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Die Belebung der dichterischen Szene durch Personifizierung und allegorische Gestalten bei Walther von der Vogelweide

Title: Die Belebung der dichterischen Szene durch Personifizierung und allegorische Gestalten bei Walther von der Vogelweide

Seminar Paper , 2002 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: mag.a Cornelia Gugganig (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Einer der Aspekte, die das Werk Walthers von der Vogelweide so besonders machen, ist sein Darstellungsstil, die Lebendigkeit seines Ausdrucks. Es gelingt ihm oft nur in wenigen Zeilen, Sachverhalte sehr verständlich und vor allem eindringlich und leicht merkbar darzulegen. Um das zu erreichen, arbeitet Walther mit Stilmitteln wie Wortwiederholungen, Antithesen, Zweier- und Dreierfiguren, rhetorischen Fragen, neuen Wortschöpfungen - und Allegorien und Personifikationen.
Die Allegorie als Stilmittel gibt es seit der Antike. Der Begriff selbst kommt aus dem Altgriechischen: bedeutet wörtlich ‚ich sage etwas anderes’ und nimmt ursprünglich vor allem Bezug auf durchgängige Verwendung von Metaphern.
Eine Allegorie ist insofern eine fortlaufende Metapher, als in ihr ein abstrakter Begriff oder Vorgang verbildlicht wird. Der jeweilige Text enthält außer dieser bildhaften, offensichtlichen Ebene noch eine zweite, die parallel läuft und die eigentlich bedeutungstragende ist. Eine Allegorie kann einerseits dazu dienen, einen Text lebendiger und einprägsamer zu gestalten, andererseits kann mit ihrer Hilfe auch z.B. Kritik in verschlüsselter Form zum Ausdruck gebracht werden.
Von einer Personifikation spricht man, wenn ein anstrakter Begriff, wie z. B. Tugend oder Tod, aber auch Gegenstände, Länder oder anderes als real handelnde oder sprechende Personen vorgeführt werden. Sie ist eine Form der Metapher und kann somit die Basis für eine Allegorie bilden.
Diese Dinge gehörten wie andere Stilmittel auch natürlich schon zum Handwerkszeug der Minnesänger und Spruchdichter vor Walther, und er selbst bedient sich immer wieder aus dem Arsenal an Stilfiguren und Topoi seiner Vorgänger. Anderes scheint Walther zum ersten Mal aufzubringen, wie zum Beispiel die Personifikation der „Frau Minne“. Für solche Personifikationen gibt es in der Minnelyrik vor Walther kaum Belege. Eine personifizierte Minne begegnet zwar schon bei Friedrich von Hausen , in Verbindung mit der höfischen Dame als frouwe Minne scheint sie aber erst bei Walther auf und ist wohl auch seine eigene Erfindung.
Innerhalb von Walthers Werk ist eine Genese verschiedener allegorischer Figuren aus wörtlich genommenen Sprichwörtern über Personifikationen bis hin zu so plastischen und mehrdeutigen Figuren wie der Frau Welt festzustellen.
Solche Allegorien kommen sowohl in der Spruch- als auch in der Minnelyrik Walthers vor. Beginnen möchte ich nach einer kurzen Begriffsdefinition mit der Spruchlyrik Walthers, weil gerade sie besonders reich an Allegorien und Personifikationen verschiedenster Art ist. Das zweite Teil meiner Arbeit beschäftigt sich mit der Minnelyrik und den dort immer wieder vor allem in Verbindung mit dem Titel frouwe auftretenden Personifikationen. In dieser Arbeit soll behandelt werden, was sie zum Ausdruck bringen, und warum Walther sich ihrer bedient

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Spruchlyrik

II.1. Der Klausner

II.1.1. Im Reichston (L 9,16)

II.1.2. Im Unmutston (L 34,24)

II.1.3. Im Kaiser-Friedrichs-Ton (L 10,33)

II.2. Der Opferstock (L 24,14)

II.3. Die Magdeburger Weihnacht (L 19,5)

II.4. Spießbratenspruch (L 17,11)

II.5. Frau Bohne (L17,25)

II.6. Der Wiener Hof (L 24,33)

II.7. Personifikation der Welt (L 21,10)

II.8. Weitere Beispiele

II.8.1. Gegenstände

II.8.1.1. Der Garten (101,3)

II.8.1.2. Die Kerze (L 84,30)

II.8.2. Ideelle Werte

II.8.2.1. Besitz (L31,13)

II.8.2.2. Todsünden (L 23,16)

II.8.2.3. Herrschertugenden (L 102,15)

II.8.2.4. Unmâze (L 80,19)

II.8.2.5. Minne (L 102,1)

III. Liedlyrik

III.1. Frau Welt

III.1.1. Frühere Personifikationen der Welt (L 116, 33; L 59, 37; L 66, 21)

III.1.2. Weltabkehr (L 100,24)

III.2. Frau Minne

III.2.1. Die Frau Minne als Richterin (L 13,33; L 40,19)

III.2.2. Die Minne als Mittlerin (L 55,26)

III.2.3. Die Minne als Kriegerin – Verwundung durch Minne (L 40,19)

III.2.4. Die Minne als „alte Kokette“ (L 57,23)

III.3. Frau Saelde (L 42,15; L 55,26)

III.4. Frau Mâze (L 46,32)

III.5. Frau Unvuoge (L 64,31)

III.6. Jahreszeiten

III.6.1 Der Mai (L 51,13; L 45,37)

III.6.2. Sommer (L64,17; L 76,10)

III.6.3. Winter (L 39,1)

III.7. Tag (L88,16)

III.8. Der Klausner II (L 62,6)

IV. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die innovative Verwendung von Allegorien und Personifikationen im Werk von Walther von der Vogelweide. Das primäre Ziel besteht darin zu analysieren, wie Walther diese Stilmittel einsetzt, um abstrakte Begriffe oder gesellschaftliche Zustände lebendig und eindringlich darzustellen, und welche Funktionen diese Figuren in seiner Spruch- und Liedlyrik erfüllen.

  • Evolution allegorischer Figuren vom traditionellen Erbe zur persönlichen Innovation.
  • Die Funktion des "Klausners" als moralische Instanz in der Spruchlyrik.
  • Die Ambivalenz und Vielschichtigkeit der "Frau Welt" als zentrale Allegorie.
  • Personifizierte Tugenden, Laster und Werte in Walthers didaktischer Dichtung.
  • Weibliche Personifikationen in der Minnelyrik als Spiegelbild gesellschaftlicher Reflexion.

Auszug aus dem Buch

II.2. Der Opferstock (L 24,14)

In der sogenannten zweiten Opferstockstrophe im Unmutston (L 24,14) bezieht sich Walther auf die Opferstöcke, die Innozenz III Ostern 1213 in allen größeren Kirchen im Reich hat aufstellen lassen. Sie sollten dazu dienen, einen Kreuzzug zu finanzieren,– vorgeblich, wie Walther vermutet. Der Papst will sich seiner Meinung nach nur an der brav zahlenden Christenheit bereichern.

Walther kritisiert hier also nicht die Idee der Kreuzzüge an sich, sondern Innozenz’ seiner Ansicht nach inkonsequente Ausführung derselben. Während in der vorangehenden ersten Opferstockstrophe der Papst scheinbar zu sich selbst über seine raffgierigen Absichten spricht, wird hier der Opferstock als hêr stoc personifiziert. Er verkörpert die Habgier des Papstes. Walthers lyrisches Ich spricht diesen Opferstock direkt an und stellt ihn und die Absichten des Papstes durch höhnische Fragen vor der Zuhörerschaft bloß. Der Stock wird vorgeführt wie ein Mensch, wird auch als ein solcher angesprochen. Hêr als Anrede für einen Adeligen unterstreicht die Ironie und den Spott nur noch. Der Stock bekommt keine Gelegenheit, auf die Vorwürfe an ihn zu antworten, was impliziert, daß er die Absichten des Papstes nicht mehr leugnen kann, nachdem Walther sie nun aufgedeckt hat.

Was Walther nicht erwähnt, sind die tatsächliche Kreuzzugabsicht des Papstes und seine Vorkehrungen zur Sicherheit der Opferstöcke. Wie die vorangehende erste Opferstockstrophe ist die zweite aggressiv antiklerikal. Da ist kein Platz für solche Zugeständnisse.

Zusammenfassung der Kapitel

II. Die Spruchlyrik: Dieses Kapitel analysiert die häufige Verwendung von Allegorien in Walthers Mahn- und Scheltlyrik, wobei insbesondere der Klausner als Idealbild sowie verschiedene soziale Werte und politische Anlässe im Fokus stehen.

III. Liedlyrik: In diesem Abschnitt wird die innovative Personifizierung weiblicher Gestalten wie Frau Welt, Frau Minne oder Frau Saelde untersucht, die über die Konventionen des Minnesangs hinausgehen.

IV. Zusammenfassung: Das Fazit fasst zusammen, dass Walther Traditionen aufgriff, diese jedoch durch eine zwanglose und lebendige Einbindung von Allegorien und Personifikationen maßgeblich weiterentwickelte, um bei politischer oder persönlicher Betroffenheit Dringlichkeit zu erzeugen.

Schlüsselwörter

Walther von der Vogelweide, Personifikation, Allegorie, Spruchlyrik, Liedlyrik, Frau Welt, Frau Minne, Klausner, Opferstock, Mittelalter, Minnelyrik, Dichtung, Stilmittel, höfische Gesellschaft, Didaktik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Gebrauch von Allegorien und Personifikationen bei Walther von der Vogelweide, insbesondere wie diese Stilmittel zur Belebung der dichterischen Szene und zum Ausdruck persönlicher und gesellschaftlicher Anliegen eingesetzt werden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung zwischen der Spruchlyrik, die oft politische Kritik übt, und der Minnelyrik, die persönliche Empfindungen sowie das Verhältnis zur höfischen Welt reflektiert.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Walther durch die Personifikation von abstrakten Werten, Gegenständen oder theologischen Begriffen seine Dichtung lebendiger und einprägsamer gestaltet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, um die verschiedenen Allegorien und Personifikationen in ihrem jeweiligen historischen und literarischen Kontext bei Walther von der Vogelweide zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Spruchlyrik (u.a. Klausner, Opferstock, Magdeburger Weihnacht) und der Liedlyrik, in der insbesondere die verschiedenen Rollen der Frau Minne und der Frau Welt beleuchtet werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Allegorie, Personifikation, Spruchlyrik, Minnelyrik, Walther von der Vogelweide, didaktische Dichtung und gesellschaftliche Reflexion.

Warum spielt die Figur des "Klausners" eine so zentrale Rolle?

Der Klausner fungiert als Gegenbild zum korrupten Klerus und dient Walther als moralische Instanz, die aufgrund ihrer Abgeschiedenheit eine höhere Autorität für Kritik besitzt als der Dichter selbst.

Was unterscheidet Walthers Umgang mit "Frau Welt" von seinen Vorgängern?

Walther entwickelt die Figur der Frau Welt zu einer vieldeutigen Allegorie, die nicht nur eine abstrakte Gefahr darstellt, sondern als "frouwe" in den Kontext der höfischen Welt tritt und somit komplexe Identitätsfragen des Dichters widerspiegelt.

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Details

Title
Die Belebung der dichterischen Szene durch Personifizierung und allegorische Gestalten bei Walther von der Vogelweide
College
University of Graz  (Germanistik)
Grade
1,0
Author
mag.a Cornelia Gugganig (Author)
Publication Year
2002
Pages
29
Catalog Number
V86336
ISBN (eBook)
9783638018548
Language
German
Tags
Belebung Szene Personifizierung Gestalten Walther Vogelweide
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
mag.a Cornelia Gugganig (Author), 2002, Die Belebung der dichterischen Szene durch Personifizierung und allegorische Gestalten bei Walther von der Vogelweide, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86336
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