Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Falsche Meinung in Platons „Theaitetos"

Title: Falsche Meinung in Platons „Theaitetos"

Term Paper , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Carolin Catharina Wolf (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Platons Spätdialog ‚Theätet’ behandelt die Frage ‚Was ist Wissen?’ . Die Dialogpartner Sokrates und Theätet besprechen, prüfen und verwerfen bei der Untersuchung dieser Frage drei Thesen:

1. Wissen ist Wahrnehmung
2. Wissen ist wahre Meinung
3. Wissen ist wahre begründete Meinung…

Wenn der Vorschlag gemacht wird, dass es sich bei Wissen (beziehungsweise Erkenntnis) um wahre Meinung handelt, stellt sich die Frage ‚Was ist falsche Meinung’?
Sokrates und sein Gesprächspartner Theätet gehen davon aus, dass es solches ‚falsches Meinen’ gibt. Zu ersehen ist dies schon aus der Art und Weise, wie die Frage formuliert ist:

„Mich beunruhigt jetzt und auch sonst oft, und es bringt mich in große Verlegenheit mir selbst und einem anderen gegenüber, dass ich nicht erklären kann, was das eigentlich für ein Zustand in uns ist und wie er zustande kommt.“ (187d)

An anderer Stelle wir dies noch einmal explizit ausgesprochen:

„Sokrates: […] Behaupten wir, dass es jeweils eine falsche Meinung gibt […]? Theätet: Ja, das behaupten wir.“ (187e)

Es wird also keineswegs daran gezweifelt, dass falsche Meinung möglich sei. Dennoch soll zu erklären versucht werden, wie diese zustande kommen kann.
Die anschließende Untersuchung ist für den späteren Verlauf des ‚Theätet’ nicht von Bedeutung- es handelt sich um einen Exkurs, für dessen Ausführung nicht nur Muße, sondern vor allen Dingen innere Gründe ausschlaggebend sind.
Entscheidend für die Ausführung ist auch die Tatsache, dass philosophische Wahrheit nicht das Wahre an sich ist, sondern zugleich die Auflösung des Falschen. Um zu einer richtigen Meinung zu gelangen, muss also erst die falsche Meinung bestimmt und überwunden werden oder wie Spinoza es ausdrückt: „Est enim verum index sui et falsi.“
Wie also löst die richtige Meinung die ihr entgegenstehende falsche auf, beziehungsweise: Wie korrigiert sie sie?
Insgesamt werden fünf Erklärungsversuche für falsche Meinung angetreten.
Gleich zu Beginn dieser Untersuchung aber treten unerwartete Schwierigkeiten auf, weil die ersten drei Argumente, die Sokrates gegen die Annahme falscher Meinung ins Feld führt, auf fehlerhaften Prämissen beruhen.
Der vierte und der fünfte Erklärungsversuch- das Gleichnis vom Wachsblock und das Gleichnis vom Taubenschlag- sollen Abhilfe schaffen. Alleine auch hier tun sich Hindernisse auf, so dass Platons Bemühungen, falsche Meinung zu beschreiben weitgehend scheitern.

Im Folgenden sollen die von Platon behandelten Ansätze näher untersucht werden. Hierbei wird auf Schwachpunkte seiner Untersuchung aufmerksam gemacht werden; überdies hinaus interessiert aber auch die Frage, welche positiven Ansätze zur Beschreibung falscher Meinung der ‚Theätet’ bereits enthält. Ein Überblick über seinen direkt anschließenden Dialog ‚Sophistes’, in welchem eine solche Beschreibung entsprechend gelungen ist, soll in diesem Zusammenhang Aufschluss gebe

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Erster Ansatz (188a-c)

Zweiter Ansatz (188d-189b)

Dritter Ansatz (189c- 191a)

Zusammenfassung der ersten drei Ansätze

Vierter Ansatz: Das Wachstafelgleichnis oder die falsche Meinung in der Empirie (191a- 196e)

Fünfter Ansatz: Das Taubenschlaggleichnis oder die falsche Meinung im Felde des Mathematischen (197a-200d)

Sophistes

Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die erkenntnistheoretische Problematik der "falschen Meinung" in Platons Spätdialog "Theaitetos". Das Ziel ist es, die verschiedenen Erklärungsversuche Sokrates' und Theätets kritisch zu beleuchten, ihre Schwachstellen aufzuzeigen und die Ansätze zur Lösung der Frage, wie Irrtümer zustande kommen können, zu analysieren, wobei auch der Bezug zum Nachfolgedialog "Sophistes" hergestellt wird.

  • Analyse der fünf sukzessiven Erklärungsansätze für falsche Meinung bei Platon.
  • Kritische Untersuchung der Gleichnisse vom Wachsblock und vom Taubenschlag.
  • Die Problematik der Unterscheidung von Wissen, Meinen und Nichtwissen.
  • Die erkenntnistheoretische Einordnung von Rechenfehlern und Sinnestäuschungen.
  • Der Übergang zur Ideenlehre und zur sprachphilosophischen Lösung im "Sophistes".

Auszug aus dem Buch

Vierter Ansatz: Das Wachstafelgleichnis oder die falsche Meinung in der Empirie (191a-196e)

Im Gleichnis vom Wachsblock unterscheidet Sokrates zwei Hinsichten, in denen man sich auf dieselbe Sache beziehen, beziehungsweise dieselbe Sache kennen kann. Auf diese Weise ist es möglich, dass man einen Gegenstand sinnlich wahrnimmt, den man zwar kennt und theoretisch identifizieren können müsste, in gewisser Hinsicht aber auch nicht kennt und ihn somit als etwas anderes begreift, das man ebenfalls kennt.

Platon führt hier Ausdrücke in die Untersuchung ein, die er für seine ersten drei Erklärungsversuche falscher Meinung ausdrücklich ausgeklammert hat: Das Gedächtnis und das Erinnern. Lernen wird als Vorgang bezeichnet, der zwischen Wissen und Nichtwissen steht. (191c) Die Struktur dieses Erkenntnisvorgangs stellt sich folgendermaßen dar: Platon vergleicht das Erkenntnisorgan, die Seele mit einer leeren Wachstafel (191c), in die ähnlich einem Siegelabdruck- Abbilder wahrgenommener Gegenstände eingeprägt werden. Dieser Vorgang wird als Lernen bezeichnet. Wie gut jemand lernt, hängt von der Qualität des Wachses ab. In einigen Seelen sei dieses Wachs von guter Qualität und verfüge über die nötige Tiefe, was zur Folge habe, dass diese leicht lernen und das Gelernte für lange Zeit bewahren. Bei anderen Seelen sei das Wachs zu flüssig. Diese lernten zwar leicht, bewahrten aber nicht auf Dauer. Bei wieder anderen sei das Wachs spröde, deshalb präge sich in diese Seelen nichts recht ein.

Der Zustand, während dessen der Abdruck im Wachs eingeprägt bleibt, ist ein Zustand potentiellen, latenten beziehungsweise verfügbaren Wissens. Zur Bestimmung eines wahrgenommenen Gegenstandes kann das verfügbare Wissen nun wieder aufgenommen werden und zu dessen Bestimmung eingesetzt werden. (191e). Diesen Vorgang bezeichnet Platon als ‚Urteilen’. Dieses Urteilen entspricht also der Suche nach demjenigen Wachseindruck, der ein Abbild des wahrgenommenen Gegenstandes darstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung nach dem Wesen des Wissens ein und positioniert das Problem der "falschen Meinung" als notwendige Untersuchung innerhalb des Dialogs.

Erster Ansatz (188a-c): Sokrates prüft die These, dass man Gegenstände entweder kennt oder nicht kennt, was jedoch unter den gesetzten Prämissen keine falsche Meinung zulässt.

Zweiter Ansatz (188d-189b): Dieser Abschnitt untersucht die Identifikation von "falschem Meinen" mit dem "Meinen des Nicht-Seienden", was zu einem logischen Widerspruch führt.

Dritter Ansatz (189c- 191a): Falsche Meinung wird hier als "Anders-Urteilen" (Verwechslung) definiert, wobei das Problem der Gleichsetzung von Kennen und Wissen bestehen bleibt.

Zusammenfassung der ersten drei Ansätze: Das Kapitel rekapituliert die methodischen Schwachstellen der bisherigen Argumente, insbesondere die fehlerhafte Analogie zwischen Wahrnehmung und Denken.

Vierter Ansatz: Das Wachstafelgleichnis oder die falsche Meinung in der Empirie (191a-196e): Platon führt das Modell der Wachstafel ein, um falsche Meinung als fehlerhafte Zuordnung von Sinneseindrücken zu Gedächtnisabdrücken zu erklären.

Fünfter Ansatz: Das Taubenschlaggleichnis oder die falsche Meinung im Felde des Mathematischen (197a-200d): Zur Erklärung von Irrtümern im mathematischen Bereich wird das Taubenschlagmodell genutzt, das jedoch erneut in erkenntnistheoretische Probleme führt.

Sophistes: Das Kapitel erörtert die Fortführung der Thematik im Dialog "Sophistes", wo durch die Anerkennung des "Anders-Seins" eine Lösung für die Möglichkeit falscher Aussagen gefunden wird.

Schlussbetrachtungen: Eine abschließende Synthese verdeutlicht, dass die Analysen im "Theaitetos" trotz ihrer Aporien wichtige Vorarbeiten für Platons spätere Erkenntnistheorie leisten.

Schlüsselwörter

Platon, Theaitetos, falsche Meinung, Wissen, Erkenntnistheorie, Wachstafelgleichnis, Taubenschlaggleichnis, Irrtum, Wahrnehmung, Erinnerung, Anamnesis, Sophistes, Anders-Sein, Erkenntnismodell, Dialog

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die erkenntnistheoretischen Bemühungen Platons in seinem Dialog "Theaitetos", eine konsistente Erklärung für das Phänomen der "falschen Meinung" zu finden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Struktur des Erkenntnisvorgangs, die Unterscheidung zwischen Wissen und Meinen sowie die Analyse platonischer Gleichnisse zur Erklärung menschlicher Irrtümer.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die kritische Analyse der fünf aufeinanderfolgenden Ansätze Platons zur Definition falscher Meinung und die Aufdeckung der Gründe für das jeweilige Scheitern dieser Argumentationsversuche.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Interpretation eines Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zur platonischen Erkenntnistheorie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der drei initialen Ansätze, der zwei großen Gleichnisse (Wachstafel und Taubenschlag) sowie einen Ausblick auf die im "Sophistes" entwickelte Lösung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Platon, Theaitetos, Erkenntnistheorie, falsche Meinung, Wachstafelgleichnis und Anamnesis definieren.

Inwiefern scheitert die Erklärung im Taubenschlaggleichnis?

Das Taubenschlaggleichnis führt zu einem infiniten Regress, da zur Unterscheidung von Wissen und Unkenntnis beim "Ergreifen" der Erkenntnisse stets ein höherstufiges Kriterium erforderlich wäre.

Warum spielt der Dialog "Sophistes" eine wichtige Rolle für die Schlussfolgerung?

Der "Sophistes" liefert die entscheidende philosophische Wende, indem das "Nicht-Sein" als "Anders-Sein" neu interpretiert wird, wodurch falsche Aussagen widerspruchsfrei als logisch möglich begründet werden können.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
Falsche Meinung in Platons „Theaitetos"
College
University of Heidelberg
Grade
1,7
Author
Carolin Catharina Wolf (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V86312
ISBN (eBook)
9783638018142
ISBN (Book)
9783638920728
Language
German
Tags
Falsche Meinung Platons
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carolin Catharina Wolf (Author), 2007, Falsche Meinung in Platons „Theaitetos", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86312
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  22  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint