, die sich besonders um die Besserstellung der Frau in ihrem Heimatland verdient gemacht haben. Aicha Chenna erhielt vor kurzem den Elisabeth-Norgall-Preis für ihr Engagement für die marokkanische Frau. "Ich bin muslimisch im Herzen und weltlich im Kopf"54 sagt sie über sich selbst. Chenna ist Gründerin der Organisation "Solidarité Féminine", die sich um Beratung und Arbeitsvermittlung von Frauen, vor allem von ledigen Müttern, kümmert. Sogar der marokkanische König unterstützt ihr Vorhaben seit einiger Zeit.

Die aus Fes stammende Fatima Mernissi erhielt im November 2004 den Erasmus-Preis des niederländischen Königshauses. Besonders in den 60er und 70er Jahren war Mernissi aufgrund ihrer Bücher (z. B. Le harem politique) häufig in den Schlagzeilen. Bis heute gilt sie als Vorreiterin der marokkanischen Frauenbewegung. Trotz der Tatsache, dass sie in einem Harem aufgewachsen ist, erhielt sie eine gute Ausbildung. Wie sie in Büchern und Interviews immer wieder verlauten lässt, ist für sie der Koran kein frauenfeindliches Werk. Lediglich seine Auslegung sollte korrigiert werden. Die heute 55jährige Frau lehrt derzeit an der Universität von Rabat und veranstaltet regelmäßig Seminare und Workshops für engagierte Frauen und Männer.55

Vergleichbare Figuren finden sich auch in europäischen Einwanderungsländern. Mit dem Mord an Theo van Gogh rückte Ayaan Hirsi Ali ins Rampenlicht. Die niederländische Politikerin somalischer Abstammung war maßgeblich an der Entstehung von van Goghs Film Submission beteiligt, in dem es um die Position der Frau im Islam geht und der seitens der islamischen Welt weitgehend negativ aufgenommen wurde. Doch der Tod van Goghs und Morddrohungen gegen ihre eigene Person konnten diese Frau bisher nicht davon abhalten, weiter für ihre Sache zu kämpfen. So veröffentlichte die 36jährige im Mai ihr Buch Ich klage an, ein Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frau. Es enthält nicht nur Biografisches wie ihre eigene Beschneidung, sondern auch "Tipps für den Ausbruch aus der Versklavung“.56 Des Weiteren äußert sie sich in Interviews auch über Themen wie Integration:

"Wer sich nicht integrieren lassen will, sollte das Land verlassen. […] "Multikulturalismus soll Integration unter Beibehaltung der eigenen Identität bedeuten, aber wenn Frauen eingeschlossen werden und Töchter nicht zur Schule gehen dürfen, ist das eine falsche Auffassung von der Beibehaltung der eigenen Kultur?" Nach Hirsi Ali kann in den Niederlanden nicht von Integration sondern nur von Ghettobildung die Rede sein."57

Sie ist Befürworterin der Demokratie und ruft zum Kampf gegen den radikalen Islam auf, den sie als große Gefahr für die Menschheit sieht. Auch das kritische Lesen und Nachdenken über den Islam und den Koran stehen im Zentrum ihrer Überlegungen. Ayaan Hirsi Ali ist durch ihr Nachdenken und ihre eigenen negativen Erfahrungen sowie die Arbeit in Frauenhäusern und Abtreibungskliniken zur Atheistin geworden.

Auch Waris Dirie ist ausgebrochen aus der strengen Tradition ihres Landes und ihrer Familie. In ihren Büchern beschreibt sie neben der Beschneidung und der Lebensverhältnisse in Somalia auch die Pläne ihrer Eltern, sie mit einem wesentlich älteren Mann zu verheiraten, was sie zur Flucht veranlasst. Sie geht nach London, wird Fotomodell und engagiert sich für die Frau, wird später zur UN-Sonderbotschafterin für Genitalverstümmelung ernannt. Heute lebt und arbeitet sie in Wien und ist Chefin der dortigen Waris Dirie Foundation "Wüstenblume".58 Wenngleich man die Situation in Somalia nur teilweise mit der in Marokko vergleichen kann, ist es dennoch wichtig, sich umfassend über den Islam und die Rolle der islamischen Frau zu informieren.

Bei Beschäftigung mit dem Thema der Emanzipation muslimischer Frauen spielt die Perspektive eine wichtige Rolle: In den oben genannten Beispielen sind es die Frauen selbst, die sich zu Wort melden, und auch wenn Tahar Ben Jellouns Kritik in eine ähnliche Richtung geht, ist sein Blick doch der eines Mannes. Ebenfalls solle man nicht vergessen, dass auch in Europa die Frau nicht immer die Rechte hatte, die sie heute hat. Zwar sind Orient und Okzident schwer zu vergleichen, dennoch sollte man sich diese Tatsache ins Gedächtnis rufen und bedenken, wie lange auch in unseren Landen der Kampf um die Emanzipation angedauert hat bzw. bis zum heutigen Tag noch andauert.

3. Der Autor und die berücksichtigten Werke

3.1 Kurzbiografie Tahar Ben Jelloun

Der Schriftsteller Tahar Ben Jelloun wird am 1. Dezember 1944 als Sohn eines Arabers und einer Berberin in Marokko geboren. Die sechsköpfige Familie lebt zunächst in Fes, zieht aber 1955 nach Tanger um. Nach dem Abitur studiert Ben Jelloun Philosophie an der Universität in Rabat, später lehrt er an den Gymnasien in Tétouan und Casablanca. Schon damals schreibt er Gedichte und beteiligt sich an der Zeitschrift Souffles. Nach seinem Umzug nach Frankreich im Jahre 1971, verfasst er 1973 seinen ersten Roman Harrouda. Zwei Jahre später macht er seinen Doktor der Psychiatrie an der Fakultät Jussieu. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden später unter dem Titel La plus haute des solitudes in Buchform veröffentlicht und beschreiben die sexuellen Nöte afrikanischer Einwanderer in Frankreich. 1978 erhält er für den Roman Moha le fou, Moha le sage den Prix de Bibliothécaires de France et de Radio Monte-Carlo. La Nuit sacr é e, der als Fortsetzung von L'Enfant de sable gilt, wird schließlich 1987 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Auch viele seiner nachfolgenden Veröffentlichungen erhalten Auszeichnungen. Spätestens durch Le Racisme expliqu é à ma fille aus dem Jahre 1997 und seiner langjährigen Mitarbeit bei der französischen Zeitung Le Monde gilt er nicht nur als einer der bekanntesten und wichtigsten Schriftsteller des Maghreb, sondern auch als geschätzter Gesellschaftskritiker, der sich zu Themen wie Einwanderung, Irakkrieg oder Terrorismus äußert.59

3.2 Harrouda

Dieser erste der vier in dieser Arbeit betrachteten Romane ist ein aus fragmentarischen Episoden zusammengesetztes Werk, das auf eine durchgehende Handlung verzichtet. Mehrere Erzählinstanzen, u.a. in Form eines Ich-Erzählers und eines Wir-Erzählers, verweben Kindheitserinnerungen, geschichtliche Ereignisse oder Alltagserfahrungen mit mythischen Sequenzen zu einer Collage, die wirr und keineswegs objektiv das Leben eines immer wieder in Erscheinung tretenden Protagonisten umreißt. Die Episoden berichten von politischen Ereignissen, portraitieren verschiedene marokkanische Städte oder beschreiben die ersten Erfahrungen kleiner Jungen mit der Sexualität. Harrouda, eine Prostituierte, ist Projektionsfläche von kindlicher Neugier, Begierde und Sehnsüchten. Im Roman findet sich mehrmals der auch in anderen Werken Ben Jellouns erwähnte Ort des Hammams, der in der restriktiven Welt des Islam für Kinder bis zur Hochzeit die einzige Möglichkeit darstellt, dem anderen Geschlecht in seiner Nacktheit zu begegnen. Dadurch ist dieser Ort für den Protagonisten in der Retrospektive mit sexuellen Energien geladen.

Als Ergänzung zur männlichen Sicht auf die marokkanische Welt, lässt Ben Jelloun die Mutter zu Wort kommen und eröffnet durch sie als zweite Frauenfigur somit dem Leser eine Verstehensmöglichkeit, die sich dem heranwachsenden Protagonisten im Roman selbst nicht bietet. Die im Roman beschriebene Gesellschaft ist ihm insgesamt keine große Hilfe beim Verstehen seines Lebens und beim Erwachsenwerden. Auch viele Jahre später als Erwachsener "findet er keine Erfüllung und entflieht haschischrauchend der Wirklichkeit."60

3.3 Les Yeux baiss é s

Die Geschichte dieses Romans aus dem Jahr 1991 erzählt aus dem Leben einer marokkanischen Familie vor dem Hintergrund der Immigration nach Frankreich.

Das Mädchen Fathma lebt mit ihrem kleinen Bruder Driss, der Mutter und der Tante Slima in einem kleinen Berberdorf im Hohen Atlas. Der Vater arbeitet in Frankreich und sieht die Familie nur in den Ferien. Einer Prophezeiung ihres Urgroßvaters nach ist Fathma auserwählt, einen Schatz zu finden. Dieses wird ihr von der glücklosen Slima geneidet, woraufhin diese Driss schließlich umbringt.

[...]


1 Stiegler, Barbara: "Frauen im Mainstreaming: politische Strategien und Theorien zur Geschlechterfrage", http://library.fes.de/fulltext/asfo/00653001.htm, Bonn, 1999.

2 Vgl. Schmid Mast, Marianne: "Geschlechtertheorien", http://www.psychologie.unizh.ch/sozpsy/teach/ws03_04/msm/pdf/g_theorien_sw.pdf, Zürich, 2003. S.28-31.

3 Vgl. Behnke, Cornelia und Meuser, Michael: "Gender and habitus. Fundamental secure ties and crisis tendencies among men". In: Baron, Bettina (Hrsg.): Gender in interaction: perspectives on femininity and masculinity in ethnography and discourse, Amsterdam, 2001, S.153-172.

4 Beauvoir, Simone de: Le deuxi è me sexe, Bd. 2, Gallimard, Paris, 1949, S.13.

5 Schmid Mast, Marianne: "Geschlechtertheorien", S.24.

6 Vgl. Pleck, Joseph H.: "Die männliche Geschlechtsrolle“. In: BauSteineMänner: Kritische Männerforschung. Neue Ansätze in der Geschlechtertheorie. Berlin/Hamburg: 1996, S. 27-37.

7 Vgl. Pleck, Joseph H.: "Die männliche Geschlechtsrolle", S.32.

8 Schieth, Lydia: frauen literatur, Themen - Texte - Interpretationen, Bd. 15, C. C. Buchners Verlag, Bamberg, 1991, S.7.

9 Nünning, Vera und Nünning, Ansgar: Erzähltextanalyse und Gender Studies, Sammlung Metzler, Bd. 344, Stuttgart, 2004, S.13-14.

10 Vgl. Walter, Willi: „Männer entdecken ihr Geschlecht“. In: BauSteineMänner (Hrsg.): Kritische Männerforschung. Neue Ansätze in der Geschlechtertheorie, Argument Verlag, Berlin, 1996, S.18ff.

11 Würzbach, Natascha: "Raumdarstellung". In: Nünning, Vera und Nünning, Ansgar (Hrsg.): Erzähltextanalyse und Gender Studies, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2004, S.49.

12 Würzbach, Natascha: "Raumdarstellung", S.49.

13 Vgl. Würzbach, Natascha: "Raumdarstellung", S.53.

14 Vgl. Würzbach, Natascha: "Raumdarstellung", S.61.

15 Vgl. Allrath, Gaby und Surkamp, Carola: "Erzählerische Vermittlung, unzuverlässiges Erzählen, Multiperspektivität und Bewusstseinsdarstellung". In: Nünning, Vera und Nünning, Ansgar (Hrsg.): Erzähltextanalyse und Gender Studies, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2004, S.154ff.

16 Gutenberg, Andrea: "Handlung, Plot und Plotmuster". In: Nünning, Vera und Nünning, Ansgar (Hrsg.): Erzähltextanalyse und Gender Studies, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2004, S.130-131.

17 Gutenberg, Andrea: "Handlung, Plot und Plotmuster", S.141.

18 Vgl. Buchholz, Hartmut: Südmarokko mit Agadir und Königsstädten, DuMont Buchverlag, Köln, 2000, S.36.

19 Vgl. Buchholz, Hartmut: Südmarokko, S.37.

20 Buchholz, Hartmut: Südmarokko, S.37.

21 Der Koran - Das heilige Buch des Islam, Goldmann Verlag, München, 1959, S.75.

22 Vgl. Buchholz, Hartmut: Südmarokko, S.40.

23 Vgl. Buchholz, Hartmut: Südmarokko, S.38-40.

24 Vgl. Breitenstein, Martin (Hrsg.): "Ein Meilenstein für Frauenrechte in Marokko", http://www.nzz.ch/2003/10/13/al/newzzDLQ5MQZ5- 12.html;jsessionid=7EA7D747EE1817CD53BF9DD2A764707B, Zürich, 2003.

25 Kristianasen, Wendy und Wellershaus, Elisabeth: "Über Gleichberechtigung in Marokko und im Iran", http://www.g26.ch/marokko_news_0402.html, Berlin, 2004.

26 Ben Jelloun, Tahar: L'Enfant de sable, Editions du Seuil, Paris, 1985, S.154.

27 Vgl. Dabbagh, Amin: "Frauen in Marokko", http://www.muz-online.de/afrika/morocco1.html, Berlin.

28 Vgl. Wikipedia: "Berbère", http://fr.wikipedia.org/wiki/Berb%C3%A8re, 2005.

29 Donnet, Noël: "Renaissance berbère au Maroc", http://www.monde-diplomatique.fr/1995/01/DONNET/1115, Paris, 1995.

30 Bode, Petra: "Die Tuareg, ein Nomadenvolk kämpft um sein Überleben", http://www.petrabode.privat.t-online.de/index.htm, Verden, 2005.

31 Vgl. Elschenbroich, Donata: "Nachwort". In: Ben Jelloun, Tahar: Die tiefste der Einsamkeiten, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbeck bei Hamburg, 1989, S.173.

32 Vgl. Schumann, Adelheid: Zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung: Die Beurs, Kinder der maghrebinischen Immigration in Frankreich, IKO - Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt, London, 2002, S.37ff.

33 Vgl. Schumann, Adelheid: Eigenwahrnehmung, S.41.

34 Vgl. Schumann, Adelheid: Eigenwahrnehmung, S.42ff.

35 Vgl. Schumann, Adelheid: Eigenwahrnehmung, S.44ff.

36 Schumann, Adelheid: Eigenwahrnehmung, S.56/57.

37 Vgl. Schumann, Adelheid: Eigenwahrnehmun g, S.59.

38 Schumann, Adelheid: Eigenwahrnehmung, S.378.

39 Front National: "L'Immigration: Inverser le courant", http://www.frontnational.com/doc_id_immigration.php, Saint-Cloud.

40 Front National: "L'Immigration"

41 Vgl. Schumann, Adelheid: Eigenwahrnehmung, S.394.

42 Schmid, Bernhard: "Ni putes ni soumises - Eine Bewegung von Frauen aus den Banlieues gegen spezifische Unterdrückung", http://www.labournet.de/internationales/fr/niputes.html, Paris, 2003.

43 Schmidt-Fink, Ekkehart: "Isolation aufbrechen", http://www.isoplan.de/aid/index.htm?http://www.isoplan.de/aid/2000-2/projekte.htm, Saarbrücken, 2000.

44 Ben Jelloun, Tahar: La Nuit sacr é e, Editions du Seuil, Paris, 1991, S.22.

45 Bali , Smail: Islam für Europa - Neue Perspektiven einer alten Religion, Kölner Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte, Bd. 31, Böhlau Verlag, Köln, 2001, S.XI.

46 Vgl. Bali , Smail: Islam, S.XI.

47 Vgl. Bali , Smail: Islam, S.XII.

48 "Die Schari'a (arabisch schar 'a […]«religiöses Gesetz», das islamische Recht, ist eine religiöse Pflichtenlehre, die die Regelung aller Bereiche des menschlichen Daseins anstrebt. Trotz gelegentlicher Versuche ist die Schari'a nie kodifiziert worden, weshalb Detailfragen immer wieder durchaus strittig diskutiert werden. Die Pflege und Entwicklung der Schari'a obliegt der islamischen Jurisprudenz ( fiqh). Koranisch ist der Begriff Schari'a in Sure 45, Vers 18: «Hierauf (d.h. nach dem Zeitalter der Kinder Israels) haben wir dich in der Angelegenheit(?) auf einen (eigenen) Ritus festgelegt.» Daraus leitet sich für Muslime der göttliche Ursprung der Schari'a her." (Wikipedia: "Scharia", http://de.wikipedia.org/wiki/scharia, St. Petersburg, 2005.) Das Wort Schari'a selbst entstammt dem Wüstenvokabular und bezeichnete ursprünglich den Weg zur Wasserstelle. (Vgl. Franke, Patrick: "Wohnort der Dschinn und Ghûl-Geister - Zu den Wüstenvorstellungen im Islam". In: Trudewind, Stephan (Hrsg.): Der Arabische Almanach, Ausgabe 2002/2003, Berlin, 2002, S.8.)

49 siehe dazu die Lebensgeschichte von Waris Dirie in Wüstenblume, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, 1998.

50 Bali , Smail: Islam, S.149.

51 Bali , Smail: Islam, S.99.

52 Der Koran, S.26.

53 Vgl. Breitenstein, Martin: "Ein Meilenstein für Frauenrechte in Marokko".

54 Sabra, Martina: "Muslimisch im Herzen und weltlich im Kopf", http://maroc-today.de/article- print-118.html, Bonn, 2005.

55 Vgl. Sabra, Martina: "Erasmus-Preis 2004 - Würdigung dreier Persönlichkeiten der islamischen Welt", http://www.quantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-122/i- html?PHPSESSID=73662c2bc301de83d9b3269a7bf39f66, Bonn, 2004 und Darol Mahmada, Nong: "Portrait - Rebel for the Sake of Women", http://www.quantara.de/webcom/show_article.php/_c-478/_nr-70/i- html?PHPSESSID=73662c2bc301de83d9b3269a7bf39f66, Bonn, 2004.

56 Neumann, Conny: "Raus aus dem Jungfrauenkäfig". In: Der Spiegel, Ausgabe 20, Hamburg, 2005, S.136.

57 Wikipedia: "Ayaan Hirsi Ali", http://de.wikipedia.org/wiki/Ayaan_Hirsi_Ali.

58 Vgl. Wikipedia: "Waris Dirie", http://de.wikipedia.org/wiki/waris_dirie, 2005.

59 Vgl. Kozmus, Janko: "Tahar Ben Jelloun", http://www.marabout.de/Ben_Jelloun/ben_jelloun.htm, Karlsruhe, 2004.

60 Spiller, Roland: Spiller, Roland: Tahar Ben Jelloun: Schreiben zwischen den Kulturen, Beiträge zur Romanistik, Bd. 4, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, 2000. S.204.

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Frauen im Spannungsfeld von islamischer Tradition und moderner Lebenswelt
Untertitel
Frauengestalten in ausgewählten Romanen von Tahar Ben Jelloun
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
102
Katalognummer
V86242
ISBN (eBook)
9783638909198
Dateigröße
2029 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Spannungsfeld, Tradition, Lebenswelt
Arbeit zitieren
Marion Musch (Autor), 2005, Frauen im Spannungsfeld von islamischer Tradition und moderner Lebenswelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86242

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