Zu "Don Carlos" von Friedrich Schiller


Hausarbeit, 2005

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Werk Don Carlos von Friedrich Schiller. Sie beginnt mit der Entstehungsgeschichte des Stückes, und fährt mit der Untersuchung der Strategien des Marquis Posa fort. Hierauf folgend soll das Werk auf seine dramatische Bauform hin untersucht werden. Die Arbeit schließt mit der Rezeptionsgeschichte des Stückes.

Entstehungsgeschichte

Friedrich Schiller arbeitete insgesamt über vier Jahre an seinem Stück Don Carlos. Nachdem Schiller 1782 aufgrund von einem Schreibverbot durch Karl Eugen aus Stuttgart nach Mannheim geflohen ist, erhielt er von dem Freiherrn von Dahlberg die ersten Hinweise auf die Quelle, dem Roman von St. Real „Histoire de Dom Carlos, fils de Philippe II“ (Amsterdam 1672). Schiller hielt sich zu dieser Zeit auf einem Gut in Bauerbach in Thüringen auf, wo auch sein erster Entwurf, der sogenannte Bauerbacher Entwurf als grobes Schema entstand. Schiller orientierte sich darin sehr stark an St. Real, so dass Don Carlos eher einer Familientragödie glich, in der Don Carlos und die Liebe zu seiner Stiefmutter Elisabeth im Vordergrund stand und Marquis Posa eher eine Nebenrolle spielte. 1783 begann Schiller in Mannheim, wo man ihn als Theaterdichter anstellte, an der Fertigstellung seines Stückes zu arbeiten. 1785 veröffentlichte die Zeitschrift Rheinische Thalia, deren Gründer Schiller war, Vorabdrucke des 1. Aktes aus Don Carlos . Diese Fassung näherte sich der Klassik, zum einen durch Verwendung des Blankverses, zum anderen durch die Streichung sehr emotionaler Passagen, die charakteristisch für Sturm und Drang waren. Des Weiteren stellte Schiller Posa immer mehr in den Vordergrund.

1785 zog Schiller nach Leipzig, wo er sein Drama fertig stellte, nachdem er die Gestalt von Philipp vertiefte und die große Masse an Stoff zu reduzieren versuchte. Die letzte Ausgabe von 1805, die man heute liest, ist somit um 900 Verse kürzer als die Urfassung von 1787. Das Buch Dom Karlos- Infant von Spanien wurde im Juni 1787 herausgegeben. Die abermals bearbeitete Form wurde im September desselben Jahres in Hamburg uraufgeführt. Die lange Entstehungszeit des Don Carlos rührt daher, dass Schiller während der Ausarbeitung des Stückes einen Wandel von der Sturm und Drang Phase zur Klassik und von der offenen zur geschlossenen Form des Dramas durchmachte. Den Wandel der Epochen bestätigen auch die inhaltlichen Aspekte, die von einem Vater- Sohn Konflikt, der typisch für Sturm und Drang war zu einem Konflikt der Gedanken der Aufklärung und des Absolutismus überging.[1]

Die Strategien des Marquis Posa

Die Figur des Marquis Posa wurde von Schiller weitgehend frei erfunden. Er wird in der Quelle St. Real nur kurz erwähnt und spielt für den realen Handlungsverlauf keine Rolle. In Schillers Stück wird Posas Charakter im Verlauf der Handlung immer wichtiger. Als Zuschauer wird zunächst angenommen, dass Schiller ihn als den Verkünder seiner Ideen einsetzt. Dies liegt daran, dass Posa durchweg rational und politisch handelt und als Identifikationsperson angesehen wird. Als zentraler Spielplatz für Posas Ideengehalt dient die 3. Szene.[2] Peter Andre Alt spricht in diesem Zusammenhang von einem Gedankenduell, aufgrund dessen das Drama auf ein psychologisches Gebiet übergeht. Ferner sieht er in Schillers Handeln ironische Züge, so zum Beispiel als der König, der eigentlich einen Menschen frei von Misstrauen gesucht hat, Posa dazu benutzt Carlos auszuspionieren. Dieses Vorgehen Philipps folgt den Regeln der staatsklugen Hofkunst. Die angesehensten Modelle hierzu wurden von Balthasar Gracians und Diego Saavedra entwickelt. Sie sollen dem Hofmann zeigen, wie er im Machtspiel der Kabinettsintrigen sein Ziel erreichen kann. Alt zählt als Mittel zur Durchsetzung seiner Interessen Techniken der Kunst der Verstellung und gezielten Desinformation, das Prinzip der Verschwiegenheit und viele weitere auf. Nach Gracians muss das Handeln einzelner Personen von Interesse her rühren um Wirkung zu zeigen. Unablässig ist es dabei, so Gracians, die Gemütslagen seiner Helfer zu kennen. Geht man nach Gracians Aussagen, erscheint es logisch, dass sich König Philipp Marquis Posa für seine Pläne aussucht.

Die Audienzszene schließt zu Gunsten Posas, der nach Anordnung Philipps in Zukunft ohne Anmeldung zum ihm darf. Posa versucht seinen Nutzen daraus zu ziehen. Der sich anschließende Akt ist der „Posa- Akt“ des Stückes, in dem Posa ein doppeltes Spiel spielt. Sein Hauptanliegen ist sein Freiheitsplan und die Rollen, die Elisabeth und Carlos dabei spielen sollen. Er vertraut sich der Königin an, nicht Carlos, da er ihm diese politische Intelligenz nicht zutraut. Dass Posa auch zu Elisabeth nur die halbe Wahrheit sagt, erfährt der Zuschauer im darauf folgenden Akt, in dem deutlich wird, dass Posa nicht nur wegen Mangel an politischer Substanz, sondern gleichsam an seiner Verschlossenheit scheitert. Als er sich entscheidet Carlos nicht in seine Pläne einzuweihen, wird dessen Argwohn weiterhin gesteigert, welches letztendlich die Ursache ist, die zur Katastrophe führt. Im 2. Akt klagt er Philipp an, dass Menschen für diesen bloße Mittel zum Zweck seien. Im 3. Akt handelt er jedoch ebenso unmoralisch, indem er Carlos nicht in seine Pläne einweiht. Er verlangt unter falscher Begründung die Brieftasche des Freundes und verrät ihm nichts von dem Plan Philipp auf Eboli anzusetzen um Carlos Liebe zu Elisabeth zu vertuschen. Posa folgt hierbei der Technik der Verstellung.

[...]


[1] Vgl. Hansjürgen Popp: Klett Lektürehilfen: Friedrich Schiller Don Carlos, Dresden 1992, S. 104f.

[2] Ebd., S. 73

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Zu "Don Carlos" von Friedrich Schiller
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Seminar für Deutsche Sprache und Literatur und deren Didaktik)
Veranstaltung
Schiller in Theorie und Praxis
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
8
Katalognummer
V86277
ISBN (eBook)
9783638016667
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Carlos, Friedrich, Schiller, Theorie, Praxis
Arbeit zitieren
Nina Lamprecht (Autor), 2005, Zu "Don Carlos" von Friedrich Schiller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86277

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