Ein wesentlicher Bestandteil einer guten Violinausbildung ist das Erlernen der gesamten Bogentechnik. Der Begriff Bogentechnik umfasst alle denkbaren Möglichkeiten, den Bogen auf der Violine zu streichen und ist die Lehre der rechtsarmigen Bewegungsabläufe beim Violinspiel. Neben der Bogentechnik ist die Technik der linken Hand die zweite entscheidende Komponente, die zum Violinspiel benötigt wird.
In der Fachliteratur findet man nur wenig umfassendes, fundiertes Material zur Bogentechnik, besonders zum Spiccato. In vielen Büchern über das Violinspiel, oder konkret über die Bogenführung, stehen nur sehr kurze Artikel über das Spiccato, in denen meistens die Strichart Spiccato nur unzulänglich dargestellt wird. Schaut man sich verschiedene Violinschulen für den Anfängerunterricht heutiger Zeit an, wird man ebenfalls nicht viel mehr Material entdecken. Man wird feststellen, dass sich annähernd jede Schule primär mit der Technik der linken Hand befasst. Bogentechnik scheint im Anfängerunterricht keine bedeutende Rolle zu spielen. Die meisten Schulen begnügen sich damit, dass der Schüler einen einigermaßen „kratzfreien“ Détachéstrich lernt und ergänzend ein, zwei andere Stricharten.
Das Wort Spiccato durchläuft von seiner Entstehung bis heute eine interessante Veränderung und wird mit der Weiterentwicklung des Violinbogens immer bedeutsamer.
Überhaupt ist es sehr interessant zu sehen, wie und warum sich Stricharten entwickelt haben. Dies wird im 2. Kapitel der Arbeit, neben Erläuterungen zur Entwicklung des Violinbogens, ausführlich dargelegt. Der didaktische Aspekt wird im 3. und 4. Kapitel aufgezeigt. Sowohl Körperbewusstsein, als auch ökonomische Körperbewegungen gehören zum Erlernen des Spiccatos dazu, da das Geigenspiel immer die Ganzheitlichkeit des Körpers und der Sinne erfordert. Darüber hinaus nimmt die Frage nach der Natürlichkeit in den Bewegungsabläufen beim Violinspiel einen wichtigen Stellenwert ein, der ausführlich erörtert wird. Diese Aspekte der Körper- und Bewegungsschulung sollten gerade heute einen wesentlichen Teil des Instrumentalunterrichts bilden, um der ganzheitlichen Schulung gerecht zu werden.
Über konkrete Übungen und gezielte Anregungen für Violinpädagogen, die das Spiccato lehren wollen, gibt es Fachliteratur von Sheila Nelson, Simon Fischer und Paul Rolland. Sie geben in ihren Werken einige wertvolle Tipps, die hier teilweise verwendet, weiter ausgeführt und in neue Kontexte gestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
1. Etymologie des Wortes Spiccato – Ursprung und Begriffsdefinition
2. Organologische Betrachtung springender Stricharten auf verschiedenen Bögen von 1500 bis heute
3. Körperwahrnehmung als Voraussetzung für springende Stricharten
3.1 Körperhaltung und -bewegung
3.2 Bogenhaltung
3.3 Bogenführung
4. Methodik springender Stricharten
4.1 Spiccato
4.2 Sautillé
4.3 Übungsmaterial, Etüden (Auswahl)
Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spiccato als eine zentrale, jedoch wissenschaftlich bisher wenig fundiert beleuchtete Strichart der Violine. Das primäre Ziel ist es, den Ursprung und die Entwicklung des Spiccatos im Kontext der Bogenbaugeschichte darzulegen und didaktische Ansätze für eine erfolgreiche Vermittlung sowie die körperlichen Voraussetzungen für eine gesunde und ökonomische Ausführung zu erarbeiten.
- Historische Herleitung des Begriffes Spiccato und seine begriffliche Wandlung
- Die Entwicklung des Violinbogens und ihre Auswirkungen auf die Spieltechnik
- Physiologische Grundlagen der Körperhaltung und Körperwahrnehmung beim Violinspiel
- Methodische Aspekte und praktische Übungsansätze für Spiccato und Sautillé
Auszug aus dem Buch
1. Etymologie des Wortes Spiccato – Ursprung und Begriffsdefinition
Das Wort Spiccato ist italienisch und stammt von dem Verb ‚spiccare’ – ‚trennen’ ab. Grammatikalisch hat es die Form eines Partizip Perfekts (Endung: -ato) und kann daher mit ‚getrennt’ übersetzt werden. Etymologisch setzt sich Spiccato aus dem Buchstaben ‚s’- und ‚piccare’ zusammen, wobei das Wort ‚piccare’ der lateinische Infinitiv Präsens ist und soviel wie ‚(auf)picken, pflücken’ bedeutet. Der Buchstabe ‚s’ wurde dem ‚piccare’ im Laufe der Entwicklung vorangestellt.
Die Bedeutung des Wortes Spiccato hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, zusammenhängend mit den technischen Entwicklungen des Bogens, der differenzierten Erkenntnis über das Geigenspiel allgemein und über verschiedene Bewegungsabläufe des Bogens und des ausführenden Arms.
Das Wort Spiccato taucht bereits im 17. Jahrhundert in verschiedenen Musiklexika auf und bedeutet zunächst allgemein, dass einzelne Töne getrennt voneinander gespielt werden sollen. „Wo höhere Grade der Trennung, als das non-legato des normalen Bogenstrichs des 17. Jahrhunderts angestrebt wurde, wurden sie entweder durch solche Ausdrücke wie staccato oder spiccato (die scheinbar damals gleichbedeutend waren) oder durch besondere Zeichen angezeigt, von denen ein Punkt (.) oder senkrechter Strich (|) oberhalb oder unterhalb der Note die häufigsten waren.“ Wie aus diesem Zitat deutlich wird, machte man keine Unterscheidung zwischen Staccato, früher auch Stoccato genannt, und Spiccato; die beiden Begriffe waren somit gleichbedeutend.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Die Autorin erläutert die Motivation für diese wissenschaftliche Arbeit und dankt den Unterstützern, die ihr Zugang zu historischen Bögen und didaktischem Austausch ermöglichten.
Einleitung: Es wird die zentrale Bedeutung der Bogentechnik betont und kritisiert, dass fundierte Literatur zum Spiccato im Unterricht oft vernachlässigt wird.
1. Etymologie des Wortes Spiccato – Ursprung und Begriffsdefinition: Untersuchung der sprachlichen Wurzeln und der historischen Bedeutungswandlung des Begriffs in der Musiktheorie.
2. Organologische Betrachtung springender Stricharten auf verschiedenen Bögen von 1500 bis heute: Analyse der technischen Bogenentwicklung von der Barockzeit bis zum modernen Bogen und deren Einfluss auf die Stricharten.
3. Körperwahrnehmung als Voraussetzung für springende Stricharten: Didaktische Herleitung der Notwendigkeit von Entspannung und Körperkoordination für die Beherrschung komplexer Stricharten.
4. Methodik springender Stricharten: Detaillierte methodische Anleitung zum Erlernen von Spiccato und Sautillé sowie eine kuratierte Zusammenstellung von Übungsmaterial und Etüden.
Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über den Zusammenhang von Bogenentwicklung, körperlicher Entspannung und technischer Meisterschaft im Violinspiel.
Schlüsselwörter
Spiccato, Sautillé, Violinbogen, Bogentechnik, Geigenpädagogik, Körperwahrnehmung, Bogenhaltung, Musikgeschichte, Körperbewegung, Streichinstrumente, Didaktik, Saiteninstrumente, Spieltechnik, Bogenführung, Violinspiel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung der Strichart Spiccato auf der Violine unter Berücksichtigung historischer, technischer und pädagogischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Etymologie des Begriffs, die organologische Entwicklung des Bogens, die physiologischen Voraussetzungen für den Spieler sowie methodische Übungsansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Spiccato als komplexe Strichart durch eine ganzheitliche Betrachtung – von der historischen Bogenentwicklung bis zur modernen körperorientierten Didaktik – für Violinpädagogen praxisorientiert aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit historisch-musikwissenschaftlichen Erkenntnissen und methodischen Erfahrungen aus der eigenen pädagogischen Praxis.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Bogeninstrumente, die Bedeutung der Körperwahrnehmung und eine konkrete methodische Aufbereitung für den Unterricht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Spiccato, Sautillé, Violinbogen, Körperwahrnehmung und Geigenpädagogik beschreiben.
Warum ist die Entwicklung des Bogens für das Spiccato so entscheidend?
Die Bogenentwicklung, insbesondere der Übergang zur konkaven Krümmung und die Gewichtsverlagerung durch den Hammer- bzw. Beilkopf, schuf erst die mechanischen Voraussetzungen, damit der Bogen auf der Saite natürlich federn kann.
Welche Rolle spielt die Körperwahrnehmung beim Erlernen dieser Stricharten?
Eine entspannte Körperhaltung und bewusste Körperimpulse sind essentiell, um Verspannungen zu vermeiden und eine freie Armbewegung zu ermöglichen, die für das elastische Springen des Bogens notwendig ist.
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- Rebecca Martin (Author), 2006, Das Spiccato. Eine violinspezifische Untersuchung in organologischem und didaktischem Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86345